Top News

Wochenendrückschau 18.12.-19.12.2009

Am letzten Boxwochenende des Jahres gab es noch einmal einige spannende Kämpfe zu sehen. Kelly Pavlik feierte ein gelungenes Comeback nach seiner Verletzung, Jürgen Brähmer und Sebastian Zbik verteidigten ihre Titel, und Nehomar Cermeno überzeugte in seiner Titelverteidigung. Außerdem gab es weitere spannende Kämpfe und ein Weltmeistertitel wechselte seinen Besitzer…

Nehomar Cermeno, Interimsweltmeister der WBA im Bantamgewicht, zeigte eine starke Vorstellung gegen den unangenehmen Herausforderer Alejandro Valdez und siegte durch KO in der elften Runde.
In einem guten Kampf starteten beide Boxer etwa auf Augenhöhe, doch bereits in der ersten Runde kam es zu einem unabsichtlichen Kopfstoß, der einen tiefen Cut bei Valdez an dessen rechten Auge hinterließ. In Runde zwei übernahm dann der ungeschlagene Weltmeister die Kontrolle und schickte Valdez zwei Mal zu Boden, wobei dieser beide Mal nicht wirklich angeschlagen zu sein schien und der zweite Niederschlag zumindest fragwürdig erschien.
Cermeno stellte mit seinen flinken Beinen und seiner Beweglichkeit sowie seinen blitzschnellen, präzisen Händen in den nächsten Runden vor weitere Probleme und benutzte jeden Zentimeter des Rings. Kaum von den suchenden langen Schlägen von Valdez treffbar, konterte er immer wieder gut getimet den Herausforderer ab. Lediglich, wenn Cermeno mal statischer agierte und Valdez ihn stellen konnte, gelang es ihm die Runden einigermaßen ausgeglichen zu gestalten.
Etwa nach der neunten Runde sah es so aus, als könnte Valdez schon nicht mehr über die Punkte gewinnen und ein KO für ihn erschien unwahrscheinlich. Als in der zehnten Runde Cermeno einen Punkt abgezogen bekam für das Einsetzen des Knies keimte zumindest ganz kurz noch einmal Hoffnung auf, doch noch in der selben Runde drehte der Weltmeister aus Venezuela noch einmal auf, und brachte Valdez in arge Schwierigkeiten. Eine rechte Gerade schließlich ließ die Beine von Valdez einknicken, und der Mexikaner ging zu Boden. Valdez schaffte es zwar wieder hoch, doch der Ringrichter hatte genug gesehen und erklärte Cermeno zum Sieger. Dessen Ecke hatte sich vor der elften Runde geirrt und Cermeno gesagt, es sei die letzte Runde, so dass dieser vermutlich im Glauben, es seien die letzten Sekunden des Kampfes, während noch eine Runde anstand, noch einmal alles gegeben hatte, und so durch den Irrtum schließlich zum KO-Sieg kam.
Cermeno hat sich damit mit einem weitern sehr guten Sieg, nach seinen zwei Erfolgen über Cristian Mijares, in der absoluten Spitze des Bantamgewichts etabliert.

Als Vorkampf für Cermeno und Valdez versuchte sich Humberto Soto in einem Zehnrunder erstmals im Leichtgewicht. Dabei traf er auf Veteran Jesus Chavez und gewann eine deutliche Punktentscheidung.
Möglicherweise etwas unerwartet übte der 37-jährige Chavez von Anfang an Druck aus und trieb Soto ihn die Defensive. Dieser nutzte jedoch seine überlegene Technik und auch Schlagkraft und schickte bereits in der ersten Runde Chavez mit einer rechten Gerade, die Chavez oben am Kopf erwischte, während er außer Balance war, zu Boden. Unbeeindruckt davon ging Chavez allerdings direkt wieder zu seinem aggressiven Stil zurück. Die meisten Runden verliefen nach identischem Muster, indem Chavez nach vorne ging und aktiver war, aber Soto die besseren Treffer anbrachte, wobei vor allem in der Anfangsphase immer wieder der Aufwärtshaken seinen Weg ins Ziel fand.
Schon früh zurück nach Punkten schien ein Punktsieg für Chavez bald schon fast unmöglich, nachdem ihm in der sechsten Runde ein Punkt abgezogen wurde, weil er Soto durch die Ringseile schmiss, und ein böser Tiefschlag eine Runde später für einen weiteren Punktabzug für ihn sorgte.
Einige Runden waren eng, doch die Mehrzahl schien an Soto zu gehen, während Chavez sich zumindest die ein oder andere wohl sichern konnte. Doch die drei Punktrichter sahen es noch deutlicher für den Favoriten und gaben ihm jede Runde, so dass es auf allen drei Punktzetteln auf ein zu hohes 100-87 hinauslief.
Nach dem Kampf gab Soto seinem Wunsch nach einem Kampf mit Leichtgewichtsweltmeister Juan Manuel Marquez Ausdruck.

