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Wochenendrückschau 09.-10.04.2010

Am Wochenende behielten die Favoriten stets die Überhand in ihren Kämpfen, so dass es zu keinen wirklichen Überraschungen kam. Celestino Caballero, Jan Zaveck und Evander Holyfield blieben ebenso siegreich wie Weltergewichtsweltmeister Andre Berto…

Gegen Carlos Quintana zeigte Andre Berto eine gute, aber bei weitem nicht überragende Leistung und stoppte den ehemaligen Weltmeister in acht Runden.
Den entscheidenden Unterschied machten dabei Bertos klar schnelleren Hände und seine überlegene Schlagkraft aus. Quintana konnte beinahe den ganzen Kampf lang ähnlich viele Treffer landen, hinterließ dabei jedoch nicht annähernd so viel Wirkung wie Andre Berto mit seinen blitzschnellen, härteren Händen. Besonders wenn Quintana, der die meiste Zeit im Rückwärtsgang boxte, sich an den Seilen stellen ließ, hatte der US-amerikanische Weltmeister deutlich die Oberhand, und mit längerer Kampfdauer kam dies zunehmend häufiger vor.
Dabei fing der Puerto Ricaner noch durchaus gut an und zeigte nach einer recht ausgeglichenen ersten Runde eine starke zweite. In der ersten Runde hätte Carlos Quintana außerdem noch ein Niederschlag zugesprochen bekommen können, als Berto nach einer linken Hand in Infight zu Boden ging und sich über einen Hinterkopfschlag beklagte. Ringrichter Tommy Kimmons entschied jedoch auf einen Ausrutscher und somit nicht auf einen Extrapunkt für Quintana. Dieser sicherte sich jedoch die zweite Runde indem er oft den Schlagabtausch initiierte und insgesamt die klareren Treffer setzte. Zudem landete er den besten Schlag der Runde mit einer starken linken Gerade. Jedoch fehlte Quintana der Punch um Berto wirklich zu beeindrucken, so dass dieser zunehmend die Kontrolle übernahm und seinen Herausforderer vor sich her trieb. Sobald Quintana in den Infight kam, kam es meist zum Clinch, so dass der Kampf an vielen Stellen etwas weniger zuschauerfreundlich wurde als man es sich wünschte, und aus der Distanz fand Berto immer mehr seinen Rhythmus. Zudem bekam Carlos Quintana nach mehreren Warnungen in der dritten Runde einen etwas fragwürdigen Punktabzug für Hinterkopfschläge.
Quintana hatte also nach Punkten aufzuholen, schien jedoch auch die vierte Runde abzugeben, da Berto immer wieder mit seiner Schnelligkeit und Power die etwas besseren Treffer setzte und sich zudem häufig im Vorwärtsgang befand. Eine Runde später gelang Berto dann der beste Treffer des Kampfes bis dahin. Quintana löste sich aus einem Clinch und landete beim Zurückschreiten einen guten rechten Haken, der jedoch augenblicklich von einem guten rechten Aufwärtshaken durch Berto gekontert wurde, der Quintana durchrüttelte. Berto witterte seine Chance, setzte nach und drängte Quintana in die Ecke, doch dieser konnte sich bald wieder befreien und überstand problemlos die Runde. In der nächsten Runde kam er sogar stark zurück und gewann sie möglicherweise durch seine höhere Effektivität in der Nahdistanz. Doch Berto zeigte seine Qualitäten in der siebten Runde wieder und punktete aus der Distanz mit rechten Geraden und linken Haken.
Das Ende kam schließlich in der achten Runde als Berto aufdrehte. Carlos Quintana ließ sich einmal mehr an den Seilen stellen und Berto traf mit einem guten linken Haken, sowie kurz darauf mit einem weiteren linken Haken gefolgt von einer rechten Geraden. Quintana schien angeschlagen und Berto suchte seine Chance den Kampf hier und jetzt zu beenden. Er stellte Quintana in der Ringecke und deckte ihn mit Schlägen ein bis der Ringrichter kurz davor zu sein schien den Kampf abzubrechen. Doch Quintana gelang es noch einmal sich aus der Ecke zu befreien, auch wenn er immer noch benommen war. Er stolperte durch den Ring von Seil zu Seil und kassierte weiter gute Treffer. Schließlich kam er wieder in der gleichen Ecke an, wo es angefangen hatte, und Berto zeigte sich clever und ruhig genug sich nicht selber den Platz für die Schläge zu nehmen und platzierte aus der Distanz eine harte rechte Gerade, die Quintanas Kopf zurückzucken ließ. Tommy Kimmons schritt direkt dazwischen und brach den Kampf richtigerweise ab.
Andre Berto, der sich früh im Kampf eine Verletzung am linken Bizeps zuzog, bleibt damit weiter ungeschlagener Weltmeister, und sollte nun in seinem nächsten Kampf einen der absoluten Topgegner, an denen es im Weltergewicht nicht mangelt, boxen. Carlos Quintana hingegen scheint, seinen letzten Kämpfen nach zu Urteilen, bereits etwas auf dem absteigenden Ast zu sein, und wird wohl, auch wenn er die Karriere wohl mit 33 Jahren noch nicht beenden wird, in nächster Zeit nicht noch einmal die Chance bekommen um einen weiteren Titel zu boxen.

