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Wochenendvorschau 20.11.-21.11.2009

Im Rampenlicht steht am Wochenende ganz klar das letzte Erstrundenduell des Super-Six-World-Boxing-Classics zwischen Mikkel Kessler und Andre Ward. Doch auch sonst ist das Wochenende mit Topkämpfen gespickt, von denen allein acht Kämpfe um den Weltmeistertitel gehen…

  • Mikkel Kessler – Andre Ward
  • Edgar Sosa – Rodel Mayol
  • Marvin Sonsona – Alejandro Hernandez
  • Giacobbe Fragomeni – Zsolt Erdei
  • Moruti Mthalane – Julio Cesar Miranda
  • Marcos Rene Maidana – William Gonzalez
  • Humberto Mauro Gutierrez – Vitali Tajbert
  • Giovanni Segura – Sonny Boy Jaro
  • Dimitri Sartison – Stjepan Bozic
  • Ulises Solis – Gilberto Keb Baas

  • Mikkel Kessler – Andre Ward

    Die erste Runde des Super-Six-Turniers wird am Samstag in Kalifornien abgeschlossen. Beim Aufeinandertreffen von Turnierfavorit Mikkel Kessler und Andre Ward steht außerdem der WBA-Titel im Supermittelgewicht auf dem Spiel.
    Beide Boxer hatten am 12.09. noch einen Aufbaukampf, um sich aufeinander vorzubereiten. Mikkel Kessler gewann in vier Runden gegen Gusmyr Perdomo, sah aber beinahe einjähriger Pause nicht ganz so gut aus, wie in einigen Kämpfen zuvor. Andre Ward hingegen konnte bei seinem dreirundigen TKO-Sieg gegen Shelby Pudwill überzeugen.
    Trotzdem gilt Mikkel Kessler allgemein als Favorit. Allein schon sein deutlich stärkerer Kampfrekord drängt ihn in die Favoritenrolle. Mikkel Kessler ist bereits zum zweiten Mal Supermittelgewichtsweltmeister, nachdem er vor zwei Jahren in seiner einzigen Profiniederlage mit Joe Calzaghe einem der besten Boxer der Welt unterlag und seinen Titel verlor, nicht ohne dabei auch seine Runden zu haben. Auf seinem Kampfrekord stehen Siege über Leute wie Dimitri Sartison, Anthony Mundine oder Librado Andrade, während Andre Ward im Grunde erst einen beachtenswerten Gegner geboxt hat. Im Mai dieses Jahres führte er Edison Miranda vor, der allerdings bisher auch immer den Kürzeren zog, wenn es gegen Weltklasseleute ging.
    Doch auch, wenn man von der Erfahrung und der bisherigen Gegnerschaft absieht, muss der Däne Kessler als Favorit gelten. Er wird seit Joe Calzaghes Aufstieg ins Halbschwergewicht und seinem späteren Rücktritt vom Sport als bester Boxer im Supermittelgewicht angesehen, und das nicht zu Unrecht. Er boxt sehr textbuchmäßig, ist schlagstark und physisch den meisten seiner Gegner überlegen. Das Einzige, was ihm teilweise vorgeworfen wird, ist, dass er teils „robotisch“ wirkt. Es wird angezweifelt, ob er mit technisch guten Leuten, die ihn geschickt boxen und seinen manchmal etwas vorausschaubaren Attacken aus dem Weg gehen können, umgehen kann.
    Und genau dort kommt Andre Ward ins Spiel. Als der Olympiasieger von 2004 gegen Edison Miranda, der als großer Puncher gilt, in den Ring stieg, war die vorherrschende Frage, ob Ward, dessen Kinn zumindest als fragwürdig gilt, Volltreffer von Miranda wegstecken könne. Doch soweit kam es nicht wirklich, da der flinke Amerikaner seine Schnelligkeitsvorteile nutzte, und Miranda die meiste Zeit der 12 Runden treffen konnte ohne selber getroffen zu werden. Wenn Andre Ward geschickt und konzentriert boxt, ist es schwer ihn klar zu treffen. Technisch ist er möglicherweise der beste Boxer des Turniers und seine Fähigkeit zwischen der Normal- und der Rechtsauslage mitten im Kampf zu wechseln ist inzwischen so gut, dass er seinem Gegner kaum die Möglichkeit gibt, den Moment, in dem Ward außer Gleichgewicht ist auszunutzen, und er seinen Gegner durch diese häufigen Wechsel vor einige Probleme stellen kann.
