Top News

Wochenendrückschau 27.11.-29.11.2009

Lucian Bute bestätigte am Samstag in Kanada eindrucksvoll, dass er zu der absoluten Elite des Supermittelgewichts gehört und der stärkste Supermittelgewichtler außerhalb des Super-Six-Turniers ist. Auf der Undercard erhielt unterdessen der Boxsport ein weiteres blaues Auge durch ein katastrophales Punkturteil im Leichtgewichtstitelkampf zwischen Ali Funeka und Joan Guzman…

Nachdem der erste Kampf zwischen IBF-Supermittelgewichtsweltmeister Lucian Bute und Herausforderer Librado Andrade noch kontrovers geendet hatte, ließ Bute dieses Mal keine Zweifel aufkommen und besiegte in einer beeindruckenden Vorstellung Andrade durch KO in der vierten Runde.
Andrade kam, wie zu erwarten, vom ersten Gong an vorwärts, doch Bute konterte ihn immer wieder gut mit seinen schnellen Salven ab. Drei Runden lang brachte Bute die besseren und klareren Treffer ins Ziel, jedoch nicht ohne den einen oder anderen Schlag des Herausforderers schlucken zu müssen. In Runde 4 erwischte Bute dann Andrade mit einer kurzen linken Hand am Kinn, die Andrade nicht sah, und wegen der er zu Boden ging. Im ersten Kampf schien Andrade beinahe unverwundbar zu sein, doch dieser Niederschlag machte deutlich, dass Bute Andrade auch durch seine Schlagkraft beeindrucken konnte.
Kurz vor dem Ende der vierten Runde landete Bute dann einen exzellenten Körpertreffer, nach dem Andrade erneut zu Boden ging und dieses Mal unten blieb bis der Ringrichter ihn ausgezählt hatte.
Durch diesen eindrucksvollen vorzeitigen Sieg gegen den eisenharten Andrade hat Lucian Bute noch einmal ein Ausrufezeichen gesetzt, dass trotz des Super-Six-Turniers sich wohl niemand die uneingeschränkte Nummer 1 im Supermittelgewicht nennen darf, ohne ihn vorher geschlagen zu haben. Die Frage stellt sich nur, gegen wen Bute nun in seinen nächsten Kämpfen in den Ring steigen soll. Die sechs Besten der Gewichtsklasse außer ihm selbst sind in dem Turnier von Showtime und kommen daher bis zu dessen Abschluss nicht in Frage, und die beiden nächst besten Boxer sind wohl der von ihm gerade besiegte Andrade und Sakio Bika, den Bute bereits 2007 besiegte. WBO-Weltmeister Robert Stieglitz wird wohl eher nicht mit Bute in den Ring steigen, ebenso wie WBA-Interimsweltmeister Dimitri Sartison.
Der amerikanische Sender HBO, der auch Butes Kampf am Wochenende übertrug, ist unterdessen stark an einem Kampf zwischen ihm und Mittelgewichtsweltmeister Kelly Pavlik für das nächste Jahr interessiert. Sollte dieser Kampf nicht zu Stande kommen, bleiben für Bute im Grunde nur Gegner aus dem Halbschwergewicht, wo es mit Jean Pascal und Adrian Diaconu zwei für den kanadischen Markt sehr interessante Gegner geben würde.

