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Wochenendrückschau 26.-27.03.2010

Das bisher beste Wochenende des Jahres für Boxfans hatte einige Überraschungen zu bieten. Arthur Abraham musste seine erste Niederlage seiner Profikarriere hinnehmen. Ähnlich erging es Fliegengewichtsweltmeister Koki Kameda und Bantamgewichtsweltmeister Nehomar Cermeno. Insgesamt gab es über ein Dutzend Topkämpfe, die größtenteils sehr unterhaltsam waren…

In der Joe Louis Arena in Detroit brachte der junge Amerikaner Andre Dirrell am Samstagabend Arthur Abraham seine erste Profiniederlage bei. Abraham wurde in der elften Runde zu Recht disqualifiziert, war aber auch über weite Strecken des Kampfes der schlechtere Mann und erlitt den ersten Niederschlag seiner Karriere.
Dirrell, der unbedingt einen Sieg brauchte um sich weiter Hoffnungen machen zu dürfen auf einen Halbfinalplatz im Super-Six Turnier, startete deutlich besser in den Kampf. Abraham, bekannt als notorischer Langsamstarter, ließ zunächst nur sehr selten seine Fäuste fliegen und verschanzte sich hauptsächlich hinter seiner Doppeldeckung. Dirrell hingegen machte das, was er angekündigt hatte: Er feuerte seine blitzschnellen Schläge sowohl zum Kopf als auch viel zum Körper ab und war auch in der Lage Abrahams Deckung hin und wieder zu durchbrechen, indem er seine Schläge um die Deckung herumbrachte. Besonders wichtig für Dirrells Erfolg zeigte sich bereits hier sein Plan Abrahams anfangs spärlichen Jabs stets zu kontern, was Abraham dazu veranlasste seinen guten harten Jab deutlich weniger zu benutzen als in anderen Kämpfen, da jedes Mal ein schneller, gut platzierter Konter die dadurch entstandenen Lücken ausnutzte.
Erst in der dritten Runde konnte Abraham die ersten soliden Treffer landeten, doch Dirrell, dessen Nehmerfähigkeiten vor dem Kampf kritisch betrachtet worden waren, nahm die Hand voll guter Schläge zum Ende der Runde hin problemlos. Eine Runde später kam Dirrell sogar mit einer linken Geraden zurück, als Abraham ungestüm angegriffen hatte, und schickte Arthur damit zum ersten Mal in dessen Karriere zu Boden. Ein Grund für den Niederschlag war, dass Abraham keine gute Balance zum Zeitpunkt des Treffers hatte, doch ein wenig benommen schien Abraham danach durchaus auch zu sein und so dominierte Dirrell auch den kurzen Rest der Runde klar. Generell war Abraham oft darauf reduziert ungestüm und wild anzugreifen, da Dirrell sich zu gut bewegte und die Distanz gut hielt. Da Abraham meistens nicht in der Lage war mit dem ersten Treffer gegen den reaktionsstarken Dirrell zu landen, gelang es ihm kaum Kombinationen zu schlagen, die Dirrell wirklich in Schwierigkeiten hätten bringen können.
In diese geriet Abraham immer mehr, als er Runde um Runde auf den Punktzetteln abgab und dazu noch in der siebten Runde nach einer linken Gerade des häufig die Auslage wechselnden Dirrells eine böse Cutverletzung über dem rechten Auge erlitt. Zum Schluss der Runde konnte Abraham sich dann sogar glücklich schätzen, dass er nicht zum zweiten Mal im Kampf angezählt wurde. Erneut streckte sich Abraham zu weit nach Dirrell und ging wild in den Gegner, und Dirrell konterte Abraham mit einem linken Haken ab. Abraham fiel in die Seile, die ihn davor retteten zu Boden zu gehen. Laut Regelwerk zählt auch das als Niederschlag und hätte damit eine 10-8 Runde für Dirrell ergeben. Ringrichter Laurence Cole, der einen durchwachsenen Tag hatte, ließ den Kampf jedoch weiterlaufen. Einen weiteren Fehler machte er in Runde 10, die Abrahams beste Runde des Kampfes war. Arthur Abraham landete eine gute rechte Gerade, die Dirrell zu Boden schickte, doch Cole erkannte auf einen Ausrutscher. Zwar waren der linke Fuß von Abraham und der rechte von Dirrell sich in die Quere gekommen, was dazu beitrug, dass Dirrell runter ging, doch schien der Schlag der Hauptgrund dafür gewesen zu sein. Dirrell war, nachdem er schnell wieder aufgestanden war, jedoch noch etwas angeschlagen und musste sich den Rest der Runde wilder Angriffe Abrahams erwehren.
