Zweiter Anlauf: Tony Yoka vs Carlos Takam

Zweiter Anlauf: Tony Yoka vs Carlos Takam

Nun also doch Takam. Eine Begegnung zwischen ‚La Conquete‘ und Takam war bereits für das vergangene Jahr geplant, doch Takam verletzte sich am Handgelenk und Martin Bakole sprang ein. Mit dem bekannten Ergebnis.

Das, was Boxexperten und -fans von Tony Yoka erwartet hatten, blieb aus. Stattdessen war es Martin Bakole, der dem Kampf seinen Stempel aufdrückte und Yoka förmlich überrollte. Der 28-jährige „Wahl-Schotte“ fügte Heimboxer Yoka die erste Niederlage seiner Profikarriere zu, hatte Yoka im Lauf des auf 10 Runden angesetzten Kampfes sogar zweimal am Boden.

Das abschließende Punkturteil der drei französischen Punktrichter mehr als fragwürdig:  Bertrand Chagnoux wertete 94:94 auf seinem Punktzettel, Smail Alitouche war mit 96:92 immerhin noch näher an den Tatsachen als Ammar Sakraoui, der es 95:93 für Martin Bakole hatte.

Dennoch ein klarer Sieg für Bakole. „Punishment in Paris“ titelte dann auch ein TV-Kommentator. Und nun bleibt abzuwarten, wie sich die französische Schwergewichtshoffnung gegen den mittlerweile 42 Jahre alten Carlos Takam verkaufen wird. Am 11. März soll die Begegnung in Paris über die Bühne gehen.

Eine Gelegenheit für Tony Yoka – so heißt es – sich wieder ins Spiel zu bringen. Und ein Kampf, den er eigentlich klar gewinnen muss. Ob Carlos Takam mittlerweile ein Gatekeeper ist, darüber sind sich die Boxfans uneinig. Fakt ist: in der Vergangenheit hat er Joseph Parker, Alexander Povetkin und Anthony Joshua gute Kämpfe geliefert, zuletzt mit Joe Joyce und Arslanbek Makhmudov den Ring geteilt. Der Letztere konnte den in Kamerun geborenen Takam im September 2022 zwar nach Punkten besiegen, Takam war allerdings der erste Gegner, der mit ‚The Lion‘ über die Runden ging.

„Ich muss hart sein, das erwarten die Leute von mir, mit Elan zurückkommen, mit einem großen Kampf und zeigen, dass der Kampf gegen Bakole ein Fehler war!“ hat Yoka in einem Interview erklärt.

Und zumindest in der Theorie hat der 30-jährige die Vorteile auf seiner Seite: er ist jünger, hat eine größere Reichweite und ist ein guter Techniker. Natürlich stellt sich die Frage, wie und ob Yoka die Niederlage gegen Bakole – die erste seiner Profikarriere – verkraftet hat. 

Dazu kommt noch etwas anderes: ist Yoka überhaupt motiviert genug, sich einen Platz in der ersten Reihe zu erkämpfen? Bob Arum bezweifelt das: „Er hat die körperlichen Qualitäten. Eine angeborene Fähigkeit, ein Elite-Schwergewicht zu sein. Und er hat, dachte ich, diesen Wunsch, der Beste zu sein. Heute bin ich mir bei diesem letzten Punkt nicht mehr sicher. Tony hat Talent, aber hat er diesen absoluten Wunsch, Champion zu werden?“

Schon unmittelbar nach der Niederlage von Yoka gegen Martin Bakole hatte Arum erklärt: „Yoka hat bekommen, was er verdient hat. Er hat sich nicht ernsthaft vorbereitet. Boxen ist ein harter Sport. Es ist notwendig, hart zu arbeiten. Er tat es nicht, also wurde er geschlagen. So einfach ist das!“

Yoka selber hat Respekt vor der kommenden Aufgabe: „Carlos Takam ist ein ernstzunehmender Gegner. Man kann sagen, er ist ein Tor zu den Top 10 der Welt. Er ist ein sehr starker Gegner, was Ranking und Level betrifft, potenziell der stärkste, dem ich bisher begegnet bin.“

Was glauben die Leser von Boxen.de: ist Yoka der Aufgabe gewachsen? Oder setzt sich der „alte Hase“ Carlos Takam durch?

