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Wochenendvorschau 12.-13.03.2010

Das Wochenende steht ganz im Zeichen des Kampfes zwischen Manny Pacquiao und Joshua Clottey, der bei Eurosport live zu sehen sein wird, doch auch andere Kämpfe versprechen Klasse und Spannung. Im Leichtgewicht liefern sich Humberto Soto und David Diaz ein interessantes Duell und in Deutschland sind Marco Huck, Yoan Pablo Hernandez und Alexander Povetkin im Einsatz. Zudem bietet eine texanische Veranstaltung am Freitag noch drei weitere gute Ansetzungen…

  • Humberto Soto – David Diaz
  • Marco Huck – Adam Richards
  • Yoan Pablo Hernandez – Cesar David Crenz
  • Alexander Povetkin – Javier Mora
  • Hernan Marquez – Richie Mepranum
  • Anthony Peterson – Juan Ramon Cruz
  • Samuel Peter – Nagy Aguilera

  • Humberto Soto – David Diaz

    Im Vorkampf im Cowboys-Stadium steht der vakante Leichtgewichtstitel der WBC auf dem Spiel, wenn Humberto Soto, ehemaliger Feder- und Superfedergewichtsweltmeister, und David Diaz, der den WBC-Leichtgewichtstitel 2008 an Manny Pacquiao verlor, sich gegenüberstehen.
    Diaz erholte sich nach einer verheerenden KO-Niederlage gegen Pacquiao, bei der er nie den Hauch einer Chance hatte, 15 Monate, um dann gegen Jesus Chavez in den Ring zurückzukehren. Den alternden Chavez besiegte er knapp nach Punkten und sicherte sich dadurch die Chance auf seinen vakanten alten Titel. Humberto Soto hingegen stieg Ende letzten Jahres als amtierender Superfedergewichtsweltmeister ins Leichtgewicht auf und wählte dort ebenfalls als ersten Gegner Jesus Chavez. Soto dominierte Chavez und gewann auf allen Punktkarten jede einzelne Runde und schlug Chavez in der ersten Runde außerdem nieder.
    Der Quervergleich zeigt bereits, auch wenn Quervergleiche im Boxen selten aussagekräftig sind, dass Humberto Soto als Favorit in den Kampf geht. Der Mexikaner scheint derzeit auf seinem Zenit zu sein. Seine letzte richtige Niederlage, von der Disqualifikation gegen Francisco Lorenzo abgesehen, erlitt er vor zweieinhalb Jahren gegen Joan Guzman. Seitdem hat er einige respektable Gegner geschlagen und dabei meist relativ gut ausgesehen. David Diaz hingegen galt eh schon immer als der ‚Underdog’, und seit seiner Niederlage gegen Pacquiao bleibt die Frage, ob diese in ihrer Brutalität ihn als Boxer nicht völlig ruiniert hat. Gegen Chavez sah er nicht ganz schlecht aus, aber auch nicht gerade so, als hätte er das Zeug einen Gegner vom Kaliber Sotos zu besiegen.
    Beides sind Boxer, die den Vorwärtsgang bevorzugen und bereit sind Schläge einzustecken um sie auszuteilen. Diaz hat nicht zuletzt gegen Pacquiao bewiesen, dass er über herausragende Nehmerqualitäten verfügt, auch wenn zumindest in Frage zu stellen ist, ob dies immer noch der Fall ist. Soto ist lediglich einmal, und das früh in seiner Karriere, gestoppt worden. Es verspricht ein unterhaltsamer, zuschauerfreundlicher Kampf zu werden, in dem ich David Diaz jedoch nur geringe Chancen zuspreche. Soto ist deutlich talentierter und boxerisch stärker. Zwar dürfte David Diaz wohl der physisch stärkere der beiden sein, jedoch glaube ich, dass Soto die klareren Treffer landen wird, und zudem noch eine höhere Aktivität an den Tag legen wird, die ihm im Endeffekt eine relativ klare Punktentscheidung bescheren wird.