Eine Runde später kam es dann zum dramatischen Ende. Dirrell, der sich inzwischen deutlich mehr bewegte als noch zu Beginn des Kampfes, als er oft den Kampf in der Mitte des Rings hielt und teilweise sogar vorwärts ging, war sich wohl über seinen klaren Punktvorsprung bewusst, und wusste, dass er, selbst wenn er die letzten beiden Runden verlieren würde, keine Gefahr laufen würde, den Kampf zu verlieren. Abraham brauchte inzwischen den KO und ging dementsprechend zu Werke. Etwas über eine Minute in die Runde rein rutschte Dirrell auf einer Werbung auf dem Ringboden aus, was ihm vorher im Kampf bereits passiert war, und saß auf beiden Knien am Boden mit seinen Fäusten unten. Abraham holte aus und verpasste den am Boden befindlichen Dirrell mit rechts einen Volltreffer. Der Amerikaner sank in einer langsamen Reaktion bewusstlos zu Boden und fing an am ganzen Körper zu zittern, während er ausgestreckt auf dem Ringboden lag. Nachdem Ringrichter Laurence Cole den Ringarzt schnell gerufen hatte, disqualifizierte er Arthur Abraham völlig zu Recht. Abraham protestierte zwar, doch der Schlag kam viel zu spät, als Dirrell schon längst am Boden war.
Zu dem Zeitpunkt der Disqualifikation hatten die Ringrichter Dirrell mit 97-92, 97-92 und 98-91 vorne. Abraham hatte den kompletten Kampf über große Probleme mit Dirrells schnellen Händen, seiner guten Beinarbeit, seinen guten Reflexen und seinen präzisen Kontern. Zudem schlug Abraham zu wenig um sich Runden zu sichern, während Dirrell deutlich aktiver war, als er es im Kampf gegen Carl Froch gewesen war, in dem ihm wohl aufgrund seiner zu großen Passivität kontroverser Weise der Punktsieg verweigert worden war. Auch Dirrells Arbeit zum Körper zeigte sich als gute Waffe gegen Abraham, dessen Deckung noch mehr Treffer zum Kopf verhinderte.
Nach dem Kampf zeigte sich Arthur Abraham als schlechter Verlierer und sagte, dass Dirrell, der ihn 11 Runden lang ausgeboxt hatte, kein guter Boxer, sondern lediglich ein guter Schauspieler sei. Er beharrte darauf, dass die Disqualifikation ungerecht war und, dass Dirrell nicht wirklich am Boden war zum Zeitpunkt, als er ihn traf, obwohl die Wiederholung klar zeigte, dass der Amerikaner längst klar am Boden war. Dirrell selber war direkt nach dem Kampf nicht in der Lage Interviews zu geben, da er noch zu durcheinander war und das Ende noch nicht richtig begriffen zu haben schien. Er wurde ins Krankenhaus gefahren und dort ausführlich untersucht um eine Gehirnerschütterung auszuschließen bevor er später am Abend entlassen wurde.
Arthur Abraham wird nun in der letzten Runde auf den Engländer Carl Froch treffen, der zuvor noch gegen Mikkel Kessler ran muss. Abraham könnte bei einer Niederlage in dem Kampf gegen Froch, gegen den er aber als klarer Favorit gelten muss, das Aus im Super-Six Turnier drohen. Andre Dirrell hingegen trifft in der dritten Runde auf seinen Landsmann und Olympia-Kollegen Andre Ward, der zunächst noch mit Allan Green in den Ring steigt. Auch für Dirrell dürfte nur ein Sieg zum Weiterkommen führen.