21 Gedanken zu “Zweiter Anlauf: Tony Yoka vs Carlos Takam

  1. Der Kampf macht Sinn. #1 vs #2 in Frankreich. Es gibt Kohle, Yoka könnte sich Selbstbewusstsein zurückholen und Trainer bzw. Promotor können einen Eindruck der Motivation Yokas bekommen. Entweder hat ihn der Kampf gegen Bakole wachgerüttelt und er will es nun allen beweisen oder er wird an seiner eigenen Arroganz scheitern. Sollte er Yoka erfolgreich sein, würde meines Erachtens ein Kampf gegen Zhang Sinn machen, um ihn dann vllt sogar für ein Rematch mit Bakole ins Spiel zu bringen. Einen WM Kampf oder gar einen Eliminatior sehe ich für Yoka frühestens in 3-4 Kämpfen.

    1. Eigentlich bringt Yoka alles mit um ganz Vorne mitspielen. Sein Problem imho das er eigentlich gar kein großer Fighter ist. Ihm fehlt augenscheinlich die Lust am Kämpfen. Takam ist jetzt auch schon 42. Denke Bakole hätte Yokas Durchbruch werden können. Eine Niederlage machen noch keine Krise aus, aber Tony muss aufpassen das er die Kurve noch mal kriegt.

      Die Kampfansetzung an sich ist nicht so dolle. Takam wird versuchen sich durch zu brawlen und über Hookshots Yoka mürbe zu schlagen. Yoka wird seine Reichweitenvorteile nutzen und viel mit dem Jab arbeiten. Hoffe für Yoka das er bei al dem jabben nicht vergisst da Takam für kurze harte Hände aus der Mitte sehr empfänglich ist…………

        1. Gut möglich. Aber Takam ist trotz 3 oder 4 Niederschlägen auch mit Makhmudov über die Runden gegangen. Denke Yoka haut nicht so dolle zu wie Makhmudov. Takam ist kein Gradmesser oder Gatekeeper mehr. Er wird versuchen sich so teuer wie möglich zu verkaufen um noch als Journeyman Geld zu machen. Im Grunde ist er ist nur noch so eine Art kamerunisch-französischer Del Boy. Nur das Del gerade nen fetten Payday hatte und hoffentlich endlich zurücktreten wird. Vor 7-8 Jahren hätte ich Takam sogar ne gute Chance eingeräumt…………..

    1. Schreiberling, das ist ja noch sehr zurückhaltende Kritik im Vergleich zu dem, was du ansonsten gegen Prospects wie Filip Hrgovic losfeuerst. Aber Unrecht hast Du in dem Fall nicht. Yoka, ein Modellathlet im Schwergewicht, dachte als Lokalmatador wird er Bakole vorführen. Von wegen.
      Und auch Filip Hrgovic dachte, er würde den im Vorfeld schwerfällig wirkenden Chinesen mal eben ausboxen. Mit dem großen Unterschied, dass Filip es noch geschafft hat, die Kurve zu kriegen. Und Yoka eben nicht.

        1. Wie auch immer, nehme ich dir nicht zu 100% ab, aber egal. Etwas Respekt ist immerhin für El Animal noch da.

          Trotzdem weiter so, Schreiberling. Ich bin froh, dass es noch so eine Platform gibt, in der sich (größtenteils echte) Boxfans konstruktiv austauschen können und auch Eure Berichte haben Substanz.

