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Wochenendrückschau 05.-06.03.2010

Devon Alexander zeigte eine spektakuläre Vorstellung gegen Juan Urango und stoppte ihn in 8 Runden. Damit vereinigte er zwei Titel im Halbweltergewicht. Vic Darchinyan dominierte zwar seinen Herausforderer Rodrigo Guerrero, musste aber die volle Distanz mit ihm gehen um deutlich nach Punkten zu gewinnen. Außerdem siegten Martin Honorio, Saul Alvarez und Leonardo Zappavigna.

Die Titel der WBC und der WBA im Halbweltergewicht standen bei dem Aufeinandertreffen zwischen Devon Alexander und Juan Urango auf dem Spiel. Am Ende sicherte sie sich der weiterhin ungeschlagene 23-jährige US-Amerikaner, der den eisenharten Kolumbianer sensationell in der achten Runde stoppte.
Das Gefecht begann einigermaßen ausgeglichen, jedoch mit Vorteilen für Devon Alexander. Er umzirkelte mit seiner besseren Beinarbeit in der Mitte des Ringes den langsameren Urango und kontrollierte das Geschehen mit Hilfe seines Jabs, dem hin und wieder gute, blitzschnelle Kombinationen folgten. Urango hielt nach Lücken in Alexanders Deckung Ausschau, doch kam in der ersten Runde nicht wirklich über einen guten rechten Haken zum Schluss hinaus. Der rechte Haken blieb auch die gefährlichste Waffe des Kolumbianers, doch in der zweiten Runde zeichnete sich ebenfalls bereits ab, dass Alexanders effektivster Schlag der rechte Aufwärtshaken war. Während Alexander die Runde durch den starken Jab und eben diesen rechten Aufwärtshaken gewann, begann Urango in der dritten Runde mit seinem rechten Haken das Ziel zu finden, doch Alexander steckte diese bemerkenswert gut weg und antwortete mit schönen Kontern, einem weiterhin hervorragenden Jab und sehenswerten Kombinationen. Auch in der vierten Runde blieb der US-Amerikaner überlegen, doch Urango hatte nun auch vermehrt zum Körper hin Erfolg mit seinen Schlägen, so dass in der fünften Runde der Kampfverlauf sich schon subtil zu drehen schien. So hatte Urango auch in der Sechsten seine beste Runde, als Alexander etwas nachzulassen schien und Urango ihn mit guten Schlägen klar traf. Doch bereits in der siebten Runde wandte sich das Blatt erneut ein wenig, und Alexander konnte, obwohl er erneut ein paar gute Treffer schlucken musste, gute Akzente setzen und die Runde eng gestalten. In der achten Runde führte dann der Schlag, der für Devon Alexander durch den Kampf hindurch die beste Waffe war, zum Ende. Als Juan Urango duckte sich um zu einer Links-Rechts-Kombination auszuholen, und Devon Alexander brachte seinen Körper klug aus dem Weg und konterte mit einem wunderschönen rechten Aufwärtshaken, den Urango nicht kommen sah. Der Kolumbianer stolperte zu Boden, doch war bei Sieben wieder auf den Beinen und der Ringrichter gab den Kampf noch einmal frei. Alexander versuchte sofort wieder den rechten Aufwärtshaken und folgte mit einem rechten Jab und einer linken Gerade. Einen Konter mit der rechten Hand und einen weiteren rechten Aufwärtshaken, der Urango streifend traf, später fand sich Urango erneut auf dem Ringboden wieder, und obwohl er bei Acht wieder oben war, brach der Ringrichter ab, da Urango nicht mehr ganz klar zu sein schien.
Eher als technisch guter, schneller Boxer denn als harter Puncher bekannt gelang es damit Devon Alexander als erstem den eisenharten, physisch überragenden Juan Urango vorzeitig zu besiegen. Auch ist Alexander, nach KO-Schläger Randall Bailey, der danach gegen Urango selbst KO ging, erst der zweite Boxer, dem ein Niederschlag gegen ihn gelang. Durch den Sieg und die damit erfolgte Titelvereinigung setzt Alexander ein großes Ausrufezeichen im überragend besetzten Halbweltergewicht. Alexander, der im Kampf zuvor erst seinen Titel gewonnen hatte, scheint ambitioniert zu sein die Titel der vier großen Verbände im Halbweltergewicht zu vereinigen. Während er nun die Gürtel der WBC und IBF hält, ist sein ebenfalls ungeschlagener Landsmann Timothy Bradley, den als die Nummer Eins der Gewichtsklasse angesehen wird, Weltmeister der WBO. Die WBA hat Amir Khan, der im Mai auf Paulie Malignaggi treffen wird, als regulären Weltmeister und Marcos Rene Maidana, dem ein Kampf mit Victor Cayo in drei Wochen bevorsteht, als Interimschampion. Somit scheint ein Kampf zwischen Alexander und Bradley durchaus möglich und wäre der wohl bestmögliche Kampf derzeit im Halbweltergewicht. Auch Zab Judah, ehemaliger Halbwelter- und Weltergewichtsweltmeister kommt als nächster Gegner in Frage. Judah, der beim Kampf anwesend war, betrat nach dem Kampf den Ring und forderte Alexander heraus. Jedoch ist es wohl eher fraglich, ob Judah in letzter Zeit genug gemacht hat um eine erneute Titelchance zu erhalten.

