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Wochenendvorschau 19.-20.02.2010

Die absoluten Topkämpfe fehlen auch dieses Wochenende weiterhin, doch vor allem das Federgewicht macht weiterhin auf sich aufmerksam. Nachdem in letzter Zeit bereits Juan Manuel Lopez, Yurorkis Gamboa in Federgewichtstitelkämpfen gewannen, und letzte Woche Bernabe Concepcion in einem guten Kampf Mario Santiago schlug, gibt es nun zwei weitere Titelkämpfe in der Gewichtsklasse bis 126 Pfund. Cristobal Cruz und Elio Rojas verteidigen dabei ihre Gürtel. Außerdem kommt es zu einem Titelkampf im Halbfliegengewicht, der spannender werden könnte, als es auf den ersten Blick aussieht.

  • Cristobal Cruz – Ricardo Castillo III
  • Elio Rojas – Guty Espadas Jr.
  • Giovanni Segura – Walter Tello

  • Cristobal Cruz – Ricardo Castillo III

    Am Freitagabend treffen in Mexiko bereits zum dritten Mal in ihrer Profikarriere Cristobal Cruz und Ricardo Castillo aufeinander. Nach einem Punktsieg von Cruz vor mehr als sieben Jahren forderte Castillo ihn im Dezember letzten Jahres um dessen Titel heraus, doch der Kampf wurde nach drei Runden wegen einer Cutverletzung abgebrochen. Nun kommt es zur Wiederholung.
    Cristobal Cruz hatte Ende 2008 als ewiger Außenseiter den IBF-Titel im Federgewicht gewonnen und ihn vor dem Aufeinandertreffen mit Castillo zwei Mal erfolgreich verteidigt. Gegen Castillo war er zum ersten Mal seit langem klarer Favorit, doch anfangs zeigten sich beide im Kampf gegenseitig viel Respekt bis sich beide in ihre Rollen einfanden: Castillo konzentrierte sich darauf aus der Distanz mit dem Jab zu agieren, während Cruz im Vorwärtsgang den boxenden Castillo vor sich her trieb um ab und an mit wilden Schlägen in die Nahdistanz zu springen. Die drei unsauber absolvierten Runden bis zum Abbruch, der kam als Cruz einen Cut überm linken Auge erlitt nachdem sich ihre Köpfe trafen, als Cruz in einen Schlag hineinsprang, waren nichts für Boxästheten. Nicht nur, dass es Kopfstöße, Tiefschläge und Gerangel zu sehen gab; beide Boxer glänzten auch nicht gerade als Filigrantechniker und vertrauten mehr auf ihre Physis, auch wenn Castillo versuchte boxerische Klasse auszuspielen.
    Der inzwischen dritte Kampf zwischen den beiden sollte vermutlich ähnlich verlaufen wie der letzte anfing. Cruz, der einen eisenharten Stiefel herunterboxt, wird wohl unbarmherzig nach vorne gehen um seine hohe Aktivität und seine harten Schwinger in der Nahdistanz in Punkte umzumünzen. Castillo hingegen wird unter Umständen erneut versuchen die Rolle des Boxers einzunehmen, und den Jab benutzen um sich den wilden Cruz vom Leib zu halten, da er in einer rein physischen Auseinandersetzung wohl den Kürzeren ziehen würde.
    Jedoch glaube ich nicht, dass Castillo die boxerische Klasse besitzt um eben diesen Plan umzusetzen. Sein Jab ist nicht zwingend genug und seine Beinarbeit nicht gut genug um Cruz am Heranstürmen zu hindern. Cruz dürfte immer wieder in der Lage sein Castillo zu stellen und langsam zu zerbrechen. Auch Castillo ist ein harter Hund, der einiges einstecken kann um ein bisschen was auszuteilen, aber mit Cruz wird er in der Beziehung meiner Meinung nach nicht mithalten können. Ich denke mir, dass Castillo zum Schluss hin schwer gezeichnet sein wird von den vielen Treffern, die er kassieren wird, es aber bis zum Schlussgong durchhält, um nach Punkten klar zu verlieren.


    Elio Rojas – Guty Espadas Jr.