Für eine große Überraschung und ein riesiges Ausrufezeichen sorgte der zukünftige Hall Of Famer Pongsaklek Wonjongkam indem er den zuvor ungeschlagenen Fliegengewichtsweltmeister Koki Kameda in Tokio hochverdient nach Punkten besiegte. Damit gewann Pongsaklek den linearen und WBC-Titel zweieinhalb Jahre nachdem er ihn verloren hatte. Von 2001 an war er bereits über sechs Jahre lang linearer Champ und Weltmeister der WBC gewesen und hatte einen neuen Rekord mit 17 erfolgreichen Titelverteidigungen in Folge aufgestellt.
Von Anfang an war es ein ziemlich einseitiges Gefecht. Pongsaklek ging konstant nach vorne und zeigte sich aktiver als Kameda. Er schlug mehr und traf besser mit seinen etwas schnelleren und präziseren Händen, während Koki Kameda oft im Rückwärtsgang nur den rechten Jab hervorschnellen ließ. Vor allem Pongsakleks deutlich höhere Präzision machte den Unterschied aus. Koki Kamedas Schläge verfehlten oft ihr Ziel oder wurden durch Pongsakleks Deckung abgefangen, Wonjongkams Schläge trafen mit einer deutlichen höheren Quote ins Schwarze. Insgesamt fiel es schwer Runden für den jungen japanischen Weltmeister zu finden. Lediglich die siebte und neunte Runde schien er für sich entscheiden zu können. Am Ende war der Thailänder scheinbar deutlich und problemlos vorne, doch das bei der WBC übliche Open Scoring-System hatte schon während des Kampfes deutlich gemacht, dass zumindest einer der drei Punktrichter den Kampf unverständlicherweise deutlich enger sah. Da Pongsaklek in der fünften Runde nach Regeln der WBC für einen unabsichtlichen Kopfstoß, bei dem Kameda sich einen Cut am rechten Auge zuzog, einen Punkt abgezogen bekommen hatte, lag er zum Schluss wohl ungefähr 117-110 vorne. Punktrichter Max DeLuca aus den USA (115-112) und Punktrichter John Keene aus England (116-112) sahen den Kampf auch in etwa korrekt, doch der montenegrosche Punktrichter Predrag Aleksic hatte bei seiner 114-114 Punkkarte anscheinend einen anderen Kampf gesehen. Zumindest stand somit, wenn auch zu knapp, mit dem Thailänder Pongsaklek Wonjongkam der richtige Sieger des Kampfes fest.
Für den 32-jährigen Pongsaklek war es in einer unglaublichen Karriere bereits der fünfundsiebzigste Sieg im neunundsiebzigsten Kampf und der einundzwanzigste Sieg in Titelkämpfen bei einer Niederlage und einem Unentschieden. Für den 23-jährigen Kameda war es die erste Niederlage im dreiundzwanzigsten Profikampf, doch für den japanischen Superstar bedeutet sie vermutlich nur einen kleinen Rückschritt, da er mit seinen jungen Jahren noch genug Chancen bekommen wird sich erneut zu beweisen.

