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Wochenendrückschau 26.-27.02.2010

Im Topkampf des Wochenendes brauchte Wilfredo Vazquez Jr. keine vier Runden um einen lethargisch wirkenden Marvin Sonsona zu bezwingen. Im Halbfliegengewichtstitelkampf zwischen Rodel Mayol und Omar Nino Romero ging es kontrovers zu, wie es mittlerweile für Mayol-Kämpfe schon Gewohnheit zu werden scheint. Außerdem verlor Kendall Holt überraschend und der Freitagabend hatte einen der besten Kämpfe des bisherigen Jahres zu bieten.

Vor heimischem Publikum stoppte Wilfredo Vazquez Jr. im Kampf um den vakanten WBO-Titel im Superbantamgewicht Marvin Sonsona in 4 Runden. Er fügte dem Philippinen damit die erste Niederlage zu, während sein eigener Kampfrekord weiterhin blütenweiß bleibt.
Nach einer eher abwartenden ersten Runde, in der Ex-Superfliegengewichtsweltmeister Sonsona leichte Vorteile hatte, übernahm Wilfredo Vazquez Jr., der physisch deutlich überlegen schien, in Runde 2 langsam aber sicher die Kontrolle. Spätestens ab der dritten Runde agierte Sonsona dann deutlich zu zögerlich, ließ sich zu oft gegen die Seile drängen und eröffnete selten selber den Schlagabtausch. Dabei hatte er in der ersten Runde durchaus Erfolg gehabt solange er aus der Distanz mit seinen etwas schnelleren Händen zuerst die Schläge abfeuerte. Doch als Vazquez Jr. nun problemlos in die Halbdistanz gelangte, schien Sonsona ratlos zu sein, wie er sich dem erwehren könne.
In der vierten Runde schließlich ließ sich Sonsona erneut an den Seilen stellen und ließ Vazquez Jr. genug Zeit sich die Öffnungen in Sonsonas Deckung genau auszugucken. Mit einer guten Kombination öffnete er den Weg für eine knackige rechte Gerade durch die Mitte, die Sonsonas Kopf zurückschnappen ließ. Wenig später folgte ein präziser linker Haken zur Leber, der Sonsona etwas zeitverzögert schmerzverzerrt zu Boden gehen ließ. Dort wurde er von Ringrichter Luis Pabon ausgezählt.
Somit sicherte sich Wilfredo Vazquez Jr. mit einer guten Vorstellung den WBO-Titel im Superbantamgewicht, derselben Gewichtsklasse in der auch sein Vater und Trainer zwischen 1992 und 1995 Weltmeister war. Bei Marvin Sonsona sah es so aus, als wäre er physisch noch nicht ganz im Superbantamgewicht angekommen. Mit 19 Jahren hat er allerdings auch noch Zeit richtig in seinen Körper herein zu wachsen und sich auch boxerisch noch weiter zu entwickeln.

In Mexiko endete am gleichen Abend der Kampf um den WBC-Gürtel im Hablfliegengewicht zwischen Weltmeister Rodel Mayol und Herausforderer Omar Nino Romero kontrovers. Nachdem Mayol selbst in seinen letzten drei Kämpfen jeweils durch Kopfstöße, die zum Ende des Kampfes geführt hatte, für Kontroverse gesorgt hatte, war es dieses Mal eine Aktion von Omar Nino Romero, die zum Abbruch führte.
In einer ruhigen ersten Runde sah der Mexikaner Romero etwas besser aus, da er aus der Distanz die besseren Treffer unterbringen konnte. Doch ab Runde 2 übernahm Weltmeister Mayol die Kontrolle und konnte Romero immer wieder unter Druck setzen. Nach einem starken linken Aufwärtshaken hatte er seinen Gegner sogar zwischendurch auf wackligen Beinen. Doch es war die dritte Runde, die für Gesprächsstoff nach dem Kampf sorgte.
Nach etwa zwei absolvierten Minuten in der Runde erwischte Romero Mayol mit einer rechten Hand unterhalb der Gürtellinie. Ringrichter Vic Drakulich schien dies nicht sofort wahrzunehmen, aber Rodel Mayol wich zurück und ließ seine Deckung fallen. Omar Nino Romero machte, was von ihm erwartet wird solange der Ringrichter nicht dazwischen geht, und folgte Mayol um ihn mit einem brutalen linken Haken niederzustrecken. Als Romero den Schlag abfeuerte, hatte Mayol keinerlei Körperspannung mehr, da er davon ausging, dass das Gefecht wegen des Tiefschlags unterbrochen würde. Mayol schien bereits im Moment, als der Schlag ihn traf, KO zu gehen, und er sank nach links zu Boden. Ringrichter Drakulich hatte inzwischen versucht von hinten dazwischen zu springen, doch er erwischte Romeros rechten Arm erst, als dieser bereits dabei war den linken Haken zu schlagen. Kurz irritiert begann Drakulich dann doch den Philippinen Mayol auszuzählen, der reglos am Boden lag. Es sah so aus, als hätte Omar Nino Romero durch KO gewonnen.
Doch nach einigen Gesprächen, unter anderem mit WBC-Vizepräsident Mauricio Sulaiman, wurde das Ergebnis als ein technisches Unentschieden bekannt gegeben. Mayol lag unterdessen weiterhin minutenlang auf dem Ringboden, und wurde mit Sauerstoff versorgt, um schließlich auf der Krankenbahre aus der Halle getragen zu werden. Die Entscheidung auf ein technisches Unentschieden bedeutet, dass die WBC einen direkten Rückkampf anordnen wird, und beruht darauf, dass Ringrichter Vic Drakulich nach dem Kampf sagte, er habe den Kampf direkt nach Romeros Tiefschlag unterbrechen wollen, was allerdings nicht erklärt, warum er wenig später Mayol noch auszählte.