Kelly Pavlik gelang vor heimischem Publikum in Youngstown, Ohio am Samstag ein gelungenes Comeback nach seiner Verletzung. Seinen überforderten Gegner Miguel Angel Espino besiegte er nach 5 Runden durch technischen KO.
Der Mittelgewichtsweltmeister ließ sich von Anfang an auf einen Kampf in naher Distanz ein, obwohl seine Stärken eigentlich im Kampf von Außen liegen, doch gewann auch hier deutlich. Eine klar überlegende erste Runde wurde durch einen Punktabzug für Espino am Ende zu einer 2-Punkte Runde für Pavlik. Die nächsten Runde machte Pavlik dort weiter, wo er in Runde 1 aufgehört hatte, und bearbeitet Espino mit den klar härteren Treffern, während Espino zwar seine Hände ins Ziel bringen konnte, aber Pavlik keineswegs beeindrucken konnte. Der Weltmeister landete immer wieder seinen rechten Uppercut und beherrschte Espino scheinbar nach Belieben. In der vierten Runde war es dann schließlich auch ein Aufwärtshaken, der Espino auf die Bretter schickte. Kurz darauf landete Pavlik zwei weitere Aufwärtshaken und Espino musste erneut runter. Obwohl er es in die Rundenpause schaffte, schien es jetzt nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Kampf vorüber wäre, und bereits in der nächsten Runde war es einmal mehr der Uppercut, der voll ins Ziel traf und Espino zum dritten Mal im Kampf niederschlug. Erneut raffte er sich hoch, doch kurz darauf bereitete seine Ecke dem Kampf ein Ende, um ihn vor mehr Treffern zu schützen.
Im Vergleich zu seinen letzten Kämpfen zeigte sich Pavlik offensiv etwas variabler und arbeitete vor allem auch sehr gut zum Körper von Espino. Zwar war er defensiv ziemlich offen, doch Miguel Espino konnte diese Schwäche nicht ausnutzen. Nach dem Kampf machte Pavlik deutlich, dass er möglichst bald gegen Paul Williams antreten möchte, gegen den er zuerst einen Kampf vereinbart hatte, bevor Pavlik abspringen musste, und Sergio Martinez für ihn eingesprungen war, um mit Williams einen der besten Kämpfe des Jahres zu liefern.

Auf der Undercard in Youngstown machte Vanes Martirosyan, eines der größten Talente derzeit, kurzen Prozess mit dem unangenehm zu boxenden Willie Lee. Nach zwei Niederschlägen in der dritten Runde brach der Ringrichter den Kampf ab und erklärte Martirosyan, der sich in beeindruckender Form zeigte, zum Sieger. Startrainer Freddie Roach erklärte, dass Martirosyan bereit für einen Titelkampf sei, und ein Duell mit Weltmeister Yuri Foreman scheint im Raum zu stehen.

Bereits am Freitag machte Hozumi Hasegawa seinen wohl letzten Kampf im Bantamgewicht. Seinen Herausforderer als Nicaragua, Alvaro Perez, schlug er durch technischen KO in der vierten Runde.
Hasegawa bewies einmal mehr seine ungeheure Klasse und beendete den Kampf mit zwei stark ausgeguckten Kontern. Als Perez nach vorne ging, schlug der Japaner seine knackige, kurze linke Gerade doppelt. Perez fiel wie ein Sack Mehl zu Boden und Ringrichter McTavish brach sofort ab. Der philippinische dritte Mann im Ring hätte wohl bis 30 zählen können, ohne dass Perez wieder auf die Füße gekommen wäre.
Aufgrund von Gewichtsproblemen wird Hasegawa nun wohl mindestens eine Gewichtsklasse, wenn nicht gleich zwei, hochgehen und im Superbantam-, oder wahrscheinlicher Federgewicht große Kämpfe suchen.

Sky - Wählen Sie Ihr Lieblingsprogramm!