    Marco Huck – Adam Richards

    Am Samstagabend verteidigt Marco Huck seinen WBO-Gürtel im Cruisergewicht in der Max Schmeling Halle in Berlin gegen Herausforderer Adam Richards. Richards, der seine gesamte Profikarriere mit Ausnahme der letzten beiden Kämpfe im Schwergewicht verbrachte, muss als klarer Außenseiter gelten.
    Nachdem der US-Amerikaner bis Ende 2008 gegen durchschnittliche Leute einen Rekord von 21-1 angehäuft hatte, trat er im Kampf mit Chazz Witherspoon das erste Mal mit einem etwas bekannteren Gegner in den Ring. Dieser stoppte ihn in einem tollen Kampf in der achten Runde. Danach ging Richards, dessen Gewicht zwischenzeitlich über 250 Pfund lag, ins Cruisergewicht herunter, um dort zwei Durchschnittsboxer zu besiegen. Gegen Gustavo Enriquez hatte er kaum Probleme und Richards stoppte ihn nach 5 Runden, doch gegen Harvey Jolly reichte es gerade einmal zu einer Split Decision.
    Marco Huck hingegen stand in letzter Zeit mit ganz anderen Kalibern im Ring und blieb in seinen letzten acht Kämpfen jeweils siegreich. Vor allem die beiden Titelkämpfe zuletzt, in denen er Victor Emilio Ramirez und Ola Afolabi jeweils knapp, aber verdient nach Punkten schlug, katapultierten ihn im Cruisergewicht weit nach vorne. Nach seinem einzigen Bezwinger, dem US-Amerikaner Steve Cunningham, ist er möglicherweise der beste Cruisergewichtler der Welt derzeit. Um so enttäuschender ist es, dass für seine zweite Titelverteidigung ein Gegner vom Kaliber Richards herhalten muss.
    Richards ist vom Boxerischen her sehr limitiert. Ähnlich wie Marco Huck kennt er nur den Vorwärtsgang und ist ein typischer „Brawler“. Dabei kann er sich jedoch weder auf die Schlagkraft Hucks verlassen, noch auf die Erfahrung, die der Weltmeister mitbringt. Der Kampf verspricht sicherlich nicht technisch anspruchsvoll zu werden, aber man darf auf eine unterhaltsame Schlacht hoffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer der beiden freiwillig einen Schritt zurück machen wird, und beide sind auch nicht dafür bekannt zögerlich oder gar zimperlich in ihren Offensivaktionen zu sein. Ich erwarte eine richtige Schlägerei, bei der nur ein Mann als Sieger hervorgehen kann. Marco Huck schlägt härter, sollte physisch stärker sein, ist deutlich erfahrener und sollte zumindest ein ebenbürtiges Kinn besitzen. Die Ansetzung scheint auszusagen, dass man Marco Huck nach zwei guten Gegnern mal einen etwas leichteren vorsetzen möchte, und dementsprechend darf „Käpt’n“ Huck mit Richards auch keine Probleme haben. Ich tippe darauf, dass der Ringrichter den couragierten Richards, der auch bei seiner Abbruchniederlage gegen Chazz Witherspoon trotz heftiger Volltreffer nicht am Boden war, etwa um die neunte Runde herum aus dem Kampf nehmen wird.


    Yoan Pablo Hernandez – Cesar David Crenz

    Im letzten Oktober gewann Yoan Pablo Hernandez gegen Enad Licina den interkontinentalen Cruisergewichtstitel der IBF. Am Samstag will er ihn in Berlin das erste Mal verteidigen. Sein Gegner ist Cesar David Crenz.
    Der Argentinier Crenz ist deutschen Boxfans möglicherweise ein Begriff, da er seinen einzigen Kampf außerhalb Argentiniens in Halle machte, als er von Rudolf Kraj in acht Runden gestoppt wurde. Abgesehen von Kraj selbst fehlen Crenz allerdings auch bekannte oder gute Namen im Kampfrekord. Seit der Niederlage in Deutschland gewann er seine vier Kämpfe vorzeitig, legte aber auch bis zum Februar 2009 eine 15-monatige Pause ein.
    Hernandez hingegen sah in seinen letzten Kämpfen gut aus, und der ehemalige kubanische Topamateur hat definitiv das boxerische Können um einen Gegner wie Crenz zu bezwingen. Sein einziges Problem könnte sein Kinn sein, das ihn in seiner einzigen Profiniederlage gegen Wayne Braithwaite im Stich ließ und auch das eine oder andere Mal sonst nicht all zu stabil schien.
    Doch, obwohl eine KO-Niederlage bei einem Boxer mit eher unterdurchschnittlichen Nehmerfähigkeiten immer eine Möglichkeit ist, gehe ich nicht davon aus, dass der argentinische Herausforderer gut genug ist um Hernandez überhaupt so gut zu treffen, dass er KO ginge. Hernandez sollte in der Lage sein seine boxerische Klasse souverän auszuspielen und Crenz deutlich auszupunkten, wenn nicht sogar, was ich für noch wahrscheinlicher halte, auszuknocken.


