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Zwei Jahre Sperre für Jarrell Miller

Zwei Jahre Sperre für Jarrell Miller

Am gestrigen Mittwoch hat ein fünfköpfiges Gremium der Nevada State Athletic Commission sich einstimmig für ein zweijähriges Boxverbot von ‚Big Baby‘ Miller ausgesprochen. Dieses Verbot gilt für alle US-Bundesstaaten. Grund für die Sperre ist Millers positiver Test auf  die verbotene Substanz GW501516. 

Der 32 Jahre alte Schwergewichtler hat allerdings die Möglichkeit die Dauer der rückwirkend angesetzten Sperre um sechs Monate zu reduzieren. Voraussetzung dafür ist, dass der New Yorker an einem Drogenmissbrauchsprogramm teilnimmt und sich zu zufälligen Dopingtests bereiterklärt. Miller könnte dann frühestens im Januar 2022 wieder im Ring stehen.

Eigentlich hätte Miller am 9. Juli 2020 in Las Vegas gegen Jerry Forrest antreten sollen, wurde jedoch im Vorfeld der Begegnung positiv auf verbotene Substanzen getestet. Auch ein Jahr zuvor, als im Madison Square Garden der Kampf gegen Anthony Joshua anstand, fiel Miller durch den Dopingtest und wurde für die Dauer von sechs Monaten suspendiert.

In Interviews hatte Jarrell Miller zuerst erklärt, dass er nie “ein Steroid zur Leistungssteigerung” genommen habe, sondern lediglich Medikamente zur Heilung von Verletzungen verwendet habe, später behauptete der 32-jährige, er habe mehrfach das sexuelle Stimulans „Black Ant King“ zu sich genommen. Die Untersuchungen eines Labor in Los Angeles unterstützten zwar Millers Aussage – in dem Mittel wurde tatsächlich die beim Dopingtest nachgewiesene Substanz  gefunden – das half Miller aber nicht.

Millers Co-Promoter Bob Arum erklärte, dass er den erst zu Beginn des Jahres mit ‚Big Baby‘ Miller geschlossenen Vertrag auflösen würde. Miller werde nie wieder die Chance bekommen, bei einem Top Rank-Event auf der Fightcard zu stehen: „Wenn ein Kämpfer PEDs (performance enhancing drugs  = [illegale] leistungssteigernde Medikamente) nimmt, um sich auf einen Kampf vorbereiten, sehe ich das als versuchten Mord an.” erläuterte der 88-jährige Promoter in einem Interview. „Wenn es kein lebenslanges Boxverbot ist, wird es meiner Meinung nach eine mehrjährige Sperre sein.“ sagte Arum im Gespräch mit Box-Insider Michael Benson.

Unterm Strich hat Miller durch seine Doping-Eskapaden mehrere Millionen US-Dollar „in den Wind geschossen“. Alleine beim Kampf gegen Anthony Joshua wären rund 6,5 Millionen geflossen. Sollte Miller in Zukunft erneut beim Doping erwischt werden, muss er mit härteren Konsequenzen rechnen. Dallas Haun von der Nevada State Athletic Commission hat in einem Interview gesagt: „Das ist das dritte Mal bei Miller. Wenn es in Nevada wieder vorkommt, werden wir sehr viel strenger vorgehen!“

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5 Kommentare

  1. 3. Dezember 2020 at 15:27 —

    Gilt für alle US Bundesstaaten! Naja das ist dann aber sehr wirksam. boxt er halt in europa oder im osten.
    ansonsten sind 2 jahre ok.

  2. 3. Dezember 2020 at 17:37 —

    GW501516 (auch bekannt unter den Namen Endurobol oder Cardarine) ist ein Fatburner-SARM (Selektiver Androgen-Rezeptor-Modulator) und verbessert auch die Kondition. SARMs sind in den USA legal zu erwerben, aber bei den ADAs dieser Welt schon lange auf der Verbotsliste. Ein vergleichbar wirksames Mittel, Clenbuterol, hat eine viel geringere Halbwertszeit, ist schon nach 5 Tagen nicht mehr nachzuweisen, aber man kann es halt nicht einfach so in der Apotheke kaufen. Ich nehme an, Miller war einfach zu faul, sich bessere (schwerer nachweisbare) Alternativen zu besorgen.

    Ich bin selbst im Powerlifting aktiv, wo PEDs selbst von einigen Hobbysportlern verwendet werden. Aber da bescheisst man sich vielleicht selbst oder auch seine naturalen Kollegen und kann Gewichte stemmen, die man ansonsten nicht geschafft hätte, aber ansonsten passiert halt nicht viel. Oder man startet gleich in einem nicht getesteten Verband, dann hat jeder die gleiche Chance, nachzuhelfen. Im Kampfsport dagegen schädigt man u. U. seine Gegner massiv und nachhaltig. Wenn man zum Beispiel auch nur relativ milde SARMs wie Cardarine oder MK677 nimmt, verbessert sich die Erholung nach dem Training und die Kondition um, sagen wir mal 5 Prozent bei niedriger Dosis. Das bedeutet nicht nur eine intensivere Vorbereitung mit weniger Stress für Knochen und Bänder, (ein bisschen) mehr Muskelwachstum, sondern am Ende auch, dass man in den letzten Runden Kraftreserven mobilisieren kann, die dem naturalen Gegner nicht mehr zur Verfügung stehen. Das ist ein brutal unfairer Vorteil, den man sich da in vier Wochen für etwa 150 Euro (bei höherer Dosis und längerer Einnahme entsprechend mehr) erkauft. Eine lebenslange Sperre hätte ich angemessen gefunden – Arum hat meiner Meinung nach komplett Recht.

    Warum ein junger Mann wie Miller Black Ant King verwendet, kann ich mir auch bestens vorstellen: vermutlich ist seine Hypophyse-Achse nach jahrelangem wiederholtem Steroidkonsum einigermaßen zerschossen, dass Yohimbim oder sogar Nolvadex nicht mehr viel bringen – tote Hose. Mit Sildenafil (Viagra) lässt sich diese kleine Inkonvenienz natürlich schnell (wenn auch nicht auf Dauer) beheben.

  3. 5. Dezember 2020 at 10:38 —

    Sind wir mal ehrlich, das interessanteste an einem Kampf gegen Wilder, Fury oder AJ wäre die Show vor dem Kampf gewesen. Ich kenne den Typen nur durch peinliche Aussagen und nicht durch irgend eine besondere Leistung im Ring. Und dass obwohl er wohl immer gut im Stoff war, der Typ ist einfach nur peinlich.

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