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Wochenendvorschau 04.12-05.12.2009

Wenn Paul Williams und Sergio Martinez am Samstagabend in Atlantic City aufeinander treffen, steht zwar kein offizieller Titel auf dem Spiel, jedoch handelt es sich trotzdem um eine der besten Ansetzungen des Jahres und einer der bestmöglichsten Kämpfe derzeit überhaupt. Des Weiteren verteidigt unter anderem Marco Huck seinen Cruisergewichtstitel in Ludwigsburg und in Newcastle treffen Amir Khan und Dimitry Salita aufeinander…

  • Paul Williams – Sergio Gabriel Martinez
  • Amir Khan – Dimitry Salita
  • Marco Huck – Ola Afolabi
  • Anselmo Moreno – Frederic Patrac

  • Paul Williams – Sergio Gabriel Martinez

    Was machen zwei Boxer gegen die kaum jemand freiwillig antreten möchte? Sie boxen gegeneinander. Kaum jemand rund ums Halbmittelgewicht schein auch nur halbwegs scharf darauf zu sein gegen Paul Williams oder Sergio Martinez im Ring zu stehen, weshalb sie sich am Samstagabend einander gegenüberstehen.
    Paul Williams ist schon allein wegen seiner körperlichen Statur ein unangenehmer Gegner. Mit 1,85 Metern Körpergröße ist Williams, der die meiste Zeit seiner Karriere im Weltergewicht verbracht hat für die Gewichtsklasse äußerst ungewöhnlich groß und seine Reichweite ist mit 2,08 Metern sogar größer als die eines Wladimir Klitschkos! Doch dazu kommt noch seine unangenehme Art und Weise zu boxen. Aus der Distanz boxend legt Williams eine Aktivität an den Tag, die diesen Gewichtsklassen ihresgleichen sucht. In seinem letzten Kampf im Mittelgewicht schlug er durchschnittlich 90,5 mal pro Runde, während dort Zahlen um die 50 normal sind. Des Weiteren besitzt Williams boxerisches Können, ein solides Kinn und nicht zu unterschätzende Schlagkraft.
    2007 gewann er seinen ersten Titel im Weltergewicht, als er Antonio Margarito nach Punkten schlug. Zwar verlor er ihn direkt im nächsten Kampf bei seiner bislang einzigen Niederlage wieder, doch die Punktniederlage gegen Carlos Quintana machte er mit einem spektakulären Erstrunden-KO im direkten Rematch 4 Monate später wett. Anscheinend nicht in der Lage vernünftige Gegner im Weltergewicht zu finden boxte er mit Ex-Weltmeister Verno Phillips um einen vakanten Titel im Halbmittel und gewann souverän nach 8 Runden, bevor er im April dieses Jahres mit Winky Wright einen der besten Boxer des Sports, aber auch einen, dem konstant aus dem Weg gegangen wurde, in 12 einseitigen Runden im Mittelgewicht besiegte. Williams betonte immer wieder, dass er sowohl im Weltergewicht, als auch im Halbmittel- oder Mittelgewicht weiter antreten werde, je nachdem wer gegen ihn antreten wolle.
    Am Samstag wird dies Sergio Martinez sein, der aktuell Weltmeister im Halbmittelgewicht ist. Sein Titel wird gegen Williams allerdings nicht auf dem Spiel stehen, da der Kampf im Mittelgewicht angesetzt ist. Martinez hat in seinen 47 Profikämpfen lediglich eine Niederlage erlitten, die er vor 9 Jahren durch Antonio Margarito beigebracht bekam. Zuletzt besiegte er Kermit Cintron in einer Titelverteidigung eigentlich doppelt, nur um am Ende ein Unentschieden zu bekommen. In der siebten Runde wurde Cintron nach einem Niederschlag ausgezählt, doch der Kampf wurde nach minutenlanger Unterbrechung in einer katastrophalen Entscheidung des Ringrichters fortgeführt, die in einer ebenso skandalösen Entscheidung der Punktrichter mündete, die Cintron, der den Kampf wohl mit mindestens 6 Punkten Unterschied verloren hatte, gleich auf mit Martinez sahen.
    Doch nicht erst seit diesem Kampf haben es viele Boxer nicht allzu eilig mit Martinez in den Ring zu steigen. Martinez ist schnell mit den Händen und den Füßen, schwierig zu treffen und technisch beschlagen. Dazu kommen noch seine unangenehme Rechtsauslage und seine möglicherweise unterschätzte Schlagkraft. Als er Kermit Cintron in Runde 7 zu Boden schickte und eigentlich ausknockte, beschwerte sich dieser nach dem Kampf eifrig, dass dies von einem Kopfstoß gekommen sein müsse, da „niemand so hart schlägt“. Doch Wiederholungen zeigten eindeutig, dass Sergio Martinez so hart schlägt. Zwar ist er nicht unbedingt als KO-Schläger bekannt, und nur 24 seiner 44 Siege waren vorzeitig, doch liegt das auch an seinem eher wenig aggressiven Stil. Langt Martinez einmal ordentlich zu, sollte man zusehen, dass man schnell genug die Fäuste hoch bekommt.
    Der Kampf verspricht einiges, auch wenn die Mehrheit der Experten und Fans Paul Williams recht deutlich vorne sieht. Er hat auch einige Vorteile auf seiner Seite. 15cm Reichweitenvorteil sind nicht zu vernachlässigen und die immense Schlagfrequenz von Williams hat zuletzt bereits Winky Wright gerade zu erdrückt. Doch Martinez abzuschreiben wäre sicherlich falsch. In seinen letzten beiden Kämpfen sah er fantastisch aus und mit 34 Jahren ist er wohl in der Form seines Lebens. Sein Plan sollte es sein schnelle Konter anzubringen und es auf ähnliche Art und Weise zu versuchen, wie es Carlos Quintana tat, als er Williams auspunktete. Dafür ist vor allem das Timing von Williams Schlägen essentiell, die Martinez dann blitzartig die Distanz überbrückend kontern muss.
    Auch wenn ich Martinez Chancen in dem Kampf für unterschätzt halte, denke ich am Ende auch, dass Paul Williams den Kampf gewinnen wird, allerdings knapper als es sich einige vorstellen. Martinez ist äußerst unangenehm zu boxen, und wird einen ganz engen Kampf liefern. Im Endeffekt wird Williams Art und Weise zu boxen ihn dann aber doch die ein oder andere ausgeglichene Runde auf den Punktkarten gewinnen lassen und schlussendlich einen engen Punktsieg einfahren lassen.