          By the way: Das waren noch Zeiten mit ARD und auch ZDF, als das deutsche Boxen noch was wert war. Kommt leider nie wieder

          1. „Aber, aber … tief im Inneren bin ich doch Hrgovic-Fanboy … irgendwo …“
            Ich wusste es!!! 😀 😀 😀

            „Trotzdem weiter so, Schreiberling. Ich bin froh, dass es noch so eine Platform gibt, in der sich (größtenteils echte) Boxfans konstruktiv austauschen können und auch Eure Berichte haben Substanz.“
            Kann man so unterschreiben…

  2. Denke mal, nach Yokas überraschender Niederlage und Takams respektabler Leistung gegen den Löwen eine ganz passable Ansetzung:
    Sollte für Yoka auf jeden Fall machbar sein, aber er muss jetzt auf jeden Fall liefern, vorzugsweise vorzeitig. Ein überzeugender Sieg würde helfen, die Niederlage als Ausrutscher abzuhaken, alles andere käme einer Katastrophe nahe.
    Denke mal, dass das Problem bei Makhmudov einerseits war, dass er Takam im Vorfeld (nach dessen vorzeitiger Niederlage gegen den Juggernaut) unterschätzt hat und sich dann vllt. auch selbst zu sehr unter Druck gesetzt hat, weil er wahrscheinlich kein schlechteres Ergebnis abliefern wollte als Joyce…

    1. Gut zusammen gebracht. Denke aber der Juggernaut auch zu stark für Makhmudov sein dürfte. Jedenfalls freue ich mich darauf ihn und Sanchez über die nächsten Jahre in größere Aufgaben hinein wachsen zu sehen……………….

      1. Sehe den Joyce auf jeden Fall auch als das komplettere Gesamtpaket im Vergleich zu Makhmudov.
        Natürlich könnte man auch gegen Joyce argumentieren, dass Parker ein unmotivierter Past-Prime-Bridger war, der auch schon gegen Chisora am Boden war und Dubois zwar ordentlich austeilen kann, aber auch im letzten Fight nicht wirklich durch allzu gute Nehmerqualitäten geglänzt hat: Dennoch muss mal Parker erstmal so dominieren und verprügeln, und auch die „Durchhänger“ von Dubois im letzten Fight könnte man auch als (mentale) Folgeschäden der Juggernautenschellen interprätieren…

          1. War natürlich sehr überspitzt dargestellt:
            Dass er seine beste Zeit hinter sich hat, sehe ich eig. schon so. Denke auch, dass er nach der Niederlage gegen Joshua Motivationsprobleme hatte. Und physisch ist Joyce eben schon nochmal ein anderes Kaliber, sodass schon abzusehen war, dass Parker bei so einer Materialschlacht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit den Kürzeren ziehen wird. Natürlich würde ich Parker dennoch nach wie vor gegen die allermeisten Gegner bis auf die (absolute) Weltspitze nach wie vor als Favoriten sehen.

      1. Naja, hatte bei Duhaupas eig. schon auch damit gerechnet, dass er Yoka über einige Runden das Leben schwer machen könnte und war dann doch sehr überrascht über den Blitz-KO…
        …aber Duhaupas war wahrscheinlich auch einfach schon zu alt und zu „verbraucht“…

    2. Btw, die Niederlage kann man mMn nicht als Ausrutscher abhaken..
      Es ist ja nicht so, dass er in einen lucky punch gelaufen ist oder einfach gegen die absolute Elite im Ring stand..
      Er war physisch komplett unterlegen und wurde von Bakole dominiert und demontiert.. Runde für Runde..

      1. Muss tatsächlich gestehen, dass ich den Fight nicht gesehen habe, meinte aber auch eher, dass er vllt. wirklich sehr schlecht vorbereitet war. Allerdings muss man natürlich auch sagen, dass ein Fighter, der sich nicht optimal vorbereitet, weil er sich vllt. auf sein Talent verlässt, im Normalfall an der Weltspitze auch nichts zu suchen hat.

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