Vic Darchinyan gelang es nicht seinen eisenharten Herausforderer Rodrigo Guerrero KO zu schlagen, aber er erzielte schließlich einen Arbeitssieg. Guerrero zeigte viel Herz und Nehmerfähigkeiten und überstand die 12 Runden mit Darchinyan, verlor aber eine deutliche Punktentscheidung.
Wie zu erwarten war, spielte Guerreros aggressiver Stil Vic Darchinyan von Anfang an in die Karten, und der Armenier konnte seinen couragierten Herausforderer immer wieder abkontern. Die ersten beiden Runden gestalteten sich noch einigermaßen eng. Guerrero wählte einen mutigen Weg und machte viel Druck. Er konnte Darchinyan so das eine oder andere Mal überraschen, aber insgesamt wogen Darchinyan klarere und härtere Treffer doch mehr auf. Spätestens ab der dritten Runde übernahm der Doppelweltmeister deutlich das Ruder und brachte seine harten Schlaghände immer häufiger ins Ziel. Der Kampf blieb einseitig und besonders in der siebten und achten Runde beherrschte Darchinyan das Geschehen nach Belieben. Doch Guerrero zeigte imposante Nehmerfähigkeiten und nahm einen schweren Treffer nach dem anderen ohne mit der Wimper zu zucken. Nicht in der Lage ernsthafte Gegenwehr zu leisten überstand Guerrero die vollen 12 Runden jedoch aufgrund seines Granitkinns. Es fiel schwer eine Runde auszumachen, die der Mexikaner gewonnen hatte, und so sahen die drei Punktrichter Darchinyan am Ende mit 120-108, 118-110 und 117-111 klar und verdient vorne.
Im Interview nach dem Kampf zollte Darchinyan, der als einer der härtesten Puncher im Sport gilt, Guerrero seinem Respekt. Er betonte, dass noch niemand seine Schläge so gut weggesteckt habe. Der Armenier, der durch den ungefährdeten Sieg seine WBC- und WBA-Titel im Superfliegengewicht verteidigte, brennt weiterhin auf einen Rückkampf mit WBA-Interimsweltmeister Nonito Donaire, der ihn vor zweieinhalb Jahren überraschend KO schlug. Sollte dieser Kampf nicht zustande kommen, ist es wohl wahrscheinlich, dass Darchinyan zum zweiten Mal einen Versuch wagt ins Bantamgewicht hochzusteigen.

Auf der Undercard des Darchinyan-Kampfes besiegte Leonardo Zappavigna Fernando Angulo auf kontroverse Art und Weise in einem eher unansehnlichen Kampf. Nach 12 meist engen Runden sahen alle drei Punktrichter den Australier knapp vorne.
Zappavigna, der als Australiens größtes Talent gilt, begann den Kampf gut, und konnte wohl die ersten drei Runden für sich entscheiden. Mit seinen schnelleren Händen und seiner guten Arbeit zum Körper stellte er den kampferprobten Angulo vor einige Probleme. Doch etwa ab der vierten Runde begann Angulo durch seine körperbetonte Art besser in den Kampf zu finden, da Zappavigna vor allem auch immer passiver wurde. Nach einer sechsten Runde, die klar an Angulo ging, wurden die nächsten Runden wieder deutlich enger. In der achten Runde erlitt Zappavigna eine schlimme Cutwunde über dem rechten Auge, und eine Runde später wurde Angulo ein Punkt abgezogen, da er schlug, als der Ringrichter sie trennte. In der zehnten Runde sah es so aus, als würde Zappavigna nun konditionell einbrechen, doch er kam in den letzten beiden Runden noch einmal gut zurück und konnte sie vermutlich gewinnen.
Die Meinungen waren gespalten, was den Sieger des Kampfes anging, doch die Punktrichter waren sich einig. Zwei sahen Zappavigna mit 116-111 viel zu deutlich vorne, während der dritte es mit 114-113 etwas knapper und wohl besser sah. Insgesamt hätte die Entscheidung jedoch auch gut und gerne an Angulo gehen können. Durch den Sieg sicherte sich Leonardo Zappavigna allerdings den vakanten Titel der IBO im Leichtgewicht und hielt seinen lupenreinen Kampfrekord intakt.

