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Wer ist eigentlich … Alexander Kage?

Wer ist eigentlich … Alexander Kage?

Diese Frage mag sich der ein oder andere gestellt haben, als vor ein paar Tagen die Meldung über den ersten Titelgewinn von „The German Nightmare“ die Runde machte: Kage sicherte sich mit seinem KO-Sieg über Mario Obenauer den vakanten BBU-Youth-Champion-Titel im Supermittelgewicht.

 „Hallo liebe Freunde, In erster Linie freue ich mich euch mitteilen zu dürfen, das ich von der BBU (Baltic Boxing Union) zum Youth-Champion gekrönt wurde. Damit konnte ich meinen ersten Titel im professionellen Bereich einfahren. Es freut mich so einen Titel von einem so renommierten Verband bekommen zu haben der europaweit veranstaltet. Vielen Dank an Markus Lammi, dem Präsidenten der Organisation.“ schrieb der 20-jährige nicht ganz rechtschreib- und grammatikkonform bei Instagram: „Im Herbst werde ich dann gegen einen renommierten Gegner um einen weiteren Gürtel der BBU zu boxen. (Weitere Informationen bald) Und danach blicken wir Richtung Deutsche Meisterschaft. Die Ziele sind hoch gestaffelt, aber dafür arbeiten wir auch sehr hart, jeden Tag.“

(Quelle: alexanderkagemma / Instagram)

 

Liest sich ja erst mal gut. Ein neuer Stern am Boxhimmel! Klasse. Im zweiten Profikampf schon einen Titel gewonnen. Wow! Der genauere Blick auf den besiegten Gegner ist allerdings ernüchternd:

 

(Quelle: Boxrec)

 

Obenauer hat zehn Mal im Ring gestanden und genauso oft hat der mittlerweile 35-jährige verloren. Da tun sich doch gleich zwei Fragen auf: wie kann jemand mit einem negativen Kampfrekord um einen Titel boxen? Und wieso im Alter von 35 Jahren um einen „youth-Title“?

Darüber hinaus scheint der „renommierte Verband“ (Kage über die BBU) nicht wirklich bekannt zu sein, was vielleicht auch daran liegt, dass es nicht mal eine verbandseigene Homepage gibt. Aber zumindest eine Facebookseite.

Dort ist zu erfahren: (Die) „Baltic Boxing Union ist ein unabhängiger, regionaler Verband, der Veranstaltern – die oft ohne Fernsehvertrag und/oder auf wirtschaftlich begrenztem Niveau arbeiten – hilft, professionelle Boxveranstaltungen mit mehr zugeteilten und aussagekräftigeren Meisterschaftskämpfen als vor der BBU-Ära zu organisieren. Auch für den Boxer stellt der BBU-Titelkampf ein neues ehrgeiziges Ziel zur Förderung seiner Karriere dar.“ Zumindest im letzten Punkt scheint der Verband ja sein Vorhaben umzusetzen.

Gegründet wurde die BBU angeblich im Jahr 2008, Baltic Boxing Union-Präsident Markus Lammi hat anscheinend ein offenes Ohr für Journalisten, möchte aber meine Frage, wie sich denn Herr Kage für diesen Titelkampf qualifiziert habe, wohl nicht verstehen. Aber ich bekomme immerhin eine Antwort:

(Oops, mit dem Handy gemailt … Rechtschreibkorrektur olé)

 

Was sinngemäß bedeutet: wer einen BBU-Titel gewonnen hat, der kann dann auch um andere BBU-Titel kämpfen. Im Fall von Alexander Kage heißt das:

(Quelle: Pressemeldung Alexander Kage)

Eine spannende Ansetzung. Bis zum genaueren Blick auf den erfahrenen Finnen Mika Joensuu, „welcher bereits 28-mal im Ring stand“. Dummerweise hat der erfahrene Finne Mika Joensuu sieben seiner acht letzten Kämpfe verloren und ist eigentlich schon alleine deswegen in einem Titelkampf fehl am Platz. Und auch ein Sieg über den erfahrenen Finnen, welcher bereits 28-mal im Ring stand, hat demzufolge wenig Aussagekraft.

Leider hatte BBU-Präsident Markus Lammi meine Frage, wie sich denn der Verband finanziert, völlig ignoriert. Eine Antwort hätte möglicherweise Licht ins Dunkel solcher Ansetzungen bringen können.

Traurigerweise scheint die redaktionelle Arbeit der Journaille sich zumeist auf „copy and paste“ zu beschränken, sodass die meisten unbedarften Boxfans nach der Lektüre “kage`scher Jubelartikel” schon jetzt – nach seinem zweiten Profikampf – Alexander Kage für eine Art Superheld in Boxergestalt zu halten scheinen.

