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Wochenendrückschau 04.12.-05.12.2009

Mit Paul Williams und Sergio Gabriel Martinez lieferten sich die wohl besten beiden Halbmittelgewichtler der Welt am Samstagabend in Atlantic City einen hochklassigen und spektakulären Kampf, während Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck seinen Titel ebenso erfolgreich verteidigte wie Halbweltergewichtsweltmeister Amir Khan…

Kurz vor Ende des Jahres gaben der frühere Weltergewichts- und Halbmittelgewichtsweltmeister Paul Williams und der amtierende Halbweltergewichtsweltmeister Sergio Gabriel Martinez mit einem packenden Fight ein Bewerbungsschreiben zum Kampf des Jahres ab. Nach 12 Runden, die an Qualität und Spannung kaum zu überbieten waren, verließ der Amerikaner Williams den Ring als etwas glücklicher Sieger.
Ursprünglich sollte Williams gegen Mittelgewichtsweltmeister Kelly Pavlik antreten, der allerdings, nachdem der Kampftermin bereits nach hinten verschoben worden war, aufgrund einer Verletzung absagen musste. Als Ersatz wurde der allgemein gemiedene Argentinier Sergio Martinez verpflichtet, und rückblickend ist es kaum vorstellbar, dass der zuerst anvisierte Kampf mit Pavlik das Niveau und die Spannung des Kampfes von Samstag gehabt haben könnte.
Bereits in der ersten Runde wurde klar, dass die Zuschauer einiges für ihr Geld zu sehen bekommen würden. Der deutlich größere Williams begann von dem ersten Gong an enormen Druck aufzubauen und scheuchte den agilen Martinez durch den Ring. Dieser verlagerte sich auf blitzschnelle Konter und hatte sogar früh damit Erfolg. Doch als Martinez im Rückwärtsgang von einer langen linken Geraden gestriffen wurde, reichte dies dazu ihn zu Boden zu schicken, da er in einem Moment getroffen wurde, als er außer Balance war. Doch Martinez stand schnell wieder auf beiden Beinen und zeigte sich unbeeindruckt. Nur kurze Zeit später konterte er den weiterhin aggressiven und sehr aktiven Williams mit einem tollen rechten Haken ab, der Williams sichtlich ein wenig beeindruckte. Kurz vor Ende der Runde erwiderte Martinez dann sogar den Gefallen des Niederschlags indem er Williams erneut mit einem harten rechten Haken abkonterte. Williams taumelte zurück und fiel zu Boden, deutlich angeschlagener als Martinez bei seinem Bodenbesuch. Als er wieder kampfbereit war, läutete die Glocke zum Ende einer tollen ersten Runde.
Martinez, der als Außenseiter in den Kampf ging, widersprach den Buchmachern in den folgenden Runden, und nutzte seinen Geschwindigkeitsvorteil immer wieder clever aus, wenn er vor allem rechte Haken an Williams Kinn landete. Doch so langsam fand Williams über seine enorme Reichweite und hohe Workrate mehr in den Kampf und während in der vierten Runde Martinez vielleicht noch leichte Vorteile besaß, übernahm der „Punisher“ Williams ab Runde 5 das Ruder. Mit zwischen 75 und 90 Schlägen pro Runde kam er nun endlich näher an seinen Rhythmus ran, der von steten Schlagsalven aus der Distanz geprägt ist. Martinez hingegen zeigte immer noch seine Klasse mit technisch feinen, schnellen Aktionen, doch konnte nicht mit der schieren Quantität von Williams Schlägen konkurrieren.
Erst in Runde Acht hatte Martinez wieder mehr Erfolg, nur um in der neunten Runde erneut von Williams Aktivität überschattet zu werden. Beide Boxer landeten bis hierhin und den ganzen Kampf hindurch immer wieder klasse Treffer und zeigten eindrucksvoll, wie technisch anspruchsvolles Boxen mit Herz und Kopf aussieht.
Auch wussten beide Boxer sich immer wieder anzupassen und ihren Stil subtil zu verändern, um mehr Erfolg zu haben. So reagierte Martinez in der zehnten Runde auf den Erfolg von Williams in den letzten Runden, indem er, von seiner Ecke dazu instruiert, immer wieder mit linken Geraden führte. Williams schien davon überrascht, und kassierte so in Runde 10 immer wieder harte linke Geraden, ohne ein Konzept gegen sie zu finden. Die letzten beiden Runden schienen entscheidend zu sein, da der Kampf eng war. Zu diesem Zeitpunkt zeigten beide Boxer bereits leichte Ermüdungserscheinungen wegen des immens hohen Tempos, und die letzten beiden Runden gestalteten sich eng, wobei Martinez in beiden knapp besser zu sein schien. Am Ende der zwölften Runde stand das gesamte Publikum, um den beiden Boxern, die eine fantastische Show abgeliefert hatten, Applaus zu spenden, bevor die Punktkarten ausgewertet wurden.
Martinez sah knapp als Sieger aus, doch aufgrund der vielen knappen Runden war auch ein Unentschieden und sogar ein knapper Sieg für Williams drin. Doch der fantastische Kampf sollte noch durch eine absurde Punktkarte einen faden Beigeschmack bekommen. Denn während Julie Lederman den Kampf mit 114-114 unentschieden sah, und Lynne Carter einen akzeptablen zwei Punkte Vorsprung für Williams sah, kam Pierre Benoist mit einer lächerlichen 119-110 Wertung für Williams raus, die überall in der Arena für ungläubiges Staunen und Entsetzen sorgte.
Eine knappe Mehrheit der Beobachter hatte Sergio Martinez am Ende vorne, doch auch das Urteil zugunsten Williams geht in Ordnung, und schlussendlich bleibt vor allem festzuhalten, dass beide Boxer zu den besten rund ums Halbmittelgewicht zählen, und sicherlich auch Kandidaten dafür sind Pound For Pound unter den besten der Welt zu sein. Nach dem Punkturteil, das zumindest durch die abstruse Scorecard von Pierre Benoist kontrovers ist, scheint ein Rückkampf zwischen den beiden für das nächste Jahr einer der bestmöglichen Kämpfe zu sein.