    Nachdem Elio Rojas letzten Juli den WBC-Titel im Federgewicht in Japan gewann, geht er für seine erste Titelverteidigung direkt wieder in das Heimatland seines Gegners. Am Samstagabend heißt sein Gegenüber in Merida in Mexiko Guty Espadas Jr.
    Gegen Takahiro Aoh, als Rojas den Titel gewann, sah er spektakulär aus. Er gewann deutlich nach Punkten und führte den starken Japaner phasenweise vor. Als Außenseiter in den Kampf kommend zeigte der Dominikaner technische Klasse, schnelle Hände, gute Defensivarbeit und Ringintelligenz, und bewies sich damit als einer der besten Boxer des derzeit herausragend besetzten Federgewichts.
    Nach einer guten Amateurlaufbahn, in der er unter anderem durch einen Finalsieg gegen Juan Manuel Lopez, nun ebenfalls Federgewichtsweltmeister, Gold bei den Pan America Games gewann, wechselte Rojas 2004 ins Profilager. Ungefähr drei Jahre lang boxte er gegen überforderte Gegner bevor er bessere Gegner vor die Fäuste bekam. Im Juli 2007 erlitt Rojas seine bisher einzige Niederlage, als er kontrovers gegen Gamaliel Diaz verlor. Rojas schien in einem Kampf, in dem er zu Unrecht zwei Punktabzüge bekommen hatte, dennoch knapp vorne zu sein, verlor aber auf den Punktkarten von zwei Punktrichtern knapp. Seitdem hat er zwei dominante Siege gegen Hector Velazquez und eben zuletzt gegen Takahiro Aoh gefeiert.
    Guty Espadas Jr., Sohn von Ex-Fliegengewichtsweltmeister Guty Espadas, war bereits vor gut 10 Jahren einmal WBC-Weltmeister im Federgewicht. Damals verlor er jedoch in seiner zweiten Titelverteidigung nach einem sehr engen Kampf den Gürtel an den großartigen, damals noch ungeschlagenen Erik Morales. Nachdem Espadas in den nächsten neun Kämpfen vier weitere Niederlagen hinnehmen musste, unter anderem eine kurzrundige KO-Niederlage im Rückkampf mit Morales und eine brutale KO-Niederlage gegen Rocky Juarez, trat er Ende 2004 vom Boxsport zurück. Im März 2007 stand er dann wieder im Ring und ist seitdem in sieben Kämpfen ohne Niederlage, wenn auch gegen größtenteils unterdurchschnittliche Gegner.
    Gegen Elio Rojas macht er nun einen großen Schritt nach oben, was seine Gegnerschaft nach seiner Rückkehr in den Ring betrifft. Und es sieht nicht so aus, als könnte er diesen Schritt erfolgreich machen. Rojas scheint fast alle Asse im Ärmel zu haben. Er ist der schnellere Boxer, der technisch feiere Boxer, der defensivstärkere und agilere. Außerdem ist er acht Jahre jünger als der bereits 35-jährige Espadas Jr., und besitzt einen Reichweitenvorteil von etwa 8 Zentimetern, was bei Rojas Stil aus der Distanz zu boxen ein großer Vorteil sein wird. Die einzigen Trümpfe, die der Mexikaner in der Hand hält, sind seine größere Erfahrung auf hohem Niveau und sein Heimvorteil in Mexiko. Doch dieser sollte ihm vermutlich nicht viel bringen.
    Rojas hat gegen Aoh technisch feines Distanzboxen auf hohem Niveau gezeigt, und seine schnellen ansatzlosen Hände dürften Espadas vor ein schwer zu lösendes Problem stellen. Espadas wird versuchen in die Halbdistanz zu kommen um Rojas in eine echte Schlacht zu verwickeln, doch Rojas besitzt nicht nur sehr schnelle Hände, sondern ist auch noch enorm flink auf den Beinen und bewegt sich meistens exzellent im Ring. Sollte es Espadas gelingen Rojas im Laufe des Kampfes in einer Ringecke zu stellen, muss er diese Gelegenheit ausnutzen, da sich der Dominikaner solchen Situationen wohl die meiste Zeit geschickt entziehen wird.
    Ich stelle mir einen relativ einseitigen Kampf vor, in dem Rojas seinen Herausforderer kaum zum Zuge kommen lassen wird und ihn meist mit blitzschnellen Kombinationen eindecken wird, während er gleichzeitig Espadas Schlägen zum großen Teil aus dem Weg gehen wird. Rojas besitzt nicht unbedingt die größte Schlagkraft und scheint sowieso nicht all zu sehr auf KOs auszusein, weshalb Espadas, der ein respektables Kinn besitzt, wohl mit ihm über die volle Distanz gehen wird. Nach den 12 Runden gehe ich aber von einem äußerst deutlichen Punkturteil für den amtierenden Weltmeister aus.


