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Wochenendrückschau 29.-30.01.2010

Ein gutes Boxwochenende wurde von einer absolut katastrophalen Punktentscheidung überschattet, die die Kredibilität des Boxsports weiter in Frage stellt. Im Halbschwergewichtstitelkampf zwischen Gabriel Campillo und Beibut Shumenov sahen zwei Punktrichter einen komplett anderen Kampf als der Rest der Welt. Daneben gab es interessante Kämpfe zu sehen, in denen Sebastian Sylvester und Roman Gonzalez Titel verteidigten, Jorge Arce einen weiteren gewann, und Erislandy Lara sich langsam Richtung WM-Titel bewegte.

Ein toller Boxkampf am Freitagabend zwischen Gabriel Campillo und Beibut Shumenov wurde im Endeffekt durch eine Punktentscheidung versaut, die durch pure Inkompetenz schon nicht mehr zu erklären war und stark nach Betrug roch. Obwohl Weltmeister Campillo den Kampf die meiste Zeit klar beherrscht hatte, sahen zwei der drei Punktrichter am Ende Shumenov vorne, so dass dieser zum Sieger erklärt wurde.
Campillo hatte bereits letzten August seinen Halbschwergewichtstitel nach Version der WBA gegen den schnell aufsteigenden Kasachen Shumenov erfolgreich verteidigt. Da der Kampf jedoch eng war, kam es vergangenen Freitag zum Rückkampf in Las Vegas.
In der ersten Runde kam Shumenov aus seiner Ecke und feuerte ausschließlich harte Schläge ab, die aber meist an Campillos exzellenter Deckung hingen blieben. Da Campillo jedoch selber kaum aktiv wurde, ging die erste Runde wohl an den Kasachen. Doch ab der Mitte der zweiten Runde übernahm Campillo das Geschehen und landete die besseren Treffer. In den folgenden Runde wiederholte sich das Muster: Die ersten anderthalb Minuten feuerte Shumenov harte Schläge ab, die wirkungslos an Campillos Deckung verpufften, während die letzten anderthalb Minuten klar von Campillo beherrscht wurden. Campillo zeigte sich unheimlich zu treffen, und schlug in der Offensive starke, flüssige Kombinationen gegen die sich Shumenov kaum zu wehren wusste. Shumenov schien überfordert damit sich auf Campillo einzustellen und gab so scheinbar Runde um Runde ab. Campillo hingegen drehte immer mehr auf, und traf in der zweiten Hälfte der Runden beinahe nach Belieben.
Vor allem in der neunten Runde war Shumenov hilflos gegen die Attacken des stark geschulten Spaniers. Bereits zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als benötigte Shumenov einen KO um den Kampf noch zu gewinnen, doch obwohl sich Campillo in der zehnten Runde eine Auszeit leistete und die Runde abgab, gewann er wohl noch die letzten beiden Runden und sah wie der sichere Sieger aus, als der Gong die zwölfte Runde beendet hatte.
Punktkarten zwischen 118-110 und 116-112 für den amtierenden Weltmeister schienen angebracht, doch zwei der drei Punktrichter hatten anscheinend einen komplett anderen Kampf gesehen. Punktrichter Levi Martinez sah es mit 117-111 für Campillo realitätsnah, doch Jerry Roth, der Shumenov mit 115-113 vorne hatte, und vor allem Patricia Morse Jarman, die eine lächerliche Punktkarte, auf der Shumenov mit 117-111 vorne war, einreichte, verpassten dem Abend einen mehr als faden Beigeschmack und dem Boxsport ein blaues Auge.
Dass es Kämpfe gibt, in denen viele Runden eng sind, und in denen die Punktkarten weit auseinander liegen können, ist Fakt, doch dieser Kampf gehörte nicht dazu. Die beiden Urteile zugunsten Shumenovs grenzten bereits ans Kriminelle und entsprachen nicht annähernd der Realität des Kampfes. Gabriel Campillos Promoter Sampson Lewkowicz kündigte bereits an Protest einzulegen und eine Untersuchung durch die Nevada State Athletic Commission einleiten zu wollen. Er ging so weit zu sagen, dass Patricia Morse Jarman entweder blind sein müsse oder schlichtweg für die Entscheidung bezahlt wurde.
Nachdem sich im letzten Jahr bereits merkwürdige bis schlicht und einfach katastrophale Entscheidungen häuften, bleibt nur zu hoffen, dass sich dort nicht ein Trend abzeichnet, und die Boxfans in Zukunft weniger solcher Fehlurteile sehen.