Für eine Überraschung sorgte am Samstagabend in Atlantic City Halbweltergewichtler Kaizer Mabuza, der Ex-Weltmeister Kendall Holt in 6 Runden stoppte. Damit sicherte sich Mabuza das Recht IBF-Weltmeister Juan Urango, der nächste Woche versucht gegen WBC-Weltmeister Devon Alexander zwei Gürtel zu vereinigen, herauszufordern.
Mabuza, der zuletzt schon einige gute Siege aneinandergereiht hatte, übernahm den Kampf nach zwei guten Anfangsrunden für Holt in Runde 3. Der Südafrikaner erwies sich als der physisch stärkere Mann und rang den US-Amerikaner langsam nieder. Nach der sechsten Runde hatte Holt genug und kam nicht aus seiner Ecke zu Runde 7 heraus.

Im Main Event in Atlantic City bestand Weltergewichtstalent Mike Jones seinen vom Namen her möglicherweise bisher größten Test. Den puertoricanischen Veteranen Henry Bruseles punktete er über 10 Runden deutlich und souverän aus. Durch den Sieg verteidigte er außerdem seinen NABA-Titel im Weltergewicht.

In einem Eliminator für den IBF-Titel im Fliegengewicht schlug am Freitagabend in Südafrika Heimboxer Zolani Tete den Philippinen Richard Garcia in einem insgesamt schwachen Kampf ungefährdet nach Punkten. Alle drei Punktrichter sahen Tete am Ende mit 118-110 vorne.

Den besten Kampf des Wochenendes gab es am Freitagabend in El Paso, Texas zu sehen. Antonio Escalante und Miguel Roman verlangten sich gegenseitig alles ab, doch am Ende stand der Mexikaner Escalante als verdienter Sieger da.
Der in den Ranglisten einiger Verbände gut platzierte Escalante war als Favorit in den Federgewichtskampf gegangen, musste jedoch schnell merken, dass sein physisch starker Landsmann Roman sich nicht kampflos ergeben würde. Nach der Hälfte des Kampfes schien Roman sogar nach Punkten knapp zu führen, nachdem es ihm bis dahin äußerst gut gelungen war Escalante konstant unter Druck zu setzen und ihn in eine wahre Schlacht zu verwickeln, in der beide Boxer eine Vielzahl an guten Treffern austeilten und einsteckten.
Doch nach aufreibenden fünf Runden schien Roman ab Runde 6 einen Tick vom Gas zu gehen, obwohl er weiterhin stets nach vorne ging. Aber Escalante fand jetzt besser in den Kampf und konnte sich die Runden sichern, und in der achten Runde seinen Gegner schließlich sogar zu Boden schicken. Doch prompt als es so aussah als würde Escalante nun aufdrehen, kam Roman in Runde 9 zurück und gewann sie klar. Vor der letzten Runde schien Antonio Escalante knapp vorne zu liegen, und indem er sich auch diese Runde sicherte, machte er endgültig einen Deckel auf den Punktsieg.
Die drei Punktrichter sahen Escalante mit 97-92, 96-93 und 96-93 vorne und als Sieger eines packenden Kampfes, der einiges an Action und Dramatik zu bieten hatte.

Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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