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Wochenendrückschau 12.-13.03.2010

Am vergangenen Wochenende untermauerte Manny Pacquiao einmal mehr seine Stellung als derzeit bester Boxer der Welt und beherrschte Ex-Weltmeister Joshua Clottey 12 Runden lang deutlich. In einem der Vorkämpfe sicherte sich Humberto Soto außerdem einen WM-Titel in einer dritten Gewichtsklasse. In Berlin siegten Marco Huck, Yoan Pablo Hernandez und Alexander Povetkin…

Am Ende war es eine weitere Galavorstellung von Manny Pacquiao und ein einseitiger Kampf. Joshua Clottey hatte dem philippinischen Superstar 12 Runden lang wenig entgegen zu setzen und unterlag überdeutlich nach Punkten.
Bereits in der ersten Runde zeichnete sich das Schema aus, das den ganzen Kampf über präsent sein sollte. Joshua Clottey verschanzte sich hinter seiner hohen Doppeldeckung und Manny Pacquiao arbeitete sich an ihr ab. Pacquiao feuerte eine Vielzahl an Schlägen ab, variierte dabei zu Körper und Kopf, wobei er letzteren selten klar traf dank Clotteys kompakter Deckung. Clottey hingegen wartete darauf, dass die Schlagsalven seines Gegners ein Ende nahmen um dann einige harte Einzelschläge abzufeuern. Für die meisten dieser Schläge war Manny Pacquiao außer Reichweite oder er blockte sie selbst mit seiner Deckung, und die sehr wenigen Treffer, die durchkamen, steckte Pacquiao gut weg.
Eine Runde glich der nächsten, und Manny Pacquiao überwältigte den ghanaischen Herausforderer schlichtweg mit der Vielzahl und Schnelligkeit von Schlägen. Am Ende hatte Manny Pacquiao 1231 Schläge abgefeuert, während Joshua Clottey gerade einmal auf 399 kam. Es war schwierig eine Runde zu finden, die man dem couragierten Clottey hätte geben können. Zwei der drei Punktrichter meinten zumindest eine Runde bei ihm gesehen zu haben und hatten Manny Pacquiao mit 119-109 vorne, während der dritte bei seiner Punktarte, die sich 120-108 las, alle Runden dem Philippinen gab.
Manny Pacquiao überzeugte auf ganzer Linie gegen einen Gegner, der darauf reduziert war zu versuchen nicht KO zu gehen. Seine Schnelligkeit sowie seine Schlagvariablität schienen nicht nachgelassen zu haben, und er bewies erneut, dass er gute Schläge von ausgewachsenen Weltergewichtlern wegstecken kann. Als nächster Gegner kann für ihn eigentlich nur der Gewinner des Kampfes zwischen Floyd Mayweather Jr. und Shane Mosley auf dem Programm stehen.

Im Vorkampf im Dallas Stadium sicherte sich Humberto Soto den vakanten WBC-Titel im Leichtgewicht. Ex-Weltmeister David Diaz besiegte er einstimmig nach Punkten.
Es war ein klassischer Fall von Qualität gegen Quantität, da David Diaz, vor allem in den Runden fünf bis elf, der klar aktivere der beiden war, und dazu noch stets vorwärts ging, während Humberto Soto die deutlich besseren und klareren Treffer setzte. Die ersten drei Runden begann Soto sehr stark, und bereits in der ersten Runde schlug er David Diaz zu Boden indem er ihn mit einem guten linken Haken abkonterte, als Soto selber an die Seile gedrängt wurde. Diaz war zwar nicht angeschlagen, zeigte sich jedoch auch in den Folgerunden ideenlos, wie er den schnelleren Mexikaner gut stellen konnte und ihn klar treffen konnte. Zumeist bewegte Soto sich zu gut und setzte mit seinen schnelleren und präziseren Händen die klaren Akzente.
Doch etwa ab der fünften Runde genügte sich der Mexikaner in immer weniger Aktionen, während David Diaz so mehr Gelegenheit hatte seinerseits seine Schläge abzufeuern. Diaz traf zwar selten, dafür zeigte er eine deutlich höhere Aktivität als Soto, der auf diese Art und Weise die Runden unnötig eng gestaltete, und auch die eine oder andere Runde abgab. So durfte es, als es in die zwölfte und letzte Runde ging, durchaus Zweifel daran geben, ob die Punktrichter auch wirklich die bessere Arbeit von Soto der höheren Aktivität von Diaz vorziehen würden. Doch Humberto Soto setzte noch einmal ein Ausrufezeichen und schickte Diaz noch einmal zu Boden, so dass der Punktsieg für ihn klar zu sein schien.
Am Ende hatten zwei Punktrichter den Mexikaner mit 117-109 klar vorne, während der dritte die Aktivität von David Diaz wohl mehr bewertete und den Kampf mit 115-111 knapper hatte. Inzwischen gibt es Gerüchte, dass Soto seinen Titel auf der Undercard des Kampfes Foreman gegen Cotto verteidigen könnte. Der Gegner soll Anthony Peterson sein, der am Wochenende ebenfalls aktiv und siegreich war (siehe weiter unten).