In Südafrika wechselte der IBF-Gürtel im Minimumgewicht nicht unbedingt überraschend den Besitzer. Im Kampf zweier ungeschlagener Boxer dominierte Herausforderer Nkosinathi Joyi Weltmeister Raul Garcia 12 Runden lang und gewann eine deutliche Punktentscheidung.
Von der ersten Runde an hatte Garcia dem Südafrikaner wenig entgegen zu setzen und Joyi kontrollierte den Kampf mit seinen schnelleren Händen, der größeren Schlagkraft und der besseren Technik. Mehrmals im Kampf gelang es dem Herausforderer sogar den Weltmeister ordentlich durchzuschütteln, und den Rest der Zeit hatte Joyi wenig Probleme Garcia aus der Distanz hinter seinem guten Rechtsausleger-Jab auszuboxen. Zum Schluss schien sogar ein KO-Sieg für den talentierten Südafrikaner drin zu sein, doch Garcia rettete sich im Rückwärtsgang in den letzten Runden über die Zeit. Die Punktrichter sahen Joyi am Ende mit 119-109, 118-110 und 118-110 vorne. Durch den überzeugenden Sieg ist Joyi nun endgültig neben Roman Gonzalez und Oleydong Sithsamerchai zu den drei besten Minimumgewichtlern der Welt zu zählen. Ein Aufeinandertreffen zwischen diesen dreien scheint jedoch leider eher unwahrscheinlich.

In einem guten Kampf verteidigte Halbweltergewichts WBA-Interimsweltmeister Marcos Rene Maidana seinen Titel durch einen KO in der sechsten Runde gegen den zuvor ungeschlagenen Dominikaner Victor Manuel Cayo.
Cayo fand zunächst recht gut in den Kampf, und während der hart punchende Maidana bereits in der ersten Runde auf den KO aus war, nutzte Cayo seine Schnelligkeitsvorteile und bewegte sich gut im Ring. Auch in der zweiten Runde sah er streckenweise gut aus trotz seiner etlichen technischen Fehler und seiner riskanten Art seine Hände meist tief hängen zu lassen und sich auf seine Reflexe zu verlassen. Doch direkt nach Ertönen des Gongs nach der zweiten Runde landete Maidana noch einen linken Haken, der Cayo zu Boden schickte. Der Dominikaner schaffte es hoch und damit in die Rundenpause, doch beschwerte sich darüber, dass Maidana ihn am Hinterkopf getroffen habe, und das nicht zum ersten Mal. Zwar schien der Schlag, der zu Cayos Bodenbesuch führte, den Hinterkopf getroffen zu haben, doch war Cayo mit seinen unorthodoxen Bewegungen, die oft kaum ein anderes Ziel ließen, selbst nicht ganz unschuldig daran.
Die dritte und vierte Runde schien Maidana zu gewinnen indem er immer wieder gute Treffer ins Ziel brachte und selber eine gute Defensive bewies. Die beste Runde des Kampfes kam wohl in der fünften, als beide Boxer sich eine kleine Schlacht lieferten und Cayo Maidana sogar kurz mit einem linken Haken durchrüttelte. Doch eine Runde später kam das Ende für ihn. Ziemlich von Beginn der sechsten Runde an kassierte Cayo einiges an Prügel, doch hielt vorerst noch tapfer durch. Ein toller rechter Aufwärtshaken zum Solar Plexus war jedoch schließlich zu viel für Cayo, der sofort zu Boden ging und sich vor Schmerzen wand, während Ringrichter Joe Cortez ihn auszählte. Für Marcos Maidana war es der siebenundzwanzigste KO im achtundzwanzigsten Sieg und seine zweite erfolgreiche Titelverteidigung. Ein Kampf mit dem regulären WBA-Weltmeister Amir Khan scheint weiter unwahrscheinlich, da Khan zur Zeit nicht gegen den gefährlichen Argentinier antreten will. Stattdessen könnte es zum Aufeinandertreffen mit Joan Guzman kommen, der auf der Undercard in Las Vegas boxte.

