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Wochenendvorschau 02.-03.04.2010

Im Schwergewicht kommt es zur ersten Titelverteidigung von David Haye. Sein Gegner dabei ist der US-Amerikaner John Ruiz, der nicht gerade für packende Kämpfe bekannt ist. In den USA treffen unterdessen die beiden alternden Legenden Bernard Hopkins und Roy Jones Jr. in einem Rückkampf, der um eine halbe Ewigkeit zu spät stattfindet, aufeinander…

  • David Haye – John Ruiz
  • Bernard Hopkins – Roy Jones Jr.
  • Delvin Rodriguez – Mike Arnaoutis
  • Erislandy Lara – Danny Perez
  • Rocky Juarez – Jason Litzau

  • David Haye – John Ruiz

    Zum Topkamf des Wochenendes kommt es am Samstagabend in Manchester. WBA-Schwergewichtsweltmeister David Haye verteidigt seinen Titel zum ersten Mal. Sein Gegner ist John Ruiz, der bei der WBA scheinbar unbegrenzt oft um den Titel boxen darf.
    „The Quiet Man“ John Ruiz ist wahrscheinlich der erfolgreichste US-amerikanische Schwergewichtler des vergangenen Jahrzehnts, sonderlich beliebt ist er aber selbst in seinem Heimatland nicht, und ist daher alles andere als ein Publikumsmagnet. Trotzdem schafft er es auf scheinbar unerklärliche Weise immer wieder Titelkämpfe bei der WBA zu bekommen – am Samstag kämpft er bereits zum fünften Mal um den Titel, den er zweimal gewinnen konnte – egal wie wenig qualifiziert er dafür erscheint. So hielt zuletzt beispielsweise ein Kampf gegen den wirklich schwachen Adnan Serin, der nirgendwo in der Nähe von Weltklasse anzusiedeln ist, als Eliminator her und berechtigte den 38-jährigen Ruiz zu einem weiteren Titelkampf.
    David Haye hingegen kommt frisch von seinem Titelgewinn über Nikolay Valuev, den er nach Punkten besiegte. Während ein Kampf zwischen ihm und einen der Klitschkos weiterhin der spannendste Kampf im Schwergewicht bleibt, muss er nun erst mal seine Pflichtverteidigung erfüllen. Gegen Ruiz gilt er allgemein als recht deutlicher Favorit. Die Frage scheint seltener zu sein, ob Haye gewinnt, sondern ob er seinen großen Worten Taten folgen lassen kann und Ruiz KO schlagen kann. Das gelang gegen John Ruiz, der acht Niederlagen in 54 Kämpfen hat, erst einem Mann. Relativ früh in seiner Karriere wurde Ruiz in 19 Sekunden äußerst brutal vom hammerhart schlagenden David Tua, der zurzeit einen Comebackversuch startet, gestoppt. Seitdem zeigte sich Ruiz eigentlich als Meister darin den Rhythmus des Gegners zu stören und so die Gefahr zu minimieren große Treffer zu kassieren. Zwar machte ihn seine Klammertaktik zu einem der unansehnlichsten Boxer der letzten Jahre, doch zeigte sie sich oft erfolgreich. Es mag ein langweiliger Stil sein, den er praktiziert, aber John Ruiz hat ihn perfektioniert und viele seiner Gegner verzweifelten daran.