Am Freitagabend bereits fügte Martin Honorio Wilton Hilario die erste Niederlage seiner Profikarriere zu. Die kalifornischen Zuschauer sahen einen einseitigen Kampf, in dem Hilario nie so aussah, als hätte er eine reelle Chance.
Von Anfang an begann Martin Honorio dort, wo er beim deutlichen Sieg gegen John Molina aufgehört hatte, und boxte intelligent aus der Distanz. Hilario marschierte konstant nach vorne, machte jedoch überhaupt keinen Gebrauch von seinem Jab, und schlug stattdessen wilde Haken von zu weit weg. Honorio hingegen zeigte Hilarios Eindeutigkeit clever auf und ließ sich kaum auf Austausche in der Halbdistanz ein. Sobald Hilario ihm zu nahe kam, drehte er sich geschickt raus und bot ihm somit kaum Möglichkeiten Treffer ins Ziel zu bringen. Nachdem Honorio auf diese Art und Weise die ersten fünf Runden wohl problemlos gewonnen hatte, schickte er in Runde 6 Hilario mit einer Links-Rechts-Kombination zu Boden. Dieser war jedoch schnell wieder auf den Beinen, nur um kurze Zeit später nach einer starken rechten Gerade hinter einem Jab erneut runter zu müssen. Hilario überstand die Runde jedoch, um dann weiter so ideenlos zu boxen wie bisher. Das Schema wiederholte sich Runde für Runde: Hilario ging weiter nach vorne, fing sich jedoch dabei Treffer um Treffer ein, ohne selber all zu viele zu landen. Vor allem in der achten und neunten Runde bezog er dabei mächtig Prügel, so dass es so aussah, als stände der Kampf kurz vor dem Abbruch. Doch Hilario schaffte es die kompletten 12 Runden durchzuhalten, war jedoch nach Punkten absolut chancenlos. Es schien so als hatte Honorio jede einzelne Runde gewonnen, doch zwei der drei Punktrichter fanden immerhin eine Runde für ihn. Somit las sich das Punkturteile 120-106, 119-107 und 119-107 für Honorio, der damit zum zweiten Mal in Folge einem Boxer seine erste Niederlage beibringt, und damit selbst wieder in Richtung Titelchance schielen darf. Hilario machte es ihm in diesem Kampf jedoch auch nicht all zu schwer, indem er den Jab komplett ignorierte, und eindimensional in Honorios Schläge hineinlief.

Weltergewichtstalent Saul „Canelo“ Alvarez brauchte am Samstagabend lediglich drei Runden um Brian Camechis aus dem Weg zu räumen.
In seiner fünften Verteidigung des NABF-Titels dominierte er von Beginn an das Geschehen mit den präziseren und härteren Schlägen. Gerade einmal 75 Sekunden in der ersten Runde waren um, als Camechis sich nach einer harten Overhand Right das erste Mal auf wackligen Beinen befand. Alvarez nutzte vor allem immer wieder Camechis Agrression gegen ihn aus und konterte ihn souverän ab, nachdem er dessen Schlägen ausgewichen war. Nach einem linken Aufwärtshaken gefolgt von einer rechten Geraden musste Camechis zu Anfang der zweiten Runde dann zum ersten Mal runter. Wenig später konterte Alvarez einen langsamen Jab des US-Amerikaners spektakulär mit einer tollen rechten Gerade, die Camechis zum zweiten Mal in der Runde auf die Bretter schickte. Stark angeschlagen überstand Camechis die Runde nur so gerade eben. Dafür benötigte Alvarez nur 23 Sekunden der dritten Runde um dem ungleichen Gefecht ein Ende zu bereiten. Ein brutaler, unvorbereiteter linker Haken erwischte Camechis sauber am Kinn und schickte ihn ein letztes Mal zu Boden. Der Ringrichter brach den Kampf sofort ab. Für den ungeschlagenen Alvarez war es bereits der einunddreißigste Sieg, der dreiundzwanzigste vorzeitige. Er wird auch am ersten Mai auf der Undercard des Kampfes zwischen Floyd Mayweather Jr. und Shane Mosley zu sehen sein. Der Gegner steht noch nicht fest, doch es könnte möglicherweise Matthew Hatton werden.

Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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