Im Rückkampf zwischen Joan Guzman und Ali Funeka siegte Joan Guzman durch eine Split Decision, gewann aber nicht den vakanten Leichtgewichtstitel. Nachdem Funeka jedoch im ersten Aufeinandertreffen um einen klaren Sieg gebracht wurde, als die Punktrichter unglaublicherweise ein Unentschieden sahen, hatte Guzman den knappen Punktsieg dieses Mal verdient.
Bereits vor dem Kampf sorgte Joan Guzman für negative Schlagzeilen. Obwohl der Kampf für das Leichtgewicht angesetzt war, wog Joan Guzman mit schier unfassbaren 144 Pfund, also ganzen 9 Pfund zu viel, und damit effektiv im Weltgewichtlimit ein. Vor nicht all zu langer Zeit war bereits ein Kampf mit Nate Campbell kurzfristig geplatzt, da Guzman das Gewicht nicht machen konnte und sich bei der Gewichtsreduzierung so sehr quälte, dass er am Tag vor dem Kampf absagen musste. Campbell boxte kurze Zeit später dann gegen Ali Funeka in einem Titelkampf, brachte seinerseits das Gewicht nicht, so dass trotz knappen Punktsieges von Campbell der Titel vakant wurde. Nun wurde Funeka erneut stark benachteiligt, indem er gegen einen Gegner in den Ring steigen musste, der effektiv zwei Gewichtsklassen höher boxte. Joan Guzman stellte damit einmal mehr mangelnden Respekt gegenüber dem Sport und vor allem seinen Gegner unter Beweis. Des Weiteren schadet er sich damit selbst, da viele Promoter wohl nicht unbedingt einen Kampf mit ihm suchen werden, wenn er nicht in der Lage zu sein scheint zuverlässig das geforderte Gewicht zu bringen.
In dem Kampf am Samstagabend stand der vakante IBF-Titel also nur für Ali Funeka auf dem Spiel und der Kampf begann ähnlich wie das erste Aufeinandertreffen, in dem Guzman die ersten beiden Runden gut ausgesehen hatte und danach von Guzman dominiert wurde. In der ersten Runde bewegte sich der Dominikaner klasse und zeigte eine gute Defensive. Gleichzeitig nutzte er seine schnelleren Hände um gute Treffer unterzubringen. Doch bereits die zweite Runde war etwas ausgeglichener und ging möglicherweise an den Südafrikaner Funeka, der in der dritten, vierten und fünften Runde das Ruder übernahm, während Guzman sich erstaunlich passiv zeigte und viel zu wenig schlug. Erst in Runde Sechs drehte Guzman wieder auf und schickte Funeka prompt mit einer weiten und wilden Rechten, die Funeka am Ohr traf, zu Boden. Zwar kam Funeka in der siebten Runde noch einmal gut zurück, doch die letzten Runden fünf Runden schien sich allesamt Guzman sichern zu können, so dass er nach Punkten vorne zu liegen schien.
Der Unterschied zum ersten Kampf lag vor allem in Guzmans besserer Beinarbeit. War er im ersten Kampf ab der dritten Runde oft statisch und damit ein leichtes Ziel für Funeka, bewegte er sich dieses Mal, so wie man ihn eigentlich kennt, geschickt durch den Ring und bot selten eine gute Angriffsfläche für den Südafrikaner. Dieser war deswegen auch nicht in der Lage seinen Jab so zu etablieren wie es ihm im ersten Kampf gelungen war. Guzman zeigte sich auch sehr beweglich im Oberkörper und die langen Jabs von Funeka verpassten ihr Ziel zumeist. Zudem schienen Funekas Schläge ihm dieses Mal weniger auszumachen als noch im ersten Kampf, was auch daran gelegen haben könnte, dass Guzman sich nicht bemüht hatte das Gewichtslimit zu bringen. Guzman landete die härteren und klareren Schläge in den meisten Runden, während Funeka deutlich aktiver war, aber auch sehr oft Guzman verfehlte.
Am Ende schien Joan Guzman mit etwa 115-112 vorne zu liegen, wobei auch viele sehr enge Runden dabei waren, die an beide Boxer gehen konnten. Die Punktrichter sahen den Kampf 116-111 und 114-113 für Guzman, sowie 114-113 für Funeka. Ali Funeka bleibt weiterhin einer der besten Leichtgewichtler der Welt, wenn nicht der beste, und verlor effektiv am Wochenende gegen einen sehr guten Weltergewichtler. Joan Guzman hingegen möchte nun gerne gegen Halbweltergewichtsweltmeister Marcos Maidana, der im Hauptkampf erfolgreich war, antreten.

