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Zurück in den Ring: Wer feiert 2020 sein Comeback? (Teil 2)

Neben dem Russen Ruslan Provodnikov redet auch ein argentinischer Boxer von einem Comeback: Sergio „Maravilla“ Martinez (51(28)-3(2)-2). Anders als Provodinkov hing Maravilla seine Handschuhe nicht so ganz freiwillig an den Nagel. Er hatte schon über einen längeren Zeitraum erhebliche Probleme mit seinen Knien und war zum Zeitpunkt seines Rückzugs im Jahr 2014 einfach nicht mehr in der Lage, einen Boxkampf durchzustehen. Das im wahrsten Sinne des Wortes. Er scheint sich einigermaßen erholt zu haben und spricht wieder einmal über ein Comeback. Hier ein Gespräch zwischen Sergio Martinez und Jessie Vargas in spanisch mit englischen Untertiteln:

Martinez wurde bereits 1997 Profi und hatte einen relativ langen Karriereaufbau in seiner Heimat Argentinien und Spanien, bevor er in den Jahren 2003 und 2004 drei Kämpfe in Großbritannien bei Matchroom-Veranstaltungen (damals noch unter Barry Hearn) absolvierte. Es sollte dann aber doch noch bis 2009/10 dauern, bis er in den USA seinen endgültigen Durchbruch in die Weltspitze feiern konnte.

Trotz einer Punktniederlage gegen Paul Williams durfte er 2010 gegen Kelly Pavlik antreten und nahm ihm zwei WM-Gürtel (WBC und WBO) im Mittelgewicht ab. Noch im selben Jahr schlug er Paul Williams in einem Rematch durch KO 2. Es folgten Siege gegen Serhiy Dzinziruk, Darren Barker, Mattew Macklin, Julio Cesar Chavez jr und recht umstritten vor heimischem Publikum in Buenos Aires gegen Martin Murray, bevor es im Juni 2014 zum Kampf gegen Miguel Cotto kommen sollte.

Schon in den Kämpfen davor merkte man, dass Martinez eigentlich nicht mehr fit für den Ring war. Er war boxerisch brilliant, aber seine Beine wollten nicht mehr. Das wurde ihm dann auch im Kampf gegen Cotto zum Verhängnis. Bereits in Runde 1 war er drei Mal am Boden. Seine Beinarbeit sah so aus, als stünde er auf wackeligen Holzbeinchen. Beide Knie waren bandagiert. Martinez überstand diese katastrophale erste Runde und auch die weiteren, bis sein Trainer Pablo Sarmiento den Kampf zu Beginn der 10. Runde aufgab. Als Martinez-Fan war es ein einziges Trauerspiel mit ansehen zu müssen, wie der einst groß gefeierte Maravilla regelrecht hingerichtet wurde. Miguel Cotto hatte es nicht all zu schwer, diesen Sieg zu erringen. Er hatte in diesem Kampf bis zur Aufgabe durch Martinez Ecke jede Runde locker gewonnen. Auch Cottos Trainer Freddie Roach muss gesehen haben, dass Martinez eine chancenlose Zielscheibe für Cotto war. Jedem, der auch nur halbwegs Ahnung vom Boxen hat, blutete das Herz, Maravilla so kaputt gehen zu sehen. Er hätte diesen Kampf vielleicht gar nicht mehr machen sollen.

Kurz nach diesem letzten Kampf sah es so aus, als wäre die Verletzung an Martinez linkem Knie irreparabel. Doch im Laufe der Jahre ist wohl doch doch eine Besserung eingetreten. Er nimmt regelmäßig Thermalbäder und ist scheinbar wieder völlig schmerzfrei. Der jetzt 45-jährige will es scheinbar noch einmal wissen. Er ist der Meinung, dass er auch mit Mitte 40 noch ein paar gute Fights im Tank hat. Martinez hatte nach eigenen Angaben bereits ein Comeback am 6. Juni geplant. Die gegenwärtige Covid 19 Pandemie hat das verhindert. Jetzt soll erst einmal abgewartet werden. Ein Kampf ist vor Herbst oder Winter kaum zu erwarten. Auch gegen Sergio Martinez wäre Marcos Maidana ein möglicher Gegner. So ein argentinisches Duell wäre für die einheimischen Fans gewiss ein Highlight. Bisher ist noch kein fester Kandidat benannt. Ein erster Comeback-Kampf soll auf jeden Fall in Madrid stattfinden. Sollte Martinez wieder fit genug sein, könnte es auch zum einem Rematch zwischen ihm und Julio Cesar Chavez jr kommen. Davon war bereits 2018 die Rede. 

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3 Kommentare

  1. 12. Juni 2020 at 19:02 —

    Ganz klar der Tyson-Effekt. Der “böse alte Wolf” des Boxens kriegt noch mal Lust auf ein paar Runden hauen nach den Marquess of Queensberry rules und zack stehen se alle parat für ein bisschen vergänglichen Ruhm im Schatten des großen Boxers.

    Na ja Provodnikov´s Gefechte waren ja immer ziemlich Actiongeladen. Ob er sich noch mal auf ein akzebtables Niveau bringen kann? Der Pacman hat´s vorgemacht. Aber machen wir uns nichts vor Manny war, ist und wird immer die Ausnahmeerscheinung unter allen Erscheinungen im Boxen sein. Er ist die Meßlatte für alle die nach ihm folgen.

    Martinez muss ich nicht mehr im Ring sehen der ist durch- Beim Gefecht gegen Cotto hat einem ja das Herz geblutet vor lauter Mitgefühl. Er sah aus wie ein abgehalfteter Athlet auf der Suche nach seinem alten ich. Das muss wirklich nicht mehr sein.

    • 12. Juni 2020 at 19:40 —

      Ja, sehe ich auch so. Es scheint “in Mode” zu sein, mit einem Comeback noch mal alte Zeiten aufleben lassen zu wollen. Aber wirklich oben angreifen können weder Provodnikov noch Martinez. Die guten Zeiten sind wohl vorbei.

      Beim Kampf zwischen Martinez und Cotto standen mir die Tränen in den Augen. Ich habe schon viel früher darauf gehofft, dass man ihn aus dem Kampf nimmt. Mit den Beinen ging ja gar nichts mehr. Cotto hatte leichtes Spiel.

      2013 gab es einen Kampf zwischen Sturm und Barker. Das war eine ähnliche Geschichte. Barker ging in Runde 2 zwei mal runter und hatte offensichtlich Probleme mit der Hüfte. Seine Ecke hat ihn dann raus genommen und Sturm wurde IBF Weltmeister. Barkers Ecke hat richtig gehandelt, bevor Barker völlig abgeschlachtet werden konnte.

      youtu.be/FU63bILx3jc

      • 12. Juni 2020 at 20:21 —

        Kann mich noch ab das Gefecht erinnern, hab ich damals live verfolgt. Hab dem jungen Catic bis Castillejo 1 gerne beim boxen zugeschaut. Der hatte nich nen richtigen weltklasse Jab und hat sehr schöne Kombinationen am man abgefeuert. Ist schon krass wie er sich menschlich und sportlich so entwickelt hat.

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