    Amir Khan – Dimitry Salita

    Das britische Wunderkind Amir Khan verteidigt am Samstagabend vor heimischen Publikum seinen frisch gewonnenen Titel im Halbweltergewicht gegen den ungeschlagenen Ukrainer Dimtry Salita, der in New York lebt.
    Khan gewann den Titel im Juli von Andreas Kotelnik, den er auspunktete und will sich nun langsam aber sicher als Kraft mit der man rechnen muss im Halbweltergewicht etablieren. Als Riesentalent und Silbermedaillengewinner bei Olympia lasteten in Großbritannien von Anfang an enorm hohe Erwartungen auf ihm, die zu zerplatzen schienen, als er vor etwas mehr als einem Jahr vom bis dahin unbekannten Kolumbianer Breidis Prescott in einer Runde brutal ausgeknockt wurde. Inzwischen hat sich Khan in drei weiteren Siegen wieder bewiesen und ist zuletzt aus dem Leichtgewicht eine Gewichtsklasse aufgestiegen. Auch seinen Trainer hat er gewechselt. Inzwischen trainiert er unter der Führung des legendären Freddie Roach, der große Pläne für Khan hat.
    Doch am Samstag steht zuerst ein Kampf mit Dimitry Salita auf dem Programm. Für den ist der Kampf gegen Khan ein riesiger Schritt nach oben, was die Qualität des Gegners anbelangt. Er hat in 31 Kämpfen noch nicht einen Gegner geboxt, der auch nur annähernd als Weltklasse bezeichnet werden könnte, ist aber immerhin gegen diese Gegner auch noch unbesiegt. Er ist ein klassischer Boxer, der hinter seinem Jab operiert und technisch ordentlich geschult ist. Zudem hat er recht schnelle Hände.
    Jedoch wohl eher nicht im direkten Vergleich mit Amir Khan, dessen größte Stärke seine unglaublich schnellen Hände sind. Unter Freddie Roach boxte Khan zuletzt deutlich vorsichtiger als zuletzt und brachte immer wieder schnelle Einzelschläge ins Ziel, was gegen den zwar einigermaßen reaktionsschnellen, aber insgesamt recht offenen Salita auch kein großes Problem sein dürfte. Der gute Jab von Salita könnte Khan zwar einige Probleme bereiten, aber Khans purer Speed sollte genügen, um immer wieder selbst Aktionen setzen zu können. Zwar ist Khan meiner Meinung nach im Halbwelter eher ein durchschnittlicher Puncher, doch, sollte er häufig gut durchkommen, könnte er Salita, dessen Nehmerfähigkeiten zumindest etwas fragwürdig sind, durchaus ausknocken. Khans Nehmerfähigkeiten werden immer wieder kritisiert und es wird ihm kontinuierlich ein Glaskinn zugesprochen, doch Salita besitzt höchstwahrscheinlich nicht genug Schlagkraft, um daraus einen Vorteil schlagen zu können.
    Im Grunde sind sich beide Boxer recht ähnlich: Von außen agierende, technisch ordentliche Boxer mit eher durchschnittlicher Schlagkraft und schwächerem Kinn, die auf ihrem Handspeed vertrauen. Nur, dass Amir Khan in allen Belangen etwas besser zu sein scheint mit möglicher Ausnahme des Kinns. Darum sollte es eigentlich auf einen recht deutlichen Punktsieg oder unter Umständen sogar einen Abbruchsieg des Engländers hinauslaufen.


