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Wochenendrückschau 02.-03.04.2010

Hochklassig und spannend waren die Kämpfe des Wochenendes zwar eher nicht, doch für Gesprächsstoff sorgten sie trotzdem. David Haye entledigte seines überforderten Herausforderers John Ruiz in neun Runden, während Bernard Hopkins nach 17 Jahre seine Revanche bekam und in einem äußerst schwachen Kampf Roy Jones Jr. schlug. Zudem sorgte Jason Litzau für eine kleine Überraschung…

David Haye verteidigte am Samstagabend in Manchester seinen WBA-Schwergewichtstitel erfolgreich. John Ruiz schickte er dabei vier Mal zu Boden und stoppte ihn schließlich in der neunten Runde.
Zuvor war Ruiz lediglich von David Tua vor einigen Jahren gestoppt worden, doch es wurde schnell deutlich, dass Ruiz deutlich über seinen Zenit hinaus ist und hier möglicherweise KO gehen würde. Nachdem Ruiz mit einigen Jabs zu Hayes Körper in die erste Runde startete landete der Weltmeister früh eine gute rechte Gerade hinter seinem linken Jab, die Ruiz das erste Mal zu Boden schlug. Ruiz stand wieder auf und zeigte sich zwar danach hart im Nehmen, wirkte aber alt, langsam und viel zu leicht treffbar. Als schwächster Mann im Ring bewies sich jedoch im Folgenden Ringrichter Guillermo Perez aus Panama. Immer noch in der ersten Runde schlug Haye Ruiz erneut zu Boden, dieses Mal jedoch mit Schlägen auf dessen Hinterkopf. Perez schien unsicher zu sein, was er machen sollte, und er zählte Ruiz erst einmal an und deutete damit einen legalen Niederschlag an. Trotzdem zog er direkt danach David Haye noch einen Punkt für die Hinterkopfschläge ab.
Ruiz überstand die Runde ohne noch einmal zu Boden zu gehen, war jedoch die nächsten Runden weiter unterlegen. Haye erwies sich als klar zu schnell und erwischte Ruiz immer wieder mit guten Treffern. Doch auch der Brite musste hin und wieder Treffer von Ruiz hinnehmen, der vor allem mit seinem Jab doch erstaunlich oft das Ziel fand, und hat wohl noch einige Arbeit an seiner Deckung vor sich. In der vierten Runde fand Ruiz dann langsam sogar richtig in den Kampf und er gewann die Runde möglicherweise sogar, doch in der Fünften wandte sich das Blatt dann wieder. Erneut war es ein einfaches 1-2 das Ruiz schwer traf und ins Wackeln brachte, und nach einer weiteren Rechten auf den Hinterkopf musste Ruiz erneut runter. Der Ringrichter zählte das als Niederschlag und verwarnte Haye nicht einmal für den Hinterkopfschlag. Auch in der sechsten Runde änderte sich das nicht, als Haye wieder einmal Ruiz Hinterkopf bearbeitete und ihn dadurch niederschlug. Hayes unsaubere Taktiken wurden von Ringrichter Perez ignoriert, obwohl sie zu weiteren Punktabzügen hätten führen müssen, wenn nicht gar in ihrer Häufigkeit zu einer Disqualifikation.
Dabei hatte Haye diese gar nicht nötig, da er auch so den Kampf klar genug gewann. Dadurch, dass er deutlich schneller auf den Beinen war unterband er die meiste Zeit die Klammerattacken von Ruiz und konnte immer wieder mit seinen schnelleren Händen klare und schwere Treffer setzen. Zwar wirkte er auch oft ungeschickt – besonders wenn er unbeholfene Aufwärtshaken schlug – und kassierte seinerseits zu viele Treffer, aber insgesamt dominierte er John Ruiz klar. Dies tat er zwar in einer Form, wie es vor ihm wohl keiner gegen den US-amerikanischen Veteran getan hat, doch bleibt auch festzuhalten, dass der 38-Jährige seine besten Tage inzwischen weit hinter sich hat und als Titelverteidiger wohl kaum mehr legitim herhalten kann.
In der neunten Runde sah das dann auch seine Ecke ein, die nach ein paar weiteren guten Treffern von David Haye das Handtuch warf und ihren Schützling damit aus dem Kampf nahm. Zwar nahm Ruiz zu diesem Zeitpunkt keine richtig schweren Treffer oder lief Gefahr KO zu gehen, doch schien er chancenlos und hatte über den gesamten Kampf verteilt bereits genug gute Treffer genommen, so dass es eine richtige Entscheidung der Ecke war ihn vor weiterem Schaden schützen zu wollen.
Für David Haye könnte nun als nächstes ein Rückkampf mit Nikolay Valuev anstehen, den er letzten November schlug um den Titel zu bekommen. Zu hoffen bleibt allerdings eher, dass eine spannendere Ansetzung zustande kommt, und dass David Haye möglicherweise demnächst gegen einen der beiden Klitscko-Brüder in den Ring steigen wird. Zwar wäre er mit der Leistung vom Samstag wohl gegen beide glasklarer Außenseiter, aber mit ein paar kleinen Verbesserungen bleibt er trotzdem die wohl größte Herausforderung für die beiden Ukrainer, die es derzeit im Schwergewicht gibt.