    Die Rollen sind klar verteilt: Kessler ist der Puncher im Kampf, und Ward der Boxer. Der Däne wird von außen versuchen seinen guten Jab zu etablieren, um damit seine harten und präzisen rechten Geraden vorzubereiten. Der Jab ist ganz klar der Schlüssel für Kesslers Erfolg und als langsamerer der beiden Boxer muss er ihn gut timen, um Wards Handspeed zu negieren. Allerdings ist es gerade gegen einen Switch-Hitter wie Ward, der ständig und vor allem effektiv seine Auslage wechselt, den Jab zu etablieren, so dass er möglicherweise, wenn Ward in Rechtsauslage boxt, mehr zu unvorbereiteten rechten Geraden greifen muss. Auch der unvorbereitete linke Haken, den Kessler nicht ganz so oft schlägt, könnte eine gute Waffe sein, sollte Ward, um Kesslers rechten Geraden zu entgehen, gegen den Uhrzeigersinn um ihn zirkeln. Trotzdem bleibt der Jab mit einem konstanten aggressiven, Druck machendem Stil der Schlüssel für den Dänen.
    Für Andre Ward gilt es seinen Handspeedvorteil jede Sekunde des Kampfes auszunutzen. Joe Calzaghe hat schon aufgezeigt, dass schnelle Boxer Kessler nicht unbedingt liegen, auch wenn Calzaghe komplett anders boxt als Andre Ward. Des Weiteren gilt es aufmerksam zu bleiben, und ausnahmslos gute Beinarbeit zu liefern, um Kesslers Schlagkraft aus dem Weg zu gehen. Ward muss die Distanz halten, möglichst von der rechten Hand wegzirkeln, und, wie er es schon in anderen Kämpfen gut gemacht hat, im Infight den Clinch suchen, um Kesslers Aggressivität und physische Stärke dort zu ersticken. Sein Ziel muss ein Punktsieg sein. Die nötige Power um den toughen, ausdauernden Kessler zu stoppen, besitzt Ward wohl kaum. Daher muss er auf schnelle, präzise Einzelschläge verlassen, die er dank seiner flinken Hände und Kesslers fehlenden Kopfbewegungen gut anbringen können sollte.
    Der Kampf sollte so aussehen, dass Kessler nach vorne marschiert und Druck macht, während Ward sich vor allem anfangs relativ erfolgreich seinen Angriffen entziehen kann. Jedoch rechne ich damit, dass Kessler, auch wenn er die Anfangsrunden verlieren sollte, genug Körpertreffer ins Ziel bringen wird, um dem Amerikaner für die hinteren Runde zu verlangsamen, so dass es ihm weniger und weniger gelingen wird, sich vor Kesslers konstantem Druck zu schützen. Gerade deshalb ist ein später Abbruchsieg für Kessler, der mehr als genug Schlagkraft für einen KO besitzt, eine nicht unwahrscheinliche Möglichkeit. Doch ich persönlich halte Wards Kinn für etwas unterschätzt, und ich denke nicht, dass er gleich nach dem ersten Volltreffer KO gehen wird. Ich tippe darauf, dass Kessler etwa ab der dritten oder vierten Runde das Zepter in die Hand nimmt, und Ward über effektive Aggressivität die Runden abnehmen wird. Der Amerikaner wird zwar noch die eine oder andere Runde gewinnen können und die meisten eng gestalten, aber am Ende meiner Meinung nach knapp und vielleicht sogar umstritten nach Punkten verlieren.
    In meinen Augen kommt der Kampf gegen Kessler für Ward ein, zwei Jahre zu früh. Er hat sicherlich noch nicht sein ganzes Potenzial ausgeschöpft zu diesem Zeitpunkt. Sollten Ward und Kessler aber im Halbfinale oder gar im Finale noch ein Mal aufeinander treffen, was ich nicht für so unwahrscheinlich halte, würde ich Ward eine deutlich höhere Chance zuschreiben, und möglicherweise favorisieren. Zu diesem Zeitpunkt wird es aber noch nicht ganz reichen.