    Alexander Povetkin – Javier Mora

    Es kommt einem bereits wie eine Ewigkeit vor, dass Alexander Povetkin der Pflichtherausforderer für Wladimir Klitschko ist. Doch zusammen mit seinem noch relativ neuem Trainer Teddy Atlas möchte Povetkin noch einige Kämpfe zuvor bestreiten um sich besser auf Klitschko vorzubereiten können. Am Samstag trifft er dazu auf Javier Mora.
    Das Problem für Alexander Povetkin bei diesen Vorbereitungskämpfen ist es, dass er Gegner vorgesetzt kriegen muss, die er auf jeden Fall schlägt, damit er seine Chance auf den Titelkampf behält, während sie ihm andererseits genug Probleme bereiten um eine Weiterentwicklung Povetkins zu gewährleisten. Mora könnte dafür der Richtige sein. Jedes Mal, wenn der gebürtige Mexikaner einen besseren Gegner vor den Fäusten hatte, verlor er, doch lediglich Sultan Ibragimov konnte ihn vorzeitig besiegen, und das in einer Runde.
    Povetkin ist haushoher Favorit in diesem Kampf und sollte deutlich nach Punkten gewinnen können. Er sollte mit seiner hohen Aktivität und mit seiner besseren Technik auf den Punktkarten klar mehr Eindruck bei den Punktrichtern schinden können, muss allerdings gleichzeitig aufpassen, dass er sich von dem aggressiven, stets auf die Nahdistanz drängenden Mora nicht zu sehr dessen Kampf aufzwingen lässt. Doch der ungeschlagene Russe besitzt dafür definitiv die Klasse und sollte Runde um Runde gewinnen.


    Hernan Marquez – Richie Mepranum

    Im Superfliegengewicht findet in Texas am Freitagabend ein wenig beachteter, aber durchaus interessanter Kampf statt. Der junge, ungeschlagene Mexikaner Hernan „Tyson“ Marquez trifft auf den ebenfalls noch sehr jungen Philippinen Richie Mepranum.
    Beide Boxer sind noch nicht ganz in ihre Gewichtsklassen herein gewachsen und boxen in diesem Kampf zum ersten Mal in der Gewichtsklasse bis 118 Pfund. Marquez ist ein talentierter Boxer mit schnellen Händen und guter Schlagkraft. Mepranum besitzt über die größere Erfahrung der beiden, obwohl er erst 19 mal im Profiring stand, im Gegensatz zu Marquez 27 Kämpfen. Jedoch ging er bereits mit dem späteren Weltmeister Denkaosan Kaovichit über die Runden und unterlag dem noch immer ungeschlagenen Thai Panomroonglek Kratingdaenggym durch KO. Zudem gelang ihm in seinem vorletzten Kampf ein guter Sieg über Cesar Lopez, der bereits mit Brian Viloria und Koki Kameda über die Distanz gegangen war. Der imposanteste Sieg von Marquez war vermutlich eine deutliche Punktentscheidung gegen Juan Esquer, der zuvor gegen den amtierenden Weltmeister Ivan Calderon und den späteren Weltmeister Carlos Tamara knapper verloren hatte.
    Für mich sieht das so aus, als würde der Favoritenrolle von Marquez, der der talentiertere der beiden zu sein scheint, die größere Erfahrung des Phillipinen gegenüber stehen. Marquez sah gegen Esquer so gut aus, dass ich ihn in diesem Kampf jedoch auf jeden Fall favorisiere. Mepranum, der gut boxen kann, aber kaum Schlagkraft besitzt, ist sicherlich kein einfacher Gegner für ihn, aber im Endeffekt gehe ich davon aus, dass er ihn verdient nach Punkten schlagen wird. Der Sieger des Kampfes rückt im Übrigen einem Titelkampf langsam näher, da beide bei mehr als einem Verband bereits unter den Top 15 zu finden sind.


    Anthony Peterson – Juan Ramon Cruz

    Anthony Peterson, Bruder von Lamont Peterson, der zuletzt Timothy Bradley um den Halbweltertitel herausforderte, versucht sich mit einem weiteren Sieg ebenfalls einem Titelkampf näher zu bringen. Am Freitagabend heißt sein Gegner in Texas Juan Ramon Cruz.
    Cruz ist als klarer Aufbaugegner für Anthony Peterson gedacht, da der Puertoricaner vier seiner letzten fünf Kämpfe verlor, zwei davon vorzeitig. Peterson dürfte durch seine technische Klasse, seine Schnelligkeitsvorteile und schlichtweg aufgrund seiner höheren boxerischen Klasse keinerlei Probleme mit dem 31-jährigen Curz haben, der bisher nie mehr als Durchschnitt erreichte, während Peterson sicherlich das Talent hat einmal Weltmeister zu werden. Normalerweise sollte Peterson in der Lage sein Cruz auch vorzeitig zu besiegen.


    Samuel Peter – Nagy Aguilera

    Ex-Schwergewichtsweltmeister Samuel Peter möchte es noch einmal wissen. Nach zwei Niederlagen in Folge gegen Vitali Klitschko und Eddie Chambers hat er drei Siege in Folge angehäuft und trifft nun auf den Dominikaner Nagy Aguilera, der durch einen Erstunden-KO gegen den 40-jährigen Oleg Maskaev auf sich aufmerksam machte. Dieser Sieg hatte jedoch wohl eher weniger mit Aguileras Klasse zu tun, als damit, dass Maskaev voll und ganz über den Berg ist. Peter sollte also, obwohl er selber auch nicht mehr in Bestform sein wird, als Favorit gegen Aguilera gelten. Trotzdem wird er, auch wenn er souverän gewinnt, wohl kaum mehr zur Spitze im Schwergewicht gezählt werden können.

    Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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