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Wilder vs Fury II – Materialschlacht der Maulhelden

Wilder vs Fury II – Materialschlacht der Maulhelden

Wenn Tyson Fury in der Nacht von Samstag auf Sonntag (nach deutscher Zeit) in Las Vegas auf Deontay Wilder trifft, dann hat die Journaille sich im Vorfeld selbst übertroffen. Oder sich ein Armutszeugnis ausgestellt. Was immer auch einer der beiden Kontrahenten von sich gab, es wurde prompt veröffentlicht: Dass Wilder der König des Dschungels sei, war zu lesen, dass er Fury den Kopf von den Schultern reißen würde und dass Tyson Fury Kissen als Fäuste habe, war ebenfalls zu erfahren. Darüber hinaus, dass exzessives masturbieren Teil von Fury`s Vorbereitung sei, dass er mit Oralsex seine Kiefermuskulatur stärkt und dass der ‚Gypsy King‘ seine Hände in Benzin bade, um seine Chancen auf einen KO-Sieg zu bessern.

Hätten der ‚Bronze Bomber‘ oder sein Gegner behauptet, sie würden „kleine Kinder roh zum Frühstück fressen“, wäre das vermutlich ebenfalls schnellstmöglich publiziert worden.

Armes Deutschland könnte man fast sagen, wenn es anderswo nicht genau so wäre. Ich möchte der Begegnung der beiden Ausnahmeboxer keineswegs die Qualität absprechen, aber der Trend, „jeden Scheiß“ zu veröffentlichen, den einer der beiden von sich gibt, nervt mich gewaltig. Unterm Strich ist entscheidend, wer im Ring den Ton angibt und nicht, wer vor dem Kampf große Reden schwingt.

Den Ton angeben, das möchte im Rückkampf der Boxer aus Großbritannien. Mehr noch: Fury hat angekündigt, Wilder auszuknocken. Dass der Wechsel zu Sugar Hill Steward ins Kronk Gym allerdings dazu beigetragen hätte, die Schlagkraft des ‚Gypsy King‘ so drastisch zu erhöhen, darf man aber wohl getrost ins Reich der Fabel verweisen.

Wenn man möchte, dann kann man die Begegnung der beiden Schwergewichtler auf drei Worte runterbrechen: Technik trifft Schlagkraft. Auch wenn Deontay Wilder immer noch kein Feinmotoriker ist, sondern ein Boxer ohne technische Finessen, verfügt er über immense Schlaghärte. Viele halten ihn für den Boxer mit dem größten „Bumms“ in der Geschichte des Faustkampfs. Und wie beim Kampf gegen Luis Ortiz zu sehen war, prügelt Wilder nicht mehr wild drauflos, sondern ist durchaus in der Lage, auf einen günstigen Zeitpunkt für den Einsatz seiner „besten Waffe“ zu warten.

Larry Wade, der Luis Ortiz vor dem Kampf gegen Wilder als Kraft- und Konditionstrainer unterstützt hatte, erklärte in einem Interview mit BoxingScene.com: „Wenn Tyson (Fury) dieser rechten Hand aus dem Weg gehen kann, wird es ein langer Tag für Deontay, aber wenn er ihn leicht nimmt und denkt, er kann mit Deontay spielen, dann wird der eine Rakete landen.“

Wie Fury selber folgerichtig einschätzt: „Es ist egal, ob man elfeinhalb Runden gegen ihn gewinnt, denn er hat auch in den letzten 30 Sekunden noch genug Zeit, jeden Boxer KO zu schlagen.“ Was es für Wilder leichter macht, als für Fury. Zudem bleibt abzuwarten, ob der Cut, den Otto Wallin ihm im vergangenen September verpasst hatte (47 Stiche), sich wieder öffnet.

„Ich habe kein Problem damit, dass Wilder daraus einen Krieg macht”, erklärte Fury`s neuer Trainer Sugar Hill Steward vor kurzem in einem Interview: “Das ist der Grund, warum ich als Trainer ausgewählt wurde … damit er (Fury) aggressiver ist, diesen Killerinstinkt hat“.

Ob „the new“ Tyson Fury dann tatsächlich aggressiver zu Werke geht, davon können sich die deutschen Boxfans via DAZN überzeugen. Uli Hebel wird dort zusammen mit Andreas Selak vom Münchner Boxwerk und Agit Kabayel das Geschehen kommentieren.

 

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6 Kommentare

  1. 21. Februar 2020 at 09:51 —

    Ein völlig offenes Gefecht, ich wage keine Prognose, alles scheint möglich.

  2. 21. Februar 2020 at 10:38 —

    Aufgrund der Schlaghärte tendiere ich zu Wilder, würde aber lieber Fury gewinnen sehen.

  3. 21. Februar 2020 at 12:41 —

    Wenn Fury konzentriert bleibt und seine Stiefel runter boxt, ist er für mich auf Grund seiner boxerischen Fähigkeiten leicht zu favorisieren..

  4. 21. Februar 2020 at 15:14 —

    Vor den letzten Kämpfen hätte ich eher gedacht, dass auch dieser Kampf wieder sehr offen im Ende ist.

    Aber wenn ich mir die letzten beiden Kämpfe der beiden ansehe.

    Fury gegen Schwarz war ein Squash, Wilder gegen Breazeale ebenso.

    Wenn man sich dann aber Fury gegen Wallin und Wilder gegen Ortiz II ansieht, muss ich schon sagen, tendiere ich eher zu Wilder.

    Während Fury dann doch eher Probleme mit Wallin hatte, vorallem wo er gleich am Anfang sich den Cut eingefangen hat und hoffen musste, dass man den Kampf nicht abbricht, hat Wilder gegen Ortiz dann schon eher gesehen, dass er sich verbessert hat im Vergleich zu früher. Abwartend und dann den Bazingamoment ausgepackt.

    Wenn er ähnlich mit Auge boxt jetzt gegen Fury, dann kann das Ding ähnlich ausgehen.

    • 21. Februar 2020 at 16:00 —

      Kann auch so laufen, keine Frage.. wird jedenfalls spannend..

    • 21. Februar 2020 at 16:10 —

      Der Unterschied zu Ortiz ist halt, dass Fury ein gutes Stück größer, schneller und beweglicher und somit auch schwerer zu treffen ist als der etwas plattfüssige Kubaner..
      Trotzdem geht von Wilder natürlich immer eine immense KO Gefahr aus..

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