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Wochenendvorschau 26.-27.02.2010

Im letzten Wochenende des Februars, der für Boxfans eher wenig zu bieten hatte, gibt es noch einmal drei interessante Kämpfe. Im Superbantam- und Halbfliegengewicht wird um Titel gekämpft, während Kendall Holt und Kaizer Mabuza im Halbweltergewicht um das Recht boxen demnächst wieder um einen Titel zu kämpfen. Den Topkampf bildet der Titelkampf im Superbantamgewicht zwischen den ungeschlagenen Talenten Marvin Sonsona und Wilfredo Vasquez Jr.

  • Marvin Sonsona – Wilfredo Vasquez Jr.
  • Rodel Mayol – Omar Nino Romero
  • Kendall Holt – Kaizer Mabuza

  • Marvin Sonsona – Wilfredo Vasquez Jr.

    Nachdem Juan Manuel Lopez das Superbantamgewicht Richtung Federgewicht verlassen hat, und allgemein davon ausgegangen wird, dass Celestino Caballero ihm bald folgen wird, und Israel Vasquez und Rafael Marquez wohl auch nicht mehr dort boxen werden, fehlt der Gewichtsklasse bis 122 Pfund ein Star. Der Thailänder Poonsawat Kratingdaenggym und der Japaner Toshiaki Nishioka sind zwar gute Boxer, haben aber kaum Starpotenzial auf der internationalen Bühne. Marvin Sonsona und Wilfredo Vasquez Jr. wollen diese Lücke füllen.
    In seiner Heimat, den Philippinen, ist Marvin Sonsona schon eine Art Star, und wird bereits seit Längerem als der „nächste Manny Pacquiao“ gehandelt. Letzten September konnte er dann den hohen Erwartungen erst einmal gerecht werden, als er in seinen vierzehnten Profikampf den WBO-Titel im Superfliegengewicht gewann. Mit 19 Jahren war er der jüngste Boxweltmeister zu dem Zeitpunkt. Doch schnell zeigte sich, dass der sich noch im Wachstum befindliche Philippine wohl nicht mehr lange im Superfliegen bleiben können würde. Für seine erste Titelverteidigung gegen Alejandro Hernandez schaffte er es nicht auf das Limit von 115 Pfund herunter zu kommen und stoppte schließlich nach schlauchenden Versuchen das Gewicht zu machen bei einem Gewicht von 117,6 Pfund. Seinen Titel musste er aufgeben, den Kampf bestritt gegen Hernandez bestritt er trotzdem, und nach einer durchwachsenen Vorstellung entkam er mit einem Unentschieden. Nun boxt er gleich zwei Gewichtsklassen höher, scheint aber immer noch Probleme zu haben das Gewicht zu bringen.
    Sein Gegner, Wilfredo Vasquez Jr., Sohn des Bantam-, Superbantam- und Federgewichtsweltmeister aus den späten 80ern und 90ern, ist in 18 Kämpfen noch ungeschlagen, hat aber, obwohl er bereits mehr Kämpfe bestritt, die schwächeren Gegner geboxt im Vergleich mit Sonsona. In letzter Zeit gibt es viele Söhne berühmter Boxer, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen ihren Vätern im Ring nachzueifern, aber Vasquez Jr. ist sicherlich der Beste seit einiger Zeit. Von seinem Vater trainiert hat er sich zu einem technisch guten, schnellen Boxer entwickelt, der in der Weltspitze konkurrenzfähig ist. Zwar schlichen sich neben spektakulären Vorstellungen auch enttäuschende Auftritte ein, und seine Nehmerfähigkeiten scheinen nicht die Allerbesten zu sein, doch insgesamt gesehen kam er zumeist als vielseitiger, kluger Boxer mit solidem Punch rüber.
    Ob das jedoch am Samstagabend reichen wird, hängt wohl ganz von Marvin Sonsona ab. Bei seinem Titelgewinn gegen Jose Lopez sah er spektakulär aus, in seinem letzten Kampf mag man die etwas enttäuschende Vorstellung durchaus auf die Gewichtsprobleme schieben können. Wenn Sonsona im Superbantamgewicht seine richtige Gewichtsklasse für den Moment gefunden hat, und ähnlich auftrumpft wie in seinem ersten Titelkampf, führt meiner Meinung nach kein Weg an ihm vorbei, wenn es um den Sieger des Kampfes geht. Er ist schon erstaunlich weit für sein junges Alter, auch wenn er hier und da noch technisch unbeholfen oder ungestüm wirkt. Vasquez Jr. ist jedoch nicht zu unterschätzen, und wird Sonsona durchaus einiges abverlangen. Im Endeffekt halte ich Sonsona jedoch für den Talentierteren, den trotz seines Alters Reiferen und auch Härteren der Beiden – schlichtweg für den Besseren -, so dass er am Ende als Sieger da stehen sollte. Die Anfangsrunden könnten durchaus ausgeglichen werden, aber etwa ab der fünften Runde sollte Sonsona dann vermutlich langsam das Geschehen mit seinen präziseren und härteren Schlägen übernehmen. Da Vasquezs Kinn noch eine Unbekannte in der Rechnung ist, ist es durchaus möglich, dass er mit Sonsona über die Runden geht, aber auch, dass Sonsona ihn im Laufe des Kampfes niederringt und in den Schlussrunden ausknockt. Ich persönlich traue Sonsona letzteres zu, und glaube, dass Vasquez etwa in der elften Runde aus dem Kampf genommen wird.


