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Wochenendvorschau 13.11.-14.11.2009

Der Kampf des Jahres findet am Samstagabend in Las Vegas statt, wenn mit Miguel Cotto und Manny Pacquiao zwei der besten Boxer des Planeten auf gegenüberliegenden Seiten des Ringes stehen. Eine ausführliche Vorschau zu diesem Kampf sowie zu den von ihm überschatteten anderen wichtigen Boxkämpfen des kommenden Wochenendes…

  • Miguel Angel Cotto – Manny Pacquiao
  • Daniel Santos – Yuri Foreman
  • Juan Alberto Rosas – Federico Catubay
  • Lovemore N’dou – Matthew Hatton
  • Weitere Kämpfe

  • Miguel Angel Cotto – Manny Pacquiao

    Eine der wichtigsten Voraussetzungen für Erfolg, und das ist nicht nur im Boxen so, ist, dass man in der Lage ist aus Fehlern und Niederlagen zu lernen. Manny Pacquiao verlor zuletzt einen Profikampf im März 2005. Im ersten von drei Aufeinandertreffen schlug ihn die mexikanische Legende Erik Morales nach Punkten.
    Obwohl Pacquiao bis dahin bereits eine sehr erfolgreiche Karriere hatte, war die Niederlage für ihn Anlass sich boxerisch weiterzuentwickeln. Zuvor vertraute er fast ausschließlich auf seine linke Gerade gepaart mit seiner Schnelligkeit und seiner Schlagkraft. Nach dem Morales-Kampf fing er allmählich an auch an seiner rechten Hand zu arbeiten.
    Fast genau drei Jahre später hatte Pacquiao seinen nächsten knappen Kampf, als er zum zweiten Mal mit Juan Manuel Marquez in den Ring stieg. Das erste Mal werteten die Punktrichter den Kampf unentschieden, dieses Mal sahen zwei von drei Punktrichtern Manny Pacquiao vorne und gaben ihm somit den Sieg.
    Doch obwohl Pacquiao bereits in diesem Kampf deutlich vielseitiger war, als noch Jahre zuvor in den ersten Aufeinandertreffen mit Morales und Marquez, und obwohl er von allen Experten zur absoluten Pound-For-Pound-Elite des Sports gezählt wurde, schien der hart erkämpfte, nicht ganz kontroverslose Sieg ihn noch mal dazu anzuspornen sich weiterzuentwickeln. Pacquiaos Trainer Freddie Roach sagte, dass nach dem Kampf plötzlich alle Rädchen ineinander griffen und alles, woran sie die letzten Jahre zusammen gearbeitet hatten, plötzlich funktionierte.
    Manny Pacquiao stieg aus dem Superfedergewicht zuerst ins Leichtgewicht auf, wo er mit David Diaz einen der schwächeren Weltmeister 9 Runden lang vorführte und verprügelte, bevor er ihn KO schlug, um dann zwei weitere Gewichtsklassen hochzugehen und die alternde Ikone des Sports Oscar De La Hoya im Weltergewicht 8 Runden lang überraschend zu deklassieren. Zuletzt boxte er schließlich im Halbwelter, dessen Nr. 1, Ricky Hatton, er in Runde 1 zwei Mal zu Boden schickte, bevor er ihn am Ende der zweiten Runde brutal KO schlug.
    Miguel Cotto lernte auch schnell aus seinen Fehlern. Im September 2005 verteidigte er zum vierten Mal seinen WBO-Titel im Halbweltergewicht, als er gegen den damals unbekannten kolumbianischen Puncher Ricardo Torres in den Ring stieg. Torres erwies sich als gefährlicher als erwartet und schlug Cotto in der zweiten Runde zum ersten Mal in seiner Karriere zu Boden. Obwohl Cotto selber Torres ebenfalls vier Mal niederschlug und schließlich in Runde 7 KO schlug, brachte Torres den Puertoricaner im Laufe des Kampfes des Öfteren in große Schwierigkeiten.
    Cotto, der eher für seine offensiven Qualitäten bekannt war, begann danach Stück für Stück an seiner Defensive zu feilen, und verbesserte sie dabei sehr subtil. Unterdessen zementierte er nach seinem Aufstieg ins Weltergewicht, weiterhin ungeschlagen, seinen Platz als einer der besten Boxer der Welt, unter anderem mit einem Sieg gegen Shane Mosley.
    Im September letzten Jahres traf Cotto dann allerdings im größten Kampf des Jahres auf den Mexikaner Antonio Margarito, der Cotto konstant unter Druck setzte und allem standhielt, was Cotto ihm in der ersten Hälfte des Kampfes entgegen schmiss. Ab Runde 7 begann Cotto langsam einzubrechen und Margarito, der zuvor noch wenig klar traf, und meist hart abgekontert wurde, begann Cottos Gesicht zu einer blutigen Masse zu schlagen. In der elften Runde unterlag Cotto schließlich dem ungeheuren Druck des Mexikaners und verlor den Kampf durch TKO.
    Es wäre wieder Zeit gewesen aus Problemen, und dieses Mal einer Niederlage, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Doch viele Experten meinen an den letzten beiden Kämpfen von Cotto, ein KO-Sieg gegen Michael Jennings, und ein hauchdünner Punktsieg gegen Joshua Clottey, erkannt zu haben, dass Miguel nicht mehr ganz der Alte sei. Oft liest und hört man, dass der Margarito-Kampf ihn psychisch gebrochen habe. Dass noch vor diesen beiden Kämpfen heraus kam, dass Margarito womöglich illegale Substanzen beim Tapen seiner Hände benutzte, und dass hinter seinem Sieg somit zumindest ein Fragezeichen steht, scheint Cotto nicht unbedingt geholfen zu haben, über die Niederlage hinweg zu kommen.
    Im größten Kampf seiner Karriere wird Miguel Cotto aber auf dem Zenith seiner Fähigkeiten sein müssen, um gegen den philippinischen Wirbelwind Manny Pacquiao bestehen zu können. Sein Ziel muss es sein Pacquiaos Speed zu neutralisieren und seine physische Überlegenheit auszunutzen. Cotto kommt zwar aus dem Halbwelter, gilt jedoch als physisch starker Weltergewichtler.