17 Jahre nach seiner Niederlage gegen Roy Jones Jr. in seinem ersten Titelkampf gelang Bernard Hopkins die Revanche durch einen einstimmigen Punktsieg nach 12 Runden. Der Kampf war jedoch sehr schwach und von Fouls überzogen.
Es gab Kopfstöße, Tiefschläge, Geklammere, Hinterkopfschläge, Cutverletzungen, Punktabzüge, Schlagabtausche nach dem Rundenende und Schauspieleinlagen. Viel Zuschauerfreundliches gab es jedoch nicht zu sehen. Die ersten vier Runden sicherte sich Bernard Hopkins indem er außer Schlagweite stand, viel fintierte und schließlich den Schlagabtausch initiierte indem er mit ein, zwei Schlägen vorwärts stürzte um direkt in den Clinch zu gehen. Roy Jones schlug unterdessen kaum und gab somit die Runden ab. Zudem zog er sich bereits in der zweiten Runde nach einem unabsichtlichen Kopfstoß eine Cutverletzung zu. Erst in der fünften Runde hatte Jones etwas mehr Erfolg, doch auch diese Runde blieb insgesamt schwach und bot wenig Sehenswertes.
In der sechsten Runde kam schließlich etwas Unterhaltung auf, jedoch weniger wegen boxerischen Leistungen, sondern eher aufgrund von schauspielerischen. Jones traf Hopkins mit einem Schlag klar am Hinterkopf und Hopkins fiel wie vom Blitz getroffen zu Boden. Dort blieb er für einige Minuten und Ringrichter Tony Weeks zog Roy Jones Jr. für das Foul, welches jedoch längst nicht so schlimm erschien wie Hopkins glauben machte, einen Punkt ab. Nach der langen Unterbrechung gab es den intensivsten Schlagabtausch des gesamten Kampfes, als Hopkins wild nach vorne ging, als wolle er sich für das Foul rächen, und beide noch weit nach dem Ende der Runde weiterschlugen.
Während die siebte Runde ziemlich ereignislos verging, traf Jones in der achten Runde Hopkins erneut am Hinterkopf, und das Spektakel wiederholte sich, bis auf das Tony Weeks dieses Mal keinen Punktabzug vornahm. Bernard Hopkins holte aus den beiden eher harmlosen Fouls alles raus und zog eine große Show ab. So auch in der zehnten Runde als Jones Jr. dieses Mal einen Schlag zu tief ansetzte und Hopkins erneut zu Boden ging. Die Wiederholung zeigte, dass der Schlag in etwa die Gürtellinie traf, und vielleicht knapp zu tief war, und außerdem nicht besonders hart gewesen zu sein schien, doch erneut stellte Hopkins seine schauspielerischen Qualitäten unter Beweis. Boxerisch wurde unterdessen reichlich wenig geboten. Beide unterboten sich an Harmlosigkeit und landeten kaum gute Treffer, klammerten dafür aber viel. Roy Jones verlor dabei die Runden hauptsächlich, weil er noch viel weniger machte als Bernard Hopkins. Im gesamten Kampf feuerte Jones lediglich 274 Schläge ab, von denen laut CompuBox 82 landeten. Hopkins schlug in jeder Runde ungefähr doppelt so viel und landete doppelt so viele Schläge, so dass er konsequenterweise den Großteil der Runden gewann.
So lag auch, nachdem der Schlussgong von einigen Buhrufen begleitet worden war, und ein höchst unansehnlicher Kampf zu Ende gegangen war, Hopkins auf allen drei Karten der Punktrichter korrekterweise vorne. Zwei Punktrichter sahen ihn mit 117-110 als Sieger, der dritte mit 118-109.
Es bleibt zu hoffen, dass Roy Jones nun langsam einsieht, dass er nur noch ein Schatten seiner Selbst ist, und dass es ratsam wäre die Boxhandschuhe an den Nagel zu hängen. Auch Bernard Hopkins, der vor zwei Kämpfen noch großartig gegen Kelly Pavlik aussah, und immer noch zu den Pound-For-Pound Besten der Welt gezählt wird, sah alles andere als gut aus, und sollte sich gut überlegen, ob es klug ist weiterzuboxen. Nach dem Kampf brach Hopkins übrigens Berichten zu Folge in seiner Umkleide zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht, aus dem er aber wenig später wieder entlassen wurde. Hopkins betonte erneut, wie bereits vor dem Kampf, dass er nun gerne als nächstes ins Schwergewicht gehen wolle um dort gegen Weltmeister David Haye zu boxen.