In Hamburg verteidigte WBA-Federgewichtsweltmeister Yuriorkis Gamboa seinen Titel erfolgreich gegen den toughen Argentinier Jonathan Victor Barros. Nach 12 Runden gewann der Kubaner eine deutliche einstimmige Punktentscheidung.
Nach langsamem Abtasten in den ersten beiden Runden fing der deutlich schnellere und reaktionsstärkere Gamboa in der dritten Runde langsam an die Kontrolle mehr und mehr zu übernehmen. Dabei zeigte er sich jedoch, wie schon in den letzten paar Kämpfen, deutlich kontrollierter als noch vor einigen Kämpfen, als er oft ungestüm zu Werke ging. Der kubanische Weltmeister sicherte sich Runde um Runde, und musste vielleicht höchstens die fünfte Runde abgeben, in der der ansonsten passive und auf Kontermöglichkeiten wartende Barros etwas mehr Erfolg hatte.
Zu Beginn der achten Runde drehte Gamboa dann richtig auf und erwischte Barros mit einem linken Haken voll. Barros ging zu Boden und sah sich, nachdem er wieder auf den Beinen war, eines weiteren Ansturms Gamboas ausgesetzt, der jetzt den Kampf beenden wollte. Doch Barros zeigte, dass er durchaus Nehmerfähigkeiten besitzt und überstand nicht nur die achte Runde, sondern auch die folgenden, in denen Gamboa sich vermehrt geschickt durch den Ring bewegte und Barros attackieren ließ. Dieser kam jedoch nicht zu all zu viel Erfolg, während Gamboa immer wieder die besseren Treffer setzte, so dass am Ende Gamboa als klarer Sieger feststand. Die Punktrichter sahen ihn mit 118-109, 118-109 und 116-111 vorne, und somit behielt Gamboa seine reine Weste, während Barros seine erste Profiniederlage erlitt. Die nächsten Kämpfe wird Gamboa wohl wieder in den USA bestreiten, wo langsam ein Showdown mit Stallkollege Juan Manuel Lopez aufgebaut werden soll.

WBC-Minimumgewichtsweltmeister Oleydong Sithsamerchai kam zum zweiten Mal in Folge sehr nah an eine Niederlage, doch gewann schließlich in Japan durch eine äußerst knappe einstimmige Punktentscheidung gegen Heimboxer Yasutaka Kuroki und behielt damit seinen lupenreinen Kampfrekord und seinen Titel.
Ähnlich wie in seinem letzten Kampf gegen Juan Palacios begann Sithsamerchai gut und boxte Kuroki im Rückwärtsgang klar aus. Der Japaner drängte nach vorne, konnte den Thailänder jedoch kaum treffen und kassierte stattdessen immer wieder dessen Konter aus der Distanz. Während Palacios zuletzt etwa ab Runde Sieben die Kontrolle übernahm, kam Kuroki gegen Sithsamerchai ab der achten Runde stark auf und konnte die Distanz immer besser überbrücken und folglich gute Treffer landen. Bereits in vergangenen Kämpfen bewies Sithsamerchai dass die Halbdistanz nicht sein Terrain ist, und in dem Kampf am Samstag hielt er in der zweiten Hälfte des Kampfes so viel, dass der Ringrichter ihm in der zehnten Runde dafür einen Punkt abzog. Eine Runde später gelang es Kuroki Sithsamerchai mit einer schönen Kombination niederzuschlagen, und auch in der zwölften dominierte Kuroki den inzwischen völlig erschöpften Thailänder, der noch einige gute Treffer wegstecken musste, bevor ihn der Schlussgong erlöste. Die Punktrichter hatten den Kampf 113-112, 114-113 und 114-112 für den Weltmeister.
Sithsamerchai bleibt einer der Topleute im Minimumgewicht und weiterhin ungeschlagen, doch scheint er ein großes konditionelles Problem zu haben, da er zum zweiten Mal in Folge in der zweiten Kampfeshälfte stark einbricht und nur haarscharf einer Niederlage entgeht.

