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Wochenendvorschau 25.09.-26.09.2009

  • Vitali Klitschko – Chris Arreola
  • Bernard Dunne – Poonsawat Kratingdaenggym
  • Jean Pascal – Silvio Branco
  • David Diaz – Jesus Chavez

  • Vitali Klitschko – Chris Arreola

    Vitali Klitschko macht sich am Samstag im Staples Center, Los Angeles daran seinen Schwergewichtstitel zum zweiten Mal nach seiner Rückkehr zu verteidigen. Sein Gegner ist Chris Arreola, für den der ältere Klitschko-Bruder der mit weitem, weitem Abstand beste Gegner seiner Karriere ist.
    Sein prominentester Gegner war ein alter Jameel McCline, den er in 4 Runden KO schlug. Davor trat er in die Augen der amerikanischen Öffentlichkeit durch Siege über Chazz Witherspoon oder Travis Walker, Boxer aus der zweiten oder dritten Reihe des eher schwach besetzten Schwergewichts.
    Mehr als seine Gegner ließ aber eh sein Kampfstil aufhorchen, da Arreola selten einen uninteressanten Kampf abliefert. Er kann ordentlich zulangen und scheint auch hauptsächlich darauf bedacht, und mag es laut eigenen Aussagen auch Treffer zu kassieren. Er marschiert immer vorwärts und macht seine deutlichen technischen Schwächen durch viel Druck und harte Schläge wett. Seine letzten 15 Kämpfe beendete er allesamt vorzeitig.
    Diese Tendenz zu Kämpfen, die nicht die volle Distanz gehen, teilt er mit Vitali Klitschko, bei dem nur einer von 39 Profikämpfen nach Punkten entschieden wurde. Seit seiner Rückkehr nach 4 Jahren Ringabstinenz fertigte er mit Samuel Peter und Juan Carlos Gomez zwei überforderte Gegner ab, die beide zumindest zu den Top 20 des Schwergewichts zählen. Er schien nicht viel Ringrost angesetzt zu haben, wurde aber, wie schon erwähnt, auch nicht all zu sehr gefordert. Arreola könnte das unter Umständen änden.
    Denn Vitali ist auf eine Art und Weise eigentlich wie maßgeschneidert für Arreola: Er bildet ein recht stationäres Ziel. Arreola ist anzumerken, dass ihn Gegner, die konstant um ihn zirkeln und sich viel bewegen, frustrieren, und er es lieber hat, wenn er seinen Gegner direkt vor ihm hat. Dennoch ist Vitali schwerer zu treffen, als es auf den ersten Blick aufgrund seiner niedrig hängenden Fäuste erscheinen mag. Auch Arreola sollte das schnell feststellen.
    Und auch Arreola scheint wie gemacht für Vitali Klitschko. Arreola hat keine technischen Finessen in seinem Arsenal und ist leicht auszurechnen, wenn er in geraden Linien auf seinen Gegner losmarschiert, um wilde Schläge abzufeuern. Für Vitali, der ein gutes Timing und ein Auge für Situation wie diese besitzt, wie kaum ein anderer in der derzeitigen Schwergewichtsszene, dürfte dies eine willkommene Einladung zum Kontern sein.
    Es könnte ein interessanter Kampf werden, auch wenn der Ausgang für mich recht klar zu sein scheint. Wie interessant es wird, hängt unter anderem von zwei wichtigen Fragen ab:
    1. Wie geht Vitali damit um, wenn er einmal von Arreola voll getroffen wird? Er hat in der Vergangenheit ein sehr gutes Kinn bewiesen, ist mit 38 Jahren aber nicht mehr der Jüngste und im Boxen altert man manchmal über Nacht. Und Arreola besitzt durchaus einiges an roher Kraft. Steckt er solch einen Treffer locker weg, ist der Drop gelutscht, und Vitali kann Arreola problemlos auseinander nehmen. Gerät er in Probleme, wackelt, oder geht sogar zu Boden, hat Arreola eine gute Chance für die Überraschung zu sorgen.
    2. Wie geht Arreola damit um, wenn er von Vitali getroffen wird, sobald er versucht nahe an ihn dran zu kommen? Arreola marschiert vorwärts mit einer eher schlecht improvisierten Deckung. Früher oder später, vermutlich früher, wird Vitali ihn da solide abkontern. Lässt sich Arreola davon so sehr beeindrucken, dass er vorsichtiger boxt, was bei seiner technischen Unterlegenheit dazu führen würde, dass er kaum eine Chance den Kampf zu gewinnen, oder kann er das locker abschütteln, und in der Folge Vitali durch den konstanten Druck Probleme bereiten?
    Es bleibt abzuwarten, wie es ausgehen wird, doch normalerweise sollte vor allem Arreolas Vorwärtsgangstil für einen unterhaltsamen Kampf sorgen. Ich persönlich glaube jedoch, dass Arreolas einzige wirkliche Chance darin besteht, dass Vitali über Nacht gealtert ist, und nicht in der Lage ist auf seinem normalen Niveau zu boxen. Ansonsten hält Vitali einfach alle Vorteile. Er ist technisch deutlich überlegen, scheint das bessere Kinn zu haben, die bessere Defensive und wird auch keinen viel schlechteren Punch haben als Arreola. Zudem scheint es zumindest wieder fraglich, ob Arreola, der traditionell immer etwas Hüftspeck mit in den Ring nimmt, trotz 9cm weniger Körpergröße nur einen Pfund niedriger einwog, und dessen Trainingscamp von Berichten über seine schlechte Trainingsmoral begleitet wurde, über 12 Runden ein hohes Tempo gehen kann.
    Ich denke, es könnte unterhaltsam werden, wird aber wohl einseitig werden. Arreola wird schon früh klare Treffer kassieren und wird systematisch auseinander genommen. Möglicherweise kommt er ein paar Mal selber gut durch, so dass es Antworten auf die beiden Fragen gibt, doch tippe ich schlussendlich auf einen (T)KO-Sieg von Vitali um die sechste Runde rum.


