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Wochenendvorschau 23.01.2010

Am kommenden Wochenende nimmt das Boxgeschehen des neuen Jahres so richtig Fahrt auf. Mit zwei spannenden Titelkämpfen im Federgewicht, die allein schon von den Namen her für Action garantieren sollten, gibt es die ersten beiden Kracher des neuen Jahres. Doch neben dem Event im Madison Square Garden, dessen zwei Favoriten bei Erfolg am Wochenende später dieses Jahr aufeinander treffen könnten, kommt es auch noch in den ganz niedrigen Gewichtsklassen zu zwei interessanten Duellen…

  • Steven Luevano – Juan Manuel Lopez
  • Yuriorkis Gamboa – Rogers Mtagwa
  • Brian Viloria – Carlos Tamara
  • Donnie Nietes – Jesus Silvestre

  • Steven Luevano – Juan Manuel Lopez

    Nachdem Juan Manuel Lopez und Yuriorkis Gamboa bereits am 10. Oktober 2009 gemeinsam auf einer Veranstaltung boxten, um ein mögliches Aufeinandertreffen der beiden vorzubereiten, boxen am Samstag nun beide erneut beim selben Event. Juan Manuel Lopez steigt für den Kampf gegen Steven Luevano eine Gewichtsklasse hoch, und fordert den US-Amerikaner um dessen WBO-Titel im Federgewicht heraus.
    Luevano verteidigt diesen Gürtel zum sechsten Mal, wenn er mit der puertoricanischen Sensation Lopez in einem Kampf zweier Rechtsausleger in den Ring steigt. Den vakanten Titel gewann er 2007 gegen den damals noch ungeschlagenen Nicky Cook. Da die ganz großen Kämpfe seitdem trotzdem ausblieben, und da Luevanos Boxstil nicht gerade der aufregendste ist, gehört der 28-Jährige nicht unbedingt zu den großen Namen des Sports. Im Gegensatz zu seinem Gegner vom Wochenende.
    Juan Manuel Lopez gilt spätestens seit seinem Sieg über den hoch gehandelten Superbantamgewichtsweltmeister Daniel Ponce De Leon als eines der größten Talente überhaupt und als potenzieller Superstar. Nachdem er nicht mal eine Runde für Ponce De Leon gebraucht hatte, und seine ersten beiden Titelverteidigungen in zusammen zweieinhalb Minuten hinter sich brachte, schien „Juanma“ Lopez für viele schon beinahe unschlagbar zu sein. Der Eindruck verfestigte sich noch nach dominanten vorzeitigen Siegen gegen Altmeister Penalosa und den ungeschlagenen Kanadier Lontchi, doch in seinem letzten Kampf gegen Veteran Rogers Mtagwa präsentierte er sich dann als durchaus schlagbar. Nach dominantem Anfang verlor Lopez im Laufe des Kampfes immer mehr die Kontrolle und konnte sich in den letzten Runden nur noch gerade so bis zum Schlussgong retten, um eine enge Punktentscheidung zu gewinnen.
    Trotz dieser deutlichen Schwächen, die Lopez gegen Mtagwa offenbarte, gilt er immer noch als einer der komplettesten Boxer der Welt und als kommender Superstar. Seine Schlagkraft ist unbestritten, und wird durch 24 KOs in 27 Kämpfen attestiert. Seine Technik, die er in einer langjährigen erfolgreichen Amateurlaufbahn verfeinerte, ist exzellent. Seine Ausdauer, die nach vielen kurzrundigen Siegen in Frage gestellt wurde, bewies er gegen Gerry Penalosa, als er neun Runden lang Dauerdruck ausübte, und über 1000 Schläge abfeuerte. Seine einzige, wirklich sichtbare Schwäche ist seine Vernachlässigung der Defensive.