Auf der Undercard bezwang Chris Arreola, der nach seiner Niederlage gegen Vitali Klitschko zurück kam, Brian Minto durch KO in der vierten Runde. Nachdem die ersten drei Runden noch relativ ausgeglichen waren, wurde die vierte zu einer wahren Schlacht, in der sich Arreolas Schlagkraft locker durchsetzte. Eine Overhand Right schickte Minto auf die Bretter, der zwar wieder hochkam, aber nach weiteren Attacken von Arreola bald darauf aus dem Kampf genommen wurde.

In Ludwigsburg gelang WBO-Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck seine erste erfolgreiche Titelverteidigung. Den Interimschamp Ola Afolabi schlug er dabei in 12 Runden nach Punkten.
Huck begann gegen den Engländer gut und gewann die meisten der frühen Runden. Afolabi zeigte immer wieder gute Meidbewegungen, doch Huck war der aktivere Mann und setzte mehr klare Treffer. In einem technisch nicht hochwertigen, aber interessanten Kampf, der auch davon lebte, dass Afolabi immer wieder Huck und das Publikum provozierte indem er seine Mätzchen machte und nach jedem Treffer von Huck anzeigte, dass sie ihm nicht ausgemacht hätten, begann Huck jedoch ab Runde 5 ein wenig zu wackeln. Afolabi brachte einen harten Uppercut ins Ziel, der deutlich Wirkung beim Weltmeister hinterließ, und außerdem sah es kurze Zeit so aus, als würde Marco Huck konditionelle Probleme bekommen. Doch Afolabi blieb weiterhin zu inaktiv, um den Huck wirklich vor Probleme zu stellen, so dass Huck sich weiterhin die Mehrzahl der Runden holen konnte.
Am Ende sahen es die drei Punktrichter richtig mit 115-113, 115-113 und 116-112 für Marco Huck, der damit einen wirklich guten Gegner souverän auspunktete. Sein boxerisches Können ist weiterhin limitiert, doch das weiß er durch andere Tugenden gut auszugleichen, und bleibt so für die meisten Gegner im Cruisergewicht ein harter Brocken.

Auf der Undercard hielt sich Alexander Povetkin warm mit einem Kampf gegen den Journeyman Leo Nolan. Povetkin beherrschte den Kampf von Anfang an und schickte Nolan in Runde 3 zwei Mal zu Boden bis dieser ausgezählt wurde.

Halbweltergewichtsweltmeister Amir Khan legte eine eindrucksvolle Leistung in Newcastle ab und brauchte lediglich 76 Sekunden für seinen bis dato ungeschlagenen Gegner Dmitriy Salita.
Wortwörtlich die ersten Schläge von Khan sorgten für den ersten Bodenbesuch von Salita, von dem er sich nicht mehr wirklich erholen konnte. Wenig später schickte ihn Khan nämlich erneut zu Boden, bevor ein linker Haken und der dritte Niederschlag für den Abbruch sorgten. Khans blitzschnelle Hände waren einfach zu viel für den überforderten Salita, dessen schon vorher fragwürdiges Kinn Khans Schlagkraft auch nicht standhielt.

Bereits am Freitag verteidigte Bantamgewichtsweltmeister Anselmo Moreno in Frankreich problemlos seinen Titel. Moreno boxte Gegner Frederic Patrac von Anfang an locker aus und begann ab der achten Runde ihm wirklich Schaden zuzufügen, was zu einem Abbruch am Ende der elften Runde führte. Für Moreno war es die fünfte erfolgreiche Titelverteidigung.

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