Wer ist eigentlich Yaser Yüksel?

Wer ist eigentlich Yaser Yüksel?

Ich gebe zu: den Namen hatte ich schon mal gehört, aber näheres war mir nicht bekannt. Zumindest wusste ich aber: der boxt auch. Überrascht war ich dann, als ich vor ein paar Tagen das folgende Plakat sah:

Immerhin ist Josh Wagner IBA Intercontinental-Champ im Weltergewicht, bei Boxrec die # 3 in Kanada, weltweit auf # 47. Da kann Yaser Yüksel nicht mithalten. Die deutsche Nummer 9 rangiert bei Boxrec auf # 465. Ein leichter Sieg für Wagner?

Yaser Yüksel sagt: „Nein!“ In einem sozialen Netzwerk postete der 30-jährige Düsseldorfer:

Das klingt so, als ob Yüksel sich einiges vorgenommen hat. Grund genug für Boxen.de, ein Interview mit ihm zu führen.

Boxen.de: Yaser, Du bist jetzt 30 Jahre alt, hast aber erst mit 22 Jahren angefangen zu boxen. Wie ich gelesen habe, nicht unbedingt aus einem sportlichen Anspruch heraus.


YY: Also kurz gesagt, ich hatte Streit und der andere Typ hat mich dann verhauen. Das Ding war: er hat nicht einfach nur zugeschlagen, sondern bewegte sich auch sehr gut dabei. Alles sah so flüssig aus. Und ich habe vergebens nach nem Stuhl gesucht, den ich ihm über den Schädel ziehen konnte. Hinterher meinte einer, der Typ war zu 100% Boxer. Das wollte ich auch können. Und dann habe ich mich direkt ins Boxen verliebt.

Boxen.de:  Wie sieht denn Dein „boxerischer Werdegang“ aus? Stichwort: Amateurzeit.

YY: Meine Amateurzeit sieht so aus. Ich habe 100 Kämpfe gemacht und 120 Mal den Ring als Sieger verlassen! Spaß 🙂 Ich habe keinen einzigen Amateurkampf gemacht, was nicht daran liegt, dass ich keine Kämpfe machen wollte. Ich habe mich bei mehreren Amateurclubs vorgestellt, aber alle fanden mich scheiße, Tenor: ich wäre zu alt und könne nicht boxen. Das sah ich anders und habe knallhart und durchdacht angefangen zu trainieren.

Boxen.de: Und wie bist du dann Profi geworden? 

YY: Nach einem Jahr Training habe ich mir dann gesagt, alles klar. Ich trainiere jetzt noch ein Jahr und dann hol ich mir die Lizenz. Und ich bin dann zu Rüdiger May gegangen. Er war zu dem Zeitpunkt der Einzige, der gesagt hat: „Ich find das gut, was du da boxt.“ Mit 24 habe ich dann als Profi debütiert. 

Boxen.de: Yüksel-Fans loben unter anderem Deine Beinarbeit. Woher kommt die?

YY: Meine Beinarbeit ist deswegen so gut, weil ich als kleiner Junge von meinem älteren Bruder zum Tanzen gebracht wurde. Seitdem habe ich eine gute Beinkoordination. Rhythmisch war ich schon immer und das kommt mir im Boxen natürlich sehr gelegen.

Boxen.de: Bist Du nebenberuflich Boxer? 

YY: Nein, seit viereinhalb Jahren lebe ich ausschließlich vom Sport. Meiner Meinung nach würde ich es auch niemals anders schaffen, einen namhaften Erfolg zu erzielen, wenn ich wie früher zwei Jobs hätte und dann noch zwei Mal am Tag trainieren müsste. Der Focus liegt ganz auf dem Boxsport, anders geht das gar nicht.

Boxen.de: Nach Deinen ersten fünf Kämpfen und fünf Siegen in Folge hast Du dann gleich um den WBF International-Titel gekämpft und gegen Marco Martini einstimmig nach Punkten verloren. War das „zu früh zu viel gewollt“?