    Pacquiao hingegen hat in ganz jungem Alter einmal im Fliegengewicht angefangen, und den größten Teil seiner Karriere zwischen Superbantam- und Superfedergewicht verbracht. Allerdings scheint er sehr gut und effektiv Gewicht zulegen zu können ohne dabei an unnötiger Masse zu gewinnen, wie vor allem die beiden Kämpfe im Leicht- und Halbweltergewicht zeigten. Das Aufeinandertreffen mit Cotto findet in einem Catchweight von 145 Pfund statt, und allen bisherigen Bildern nach sind sowohl Pacquiao, der im Vergleich zu seinem letzten Kampf 5 Pfund drauflegen durfte, als auch Cotto, der 2 Pfund weniger zum Wiegen bringen muss als zuletzt, in großartiger körperlicher Verfassung.
    Viele Experten halten Pacquiaos Handspeed für den entscheidenden Faktor im Kampf. Zwar hat Cotto mit Zab Judah und Shane Mosley zwei ähnlich schnelle Leute besiegen können, doch brachten beide nicht all das in den Ring, was Pacquiao mit sich bringt. Pacquiao ist nicht nur unheimlich schnell mit Fäusten und Beinen, sondern auch äußerst variabel, unberechenbar und ansatzlos. Dazu kommt, dass er im letzten Kampf gegen Ricky Hatton bewiesen hat, dass er auch in den für ihn so hohen Gewichtsklassen immer noch über überdurchschnittliche Power verfügt.
    In der Ringmitte wird der Kampf für Cotto wohl kaum zu gewinnen sein. Die Geschwindigkeit, mit der Pacquiao rein und raus springt und seine blitzschnellen Schläge ins Ziel bringt, noch dazu aus der Rechtauslage, werden dort Cotto bis auf den gelegentlichen gut getimten Konter hier und da alt aussehen lassen. Pacquiao hat bewiesen, dass er mit jedem Schlag führen kann, ob es seine altbekannte linke Gerade, der Jab oder der rechte Haken ist. Dazu kommen seine gute Beinarbeit und seine sensationellen Kopfbewegungen, die ihn ganz schwer treffbar machen. Als er Ricky Hatton in Runde 1 niederschlug, duckte er sich noch gleichzeitig unter einem von Hattons Schlägen hinweg.
    Miguel Cotto muss also versuchen Manny Pacquiao an die Seile zu drängen, um dort zu treffen, was nur eben zu treffen ist. Besonders seine linken Haken zum Körper, die er so gut wie kaum jemand sonst zur Zeit schlägt, sollte er dort möglichst früh möglichst oft einsetzen, um Pacquiao für die späteren Runde langsamer zu machen. Ein perfekter Schlag von Cotto könnte sicherlich für das vorzeitige Ende sorgen, weshalb Pacquiao gerade eben aufpassen muss, nicht an den Seilen gestellt zu werden, wo die Wahrscheinlichkeit dafür deutlich höher ist.
    Cotto hat schon oft bewiesen, dass er zäh ist, und das wird er gegen Pacquiao sicher erneut unter Beweis stellen müssen, denn besonders zu Anfang sollten dessen Handspeed und seine Rechtsauslage für einige Probleme bei Cotto sorgen. Zwar ist Cotto defensiv besser, als es auf den ersten Blick erscheint, doch gerade durch die Mitte ist er oft noch zu offen, so dass vor allem Pacquiaos linke Geraden früh von viel Erfolg gekrönt sein dürften. Außerdem betonte Trainer Freddie Roach, dass er bei Miguel Cotto eine Gewohnheit entdeckt hätte, die er mit Pacquiao gezielt ausnutzen würde. Dass er dies durchaus kann, hat er im Kampf gegen Hatton bewiesen, der allerdings auch schon immer deutlich offener war als Miguel Cotto.
    Insgesamt ist es ein durchaus offener Kampf am Samstagabend in Las Vegas. Beide Boxer gehören zu der absoluten Elite des Sports, beide sind komplette Boxer, die genug Schlagkraft besitzen, um den Kampf jederzeit kippen zu können. Trotzdem scheint die große Mehrheit der Boxwelt Manny Pacquiao zu favorisieren. Der Pound-For-Pound beste Boxer der Welt sah in letzter Zeit einfach zu sensationell aus, als dass man gegen ihn setzen würde. Trotzdem bleibt zu bedenken, dass er erneut eine Gewichtsklasse aufsteigt, und dies auch nicht unbegrenzt mit Erfolg möglich ist. Sollte sich Miguel Cotto am Samstag als zu große Aufgabe erweisen?
    Möglich wäre es, doch ich würde nicht drauf wetten. Ich denke, wir werden erneut eine spektakuläre Vorstellung von Manny Pacquiao sehen. Es würde mich nicht verwundern, wenn es Miguel Cotto ähnlich ergeht, wie Ricky Hatton und Oscar De La Hoya, auch wenn diese nach den Kämpfen als dehydriert und über den Berg heruntergeredet wurden und Miguel Cotto definitiv noch zur absoluten Elite gezählt wird.
    Doch um auf den am Anfang gemachten Punkt zurück zu kommen: Ich persönlich glaube, dass Cotto seit der Margarito-Niederlage nicht mehr ganz der Alte ist, und von Manny Pacquiao nun deutlich seine Grenzen aufgezeigt bekommen wird. Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass der Kampf nicht mal all zu lange andauert. Der Handspeed Pacquiaos gepaart mit seiner Unberechenbarkeit wird Cotto vor ein unlösbares Rätsel stellen. Pacquiaos Power wird das übrige tun. Hinzu kommt noch, dass Cotto noch Narbengewebe über dem linken Auge besitzt, das schnell wieder aufplatzen könnte und so für einen weiteren Nachteil für ihn sorgen könnte.
    Im Prinzip würde mich rein gar nichts überraschen in diesem Kampf, doch ich tippe darauf, dass wir nicht mehr als 4 Runden erleben werden, bevor Manny Pacquiao seine Arme erneut als Sieger gen Himmel strecken kann.


