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Wochenendrückschau 22.01.-23.01.2010

Das erste große Boxwochenende des neuen Jahres fügte sich gleich in die Tradition von 2009 ein. Es gab dramatische und hochklassige Kämpfe zu sehen, aber auch, wie es letztes Jahr schon so erschreckend häufig der Fall war, äußerst kontroverse Punkturteile zu verdauen. Außerdem gab es, ebenfalls ganz an 2009 anknüpfend, bereits die erste große Überraschung. Die beiden Protagonisten des Wochenendes aus Puerto Rico und Kuba aber blieben weiter ungeschlagen und befinden sich weiterhin auf Kollisionskurs im Federgewicht.

Juan Manuel Lopez sicherte sich gegen Federgewichtsweltmeister Steven Luevano mit dem WBO-Gürtel seinen zweiten Titel in seiner zweiten Gewichtsklasse. Der weiterhin ungeschlagene Puerto Ricaner schlug Luevano durch technischen KO in der siebten Runde.
Nach einem engen, taktischen Beginn, begann „Juanma“ Lopez spätestens ab der vierten Runde das Ruder so richtig an sich zu reißen. Bis dahin hatte Luevano es ihm mit guter Beinarbeit und einer guten Defensive sowie einem konstanten Jab schwer gemacht sein übliches Offensivfeuerwerk abzubrennen. Und auch nach einer klaren vierten Runde für den Favoriten zeigte sich Luevano anpassungsfähig und änderte seine Taktik um die fünfte Runde erneut etwas enger zu gestalten.
Doch in der siebten Runde schließlich zeigte sich der Amerikaner unaufmerksam und kassierte einen brutalen rechten Aufwärtshaken, nach dem er rückwärts in die Ecke stolperte. Einen rechten Haken und eine linke Gerade später fand sich Luevano auch schon am Boden wieder. Er kam zwar wieder hoch, doch Ringrichter Benjy Estevez hatte genug gesehen und nahm den weiterhin angeschlagenen Weltmeister aus dem Kampf.
Lopez präsentierte sich gegen einen der absoluten Topleute im Federgewicht nicht spektakulär, dafür aber sehr souverän. Den defensivstarken Luevano nahm er systematisch mit intelligentem Druck auseinander, und nutzte eiskalt jeden Fehler seines Gegners aus. Dass er als erster den durchaus zähen und geschickten Luevano stoppen konnte, erhöht das Ansehen von Juan Manuel Lopez mit Sicherheit noch einmal mehr.

Im Vorkampf in New York traf WBA-Federgewichtsweltmeister Yuriorkis Gamboa auf Rogers Mtagwa. Gamboa ließ keinerlei Zweifel an seiner absoluten Überlegenheit aufkommen und schlug den Herausforderer in zwei Runden KO.
Mtagwa konnte nicht einmal ansatzweise an seine starke Leistung gegen Juan Manuel Lopez anknüpfen. Jedes Mal wenn Mtagwa versuchte anzugreifen, wurde er von blitzschnellen, harten linken Haken abgekontert ohne seinerseits Gamboa zu erwischen. So war es jeweils auch ein linker Haken, der Mtagwa bereits früh in Runde 1 ins Wanken brachte und zum Ende der Runde hin auf den Boden schickte.
In der zweiten Runde machte Gamboa dort weiter, wo er aufgehört hatte, und dominierte Mtagwa weiter nach Belieben. Das Hauptproblem war der riesige Geschwindigkeitsunterschied, sowohl der Hände als auch der Beine. Mtagwa sah kaum woher die vielen Schläge kamen, die ihn durch den Ring trieben und nach einer Fünfschlag-Kombination, die Gamboa in einem Wimpernschlag ins Ziel brachte, ging Mtagwa erneut zu Boden, dieses Mal deutlich angeschlagen. Ringrichter Smoger gab den Kampf noch einmal frei, nachdem es Mtagwa wieder auf die Beine schaffte, doch immer noch benommen taumelte er kurze Zeit später wieder zu Boden, und Smoger ließ es nun dabei bewenden und erklärte Gamboa zum Sieger durch TKO in der zweiten Runde.
Die brillante Vorstellung gegen einen für ihn maßgeschneiderten Gegner heizte umso mehr ein mögliches Aufeinandertreffen gegen Mitweltmeister Juan Manuel Lopez an. Dass dies der langfristige Plan von Bob Arum, Promoter von Lopez und Gamboa, ist, war schon vorher klar, doch Arum stellte nach den beiden Kämpfen klar, dass es sein Ziel sei, dass beide vorerst das im Moment exzellent besetzte Federgewicht komplett aufräumen, so dass ein Aufeinandertreffen der beiden, wenn alle anderen Federgewichtler aus dem Weg sind, einer der größten vorstellbaren Kämpfe wird.
Im Moment gilt der in 45 Kämpfen ungeschlagene Indonesier Chris John als klare Nummer 1 im Federgewicht. John ist „Superweltmeister“ der WBA, während Gamboa den regulären Gürtel der WBA hält, so dass ein Aufeinandertreffen der beiden logisch erscheinen würde. Für Juan Manuel Lopez erscheint unterdessen ein Kampf mit WBA- und IBF-Superbantamgewichtsweltmeister und Top 10 Pound-For-Pound-Mann Celestino Caballero am wahrscheinlichsten. Es wird erwartet, dass Caballero, so wie Lopez, demnächst ins Federgewicht aufsteigen wird, und ein Kampf der beiden wurde schon seit langer Zeit im Superbantamgewicht heiß gehandelt. Andere Gegner auf dem Weg zur absoluten Alleinherrschaft der beiden im Federgewicht sind der Gewinner vom baldigen vierten Kampf zwischen Ringlegenden Israel Vazquez und Rafael Marquez, sowie IBF-Weltmeister Cristobal Cruz, WBC-Weltmeister Elio Rojas, und der in den USA weitläufig bekannte Rocky Juarez. Außerdem scheint es möglich zu sein, dass Bantamgewichtsweltmeister Hozumi Hasegawa demnächst im Federgewicht angreifen wird, und dann ebenfalls auf der Liste von Lopez und Gamboa stehen könnte. Sollten die beiden in diesen durchaus schweren Kämpfen siegreich bleiben, würde realistisch gesehen ein Megakampf der beiden wohl erst im Sommer 2011 auf dem Programm stehen.