    Edgar Sosa – Rodel Mayol

    Der Puertoricaner Ivan Calderon gilt seit August 2007, als er aus dem Minimumgewicht aufstieg und Hugo Cazares bezwang, als Nummer 1 des Halbfliegengewichts. Doch der Mexikaner Edgar Sosa, der am Samstag seine elfte Titelverteidigung des WBC-Titels macht, klopft langsam an der Tür des schleichend nachlassenden Calderons. Sosa trifft auf Rodel Mayol, dessen beide letzten Kämpfe eben gegen Ivan Calderon waren. Im Juni kämpfte er dem ungeschlagenen Calderon ein technisches Unentschieden in 6 Runden ab, drei Monate später unterlag er auf zwei der drei Punktkarten nach 7 Runden in einer technischen Punktentscheidung.
    Diese beiden Kämpfe haben Mayols Karriere wirklich revitalisiert. Der 28-jährige Filipino hatte zuvor 3 seiner letzten 6 Kämpfe verloren, bei denen er zwei Mal ausgeknockt wurde, und seine Siege gegen schwache unbekannte Gegner eingefahren. Vor allem sein erster Kampf gegen Calderon sorgte dann allerdings für Aufsehen, und so konnte er sich gegen Edgar Sosa den dritten Titelkampf in Folge sichern.
    Sosa ist seit 6 Jahren ungeschlagen, als er früh in seiner Karriere auf den späteren Weltmeister Ulises Solis traf. Davor erlitt er bereits vier weitere Niederlage, die aber wohl kaum etwas über seine wahre Leistungsstärke aussagen. Seit seinem Titelgewinn gegen den heutigen IBF-Weltmeister Brian Viloria hatte er keinen engen Kampf mehr, und seine letzten vier Titelverteidigungen konnte er alle vorzeitig für sich entscheiden.
    Sosa ist für mich einer der am stärksten unterschätzten Boxer derzeit. Er kann im Ring eigentlich alles und sollte selbst einem Mann wie Rodel Mayol klar überlegen sein. Mayol ist unangenehm zu boxen, was auch schon Calderon erfahren musste. Aber Sosa ist facettenreicher und kann sowohl von außen als auch im Infight boxen. Er hat mehr Power als Calderon und sollte insgesamt weniger stilistische Probleme mit Mayol haben als der Puertoricaner. Zurzeit sehe ich im Halbfliegen niemanden, vermutlich nicht einmal den alternden Calderon, der Edgar Sosa schlägt, wenn dieser nahe seiner Topform ist. Mayol wird die Anfangsrunden einigermaßen eng gestalten können, bevor Sosa mehr und mehr übernimmt und ihn hinter dem Jab klar ausboxt. Ich denke, dass Mayol in der zweiten Kampfeshälfte so stark überfordert sein wird, dass Sosa ihn nach Belieben treffen wird und ihn so um die neunte Runde herum stoppt.