    Giovanni Segura – Walter Tello

    Wenn Giovanni Segura am Samstagabend mit Walter Tello in den Ring steigt um seinen WBA-Gürtel im Halbfliegengewicht zu verteidigen scheint das Ergebnis schon vorprogammiert zu sein.
    Segura hat für seine letzten 6 Siege insgesamt gerade mal 18 Runden gebraucht, alle seiner 18 KO-Siege seiner Karriere hat er innerhalb der ersten 6 Runden gefeiert. Und Walter Tello ist nach dem Kampfrekord zu gehen einer seiner schwächeren Gegner in letzter Zeit. Trotzdem könnte es für den mexikanischen Weltmeister schwerer werden als vielleicht zu erwarten.
    Segura hat nach seiner bisher einzigen Niederlage gegen Cesar Canchila da weitergemacht, wo er vorher aufgehört hatte: Er stoppte seine Gegner nach wenigen Runden. Selbst in der Niederlage gegen Canchila hatte er einen schnellen Start hingelegt und den Kolumbianer in der zweiten Runde auf die Bretter geschickt. Canchila jedoch konnte seine boxerische Überlegenheit danach ausnutzen, und den Rest den Runden Seguras Bomben aus dem Weg gehen um am Ende eine deutliche Entscheidung zu gewinnen. Vier Monate später kam es zum direkten Rückkampf und erneut legte Segura wie die Feuerwehr los: Canchila war sowohl in der ersten als auch in der zweiten Runde am Boden und schien die kompletten ersten drei Runden angeschlagen. In der vierten endete der Kampf kontrovers als Segura klar und deutlich nach dem Rundenende weiter boxte und Canchila, der aufgehört hatte zu boxen mit harten Schlägen traf, woraufhin der Ringrichter den Kampf abbrach und Segura zum neuen Weltmeister durch TKO-Sieg erklärte.
    Nicht weniger kontrovers erfolgte seine nächste Titelverteidigung. Der ursprüngliche Gegner Sonny Boy Jaro musste kurzfristig wegen Visa-Problemen absagen, so dass Juanito Rubillar für ihn einsprang. Segura beherrschte zwar den Kampf, aber, als Rubillar in der Sechsten seine beste Runde seit der Ersten hatte, warf Michael Koncz, der nicht zu Rubillars Team gehörte, sondern als Promoter für Sonny Boy Jaro, dem als nächstes ein Kampf gegen Segura versprochen war, fungierte, das Handtuch, so dass Rubillar aus dem Kampf genommen wurde. Jaro boxte dann schließlich letzten November gegen Segura und wurde in Runde 1 durch einen Körpertreffer ausgeknockt.
    Für Walter Tello, der kurzfristig als Ersatzgegner für Segura gewählt wurde, wird es also vor allem wichtig sein die Anfangsrunden möglichst schadenfrei zu überstehen, was schwer genug werden dürfte. Sein Vorbild für einen Kampfplan muss der erste Kampf zwischen Segura und Canchila darstellen, in dem Canchila, der auch nur kurzfristig für Brahim Asloum einsprang, nach Anfangsschwierigkeiten Segura mit boxerischen Mitteln beherrschte. Denn das ist durchaus möglich. Segura ist alles andere als technisch beschlagen. Er ist äußerst aggressiv, stets im Vorwärtsgang und schlägt eine Menge an weiten Schwingern. Er scheint in seine Schlaghärte ein wenig zu verliebt zu sein, da er jeden Schlag als möglichen KO-Schlag ansetzt und kaum mit dem Jab vorbereitet. Mit guter Technik und gutem Timing ist seinem Boxstil gut beizukommen.
    Dennoch gilt Walter Tello als glasklarer Außenseiter. Das mag einerseits zu Recht so sein, wird andererseits aber auch viel daran liegen, dass er selbst in Fachkreisen für die meisten wohl ein unbeschriebenes Blatt ist. Der Mann aus Panama hat 16 seiner 17 Kämpfe in seinem Heimatland auf kleinen Veranstaltungen absolviert, und seinen einzigen etwas größeren Kampf um den Minimumgewichtsinterimtitel gegen Manuel Vargas in Mexiko klar verloren. Und sein Kampfrekord ist wenig beeindruckend. In seinem vorletzten Kampf wurde er von dem eher mittelmäßigen Luis Alberto Rios in vier Runden gestoppt, und 3 Niederlagen stehen 14 Siege, davon nur 6 durch KO, gegenüber.
    Ich persönlich habe Tello lediglich in seinem letzten Kampf gegen den unterdurchschnittlichen Erick Flores gesehen, den er 8 Runden lang dominierte, und dort präsentierte er sich als boxerisch sehr fähiger Mann, der es seinem überforderten Gegner vor allem sehr schwer machte ihn zu treffen. Sollte er das gegen einen deutlich besseren Gegner wie Segura wiederholen können, hat er trotz der klaren Außenseiterrolle eine Chance.
    Das logische Resultat wäre ein Sieg für Segura innerhalb der ersten vier Runden gegen den kleineren und physisch klar schwächeren Tello, doch sollte dieser in der Lage sein den anfänglichen Tornado, den Segura bringen wird, zu überstehen, könnte der äußerst bewegliche und boxerisch versierte Tello es möglicherweise schaffen für die Riesenüberraschung zu sorgen und Segura den Titel nach Punkten abzunehmen.

    Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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