    Daniel Santos – Yuri Foreman

    Auf der Undercard von Cotto-Pacquiao kommt es zu einem hochinteressanten Duell im Halbmittelgewicht. Dabei steht der WBA-Gürtel von Daniel Santos auf dem Spiel.
    Santos eroberte diesen in seinem letzten Kampf vor 16 Monaten, als den ungeschlagenen Joachim Alcine mit einem sensationellen Schlag ausknockte. Zuvor war er bereits WBO-Weltmeister im Welter- und Halbmittelgewicht gewesen. Seinen Kampfrekord zieren drei Niederlagen gegen Kofi Jantuah, Akhmed Kotiev und Sergiy Dzinziruk auf der einen Seite, auf der anderen Seite Siege gegen Antonio Margarito, Fulgencio Zuniga und eben Joachim Alcine.
    Sein Gegner Yuri Foreman ist in 27 Kämpfen noch ungeschlagen, hatte aber auch noch nicht so starke Gegner im Ring. Für ihn ist Santos sicherlich der bisher schwerste Test.
    Foreman ist ein „purer Boxer“, der über wenig Schlagkraft besitzt, und sich auf seine technischen und boxerischen Fähigkeiten verlässt. Er ist recht schnell auf den Beinen und hat auch nicht die langsamsten Fäuste, die er allerdings eher spärlich einsetzt. Neben seinem fehlenden Punch ist nämlich wohl die niedrige Workrate sein größtes Problem. Seine Stärke ist hingegen seine Agilität. Er macht es seinen Gegnern schwer ihn zu stellen oder klar zu treffen, während er selber von außen den Kampf zu machen versucht.
    Santos dürfte das nicht gerade in die Karten spielen, da er vor allem gegen Gegner gut aussah, die direkt zu ihm kamen, wie z.B. Antonio Margarito. Er wird vermutlich einen aggressiven Part spielen müssen und Foreman an den Seilen stellen müssen. Gelingt ihm dass, hat er den Kampf in der Tasche, dank einer wohl höheren Workrate und möglicherweise auch dank seines gutem Punches per KO.
    Ich glaube allerdings, dass es eher ein Kampf ohne viel Action werden wird, der wohl nur den Puristen gefallen wird. Foreman dürfte seine Probleme mit dem Rechtsausleger Santos, der auch noch die größere Reichweite hat, haben, da ihm das den Gebrauch des Jabs erschweren wird. Santos hingegen, der 16 Monate nicht mehr im Ring stand, und auch immerhin schon 34 ist, wird wiederum seine Probleme mit dem agilen Foreman haben, der viel „rennen“ und wenig schlagen wird, aber auch Santos wenig Chancen zu schlagen geben wird.
    Im Endeffekt rechne ich mit einem knappen Punktsieg von Yuri Foreman, bei dem Santos im Verlaufe des Kampfes immer stärker wird, aber zu Anfang zu viele Runden verschenkt.