    Marvin Sonsona – Alejandro Hernandez

    „Marvelous“ Marvin Sonsona verteidigt zum ersten Mal seinen WBO-Titel im Superfliegengewicht, den er vor zwei Monaten mit einer klasse Vorstellung gegen Jose Lopez gewonnen hatte. Der gerade mal 19-jährige Filipino trifft dabei auf den vier Jahre älteren Mexikaner Alejandro Hernandez.
    Der bisher größte Auftritt von Hernandez kam vor 14 Monaten, als er den langjährigen Fliegengewichtsweltmeister der WBO, Omar Andres Narvaez, herausforderte, aber einseitig nach Punkten unterlag. Zuletzt verlor er im Kampf um den mexikanischen Fliegengewichtstitel gegen Wilbert Uicab nach Punkten. Er ist kein wirklich schlechter Boxer, macht aber nichts so wirklich gut außer, dass er ziemlich ausdauernd ist, und dürfte Sonsona in eigentlich allen Belangen unterlegen sein.
    Denn Sonsona sah vor allem in seinem letzten Kampf gegen Jose Lopez großartig aus und zeigte Schlagkraft, Handspeed, technisches Können und Durchhaltevermögen. Er wird durchaus als kommender Superstar gehandelt und besitzt definitiv einiges an Potenzial.
    Auf dem Papier scheint der Kampf demnach eine eindeutige Sache zu sein, jedoch machen Meldungen die Runde, dass Marvin Sonsona der Weltmeistertitel zu Kopf gestiegen sei und dass er trainingsfaul für diesen Kampf gewesen sein soll. Außerdem scheint es möglich zu sein, dass Sonsona, der neun Pfund über dem Superfliegengewichtslimit sein soll, Probleme haben könnte, das Gewicht zu machen.
    Sollte dies der Fall sein, könnte der Kampf viel schwieriger werden als erwartet. Hernandez wird sich nicht leicht von Sonsonas Schlagkraft beeindrucken lassen, und sollte Sonsona aufgrund schlechter Vorbereitung die Kondition fehlen 12 Runden lang ein gutes Tempo zu gehen, könnte es hinten heraus eng werden und es eine böse Überraschung für Sonsona geben.
    Trotzdem muss man hier Sonsona als Favoriten sehen, da er einfach eine Klasse über Hernandez ist. An den Meldungen über Sonsonas Fitness wird aber zumindest ein wenig dran sein, weshalb ich darauf tippe, dass Sonsona zum Schluss hin einige Probleme bekommen wird, es aber schafft eine einigermaßen enge, aber verdiente Punktentscheidung zu gewinnen.


    Giacobbe Fragomeni – Zsolt Erdei

    Zsolt Erdei steigt aus dem Halbschwergewicht ins Cruisergewicht auf, wenn auch möglicherweise nur kurzfristig. Dort fordert er WBC-Weltmeister Giacobbe Fragomeni heraus, der vor etwa einem Jahr den vakanten Titel gegen den Tschechen Rudolf Kraj gewann. Danach reichte es in der ersten Verteidigung gegen Krzysztof Wlodarczyk zu einem Unentschieden. Seine einzige Niederlage kam 2006 gegen David Haye, der ihn in 9 Runden stoppte.
    Zsolt Erdei hingegen ist noch ungeschlagen und verteidigte seinen WBO-Titel im Halbschwergewicht elfmal erfolgreich. Die richtig guten Gegner fehlten dabei allerdings. Fragomeni könnte möglicherweise sein schwerster Test in letzter Zeit werden. Fragomeni ist zwar mit 40 Jahren nicht mehr der Jüngste, aber er ist immer noch in Topform und wird Erdei 12 Runden lang einen Höllendruck machen.
    Ich denke, dass das der entscheidende Faktor sein wird. Das Cruisergewicht scheint mir eine Gewichtsklasse zu hoch für Erdei zu sein, der meiner Meinung nach Probleme mit Fragomenis Druck und Schlagfrequenz bekommen wird. Ich glaube nicht, dass Fragomeni Erdei vorzeitig besiegen wird, und ich glaube auch nicht, dass Erdei den robusten Fragomeni KO schlagen wird. Es wird ein enger, intensiv geführter Kampf werden bei dem es wohl den Ausschlag geben wird, dass Fragomeni nach vorne geht und insgesamt mehr macht. Ich denke an eine sehr enge Punktentscheidung für den Italiener.