    Was wiederum die absolute Stärke von Steven Luevano ist. Er boxt trügerisch unspektakulär, und vieles an ihm wird unterschätzt. Er ist der klassische Konterboxer, der seine Füße sehr geschickt setzt und schnell und präzise die Fehler seines Gegners ausnutzt. Dabei besitzt er, vor allem mit der linken Geraden, durchaus mehr Schlagkraft als seine KO-Quote (15 KOs in 39 Kämpfen) glauben macht. Trotzdem bleibt die Defensive sein Aushängeschild. Seine Beinarbeit macht es dem Gegner schwer in die richtige Position zu kommen, um Schläge abzufeuern, und sein konstant eingesetzter Jab hindert den Gegner daran leicht in die Halbdistanz zu kommen. Seine gute Deckung und sein solides Kinn tun ihr übriges dazu bei, dass er noch nie ausgeknockt wurde. Trotzdem war er in seinen letzten Kämpfen einige Male am Boden und kassierte einige harte Schläge, was jedoch meistens daran lag, dass er sich in ein offenes Gefecht hineinziehen ließ, was er wohl gegen Lopez kaum wagen wird.
    Es ist stark davon auszugehen, dass Juan Manuel Lopez von Anfang an nach vorne marschieren wird und Luevano unter Druck setzen wird. Es sollte sich schon früh entscheiden, wie gut Luevano damit umgehen kann, und wie gut er die Lücken, die die Angriffe von Lopez hinterlassen, für Konter ausnutzen kann. Lopez dürfte die höhere Schlagfrequenz vorlegen und die härteren Schläge abfeuern, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Luevano anfangs die präziseren und klareren Treffer landen wird. In seinem letzten Kampf gegen Bernabe Concepcion hatte Luevano vor allem dann Probleme, wenn dieser mit guten Kopfbewegungen schnelle Einzelschläge anbrachte und direkt wieder außer Reichweite ging. Das ist normalerweise nicht der Stil von „Juanma“ Lopez. Seine gerade, technisch feine Art nach vorne bietet Luevano definitiv gute Kontermöglichkeiten.
    Jedoch ist es einerseits bei vielen Punktrichtern schwer mit Luevanos Boxstil im Rückwärtsgang Runden zu gewinnen, und andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Luevano sich so Lopez all zu lange entziehen kann. Ich schätze, dass Lopez immer mehr aufkommen wird, je länger der Kampf dauert, und zu den letzten Runden hin bereits sehr deutlich auf den Punktzetteln vorne liegen wird. Sollte er bis dahin Luevano bereits genug ermüdet haben, oder entscheidet sich Luevano dann dazu aufs Ganze zu gehen, um den Kampf noch umzubiegen, sind die Chancen groß, dass Lopez ihn noch KO schlägt.
    Einen frühen KO-Sieg für Lopez, wie ihn einige Fans und Experten prognostizieren, halte ich zwar nicht für ausgeschlossen, aber doch eher für unwahrscheinlich aufgrund von Luevanos defensiven Könnens. Der steinige Weg zum Erfolg führt für Luevano über eine gute Defensive und präzise Konter, während Lopez den Druck aufrecht erhalten muss, und bereits früh zum Körper arbeiten sollte, um Luevano für die späteren Runden die Luft zu nehmen.
    Da Juan Manuel Lopez mit Ausnahme seines letztes Kampfes gegen Rogers Mtagwa, wo er meiner Meinung nach eine falsche Strategie wählte, eigentlich immer sensationell aussah, und im Grunde eine Klasse besser ist als Luevano, denke ich, dass es ihm gelingen wird, Steven Luevano nicht nur den Titel abzunehmen, sondern ihm sogar in den hinteren Runden die erste vorzeitige Niederlage beizubringen.