Im Kampf um den IBF-Gürtel im Federgewicht gab es zwischen Cristobal Cruz und Ricardo Castillo keinen Sieger. Das Rematch der beiden endete vorzeitig nach drei Runden, nachdem sich Weltmeister Cruz durch einen unabsichtlichen Kopfstoß einen Cut zuzog, der ihn am Weitermachen hinderte. Erst nach dem Komplettieren der vierten Runde wäre der Kampf den Regeln gemäß in so einem Fall über die Punktkarten entschieden worden. Nach drei Runden hingegen endete es somit in einem No Contest.

In einem Kampf, der sich hinten heraus als spannend herausstellte, behielt Jürgen Brähmer durch einen Punktsieg nach 12 Runden über Dmitry Sukhotsky seinen WBO-Titel im Halbschwergewicht. Alle drei Punktrichter sahen ihn deutlich vorne.
Brähmer Gegner, der vorher völlig unbekannte Sukhotsky, entpuppte sich nicht als Fallobst, aber auch nicht als überdurchschnittlicher Mann im Halbschwergewicht. Jürgen Brähmer kontrollierte ohne all zu große Probleme die erste Hälfte des Kampfes bis er plötzlich ab der siebten Runde einbrach und den Faden verlor. Die siebte und achte Runde sicherte sich der russische Herausforderer klar, und in der neunten Runde stand er kurz davor für die Überraschung zu sorgen und Brähmer zu stoppen. In der Phase, in der er deutlich überlegen war, gelang es ihm den Deutschen an den Seilen zu stellen und deutlich anzuklingeln. Etliche klare Treffer von Sukhotsky blieben unbeantwortet und es schien jeden Augenblick so, als würde Ringrichter Ortega einschreiten und Brähmer vor mehr Schaden bewahren. Doch schließlich gelang es Brähmer zu klammern und so den Ansturm des Russens zu unterbrechen. Der Ringrichter gönnte Brähmer daraufhin zu dessen Glück eine weitere Pause, indem er den Ringarzt einen intensiven Blick auf eine schwere Cutverletzung werfen ließ, die sich Brähmer kurz zuvor zugezogen hatte. Erfrischt durch diese Unterbrechung konnte sich Brähmer über die Runde retten.
Die letzten beiden Runde besann sich Brähmer wieder auf besseres Boxen und gewann sie wohl wieder auf den Punktzetteln. So sahen es die Punktrichter schließlich auch deutlich mit 116-112, 116-112 und 118-110 für den Weltmeister. Die 118-110-Wertung schien etwas zu deutlich, während die anderen beiden Punktrichter goldrichtig lagen. Jürgen Brähmer zeigte sich gegen einen Mann, der außer einem guten Kinn und viel Willen wenig zeigte, was einen zum Herausforderer um die Weltmeisterschaft qualifiziert, größtenteils solide, aber teilweise unkonzentriert und taktisch fragwürdig eingestellt. Am Ende konnte er von Glück sagen, dass er in der neunten Runde nicht aus dem Kampf genommen wurde. Nicht nur schien sein Cut schwer zu sein und hätte durchaus zu einem Abbruch führen können, vor allem hätten 9 von 10 Ringrichtern bei so vielen unbeantworteten Schlägen, wie sie Brähmer dort kassierte, abgebrochen. Dass Mike Ortega der Eine von den Zehn war, der weiter laufen ließ, und, dass Jürgen Brähmer sich schnell wieder erholte und zu seinem Stil zurückfand, hat er es zu verdanken, dass er sich weiterhin Weltmeister nennen darf. Trotzdem sollte sich Jürgen Brähmer von den wirklich guten Leuten im Halbschwergewicht fern halten, wenn er diesen Status noch lange inne haben möchte, da bessere Gegner solche Fehler und Unkonzentriertheiten noch besser ausnutzen werden.