YY: Das habe ich ganz bewusst gemacht. Ich wusste, ich muss sehr viel aufholen an Erfahrung und Zeit im Ring. Also habe ich Werner Kreiskott kontaktiert, der in Wuppertal die besten Veranstaltungen macht, die auch am meisten besucht sind. Er fand das klasse und hat direkt zugestimmt. Ich habe kein Problem damit auswärts gegen Heimboxer zu kämpfen. Der Grund, warum ich diesen Kampf verloren habe, ist aber ein ganz anderer und das sage ich jetzt zum ersten Mal öffentlich, das wissen nur meine engsten Vertrauten. Ich habe 10 Runden lang fast blind geboxt. Marco hatte mich in der ersten Runde nach etwa 30 Sekunden leicht am Auge getroffen. Leider habe ich nicht reflexartig meine Augen geschlossen und so hat er mein offenes Auge getroffen und die Hornhaut ist gerissen, was auch unheimlich wehgetan hat. Zudem fingen meine Augen an zu tränen, ich habe Marco immer drei Mal gesehen und das auch noch verschwommen.  Er hat das aber trotzdem clever gemacht und damals verdient gewonnen. Im Rückkampf habe ich dann gegen ihn gewonnen und das klar nach Punkten. Das muss erst mal einer auswärts machen.

Boxen.de: Nach dieser Niederlage und einem Draw hast Du sechs Fights in Folge gewonnen, bevor es dann zu vier Niederlagen kam. Unter anderem gegen Maono Ally Daud, die Nummer 2 aus Tansania. Hast Du da mal daran gedacht, die Handschuhe an den Nagel zu hängen?

YY: Die Niederlagenserie war wirklich sehr hart. Aber meine größte Waffe ist mein Kopf und ich habe mir gesagt: die Niederlagen sind das Beste, was mir passieren konnte, denn man lernt aus Niederlagen mehr als aus Siegen. In Dubai hätte ich im vergangenen März auch einen ungeschlagenen Boxer mit 14 Siegen boxen können, aber der lag im Ranking 300 Plätze hinter mir und war keine wirkliche Gefahr. Deswegen habe ich Maono Ally geholt. Der war körperlich zu stark und hat mich eiskalt umgehauen. Hat mich für ihn gefreut. So ist es im Sport: mal gewinnst du, mal verlierst du und manchmal auch vier Mal hintereinander.

Boxen.de: Jetzt aber zu Deinem kommenden Gegner, am 12. November stehst Du im kanadischen Brampton mit Josh Wagner im Ring. Es geht um Wagners IBA Intercontinental-Titel im Weltergewicht. Ich hatte es eingangs schon erwähnt: Wagner ist im Ranking weit vor Dir, böse Zungen würden sagen: Du bist zum verlieren eingekauft. Rechest Du Dir Chancen auf einen Sieg aus?

YY: Leicht werde ich es Josh auf keinen Fall machen. Wenn ich einmal in meinem Flow bin, wird er es ganz schwer haben. Sein Ziel ist ein schneller KO. Alles andere wäre für ihn nicht tragbar. Ich habe mir einige seiner Fights angesehen und vor allem bei seinem letzten Kampf gegen Perez habe ich durch seine Körpersprache und auch die Gestik seines Coaches den Eindruck bekommen, dass er ein leichtes Aggressionsproblem hat. Darauf basierend habe ich mir einen Gameplan, eine Taktik, zurechtgelegt und halte es durchaus für möglich, den Kampf so nachhause zu bringen. Die Chance, dass ich gewinne, ist zwar eher klein, aber im Boxen ist alles möglich. Und solange irgendetwas möglich ist, gebe ich 100%.

Boxen.de: Danke für das Interview und viel Erfolg in Kanada.

Bild: Yaser Yüksel

9 Gedanken zu “Wer ist eigentlich Yaser Yüksel?

  1. Das Interview macht den Eindruck als wäre er als Sportler selbst reflektiert.
    Kling als wäre er sich bewusst welchen Weg er als Profi eingeschlagen hat. Kommt natürlich auch darauf an auf welchem Level als Athlet bestehen will.

    Persönlich kennen tue ich ihn nur über diese Seite und Schreiberlings Affinität ihn in seinen Berichten zu erwähnen.

    Hab mal auf YouTube geguckt und das hier gefundenen:

    youtube.com/watch?v=VlXnUQCx5kw

    Hoffe er hat weiterhin Spaß am boxen und genießt seine Zeit als Sportprofi.
    Aber wenn schon auf die Beinarbeit hingewiesen wird. Da fehlt noch ein ganzes Stück. Speziell in der Ausrichtung zum Gegner bei der Ballen und Fersenarbeit in der Koordination von Angriff zur Verteidigung. Vielleicht sollte ihm auch jemand beibringen wie man einen Hiplock hinkriegt damit er aus der Pocket härter zuschlagen kann………………..

    1. In Punkto Einstellungen kann ich dir auf Basis des Interviews nur zustimmen. Denke er geht nicht Kopflos an die Sache ran.

      Ich wusste jetzt nicht der wievielte Kampf das war und meine Aussage bezieht sich nur auf das Gesehene. Nichts für ungut, denke du weißt da besser bescheid als ich…………..

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