    Yuriorkis Gamboa – Rogers Mtagwa

    Als Co-Main Event zum Kampf zwischen Luevano und Lopez treffen am Samstag in New York Yuriorkis Gamboa und Rogers Mtagwa aufeinander. Um einen möglichen Kampf dieses Jahr zwischen Gamboa und Lopez weiter anzuheizen, muss der Kubaner nun also zeigen, wie er mit Rogers Mtagwa umzugehen weiß, der Juan Manuel Lopez in seinem letzten Kampf am Rande einer Niederlage hatte.
    Vor dem Lopez-Kampf wurde Mtagwa eigentlich von vielen als ungefährlich für den Puertoricaner eingestuft, standen doch seinen 26 Siegen 12 Niederlagen gegenüber ohne dabei auf Gegnerschaft der allerhöchsten Qualität gestoßen zu sein. Sein Bekanntheitsgrad resultierte hauptsächlich aus dem Kampf mit Tomas Villa, den er in der zehten Runde ausknockte. Nicht, dass dies so ein großer Sieg war, doch war es einer der besten Kämpfe des Jahres 2008 mit einem dramatischen Ende. Nachdem Mtagwa in Runde neun am Boden war und kurz vorm KO zu stehen schien, kam er in der zehnten Runde zurück, um Villa drei Mal auf die Bretter zu schicken und auszuknocken. Seine Zähigkeit und seine Nehmerfähigkeiten waren spätestens nach diesem brutalen Kampf also bekannt, doch seine fehlende boxerische Klasse ließ viele daran zweifeln, dass er Lopez vor Probleme stellen könnte. Wie es sich herausstellte, konnte er das, wie noch niemand vor ihm. Trotzdem sind Experten und Buchmacher eher nicht der Meinung, dass er das im Kampf mit Yuriorkis Gamboa wiederholen können wird.
    Gamboa verteidigt gegen Mtagwa zum zweiten Mal seinen WBA-Titel im Federgewicht. Nachdem er von Anfang an, als er aus Kuba geflohen und ins Profilager gewechselt war, als zukünftiger Weltmeister gehandelt wurde, bezwang er letztes Jahr Jose Rojas im Kampf um die Interimsversion des WBA-Gürtels. Nach bis dahin äußerst spektakulären, aber auch teilweise überstürzten und wilden Auftritten, in denen er auch das eine oder andere Mal zu Boden musste, zeigte er sich gegen Rojas und auch in seiner ersten Titelverteidigung gegen Whyber Garcia als gereifter Boxer. Weniger sorglos nutzte er seine überragende Schnelligkeit, seine Schlagkraft und seine technische Exzellenz, um kontrollierter zum Sieg zu kommen. Gegen Rogers Mtagwa sollte er unbedingt weiterhin so boxen.
    Er ist in boxerischer sowie in athletischer Hinsicht Mtagwa um Längen überlegen und sollte bei einer intelligenten Strategie keine großen Probleme haben mit dem robusten Tansanier. Sollte er jedoch sich von seinem Übermaß an Talent blenden lassen, und alle Vorsicht in den Wind schießen, könnte es auch für Gamboa nach hinten los gehen. Mtagwa besitzt ein exzellentes Kinn und wird sich auch von Gamboas Bomben nicht all zu schnell beeindrucken lassen. Trotzdem sollte Gamboa souverän weiter boxen und sich nicht davon irritieren lassen. Dann wird Gamboa wenig Probleme mit dem etwas kruden, aber eisenharten Mtagwa haben. Der Kubaner ist viel zu schnell auf den Füßen und mit den Händen. Ich rechne damit, dass Yuriorkis Gamboa, im Gegensatz zu Juan Manuel Lopez, einen intelligenten Kampf kämpfen wird, und Rogers Mtagwa alt aussehen lassen wird. Er sollte in der Lage sein immer wieder schnell in die Halbdistanz zu gehen und da blitzschnelle Kombinationen abzufeuern, und selbst Mtagwas Eisenkinn dürfte das nicht die volle Distanz aushalten. Meiner Meinung nach wird Mtagwa nach etwa 10 einseitigen Runden aus dem Kampf genommen, und Gamboa wird einen weiteren Schritt zu einem absoluten Kampf, möglicherweise gegen Lopez, machen.


    Brian Viloria – Carlos Tamara

    Auf den Philippinen findet die andere interessante Veranstaltung des Wochenendes neben der in New York statt. Im Minimumgewicht trifft Weltmeister Donnie Nietes auf Jesus Silvestre, und im Hauptkampf verteidigt Halbfliegengewichtsweltmeister Brian Viloria seinen IBF-Titel gegen Carlos Tamara.
    Der einst als kommender Star geltende Viloria hatte nach zwei verloreren Titelkämpfen 2006 und 2007 letztes Jahr in die Spur zurück gefunden, und mit seinem Sieg gegen Weltmeister Ulises Solis die wohl beste Vorstellung seiner Karriere abgeliefert. Seitdem hat er den Titel einmal erfolgreich gegen Jesus Iribe verteidigt.
    Carlos Tamara scheiterte in seinem bisher einzigen Kampf um eine WM an den langjährigen Fliegengewichtsweltmeister Omar Narvaez deutlich. Seitdem hat er nicht all zu viel gemacht, um sich eine erneute Titelchance zu verdienen. Sein bester Sieg seitdem kam gegen Juan Esquer.
    Tamara ist zwar durchaus talentiert und kann boxen, ist aber wohl eine Liga unter Brian Viloria, der so gut wie nie zuvor zu sein scheint. Viloria sollte am Ende mit einem recht komfortablen Punktsieg dastehen.


    Donnie Nietes – Jesus Silvestre

    Auf der Undercard von Viloria gegen Tamara boxt Minimumsgewichts-WBO-Weltmeister Donnie Nietes gegen Jesus Silvestre. Nietes ist ein grundsolider Boxer ohne große Schwächen, und verteidigt bereits zum vierten Mal seinen Titel gegen einen eher mittelmäßigen Gegner. Denn Jesus Silvestre fehlt eindeutig der Kampfrekord, der ihn für einen Titelkampf qualifiziert. Von seinen 16 Profikämpfen kamen 10 gegen Gegner, die noch ohne Sieg im Ring waren, und nur drei Boxer, von denen er gegen einen verlor, besaßen überhaupt einen positiven Kampfrekord. Seine Kämpfe waren meist auf kleineren mexikanischen Veranstaltungen und seine wahre Leistungsfähigkeit lässt sich nicht wirklich herauslesen. Doch allein schon aufgrund von Silvestres fehlender Erfahrung gegen Gegner von Nietes Qualität, muss der amtierende Weltmeister als Favorit gelten.

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