    Bernard Dunne – Poonsawat Kratingdaenggym

    Der WBA-Titel im Superbantamgewicht steht auf dem Spiel, wenn in Dublin Weltmeister Bernard Dunne und Herausforderer Poonsawat Kratingdaenggym aufeinander treffen. Dunne hatte den Titel zuletzt in einem klasse Kampf, in dem er selbst zwei Mal am Boden war, von Ricardo Cordoba gewonnen.
    Zuvor flog Dunne etwas unter dem Radar. Nachdem er von Kiko Martinez, der danach auf europäischem Niveau scheiterte, in einer Runde ausgeknockt wurde, was nicht seinen Fähigkeiten entsprach, galt er trotz drei guter Siege danach, als Außenseiter gegen Cordoba. Er schlug ihn jedoch in Runde 11 drei Mal zu Boden und stoppte ihn somit schließlich. Mit dem aus Thailand stammenden Kratingdaenggym, der sein Pflichtherausforderer ist, hat er sich sicherlich nicht den leichtesten Gegner für seine erste Titelverteidigung ausgesucht.
    Kratingdaenggym hat wie Dunne erst eine Niederlage in seiner Profikarriere, und die kam durch den ehemaligen WBA-Weltmeister im Bantamgewicht Wladimir Sidorenko, der ihn nach Punkten etwas knapper schlug, als es zumindest einer der drei Punktrichter sah. Sein bester Sieg ist wohl der über Somsak Sithchatchawal, seines Zeichens ehemaliger Weltmeister im Superbantamgewicht, den er in 11 Runden dominierte und ausknockte.
    In seinem letzten Kampf wurde er im Titeldschungel der WBA deren Interimsweltmeister, was ihn zum Pflichtherausforderer für Dunne machte.
    Es verspricht vielleicht der spannendste Kampf dieses Wochenendes zu werden. Beide gehören zur erweiterten Elite des hochkarätig besetzten Superbantams und scheinen ähnlich stark zu sein. Dunne sah vor allem gegen Cordoba stark aus und Kratingdaenggym konnte eigentlich in fast allen seiner Kämpfe überzeugen.
    Kratingdaenggym sollte eigentlich den Aggressor spielen, während Dunne sich mehr auf seine boxerischen Qualitäten verlassen sollte, ähnlich wie es Sidorenko gegen den Thailänder tat. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass das Dunnes Natur etwas widerspricht, und das vielleicht nur 2-3 Runden aufrecht hält. Dann könnte es zu einem recht offenen Schlagabtausch kommen.
    Gegen Cordoba bewies Dunne ungeahnte Schlagkraft und Kratingdaenggym wirft auch nicht unbedingt mit Wattebäuschchen, auch wenn seine KOs eher durch den konstanten Druck und die Vielzahl von Treffern kommen.
    Wenn Dunne konsequent und diszipliniert boxen sollte, dürfte er nach Punkten gewinnen. Lässt er sich aber, eventuell auch durch die irischen Fans angefeuert und aufgeheizt, auf einen Schlagabtausch ein, würde es mich nicht überraschen, wenn wir beide Boxer im Laufe des Kampfes am Boden sehen. Jedoch würde ich Kratingdaenggym am Ende vorne sehen, da er es gewohnt ist über 12 Runden ein gutes Tempo vorzulegen. Nach Punkten könnte es in Irland dann zwar sehr eng werden, doch ich tippe auf einen KO-Sieg für Kratingdaenggym in den letzten beiden Runden.