Im Vorkampf machte Celestino Caballero sein Debüt im Federgewicht und war dabei gegen Daud Cino Yordan erfolgreich. Ein einseitiger Punktsieg und eine gute Vorstellung brachten ihm dabei den Interimstitel der WBA ein.
Die World Boxing Association führt damit mittlerweile gleich drei Weltmeister im Federgewicht, und wenn der Titel daher nicht all zu viel Wert zu sein scheint, so sollte er doch vor allem dazu dienen einen Kampf mit dem regulären Champion Yuriorkis Gamboa – im Gegensatz zum WBA „Super Champion“ Chris John – vorzubereiten. Und dass Caballero auch gegen den talentierten Kubaner nicht chancenlos ist, bewies er mit einer guten Leistung gegen Yordan am Samstag.
Caballero nutzte von Anfang an seine Reichweitenvorteile geschickt und fiel vor allem durch eine enorm hohe Workrate und viele Körpertreffer auf. Nach 12 Runden hatte Caballero nach CompuBox-Statistik 1248 Schläge abgefeuert gegenüber Yordans 379. Caballero schien gar nicht aufzuhören zu schlagen, es sei denn der Gong ertönte zum Ende der Runde. Mal variierte er in seinen Kombinationen die Schläge und suchte verschiedene Schlagwinkel, mal schlug er eine Vielzahl von Jabs oder linken Haken am Stück. In einem Moment wirkten die Schläge weit und unpräzise, im Nächsten kurz und knackig. Der Indonesier Yordan wirkte oft komplett überfordert und wurde im Grunde 12 Runden lang vorgeführt.
So wurde in der ersten Runde bereits klar, was zu einem Schema im ganzen Kampf werden sollte. Caballero kontrollierte den Kampf aus der Distanz und suchte auch immer wieder den Weg zu Yordans Körper, den er vor allem mit einer Vielzahl von rechten Händen bearbeitete. Yordan landete hier und da gute Treffer, doch wurde größtenteils von dem viel aktiveren Panamesen überschattet. Am Ende der zweiten Runde, die zuvor so verlaufen war wie die erste Runde und der Großteil der folgenden Runden, zeigte Caballero sein gutes Auge mit einem sehenswerten als Konter geschlagenen Aufwärtshaken. Yordan, der vorwärts kam, verpasste Caballero mit einer rechten Gerade und fiel danach nach vorne rein. Caballero, der gerade noch seinen Kopf aus der Schlagbahn gebracht hatte, reagierte blitzschnell und schickte Yordan mit einem rechten Uppercut zu Boden. Yordan war jedoch schnell wieder auf den Beinen und hatte, da der Gong schnell ertönte, danach eine Minute um sich von dem Niederschlag zu erholen.
In den folgenden Runden fiel ihm jedoch wenig ein um den Rhythmus des Kampfes zu ändern und so glichen sich die meisten Runden. Immer wieder traf Caballero ungefähr so oft wie Yordan überhaupt schlug, und hielt seine Hände so gut wie nie still. Yordan gelangen zwar auch immer wieder einige gute Treffer, doch ihm fehlte die Schlagkraft um Caballero wirklich zu beeindrucken, während er selber einiges schlucken musste. Vor allem die Körpertreffer waren so häufig, dass es nach einigen Runden wahrscheinlich schien, dass diese Yordan irgenwann stoppen würden. Doch der toughe Indonesier hielt bis zum Ende durch und hatte in der Zwölften sogar seine beste Runde.
Caballero, der etwas unachtsam wurde aufgrund seiner absoluten Dominanz, ließ sich von einem linken Haken erwischen, der ihn etwas auf dem falschen Fuß erwischte. Er stolperte kurz durch den Ring, schien jedoch nicht ernsthaft angeschlagen. Aber Yordan hatte seine einzige Chance gewittert und setzte für eine Weile vergeblich nach. Caballero fand sich in der letzten Minute wieder und machte dort weiter, wo er vorher aufgehört hatte, und gewann so die Runde möglicherweise noch, oder machte sie zumindest eng.
Die drei Punktrichter hatten den Kampf so einseitig gesehen wie er war und hatten Caballero mit 119-108, 119-108 und 120-107 vorne. Für Caballero könnte damit endlich ein wirklich großer Kampf gegen Yuriorkis Gamboa anstehen. Im exzellent besetzten Federgewicht gibt es auch noch einige weitere Topgegner, doch da die meisten von denen bereits Kämpfe angesetzt haben, und Gamboa und Caballero nun beide Weltmeister der WBA sind, scheint dies der logische Kampf zu sein. Yordan hat mit seinen 22 Jahren nach seiner ersten Profiniederlage weiterhin seine Karriere noch vor sich und kann durchaus noch einiges erreichen.