In seinem bisher schwersten Test setzte sich das kubanische Toptalent Erislandy Lara gegen den unangenehmen US-Amerikaner Grady Brewer durch. In der zehnten und letzten Runde schlug Lara Brewer mit einem schönen linken Aufwärtshaken zu Boden, und nachdem Lara gut nachsetzte, brach Ringrichter Tony Weeks den Kampf etwas zu früh ab.
Zum Zeitpunkt des Abbruchs war Lara auf den Punktkarten zweimal 90-81 und einmal 88-83 vorne und war über weite Strecken der bessere Mann gewesen. Trotzdem zeigte der stets unangenehm zu boxende Brewer durchaus bestehende Schwächen beim Kubaner auf und brachte immer wieder gute Schläge ins Ziel. Am Ende der vierten Runde schien Lara sogar leicht angeschlagen nach einer guten rechten Hand und einigen Uppercuts. Im Endeffekt setzte sich aber Laras Klasse und sein athletisches Talent durch, und Lara gehört nun nach 10 Profikämpfen langsam zur erweiterten Elite des Halbmittelgewichts, in dem viele Experten Erislandy Lara schon sehr bald als Titelhalter sehen.

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Sebasitan Sylvester wurde, wie zu erwarten, vor keine all zu großen Probleme gestellt, als er Samstagabend mit dem Amerikaner Billy Lyell in den Ring stieg. Sylvester verteidigte zum ersten Mal seinen frisch gewonnenen IBF-Gürtel und stoppte Lyell in der zehnten Runde.
Dabei zeigte der US-amerikanische Herausforderer vor allem seine Nehmerqualitäten und konnte Sylvester, der den Kampf die meiste Zeit klar bestimmte, nur selten unter Druck setzen. Sylvester kam immer wieder zu klaren Treffern und sicherte sich somit Runde um Runde und hinterließ auf Lyells Gesicht immer mehr Spuren. In der zehnten Runde schließlich hatte Ringrichter Earl Brown ein Nachsehen, als Lyells Trainer Jack Loew das Handtuch warf, und brach den Kampf ab.
Sylvester zeigte eine solide Leistung und machte das, was gegen einen Mann vom Format Lyells nötig war. Zwar ließ er nach starkem Beginn etwas nach und erlaubte Lyell dadurch einige Momente im Kampf zu haben, und hätte womöglich den Kampf früher beenden können, doch am Ende dominierte er einen mittelklassigen Gegner über die meiste Zeit hinweg und siegte vorzeitig.

Kurzen Prozess machte Minimumgewichtsherrscher Roman Gonzalez am Samstag in Mexiko mit Herausforderer Ivan Meneses. In einem einseitigen Kampf stand der Nicaraguaner nach 4 Runden als Sieger durch technischen KO fest.
Von Anfang an beherrschte der Weltmeister den Kampf und ließ keine Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen. Bereits in der dritten Runde war Meneses kurz davor aus dem Kampf genommen zu werden, was der Ringrichter dann kurze Zeit später erledigte. Für den ungeschlagenen 22-jährigen Gonzalez war es seine dritte Titelverteidigung und sein einundzwanzigster KO-Sieg in seinem fünfundzwanzigsten Kampf.

Jorge Arce gelang es am Samstag die Uhr noch einmal zurückzudrehen und wieder einmal eine gute Leistung zu zeigen, nachdem er in den letzten Kämpfen bereits weit über seinen Zenit zu sein schien. Im Kampf um den vakanten Superfliegengewichstitel der WBO schlug er Angky Angkota durch eine klare technische Punktentscheidung nach 7 Runden.
Während Angkota eine gute erste Runde hatte, dominierte Arce die anderen Runden. Eine Vielzahl von unabsichtlichen Kopfstößen hinterließ beide Boxer mit Cutverletzungen und ein Cut über Angkotas rechtem Auge führte in der siebten Runde schließlich dazu, dass der Ringrichter auf Anweisung des Doktors den Kampf beendete, so dass es zu den Punktkarten ging.
Auf diesen lag Arce erwartungsgemäß deutlich vorne. Zwei der drei Punktrichter hatten dem Mexikaner jede Runde gegeben, während der dritte den Kampf 58-56 zugunsten Arces sah.

Zu guter Letzt sicherte sich am Wochenende noch Jesse Brinkley den zweiten Platz bei der IBF im Supermittelgewicht. In einem sehr unterhaltsamen Kampf besiegte er den leichten Favoriten Curtis Stevens deutlich nach Punkten.
Nach einer schweren ersten Runde, in der Stevens bereits einiges in die Waagscheibe warf, beherrschte Brinkley das Geschehen mehr und mehr durch seine boxerischen Fähigkeiten, während Stevens vergeblich darauf wartete einen Volltreffer zu landen. Stattdessen war es der schlagschwächere Jesse Brinkley, der Stevens sowohl in der sechsten als auch in der zwölften Runde durch die Vielzahl an Treffern zu Boden schicken konnte.
Die Punktrichter sahen es am Schluss mit Wertungen von 117-109, 118-108 und 119-107 für Brinkley genau richtig.

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