Als Vorkampf zum Rematch zwischen Bute und Andrade kam es zum Kampf um den vakanten IBF-Titel im Leichtgewicht zwischen Joan Guzman und Ali Funeka. In einer der katastrophalsten Entscheidungen des Jahres 2009, das einige deutliche Fehlentscheidungen zu bieten hatte, wurde Außenseiter Ali Funeka der Sieg geraubt, als zwei der drei Punktrichter den Kampf unentschieden sahen.
Der ungeschlagene Guzman übernahm zuerst die Kontrolle im Kampf und war in den ersten beiden Runden der bessere Mann. Zwar ließ er viel von seiner bekannten Schnelligkeit und Agilität vermissen, doch reichte es zu Anfang noch um die Runden zu gewinnen. Doch schon früh war Guzmans Gesicht voller Blut, das aus der Nase und verschiedenen Cuts im Gesicht kam, und, während Guzman die Linie zu verlieren schien, drehte der Südafrikaner Funeka mehr und mehr auf. Sein Jab landete immer besser und häufiger, während Guzman deutlich unaktiver war und auch unpräziser und statischer wurde. Die Runden 3 bis 6 schienen alle an Funeka zu gehen.
In der siebten Runde drehte Guzman noch einmal etwas auf, und konnte sich vermutlich die Runde sichern, nur um danach wieder das Ruder aus der Hand zu geben. Spätestens nachdem Funeka am Ende der achten Runde ihn ordentlich ins Wanken gebracht hatte mit einer sehr kurzen rechten Geraden, ließ Joan Guzman jegliche Gegenwehr vermissen und wurde bis zum Schlussgong mehr oder weniger durch den Ring geprügelt.
Alle warteten auf ein klares Punkturteil zugunsten Funekas, der im engsten Fall 116-112, vermutlich aber deutlicher gewonnen hatte, doch die Kinnladen aller Anwesenden fielen kollektiv herunter, als bekannt gegeben wurde, dass zwei der drei Punktrichter den Kampf 114-114 gesehen hatten, während Joe Pasquale den Kampf mit 116-112 für Funeka wenigstens richtig gesehen hatte. Der Kampf endete also in einem mehrheitlichen Unentschieden, so dass der Titel vakant bleibt. Im Interview nach dem Kampf fehlten Ali Funeka, offensichtlich noch zu schockiert von der grotesken Entscheidung, die Worte, nachdem zwei kanadische Punktrichter der Glaubwürdigkeit im Boxsport ein weiteres blaues Auge verpasst hatten.

Im Minimumgewicht trafen die beiden WBC-Titelträger in Thailand aufeinander, wo Oleydong Sithsamerchai gegen Juan Palacios so gerade eben die Oberhand und damit seinen lupenreinen Kampfrekord behielt.
Sithsamerchai hatte den Punktsieg vor allem seiner guten Leistung in der ersten Hälfte des Kampfes zu verdanken, wo er den aggressiven Palacios die meiste Zeit gut aus der Distanz heraus ausboxte und sich so die meisten der ersten sieben Runden sichern konnte. Palacios kam danach allerdings stark auf, und machte den Kampf immer enger. Sein Druck wurde immer größer, so dass sich Sithsamerchai in den hinteren Runden oft nur noch durch Klammern zu helfen wusste, um bis zum Schlussgong durchzuhalten.
Die drei Punktrichter sahen es am Ende mit 115-114, 116-114 und 114-114 ziemlich richtig und damit Oleydong Sithsamerchai als knappen aber verdienten Sieger durch Mehrheitsentscheidung.

Im japanischen Topkampf um den WBC-Titel im Fliegengewicht gewann Koki Kameda den Gürtel von Daisuke Naito durch eine hart erkämpfte Punktentscheidung. Auf den Punktzetteln lag er mit 116-112, 117-111 und 117-111 vorne.

Luis Concepcion, Interimsweltmeister der WBA im Fliegengewicht, brauchte vier Runden, um sich Herausforderer Roberto Carlos Leyva zu entledigen. Nachdem er von Anfang an der bessere Mann war, ohne dabei glänzen zu können, erwischte er Leyva in Runde 4 mit einem linken Haken und einer nachfolgenden kurzen rechten Gerade, die Leyva zu Boden schickte, wo er ausgezählt wurde.

Zu einer kleinen Überraschung kam es in Kalifornien, wo das vorher noch ungeschlagene US-amerikanische Talent John Molina 10 Runden lang vom Veteranen Martin Honorio boxerisch deklassiert wurde und deutlich nach Punkten verlor.

Voriger Artikel

Lucian Bute bravourös: KO in der vierten Runde gegen Andrade

Nächster Artikel

Povetkin - Beck abgesagt: Leo Nolan ist der neue Gegner

Keine Kommentare

Antwort schreiben