Im Superfliegengewicht behielt IBF-Weltmeister Simphiwe Nongqayi so gerade eben seinen Titel. Nach 12 Runden trennte er sich vom Franzosen Malik Bouziane in einem mehrheitlichen Unentschieden. Beide Boxer zeigten ihre technische Exzellenz, jedoch auch ihre fehlende Schlagkraft und lieferten sich enge Runden, die sich am Ende in einem Unentschieden gut widerspiegelten. Zwei Punktrichter sahen es 114-114, während der dritte den Herausforderer mit 115-113 vorne hatte.

Jan Zaveck hatte erwartungsgemäß wenig Probleme seinen IBF-Gürtel im Weltergewicht vor heimischem Publikum in Ljubljana zu verteidigen. Den Argentinier Rodolfo Martinez beherrschte er 12 Runden lang ehe Ringrichter Ingo Barrabas in der letzten Runde dazwischen ging um abzubrechen. Der Abbruch erschien etwas unnötig, doch Martinez hätte auch über die Punkte keine Chance gehabt.

Ex-Superfliegengewichtsstar Cristian Mijares tat sich schwerer als erwartet mit Francisco Arce, dessen deutlich besseren Bruder Jorge er 2007 noch souverän geschlagen hatte. Nachdem das bei der WBC übliche Open Scoring nach acht Runden offenbarte, dass Arce nach Punkten vorne lag, holte sich Mijares durch einen guten Schlusspurt noch den Kampf per Split Decision. Den klassischen Kampf zwischen Techniker und Schläger sah ein Punktrichter mit 117-114 beim härter punchenden Arce, während die anderen beiden den eher technischen Mijares mit 115-112 und 114-113 zum Sieger machten.

Auch Evander Holyfield wurde seiner Favoritenrolle gerecht und stoppte Francois Botha in einem Rentnerkampf im Schwergewicht in acht Runden. Nachdem Botha besser in den Kampf fand, brach er schnell ein und wurde von Holyfield in der Achten zu Boden geschickt, woraufhin der Ringrichter kurze Zeit später abbrach. Der 47-jährige Holyfield gab nach dem Kampf als Ziel ein noch einmal uneingeschränkter Weltmeister im Schwergewicht zu werden.

Der Kampf zwischen Guillermo Rigondeaux und Reynaldo Lopez fand nicht statt, da Rigondeaux sich verletzte. Außerdem trennte sich der Kubaner von seinem Trainer Freddie Roach.

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1 Kommentar

  1. Michael
    12. April 2010 at 08:48 —

    bezeichnet man einen fight von 47/41jährigen wahrhaftig als rentnerkampf?
    völlig lächerlich.Wer mit 47 noch in solcher form ist wie Holyfield
    und dessen kämpfe vom cruisergewicht verfolgt hat sollte mehr respekt
    zeigen.Diese boxer bringen mehr als in vielen fallobst kampfabenden
    geboten wird und über die hier noch groß berichtet wird.
    Auch wenn nur um dem WBF Titel geboxt wurde.
    Holyfield ist/bleibt eine Boxlegende aus vielerlei Hinsicht.
    da werden die Klitschkos nie hin gelangen.
    Auch über Big George Foreman lachte man(auch Holyfield)
    ER wurde dennoch Weltmeister der WBO mit 45! nach einem KO
    über Michael Moorer.Also lieber RENTNER Holyfield boxe bitte weiter!

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