    Juan Alberto Rosas – Federico Catubay

    Etwas unbeachtet findet am Freitagabend in Las Vegas ein Eliminator des IBFs im Superfliegengewicht statt. Mit Juan Alberto Rosas und Federico Catubay stehen sich zwei eher unbekannte Leute gegenüber um den Herausforderer von Weltmeister Simphiwe Nongqayi zu ermitteln.
    Beide haben schon einige Niederlagen hinnehmen müssen, Rosas 5 und Catubay sogar 15, doch beide sind zähe Boxer, die teilweise auch schon sehr gute Boxer als Gegner hatten. So boxte Rosas z.B. schon gegen Fernando Montiel und Catubay bereits gegen Vic Darchinyan.
    Ein Favorit für Freitag ist schwer auszumachen, da sich meiner Meinung nach vom Können her nicht viel nehmen. Jedoch hat Rosas noch nie vorzeitig verloren und ist vielleicht auch der bessere Puncher, weshalb ich auf einen KO-Sieg für ihn tippe.


    Lovemore N’dou – Matthew Hatton

    In seinem bisher wohl größten Kampf trifft Rickys Bruder Matthew Hatton auf den ehemaligen Weltmeister im Halbweltergewicht Lovemore N’dou aus Südafrika. Dieser ist zwar bereits 38 Jahre alt, sah jedoch in letzter Zeit, vor allem vor anderthalb Jahren bei einer knappen Niederlage gegen Paulie Malignaggi noch durchaus formidabel aus.
    Matthew Hatton besitzt deutlich weniger Talent als Bruder Ricky und erlitt bereits auf britischer Ebene vier Niederlagen in seinen 42 Kämpfen. Vor allem technisch lässt er deutlich zu wünschen übrig. Zusammen mit N’dous offensiven Stil sollte Hatton für einen tollen Kampf gut sein, in dem er aber als klarer Außenseiter gelten muss. N’dou scheint ihm in allen Belangen überlegen zu sein, weshalb ich von einem KO-Sieg für N’dou in den hinteren Runden ausgehe.


    Weiter Kämpfe:

    In anderen interessanten Kämpfen trifft der einst als Riesentalent gepriesene Andy Lee auf den Franzosen Affif Belghecam. Belghecam ist ein unangenehmer Gegner, der für Lee eine Standortbestimmung sein wird. Schlägt er ihn, kann er trotz seiner überraschenden Niederlage gegen Brian Vera vor anderthalb Jahren in Zukunft oben im schwach besetzten Mittelgewicht angreifen.
    Am Freitagabend bereitet sich Z Gorres auf seinen Titelkampf gegen WBO-Bantamgewichtsweltmeister Fernando Montiel vor, indem er gegen den Kolumbianer Luis Melendez boxt, dessen einziger Moment im Spotlight eine TKO-Niederlage vor zwei Jahren eben gegen Montiel war.
    Auf der Cotto-Pacquiao Undercard kommt es noch zu weiteren spannenden Kämpfen: Im Weltergewicht treffen in einem ausgeglichenen Kampf Jesus Soto Karass und Ex-„Contender“-Star und Miguel Cotto-Opfer Alfonso Gomez aufeinander. Im Halbmittelgewicht boxt Julio Cesar Chavez Jr., immer noch ungeschlagen, in seinem mittlerweile 42ten Profikampf mit Troy Rowland einen weiteren schwachen Gegner auf seinem möglichen Weg zu einem Titelkampf. Er sollte als klarer Favorit gelten. Schließlich hofft Matt Korobov, eines der größten Talente des Profiboxens derzeit, auf seinen achten Sieg im achten Kampf, womöglich zum siebten Mal durch KO, wenn er gegen den britischen Journeyman Kerry Hope antritt.

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