    Moruti Mthalane – Julio Cesar Miranda

    Am Freitagabend treffen in Johannesburg der südafrikanische Boxer Moruti Mthalane und der Mexikaner Julio Cesar Miranda aufeinander. Mthalane ist vor allem durch seine TKO-Niederlage im letzten Jahr gegen Weltmeister Nonito Donaire bekannt, während Mirandas größter Kampf eine weite Punktniederlage gegen Weltmeister Pongsaklek Wonjongkam im April dieses Jahres war. Nachdem IBF-Weltmeister Donaire inzwischen ins Superfliegengewicht aufgestiegen ist und dort bei der WBA Weltmeister geworden ist, kämpfen beide um den nun vakanten Titel.
    Julio Cesar Miranda zeigte sich direkt nach seiner Niederlage gegen den zwar nicht mehr so überragenden aber immer noch starken Wonjongkam eine gute Vorstellung in einem Eliminator gegen den früheren Halbfliegengewichtsweltmeister Eric Ortiz, den er in einer Runde KO schlug. Generell ist er ein sehr starker Puncher, stärker wohl noch, als seine KO-Quote von 65% erkennen lässt. Mit Mthalane steht er einem boxerisch etwas besseren Mann gegenüber, der hin und wieder auch mit guter Schlagkraft überrascht.
    Es ist ein sehr ausgeglichener Kampf, den beide gewinnen können, doch Mthalanes doch recht starke Vorstellung gegen Nonito Donaire lässt mich ihn etwas favorisieren. Noch dazu findet der Kampf in Mthalanes Hinterhof in Südafrika statt, so dass ich auf einen Punktsieg des Südafrikaners tippe. Er muss jedoch vorsichtig sein, da jeder Schlag von Miranda im Grunde das vorzeitige Ende bedeuten kann.


    Marcos Rene Maidana – William Gonzalez

    In einem der besten Kämpfe des Jahres und vielleicht einer der größeren Überraschungen des Jahres besiegte Marcos Rene Maidana den hoch gehandelten Amerikaner Victor Ortiz und sicherte sich die Interimsversion des WBA-Titels im Halbweltergewicht. In seiner ersten Titelverteidigung hat er sich einen etwas ungefährlicheren Gegner ausgesucht.
    William Gonzalez fehlt, mit Ausnahme von Andreas Kotelnik, gegen den im Übrigen auch Maidana verlor, jegliche Erfahrung auf Weltklasseniveau. Trotzdem verlor er 3 seiner letzten 5 Kämpfe.
    Maidana hat einen überragenden Punch, gute Nehmerfähigkeiten und kann auch durchaus boxen. Gonzalez sollte er klar überlegen sein. Maidana wird früh anfangen klare und harte Treffer zu landen, und, obwohl Gonzalez einiges abkann, wird es nicht allzu lange dauern, bis Maidana ihn genug zermürbt hat, um den Kampf zu beenden. Ich kann mir vorstellen, dass er irgendwann innerhalb der ersten 5 Runden per KO gewinnt, um demnächst gefährlicheren Herausforderern gegenüber zu treten.


    Humberto Mauro Gutierrez – Vitali Tajbert

    Auf der Undercard von Fragomeni-Erdei kommt es zu diesem weiteren Titelkampf, in dem Humberto Mauro Gutierrez seinen Interims WBC-Superfedergewichtstitel verteidigt. Sein Gegner ist der frühere Topamateur Vitali Tajbert, der bei den Profis bisher etwas hinter den Erwartungen zurück blieb. Tajbert verlor vor einem Jahr gegen Sergey Gulyakevich, eben der Mann, gegen den Gutierrez seinen Titel gewann. Doch das hat, vor allem, so wie die beiden Kämpfe waren, nichts zu sagen.
    Beides sind wirklich gute, vielerorts unterschätzte Boxer, die für einen guten, technischen Kampf sorgen sollten. Tajbert halte ich für den schnelleren Mann, während Gutierrez für mich physisch stärker ist. Auf alle Fälle ist der Kampf äußerst eng und ein klarer Favorit ist für mich nicht auszumachen.
    Ich tippe jedoch auf einen Punktsieg von Tajbert, der vor heimischer Kulisse hoch motiviert und konzentriert agieren wird, und mit seinen schnellen Händen eine einigermaßen enge Punktentscheidung herausboxen wird.