    Rodel Mayol – Omar Nino Romero

    In Guadalajara, Mexiko wird am Samstagabend die Weltmeisterschaft des WBCs im Halbfliegengewicht ausgeboxt. Weltmeister Rodel Mayol trifft dabei auf Herausforderer Omar Nino Romero.
    Mayol gewann den Titel im November kontrovers von Edgar Sosa. Mayol, der zuvor zweimal WBO-Weltmeister und Konsens-Nummer 1 des Halbfliegens Ivan Calderon herausgefordert hatte und jeweils Calderon mit Kopfstößen, die als unabsichtlich gewertet wurden, Cutwunden zugefügt hatte, die zu einer technischen Entscheidung führten, erwischte in Runde 2 auch Weltmeister Sosa mit einem üblen Kopfstoß. Sosa ging zu Boden und war stark angeschlagen, doch noch kurzer Pause und Punktabzug für Mayol ging der Kampf weiter und der immer noch stark angeschlagene Sosa wurde daraufhin schnell von Mayol ausgeknockt.
    Sosa warnte im Vorfeld bereits seinen mexikanischen Landsmann Romero vor den Kopfstößen Mayols, die ihn in seinen letzten drei Kämpfen so berühmt-berüchtigt machten. Dabei ist Rodel Mayol gar nicht mal ein schlechter Boxer, der sich auf Kopfstöße verlassen muss. Er kann einigermaßen boxen und besitzt mehr als ordentliche Schlagkraft. Vor allem in den Anfangsrunden bereitet er seinen Gegnern damit gewöhnlich große Probleme.
    Omar Nino Romero war bereits einmal Weltmeister im Halbfliegengewicht nachdem er den damals noch ungeschlagenen und hoch angesehenen Brian Viloria deutlich und überraschend schlug. Im direkten Rückkampf verlor er trotz Unentschieden auf den Punktzetteln seinen Titel, da er nach dem Kampf positiv auf Methamphetamine getestet wurde. Drei Siege und eine knappe Niederlage später will er nun erneut Weltmeister werden. Zuletzt besiegte er Juanito Rubillar, gegen den er kurz zuvor so knapp verloren hatte, klar nach Punkten, als der Kampf nach 8 Runden wegen eines Kopfstoßes abgebrochen wurde. Romero kann durchaus gut und trickreich boxen, lässt sich aber auch oft auf einen offenen Schlagabtausch ein.
    Beide, vor allem Mayol, hatten in ihren letzten Kämpfen Probleme mit Kopfstößen, und es ist sicher nicht auszuschließen, dass Kopfstöße in diesem Kampf erneut eine bedeutende Rolle spielen und möglicherweise zu einem frühen Abbruch führen. Doch so etwas lässt sich nie voraussagen. Bleibt der Kampf sauber, sehe ich einen durchaus interessanten Kampf zwischen den beiden toughen Halbfliegengewichtlern. Mayol sollte in den Anfangsrunden mit seiner höheren Aktivität und seinen härteren Schlägen den Vorteil haben, doch wenn Mayol, wie zu erwarten, in der zweiten Hälfte des Kampfes nachlässt, und Romero die technische Überlegenheit, die er wohl besitzt, ausspielen kann, hat er die Möglichkeit nach Punkten aufzuschließen. Das heißt: natürlich solange er die Anfangsrunden übersteht. In zwei seiner drei Niederlagen wurde Romero gestoppt, und Mayol ist vermutlich der härteste Puncher mit dem er bisher im Ring stand. Doch ich denke, dass Romero gut genug ist um den anfänglichen Druck zu überstehen und mit Mayol über die Runden zu gehen. Jedoch würde es mich nicht überraschen, wenn unterdessen Mayol früh im Kampf so viele Runden sammelt, dass es der Mexikaner im Endeffekt nicht mehr schafft nach Punkten gleich zu ziehen, so dass ich auf einen knappen Punktsieg für den verteidigenden Weltmeister tippe. Denn obwohl sich Mayol vor dem Kampf bereits besorgt zeigte, dass er in Mexiko eine unfaire Punktentscheidung bekommen könnte, sind dort, meiner Erfahrung nach, weniger Fehlentscheidungen zu finden, als in den meisten anderen Ländern, in denen regelmäßig große Kämpfe stattfinden.


    Kendall Holt – Kaizer Mabuza

    Ex-Halbweltergewichtsweltmeister Kendall Holt macht sich zurück auf den Weg an die Spitze. Im Weg steht im dabei Kaizer Mabuza, der durch einen Sieg in diesem IBF-Eliminator die Chance auf einen Titelkampf nutzen will.
    Holt zeigte zuletzt gegen den vielleicht besten Halbweltergewichtler Timothy Bradley im Titelvereinigungskampf eine engagierte und respektable Leistung, in der er Bradley in der ersten und letzten Runde zu Boden schicken konnte. Mabuza hat zuletzt den zuvor noch ungeschlagenen Ukrainer Sergey Fedchenko knapp nach Punkten besiegt.
    Mabuza ist ein typischer südafrikanischer Boxer. Sehr ausdauernd, zäh und recht aggressiv. Er scheint schon Dampf in den Fäusten zu haben, aber auch nicht übermäßig viel. Kendall Holt hingegen muss in diesem Kampf als Favorit gelten, da er boxerisch besser ist, um Längen erfahrener ist, und außerdem deutlich härter schlägt, als es sein Kampfrekord vermuten lässt.
    Mabuza ist ein harter Hund und wird mit seiner Beharrlichkeit dem Amerikaner vermutlich schon Probleme bereiten können, doch wenn Kendall Holt trotz längerer Pause so gut boxt, wie er es kann, wird für ihn ein Sieg in diesem Kampf herausspringen, vermutlich sogar ein vorzeitiger.

    Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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