Auf den Philippinen kam es am Samstag zur ersten großen Überraschung des neuen Boxjahres. Brian Viloria, der in seinen letzten Kämpfen so gut wie nie zuvor ausgesehen hatte, verlor seinen Halbfliegengewichtstitel gegen Außenseiter Carlos Tamara durch TKO in der zwölften Runde.
Die anfänglichen, engen Runden schien Viloria meist knapp für sich entscheiden zu können, und sich so wohl bis zur neunten Runde einen knappen Punktevorsprung erarbeiten zu können. Doch die Kondition des Weltmeisters war nicht gut genug, um das Tempo vom kolumbianischen Herausforderer Tamara mitgehen zu können. Tamara schloss nach Punkten zu Viloria auf, und brachte ihn vor allem zur absoluten Erschöpfung. Nach einer dominanten elften Runde von Tamara war Viloria in der zwölften und letzten Runde kurz vorm Umkippen und Ringrichter Bruce McTarvish traf die einzig richtige Entscheidung und nahm den Philippinen, der kurz nach dem Kampf in seiner Umkleidekabine zusammenbrach, dem es aber inzwischen wieder besser geht, aus dem hochklassigen und dramatischen Kampf.
Hätte Viloria die letzte Runde überstehen können, ohne sie bei einem der drei Punktrichter mit 10-8 zu verlieren, wäre er mit einem Unentschieden und damit seinem Titel entkommen. Vilorias Niederlage verhindert einen fest eingeplanten Showdown mit Halbfliegengewichts-Rudelführer Ivan Calderon, auf den man sich als Boxfan hätte freuen können. Dass Tamara nun für Viloria gegen Calderon einspringt, erscheint eher unwahrscheinlich.

Da Donnie Nietes, dem Minimumgewichtsweltmeister der WBO, zwei geplante Gegner absagten, war sein Weltmeistertitel im Kampf gegen Ersatzmann Jesus Silvestre nicht auf dem Spiel. Silvestre, der noch am Jetlag litt, hatte von Anfang an große Probleme mit Nietes, der den Mexikaner in der ersten Runde bereits zur Boden schickte. Doch Silvestre schaffte es durch die Anfangsoffensive hindurch und gestaltete die Runden zunehmend enger. Trotzdem lag er bei Anbruch der zehnten und letzten Runde wohl hoffnungslos nach Punkten hinten. Zur Mitte der Runde verlor Silvestre seinen Mundschutz und, als sich seine Ecke zu viel Zeit nahm ihn den Mundschutz zurück in den Mund zu stecken, und Silvestre noch unerlaubterweise etwas zu trinken gab, brach der Ringrichter in einer etwas harten, aber regelkonformen Entscheidung den Kampf ab, und erklärte Nietes zum Sieger durch TKO.

Im Kampf um den britischen Bantamgewichtstitel knüpfte das neue Boxjahr allerdings auch direkt an das vorherige in weniger erfreulichen Aspekten an. Nach einem 2009 voller fragwürdiger und schlichtweg katastrophaler Punkturteile gab es nach 12 Runden zwischen Titelverteidiger Ian Napa und Herausforderer Jamie McDonnell eine Split Decision zugunsten von McDonnell. Dabei hatte Napa den Kampf über weite Strecken dominiert und immer wieder klare Treffer anbringen können, während er McDonnell immer wieder ins Leere schlagen ließ. Besonders absurd war die Punktkarte von Dave Parris, der McDonnell mit 5 Punkten vorne sah.

Ein äußerst fragwürdiges Urteil gab es auch im in sportlicher Hinsicht eher uninteressanten Schwergewichtsrückkampf zwischen Konstantin Airich und Alexey Mazikin in Cuxhaven. Nach 8 Runden befanden die Punktrichter mehrheitlich auf Unentschieden, während Mazikin den Kampf eigentlich bestimmt und gewonnen hatte.

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