    Allerdings ist Ruiz auch nicht mehr der jüngste und hat sicherlich in den letzten Jahren etwas nachgelassen. Zudem scheint es mir, dass Ruiz unorthodoxer Boxstil langsameren Gegnern deutlich größere Probleme bereitet als Boxern mit flinken Händen und Füßen. So sah der eher tapsige Nikolay Valuev beispielsweise zwei Mal sehr schlecht gegen Ruiz aus, während die beiden ehemaligen Mittelgewichtler James Toney und Roy Jones Jr., die einen Großteil ihrer Schnelligkeit aus den tieferen Gewichtsklassen mitbrachten, nicht all zu sehr mit dessen Eigenarten zu kämpfen hatten. David Haye gehört dabei definitiv eher zu der zweiten Kategorie, wie er gegen Valuev bewies, als er 12 Runden lang zu schnell mit seinen Fäusten und zu schnell auf den Beinen war.
    Kann David Haye also John Ruiz ausknocken? Ist es überhaupt schon eine ausgemachte Sache, dass David Haye den Kampf gewinnt? Obwohl ich fest davon ausgehe, dass der englische Weltmeister gewinnen wird, sollte man Ruiz nicht komplett abschreiben. Es gibt nicht viele Boxer, die so wie John Ruiz boxen – möglicherweise keinen anderen – und es wäre möglich, dass David Haye im Ring überhaupt nicht mit dessen Stil zu Recht kommt, aber für groß halte ich die Wahrscheinlichkeit nicht. David Haye ist zu schnell, zu schlagstark und zu beweglich für Ruiz und ist zudem auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit, während Ruiz auf dem absteigenden Ast ist. Ich halte es für möglich, dass Haye Ruiz ausknockt, würde aber nicht darauf wetten. Ruiz besitzt ein ordentliches Kinn und weiß sich zu helfen sobald er in Schwierigkeiten gerät. Beide Boxer haben zwar einen spektakulären Kampf versprochen, aber ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wenn es so läuft, wie ich vermute, gewinnt David Haye einen langweiligen Kampf recht klar nach Punkten indem er einfach immer wieder zuerst seine Aktionen bringt und Ruiz trifft bevor dieser in den Engländer hereinfällt und zu klammern beginnt. Wenn Haye unbedingt den KO haben will, sollte er versuchen Ruiz mit dem Jab kommen zu lassen und ihn mit einer schnellen rechten Gerade abzukontern, während dieser möglicherweise nach vorne rein fällt. Gelingt ihm das ist der KO drin, ansonsten wird es wohl auf einen Punktsieg hinaus laufen.