In einer kleinen Überraschung besiegte Jason Litzau Rocky Juarez nach sieben Runden durch eine technische Punktentscheidung. Der Federfewichtskampf war ausgeglichen geführt und endete, als Litzaus Ecke nach der siebten Runde sagte, dass Litzau aufgrund einer Schwellung am Auge nicht weiter machen könne. Der Ringrichter entschied, dass diese durch einen unabsichtlichen Kopfstoß entstand, so dass es zu den Punktkarten ging, während Juarez nachher darauf beharrte sie stamme von einem legalen Punch, was einen TKO-Sieg für Juarez zur Folge gehabt hätte. Bei den Punktrichtern lag Litzau knapp mit 67-66, 67-66 und 68-65 vorne.

Am Freitagabend bereits lieferten sich Delvin Rodriguez und Mike Arnaoutis einen schwachen Kampf, der erst am Ende ein wenig Drama mit sich brachte. Rodriguez gewann nach 12 Runden deutlich nach Punkten.
Die Runden ähnelten sich größtenteils, und Rodriguez bestimmte die Action meist mit seinem Jab und seiner harten rechten Gerade. Insgesamt war jedoch wenig Spannung und Klasse im Kampf und so wurde es erst unterhaltsamer, als Arnaoutis in der elften Runde einen schlimmen Cut über dem linken Auge durch einen legalen Schlag erlitt. Es schien fraglich, ob er noch die letzten beiden Runden überstehen könnte, doch nach guter Arbeit seines Cutmans ging er mit Rodriguez über die volle Distanz. Nach Punkten war er jedoch chancenlos, zumal er in Runde Sieben noch einen Punkt für einen Tiefschlag abgezogen bekommen hatte. Die Punktrichter sahen Rodriguez völlig zu Recht mit 119-108, 117-110 und 118-109 vorne.

Ebenfalls am Freitag hielt das kubanische Toptalent Erislandy Lara seinen lupenreinen Profirekord intakt. Danny Perez schlug er in einem eher monotonen Kampf klar nach Punkten.
Lara erwies sich als zu boxerisch versiert und zu schnell für Perez und dominierte diesen recht deutlich. Jedoch gelang es ihm nicht zu glänzen, und so lieferte er trotz klaren Sieges wohl die bisher schwächste Leistung in seiner Profilaufbahn ab. Die Punktrichter waren sich in ihrem Urteil, das 99-91 ausfiel, alle drei einig.

Benjamin Antemann kann unter benjamin@boxen.de erreicht werden.

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