    Jean Pascal – Silvio Branco

    Jean Pascal scheint seine Gewichtsklasse gefunden zu haben. Bei seinem Titelgewinn im Halbschwergewicht gegen den zuvor ungeschlagenen Adrian Diaconu sah er so gut aus wie selten oder nie zuvor im Supermittelgewicht. Dort war er zuvor auch in seinem einzigen Titelkampf an Carl Froch gescheitert. Diaconu schlug er in einem der besten Kämpfe dieses Jahres nach Punkten, in dem er den Rumänen auch am Boden hatte. Nun verteidigt er seinen WBC-Gürtel gegen Silvio Branco.
    Der Italiener ist inzwischen bereits 43 Jahre alt und gehört eigentlich nicht zur Weltspitze, an der er mal schnupperte, als er beispielsweise Glen Johnson und Robin Reid schlug. Er ist jedoch Pascals Pflichtverteidigung, warum auch immer.
    Branco ist ein solider Boxer, doch Pascal dürfte viel zu schnell für ihn sein und ihn recht problemlos ausboxen können. Im Halbschwergewicht dürfte nur Chad Dawson mit ihm mithalten können, was Handspeed anbelangt, und dass dürfte der Hauptfaktor in diesem Kampf sein.
    Branco kann eigentlich nur eine Chance haben, wenn Pascal leichtsinnig wird, wozu er durchaus manchmal zu neigen scheint. Doch, ob Branco ihn dann ausknocken kann, was er machen müsste, ist auch eher fraglich.
    Pascal hingegen kann Branco definitiv ausknocken, leicht ist aber auch das nicht, gegen den unangenehmen Italiener. So in den hinteren Runde etwa wird dies, so tippe ich, aber auch passieren, so dass Pascal sich dann größeren und schwereren Aufgaben widmen kann.


    David Diaz – Jesus Chavez

    15 Monate Zeit hat sich David Diaz genommen, um wieder in den Ring zu steigen, nachdem er von Pound-For-Pound-King Manny Pacquiao als Leichtgewichtsweltmeister entthront und brutal verprügelt wurde. Und das ist vermutlich auch gut so, da Diaz, der nach dem Kampf vielerorts schlechter gemacht wurde, als er es eigentlich ist, trotz dieser vernichtenden Niederlage durchaus Zukunft im Leichtgewicht, aus dem die ganz großen Namen wohl verschwunden sind oder langsam verschwinden, hat, eine lange Erholungszeit nach dem Kampf vorausgesetzt.
    Für eine Art Comeback-Kampf hätte er jedoch leichtere Gegner haben können. Jesus Chavez erlitt zuletzt ebenfalls eine Niederlage, als Michael Katsidis, der letztes Wochenende erneut Weltmeister wurde, ihn in 8 Runden stoppte. Chavez ist eigentlich ein guter Boxer, der seine Niederlagen fast ausschließlich gegen Topleute erlitt, darunter Erik Morales und Floyd Mayweather.
    Bei Diaz hängt natürlich noch ein Fragezeichen über seine Leistungsfähigkeit nach der langen Auszeit und den eingesteckten Prügeln gegen Pacquiao. Daher bleibt es schwer den Kampf hervorzusagen, aber sollte Diaz nahe seiner Normalform auftreten, sollte es ein interessanter und enger Kampf werden, in dem ich Diaz leicht vorne sehe. Ich tippe auf einen engen, aber unumstrittenen Punktsieg nach 10 Runden für David Diaz.

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