Es war der erwartet enge Kampf auf technisch höchstem Niveau, doch im Endeffekt entschied ihn der Titelverteidiger Anselmo Moreno hauchdünn für sich. Den zuvor ungeschlagenen Nehomar Cermeno besiegte er per Split Decision. Zwei Punktrichter sahen Moreno mit 114-113 bzw. 115-112 vorne, während der dritte Cermeno mit 115-112 als Sieger sah.

Hugo Hernan Garay bewies, dass er längst nicht mehr zur erweiterten Weltspitze im Halbschwergewicht gehört und verlor in der ersten Runde gegen Chris Henry, der ihn nach zwei Minuten und zwanzig Sekunden mit einer rechten Hand zu Boden streckte. Der Kampf war ein Eliminator der WBA, so dass Chris Henry nun wohl eine Chance gegen Weltmeister Beibut Shumenov bekommen wird.

Ex-Superfedergewichtsweltmeister Jorge Linares tat sich schockierenderweise sehr schwer in seinem Comeback-Kampf gegen Francisco Lorenzo, nachdem er zuletzt in einer immensen Überraschung in einer Runde von Juan Carlos Salgado ausgeknockt worden war. Gegen Lorenzo gewann er nur eine Mehrheitsentscheidung nach 10 Runden. Die Punktrichter hatten es 97-93, 97-94 und 95-95 für den Mann aus Venezuela.

In einem IBF-Eliminator im Halbfliegengewicht stoppte Ulisses Solis den Philippino Bert Batawang in fünf Runden. Bereits 2007 hatte Solis Batawang in neun Runden geschlagen. Dieses Mal übernahm Solis etwa ab der vierten Runde die Kontrolle und schickte Batawang zu Boden. Aufgrund der klaren Überlegenheit von Solis in der fünften Runde blieb Batawang nach der Runde in seiner Ecke und erschien nicht zur sechsten Runde. Solis hat sich durch den Sieg einen Kampf mit IBF-Weltmeister Carlos Tamara verdient.

Vor gut drei Jahren schlug Steve Molitor in seiner ersten Titelverteidigung des Superbantamgewichtstitels nach Version der IBF Takalani Ndlovu in neun Runden. Am Samstag eroberte er sich den vakanten Titel zurück durch eine einstimmige Punktentscheidung gegen Ndlovu. Nach ansehnlichen 12 Runden hatten die Punktrichter ihn mit 116-114, 117-111 und 115-113 vorne.

Halbfliegengewichtsweltmeister Giovanni Segura, dessen Titel nicht auf dem Spiel stand, stoppte Ronald Ramos problemlos in vier Runden. Ramos, der zuvor in 8 Niederlagen noch nie vorzeitig verloren hatte, bezog vier Runden lang Prügel und kam schließlich zur fünften Runde nicht aus seiner Ecke.

Boxlegende Erik Morales startete am Samstag in Mexiko einen Comebackversuch und gewann einen Punktentscheid nach 12 Runden gegen Jose Alfaro. Der Kampf fand im Weltergewicht statt und Morales sah trotz des Sieges nicht besonders gut aus. Die Punktrichter sahen ihn gegen einen überforderten Gegner mit 116-112, 117-111 und 116-112 vorne, doch Morales sollte es sich gut überlegen seine Gesundheit weiter aufs Spiel zu setzen, wenn er offensichtlich nur noch ein Schatten seiner Selbst ist.

Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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