In Berlin erwies sich Adam Richards wie erwartet als leichter Gegner für Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck, der lediglich drei Runden für ihn benötigte.
In seiner zweiten Titelverteidigung trat „Käpt’n“ Huck von Anfang an als der leicht überlegene Mann auf. Während die ersten beiden Runden zwar noch einigermaßen ausgeglichen waren, wurde es früh deutlich, dass Adam Richards, der eben so wie Marco Huck nur den Vorwärtsgang kannte, physisch nicht auf Augenhöhe mit dem Weltmeister war. In der dritten Runde setzte Marco Huck dann diese Überlegenheit nach zwei Runden auf erschreckend schwachem boxerischen Niveau auch um und schickte den US-amerikanischen Herausforderer das erste Mal zu Boden. Richards schien nicht wirklich angeschlagen, doch das änderte sich schnell, als Huck ihn mit einigen guten klaren Treffern erwischte und Richards klar angeschlagen durch den Ring taumelte, während Marco Huck weiter auf ihn eindrosch. Ringrichter Mark Nelson hatte ein Nachsehen und warf sich dazwischen. Er riss Richards mit sich zu Boden und schützte ihn so vor weiterem Prügel in dem ungleichen Duell.
Insgesamt präsentierte sich Marco Huck gewohnt in diesem Pflichtsieg. Die technische Klasse fehlt ihm weiterhin deutlich, doch er weiß es größtenteils durch seine körperliche Stärke wett zu machen. Nach zwei schweren Kämpfen gegen Victor Ramirez und Ola Afolabi sei ihm ein leichter Gegner wie Adam Richards gegönnt, doch es bleibt zu hoffen, dass Marco Huck in seinem nächsten Kampf wieder gegen einen ernsthaften Herausforderer in den Ring tritt.

Alexander Povetkin wollte sich auf seinen anstehenden Kampf mit Wladimir Klitschko mit dem Kampf gegen den Mexikaner Javier Mora vorbereiten, jedoch zeigte sich dieser nicht gerade als wahrer Test für den ungeschlagenen Russen. Povetkin gewann problemlos in fünf Runden.
Povetkin startete mit einer starken ersten Runde, in der er gegenüber seiner letzten Kämpfe verbessert aussah, und in der er Mora zum ersten Mal zu Boden schlug. Zwar gelang ihm das auch in der zweiten Runde, doch schien Povetkin wieder in alte Muster zurückzufallen. Er boxte nicht mehr so clever wie anfangs, dominierte seinen Gegner dennoch. Als er in der fünften Runde Mora zum dritten mal niederschlug, schritt der Ringrichter dazwischen und brach den Kampf ab.

Ebenfalls in Berlin hatte Yoan Pablo Hernandez keine Probleme mit Cesar David Crenz und gewann auf den Punktzetteln der drei Punktrichter jede einzelne der zwölf Runden.

Für eine kleine Überraschung sorgte bereits am Freitagabend Richie Mepranum, der den leicht favorisierten, vorher ungeschlagenen Mexikaner Hernan Marquez auspunktete. Nach 10 Runden sahen die Punktrichter ihn mit 99-91, 96-94 und 98-92 vorne. Zwar ging Hernan „Tyson“ Marquez die kompletten 10 Runden nach vorne, jedoch traf er aufgrund von Mepranums guter Defensive und seinen klugen Kopfbewegungen den Philippinen nur selten. Dieser hingegen konterte Marquez immer wieder gut ab, und ließ sich sogar teilweise auf einen richtigen Schlagabtausch ein, in dem er dann zumeist auch noch besser aussah.

Leichtgewichtshoffnung Anthony Peterson, Bruder von Lamont, sicherte sich einen ungefährdeten Sieg gegen Aufbaugegner Juan Ramon Cruz. Der noch ungeschlagene US-Amerikaner schlug seinen puertoricanischen Gegner in der dritten Runde KO. Nun scheint ein Titelkampf gegen Humberto Soto für ihn anzustehen.

Ex-Schwergewichtsweltmeister Samuel „The Nigerian Nightmare“ Peter stand am Freitagabend wieder im Ring und schlug Nagy Aguilera, der zuletzt Oleg Maskaev in einer Runde geschlagen hatte, in zwei Runden TKO. Peter sah, wie gewöhnlich gegen limitierte Gegner, gut aus, und erwischte in der zweiten Runde Aguilera mit einer schönen rechten Gerade, die ihn zu Boden schickte. Als er wieder auf seinen Beinen stand, brachte ein weiterer linker Haken ihn in Probleme, und als Peter nicht von ihm abließ, ging der Ringrichter dazwischen um den Kampf abzubrechen.

Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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