    Giovanni Segura – Sonny Boy Jaro

    Im vielleicht kontroversesten Kampf des Jahres, der allerdings, wie die niedrigen Gewichtsklassen generell, wenig Medienecho nach sich zog, konnte sich Giovanni Segura Mitte März den Interimstitel im Halbfliegengewicht nach Version der WBA sichern. In einem Rematch mit Cesar Canchila, der ihn zuvor ausboxte, gewann er durch einen äußerst umstrittenen KO nach vier Runden, in denen Canchila konstant angeschlagen war. In seiner zweiten Titelverteidigung trifft er nun am Samstagabend auf Sonny Boy Jaro, der seinerseits in seinem letzten großen Kampf dem starken Edgar Sosa klar nach Punkten unterlag, obwohl er ihn einmal zu Boden schicken konnte. Seine beiden Kämpfe danach konnte er jeweils bereits in der ersten Runde per KO entscheiden.
    Generell zeigte der Filipino in letzter Zeit einiges an Schlagkraft, doch es wäre sicherlich nicht das Klügste sich auf einen Schlagabtausch mit Segura einzulassen, der definitiv einiges mehr an Dampf in den Fäusten besitzt. Boxerisch hat Segura nicht viel zu bieten, meist schwingt er wild drauf los, so dass Jaro durchaus die Chance hat den Mexikaner auszuboxen. Doch ich bezweifle, dass er dazu die Klasse besitzt. Segura muss hier einfach als Favorit gelten, und ich denke, dass er Jaro so um die fünfte Runde herum ausknockt. Möglicherweise wird er bis dahin einige Probleme mit dem Filipino haben, doch, sobald Segura einen seiner Schwinger landet, wird es nicht mehr lange dauern bis Jaro aus dem Kampf genommen wird.


    Dimitri Sartison – Stjepan Bozic

    Vor knapp anderthalb Jahren scheiterte Dimitri Sartison in seinem Streben nach einem Weltmeistertitel noch klar an Mikkel Kessler, der ihn in der zwölften Runde stoppte. Am Samstag bekommt er seine zweite Chance, wenn er auf den Kroaten Stjepan Bozic trifft.
    Bozic ist eher ein Durchschnittsboxer, der gegen den einzigen stärkeren Gegner, mit Ausnahme des alternden Julio Cesar Vasquez, Vitali Tsypko deutlich verlor. Er ist in allen Facetten solide, aber nirgendwo drin wirklich gut. Sartison ist sicherlich auch kein Mann, der zur Elite des Supermittelgewichts gehört, aber er ist für mich in jeglicher Beziehung etwas besser als Bozic. Ich glaube sogar, dass er Bozic klar beherrschen wird, der Kroate aber den Schlussgong dank seiner Härte noch erleben wird.


    Ulises Solis – Gilberto Keb Baas

    Vor sieben Monaten verlor Ulises Solis etwas überraschend gegen Brian Viloria seinen IBF-Titel im Halbfliegen, den er zuvor in drei Jahren achtmal erfolgreich verteidigt hatte. Nach einem Sieg gegen Aufbaugegner Dirceu Cabarca will er mit einem weiteren Erfolgserlebnis gegen den erfahrenen, kampferprobten Gilberto Keb Baas seinen Weg zurück Richtung Titelchance fortsetzen.
    Baas konnte keinen seiner letzten sieben Kämpfe gewinnen (darunter zwei Unentschieden), hatte aber dabei durchgehend eine durchaus akzeptable Gegnerschaft vor den Fäusten. Ulises Solis ist jedoch wohl noch mal stärker einzuschätzen als zumindest die meisten dieser Gegner. Solis ist normalerweise ein sehr guter Boxer, der sowohl technische Finesse als auch eine gewisse Härte in seinem Repertoire hat und Keb Baas sollte seinerseits nichts in seinem Arsenal haben, was Solis noch nicht gesehen hat. Ausdauern ist er jedoch, so dass ich auf einen sehr deutlichen Punktsieg für Solis nach 10 Runden tippe.

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