    Bernard Hopkins – Roy Jones Jr.

    Gab es jemals einen Rückkampf, der so viele Jahre zu spät kommt? Der 45-jährige Bernard Hopkins und der 41-jährige Roy Jones Jr. wollen 17 Jahre nach ihrem ersten Kampf eine uralte Rechnung begleichen.
    Es war für beide der erste Titelkampf, als Roy Jones Jr., der hochtalentierte, ungeschlagene junge Mann, der als kommender Superstar galt, auf den unbekannten Bernard Hopkins im Kampf um den IBF-Mittelgewichtstitel traf. Jones, der unmenschlich schnell war, war an dem Abend zu gut für Hopkins, der sich erst noch zu dem Boxer entwickeln sollte, der zur Legende wurde, und schlug ihn nach Punkten. Es sollte für Hopkins die einzige Niederlage in den nächsten 12 Jahren bleiben, in denen er den Mittelgewichtstitel doch noch gewann, eine Rekordanzahl von 20-mal verteidigte und komplett vereinigte. Jones Jr. stieg durch die Gewichtsklassen auf, wurde Weltmeister im Supermittelgewicht, im Halbschwergewicht und, als erster ehemaliger Mittelgewichtsweltmeister seit über 100 Jahren, im Schwergewicht. Oft gab es Gerüchte über einen Rückkampf der beiden, die über die Jahre eine große Rivalität entwickelten. Am Samstag kommt es nun um einige Jahre zu spät dazu, und viele Boxfans interessiert es kaum.
    Das liegt wohl vor allem an den letzten Vorstellungen von Roy Jones. Der Mann, der einst beinahe unschlagbar zu sein schien, wurde in seinem zweiten Kampf mit Antonio Tarver, nachdem er aus dem Schwergewicht wieder herunter ins Halbschwergewicht gegangen war, in zwei Runden ausgeknockt um anschließend noch überraschender von Glen Johnson ausgeknockt zu werden und erneut von Tarver geschlagen zu werden. Nach soliden Siegen gegen durchschnittliche Gegner und einer Niederlage gegen Joe Calzaghe ging er dann letzten Dezember in einer Runde gegen Danny Green KO und scheint eigentlich nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein.
    Bernard Hopkins hingegen scheint beinahe immun gegen das Altern zu sein. Nach dem Verlust seiner Mittelgewichtstitel in zwei äußerst knappen Kämpfen gegen Jermain Taylor schlug er überraschend Antonio Tarver im Halbschwergewicht. Im Oktober 2008 sorgte er dann für eine weitere große Überraschung, als er den ungeschlagenen Mittelgewichtsweltmeister und Jermain Taylor-Bezwinger Kelly Pavlik 12 Runden lang nach allen Regeln der Kunst vorführte und wie einen blutigen Anfänger aussehen ließ. In den Pound-For-Pound Listen ist er trotz seiner 45 Jahre weiterhin ganz weit oben zu finden – das Ring Magazine hat ihn auf Platz Vier – und er gilt als cleverster Boxer der Welt und als alter Ringfuchs.
    Wohl auch deshalb gilt Bernard Hopkins bei den Buchmachern als klarer Favorit. Er hat in letzter Zeit einfach bewiesen, dass er noch zu der absoluten Elite des Sports zählt, während Roy Jones gezeigt hat, dass er nicht mehr dazu gehört. Doch es hatte auch einen Grund, dass Roy Jones den ersten Kampf vor 17 Jahren so deutlich gewinnen konnte. Er war nicht nur unglaublich talentiert, sondern besaß und besitzt auch einen stilistischen Vorteil in einem Kampf gegen Hopkins. Die blitzschnellen Hände von Jones und seine unorthodoxe Art zu boxen bereiteten Hopkins einige Probleme und das könnten sie auch am Samstag noch tun. Denn Jones Hände sind immer noch sehr schnell. Was er verloren hat, sind jedoch seine Reflexe, seine Nehmerfähigkeiten, einen Großteil seiner Schlagkraft, und seine Mobilität. Er ist einfacher zu treffen denn je, und einfacher zu stellen als er es sich vor 7-8 Jahren noch jemals erlaubt hätte. Bernard Hopkins wird es deutlich einfacher haben Jones zu treffen als noch vor 17 Jahren. Trotzdem hat Jones die Möglichkeit sich Runden zu sichern mit seinen schnellen, auffälligeren, jedoch inzwischen meist ineffektiven Händen. In seinem letzten Kampf gegen den höchst durchschnittlichen Enrique Ornelas sah Bernard Hopkins auch schon etwas älter aus, und im Kampf mit Joe Calzaghe bewies er, dass er nicht mit in der Lage ist 12 Runden lang ein hohes Tempo zu gehen. Jones kann das ausnutzen indem er deutlich mehr schlägt und damit vielleicht die Runden stiehlt.
    Dass das jedoch genügen wird, glaube ich nicht. Hopkins ist in dieser Phase beider Karrieren einfach der bessere Mann und müsste den Kampf trotz stilistischen Nachteils gewinnen. Jones besitzt inzwischen ein eher schwaches Kinn und Hopkins kann immer noch relativ hart und vor allem sehr präzise schlagen, doch ich glaube nicht, dass er per KO gewinnen wird, und wenn, dann erst ganz spät im Kampf. Viel eher denke ich, dass Hopkins nach Punkten gewinnen wird, wenn auch nicht ganz so deutlich, wie es sich wohl viele vorstellen. Zudem schätze ich, dass der Kampf, der anfangs von der Boxgemeinde fast einheitlich kategorisch abgelehnt wurde, am Kampfabend doch einiges an Interesse generieren wird, da einfach zwei alte Rivalen und moderne Legenden des Faustkampfs in ihren alten Jahren noch einmal aufeinander treffen.