In einem unereignisreichen Kampf zwischen Sebastian Zbik und Emanuele Della Rossa am Samstag in Schwerin sorgte einzig und allein ein Punktrichter für richtig Aufregung. Während zwei Punktrichter den Kampf richtig einschätzten und Zbik als klaren Sieger sahen, hatte der dritte anscheinend einen komplett anderen Kampf gesehen und sah den italienischen Herausforderer wundersamerweise vorne.
Ähnlich wie Brähmer traf Zbik auf einen völlig unbekannten Gegner, der auf ganzer Linie enttäuschte. Della Rossa, vor dem Kampf noch ungeschlagen, präsentierte sich als ungeschulter Schläger, der den technisch um Längen überlegeneren Zbik mit roher Gewalt zu überrumpeln suchte. Doch die weiten, unpräzisen und auch recht langsamen Schwinger des Italieners stellten keine wirkliche Gefahr für Zbik da, und boten ihm im Gegenteil nur die Möglichkeit zu Kontern. So boxte er sich unspektakulär über 12 höhepunktsarme Runden zum scheinbar ungefährdeten Sieg. Einer der drei Punktrichter sah es wohl richtig und gab dem italienischen Herausforderer mit einer Wertung von 120-109 keine Runde, während ein zweiter es mit 117-111 für Zbik zwar immer noch richtig sah, aber wohl schon großzügig gegenüber Della Rossa war. Doch Punktrichter Hermino Collazo fehlte völlig der Durchblick und seine Wertung von 115-113 zugunsten des Italieners entbehrte jeder Grundlage.
Sebastian Zbik sah den Kampf hindurch ordentlich aus, ohne gegen einen schwachen Gegner zu glänzen. Gegen einen derart technisch schwachen Gegner wie Della Rossa, der wild in seinen Angriffen war, hätte man durchaus mehr von ihm erwarten können, doch am Ende stand in jedem Fall ein eigentlich sehr deutlicher Sieg.

Auf der Undercard in Schwerin gab Jack Culcay, der erste deutsche Amateurweltmeister seit 14 Jahren, sein Debüt. Er besiegte Jindrich Kubin nach 4 Runden über die Punkte und gewann dabei jede Runde.

In Argentinien verteidigte am Freitagabend Juan Carlos Reveco seinen Interimstitel nach Version der WBA im Halbfliegengewicht durch einen Sieg gegen Ronald Barrera. Den erfahrenen Kolumbianer, der zuvor erst einmal durch eine Cutverletzung vorzeitig besiegt worden war, schlug er in Runde 3 KO.
Von Beginn an hatte Reveco vor heimischem Publikum die Oberhand und nutzte im Vorwärtsgang seine schnelleren Hände, um die besseren Treffer zu landen. Besonders seine linken Haken zum Körper schienen Barrera dabei gar nicht zu schmecken. Zur dritten Runde hin entschied sich Barrera dann selber etwas mehr Druck auszuüben und hatte damit durchaus Erfolg, doch Reveco stellte sich schnell um und lieferte sich einen offenen Schlagabtausch mit dem Kolumbianer, wobei er einen perfekten linken Haken zum Körper von Barrera landete. Nach einer verzögerten Reaktion ging dieser zu Boden und wurde dort ausgezählt.

26 Kämpfe, 26 KO-Siege heißt die neue Bilanz von WBC-Leichtgewichtsweltmeister Edwin Valero, der einmal mehr einen deutlich überforderten Gegner boxte. Hector Velazquez kam nach 6 recht einseitigen Runden nicht mehr zur siebten aus seiner Ecke.
Valero verließ sich von Anfang an auf seine Schlagkraft und scheuchte Velazquez, der wenig entgegenzusetzen hatte, mit weiten Schlägen durch den Ring. Die wenige Gegenwehr jedoch, die Velazquez dem Weltmeister entgegenbrachte, resultierte in einer Nasenverletzung bei Valero.
Für den 6. Februar steht nun wohl sein nächster Kampf gegen den zumindest etwas besseren Gegner Antonio DeMarco.

Aus dem Nichts heraus kam der Philippine Johnriel Casimero und gewann am Samstag in Nicaragua den Interimsgürtel der WBO im Halbfliegengewicht. Den Ex-Weltmeister Cesar Canchila besiegte er dabei durch technischen KO in der elften Runde.
Casimero hatte zuvor ausschließlich auf den Philippinen geboxt, und war trotz makellosem Kampfrekord wegen seiner schwachen Gegner noch nicht wirklich aufgefallen. Casimero schlug Canchila sowohl in der dritten als auch in der sechsten, neunten und zweimal in der elften Runde zu Boden, bevor der Ringrichter den Kampf abbrach. Der 19-jährige Casimero hat sich damit auf die Landkarte der besten Halbfliegengewichtler katapultiert und man wird mit Sicherheit noch Einiges von dem jungen Philippino, der noch viel Zeit hat sich noch weiterzuentwickeln, hören

Voriger Artikel

Klare Titelverteidigung: Nun hofft Sebastian Zbik auf einen Kampf in den USA

Nächster Artikel

Pacquiao gegen Mayweather: Platzt der Mega-Fight?

Keine Kommentare

Antwort schreiben