    Marco Huck – Ola Afolabi

    Marco Huck macht sich dieses Wochenende daran in Ludwigsburg zum ersten Mal seinen Titel im Cruisergewicht zu verteidigen. Sein Kampf gegen Ola Afolabi ist am Samstagabend in der ARD zu sehen.
    Im August nahm Marco „Käpt’n“ Huck Victor Emilio Ramirez den Titel ab, in einem Kampf, in dem ein Unentschieden möglicherweise gerechter gewesen wäre, jedoch nach Punkten recht deutlich an Huck ging. Nicht, dass Huck den Sieg nicht verdient gehabt hätte, doch der Kampf war etwas enger als die offiziellen Scorecards es andeuteten und hätte genau so gut an Ramirez gehen können. Zuvor war Huck 2007 in seinem ersten Kampf um einen WM-Titel an Steve Cunningham gescheitert.
    Ola Afolabi hingegen gewann in seinem letzten Kampf die Interimsversion von Hucks Titel, indem er Ex-Weltmeister Enzo Maccarinelli, der sich auf einem stark absteigenden Ast befindet, in 9 Runden schlug. Zuvor war der gebürtige Brite, der aus den USA heraus kämpft, eigentlich kaum groß in Erscheinung getreten mit der Ausnahme eines KO-Sieges gegen Eric Fields. Gegen Maccarinelli sah er lange Zeit nicht äußerst beeindruckend aus, bevor er ihm einen Schlag verpasste, der gute Chancen hat zum KO des Jahres gewählt zu werden. Gerade das überraschte ein wenig, da sein Kampfrekord nicht gerade einen großen KO-Schläger impliziert, und so liegt die Vermutung auch nahe, dass die Schwere des KOs auch mit Maccarinellis schlechten Nehmerqualitäten zu tun hatte.
    Allerdings liegt auch die Vermutung nahe, dass Afolabi seit 2008 ein anderer Boxer ist als noch zuvor. Nach einer dreijährigen Pause feierte er in drei Kämpfen drei Siege, darunter die besten beiden seiner Karriere.
    Der Kampf sollte spannend werden. Afolabi hat recht gute Meidbewegungen, neigt aber dazu seine Hände niedrig zu halten und das könnte gegen den schlagstarken Huck ins Auge gehen. Andererseits ist Afolabi schwierig zu boxen und könnte vorhandene Lücken, die Huck oft bei eigenen Schlägen lässt, ausnutzen, um seinerseits schwere Schläge zu landen. Marco Huck dürfte als leichter Favorit in den Kampf gehen, aber Afolabi scheint jemand zu sein, der immer für eine Überraschung gut ist. Ob er Huck, der zwar nicht ein Granatkinn hat, aber einiges abhaben kann, ausknocken kann, ist allerdings fraglich, solange er nicht einen ähnlichen Schlag wie gegen Maccarinelli landet. Und nach Punkten könnte es auch eher schwierig werden. Zwar traue ich es ihm zu Huck vor einige Probleme zu stellen, doch sollte seine eher abwartende Art Huck der Art in die Karten spielen, als dass ich erwarte, dass er aufgrund seiner höheren Aktivität am Ende nach Punkten gewinnen wird.


    Anselmo Moreno – Frederic Patrac

    In Frankreich boxen der aus Panama stammende Weltmeister Anselmo Moreno und der Franzose Frederic Patrac um den WBA-Titel im Bantamgewicht. Moreno will ihn zum fünften Mal erfolgreich verteidigen, Patrac seine Außenseiterchance nutzen.
    Moreno ist ein exzellenter Boxer, der über wenig Schlagkraft verfügt, aber sie für seinen Boxstil auch nicht wirklich benötigt. Gegen Patrac, der sich bisher auf europäischer Ebene mit gemischtem Erfolg herumquälte, sollte es normalerweise für Moreno eine recht leichte Aufgabe sein einen Punktsieg einzufahren. Alles andere als ein klarer Sieg Morenos wäre als große Überraschung zu werten.

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