    Delvin Rodriguez – Mike Arnaoutis

    Bereits am Freitag kommt es in Connecticut zu einem durchaus interessanten Kampf im Weltergewicht, wenn Delvin Rodriguez und Mike Arnaoutis aufeinander treffen. Beide werden wohl kein Wort mehr in der absoluten Spitze der Gewichtsklasse mitsprechen, aber es verspricht ein sehr ordentlicher Kampf zu werden.
    Beide Boxer verloren ihre letzten Kämpfe knapp und umstritten, und brauchen unbedingt einen Sieg am Freitag. Arnaoutis macht seinen ersten Kampf im Weltergewicht, nachdem er Schwierigkeiten hatte das Halbwelter zu bringen und es bleibt abzuwarten, wie gut er in die Gewichtsklasse passt. Der größte Puncher war er schon für die 140-Pfunder nicht, während Delvin Rodriguez über recht ordentliche Schlagkraft verfügt. Insgesamt scheint mir Rodriguez sowieso der leicht bessere der beiden zu sein, zudem Arnaoutis in seinen letzten drei Kämpfen nicht so wirklich überzeugen konnte. Ein Sieg für „Mighty“ Mike Arnaoutis ist sicherlich nicht auszuschließen, aber ich tippe auf einen Abbruchsieg für Delvin Rodriguez so um die zehnte Runde herum.


    Erislandy Lara – Danny Perez

    Erislandy Lara gilt als eines der größten Talente des Sports und am Freitag macht er in seinem elften Profikampf einen weiteren Schritt nach oben in seiner Gegnerschaft, wenn er auf Danny Perez trifft.
    Zuletzt besiegte Lara den stets unangenehmen Grady Brewer durch TKO in der zehnten Runde, nun soll der ebenso unbequeme Perez dran glauben. Perez ist vor allem dafür bekannt, dass er einiges einstecken kann, und dass er noch nie vorzeitig geschlagen wurde. Erislandy Lara würde dies gerne ändern und hat durchaus auch die Chance dazu. Lara ist technisch hervorragend ausgebildet, schnell und äußerst präzise. Perez sah in seinem letzten Kampf, einer klaren Niederlage gegen Carlos Molina, nicht gut aus und war so leicht zu treffen, dass Lara ihn in dieser Form stoppen könnte. Andererseits ging Perez bereits zweimal mit Antonio Margarito über die Runden und scheint wirklich ein Prachtexemplar eines Granitkinns zu besitzen. Daher gehe ich davon aus, dass Lara durch seine boxerische Überlegenheit keine Probleme über die Punkte haben wird, aber ihm kein KO gelingen wird.


    Rocky Juarez – Jason Litzau

    Nach seiner Niederlage gegen Weltmeister Chris John will sich Rocky Juarez an einen weiteren Titelkampf langsam wieder heranboxen und tritt am Samstagabend mit Jason Litzau in den Ring.
    Manchmal sind Boxer zwar vom Können her gar nicht so weit auseinander, als dass das Resultat von vornherein klar wäre, aber ihre Stile scheinen einfach auf nur ein mögliches Ergebnis hinzudeuten. So ist es meiner Meinung nach in diesem Kampf. Jason Litzau sah am Anfang seiner Karriere durchaus viel versprechend aus und Juarez hat oft genug bewiesen, dass er ein sehr guter Boxer ist, auch wenn es für ganz oben nicht ganz reicht. Aber Jason Litzau hat eine sehr ungünstige Kombination von schlechtem Kinn und Bereitschaft zuschauerfreundliche Kämpfe zu liefern, während Rocky Juarez ein ordentliches Kinn und einen sehr guten Punch besitzt. Was auch immer man an Überlegungen bezüglich boxerischer Klasse, technischer Ausgereiftheit oder ähnlichem noch anstellen könnte, scheint mir hier absolut zweitrangig zu sein. Rocky Juarez wird Jason Litzau aufgrund dessen Stils früher oder später gut treffen und Litzau wird nicht stehen bleiben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das all zu lange dauern wird. Ich denke, dass Juarez in den ersten fünf Runden per KO gewinnt. Bis dahin könnte es jedoch ein schön anzusehender Kampf werden.

    Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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    1 Kommentar

    1. Angstbeisser
      3. April 2010 at 19:33 —

      Hallo Boxfreunde
      Weiss jemand ob und wann der Kampf Haye vs Ruiz im Fernseh übertragen wird ? mfg.

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