Kaum zu glauben, dass zum Beispiel die “Volksstimme” bei einem Interview im Mai 2020 die Aussagen des Boxeleven unkommentiert übernimmt:

Quelle: https://www.volksstimme.de/sport/lokalsport/halberstadt/boxen-box-profi-startet-karriere-in-wernigerode

Eines muss man Alexander Kage aber lassen: in Sachen Selbstvermarktung ist er super. Vermutlich würde selbst ‚Money’ Mayweather beim Besuch der Internetseite https://steadyhq.com/de/thegermannightmare blass werden:

(Quelle: https://steadyhq.com/de/thegermannightmare)

 

49,99 € pro Monat für eine signierte Karte mit Widmung, eine Danke-Erwähnung auf YouTube, Extra-Videos, einen Instagram-Story Post und ein exklusives Personaltraining „für Dich von mir“. Hut ab. Darauf muss man erst mal kommen.

Wenn es nach dem BBU-Weltmeistertitel im übernächsten Kampf also mal boxerisch eng wird: einfach umsatteln auf Marketing. Für den Tipp hätte ich übrigens gerne eine Danke-Erwähnung auf YouTube.

Und wenn Sie tatsächlich mal Ihre boxerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen möchten, Herr Kage, dann empfehle ich Ihnen eine Begegnung mit Mazen Girke (15-108-6). Dem 36-jährigen Berliner würde ich einen Titel gönnen.

Mittlerweile gibt es auch eine Reaktion aus dem Kage-Team:

“Wir hatten uns ja in der Vergangenheit immer relativ gut verstanden, ich betreue meinen Athleten Alexander Kage mit meiner Agentur und möchte Sie bitten den von Ihnen veröffentlichten Artikel auf Boxen.de ,,Wer ist eigentlich Alexander Kage“ zu löschen. Der Artikel grenzt an Rufmord, und ist voller Unterstellungen. Mit dem Titel wurden ein paar Fehler in der Vergangenheit gemacht, das stimmt sicherlich. Aber Alexander Kage ist einer meiner diszipliniertesten, fleißigsten Jungs die so etwas nicht verdient haben. Ich muss Sie bitten den Text umgehend zu löschen, andererseits werde ich anwaltlich dagegen vorgehen und den Text abmahnen lassen. Vielen Dank.”
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10 Kommentare

  1. 10. August 2020 at 12:04 —

    Hahahahahahahahahahaha wie wunderbar ironisch oder ist es doch schon Sarkasmus.

    Na ja es ist ja nicht so das die Boxer aus der 8.-10. Reihe aussenvor bleiben sollten. Es sollte sich aber um eine unparteische Berichterstattung handeln (das sollte es generell immer sein), ohne einen doch sehr unbekannten Athleten und einem noch viel unbekannteren Verband über den grünen Klee zu loben und als neue Heilsbringer zu verkaufen.

    Die parteifreie Berichterstattung und ihre Gestaltung stellen im Journalismus eine wesentliche Grundvoraussetzung dar. Dieses Credo wird auf dieser Seite von bestimmten Journalisten oder Journalistinnen, die sich unter dem Schirm der Redaktion verstecken, immer und immer öfter, völlig ausser acht gelasssen.

    Zur Zeit bin ich beruflich sehr eingebunden und komme nicht mehr all zu oft dazu, diese Seite zu besuchen und mich mit der Community auszutauschen. Was mir aber gravierend ins Auge fällt ist die Art und Weise wie die Redaktion ihre Berichterstattung von statten gehen lässt. Um es mal im Neudeutschen auszudrücken, ist “Copy and Paste” die bevorzugte Methodik.

    Mir persönlich drängt sich der Verdacht auf, die Redaktion lässt sich für Ihre überaus positive Berichterstattung gut bezahlen. Hoffentlich täusche ich mich in diesem Punkt, weil ich die Artikel von Fuchs und Schreiberling gerne lese und es nicht gut heissen würde, falls einige Journalisten der Meinung wären sie müssten diese Seite und ihre unabhängige Berichterstattung diskreditieren, in dem sie sich für ihre Dienste bezahlen lassen.

  2. 10. August 2020 at 12:10 —

    Hallo, Gladio!
    Danke für Dein Lob Fuchs und mich betreffend.
    Leider werden unter dem “Redaktions”-Mantel Pressemeldungen 1 zu 1 übernommen. Das gefällt Fuchs und mir auch nicht, muss aber wohl so hingenommen werden. Ich persönlich fände es besser, wenn Pressemeldungen – die zum Teil ja 100% Werbung sind -also solche gekennzeichnet und in einem abgetrennten Bereich veröffentlicht würden.
    LG
    Schreiberling

  3. 10. August 2020 at 13:52 —

    Schreiberling und ich sind weder einem Boxer noch einem Veranstalter verpflichtet und wir können es absolut nicht ab, wenn “Hofberichterstattung” betrieben wird.

    Das steht natürlich im krassen Gegensatz zu den Pressemitteilungen, die hier unbesehen hochgeladen werden. Sind solche “Machwerke” dann auch aus der Feder dessen, um den es geht (weil er sich ja nicht nur für einen unschlagbaren Kämpfer, sondern auch für einen tollen Journalisten hält), ist es schon beinahe nicht mehr feierlich. Die Grenze des Erträglichen wird – wie eben im Fall Alexander Kage – meilenweit überschritten. Der Typ scheint nicht einmal zu merken, dass er nicht nur sich selbst, sondern den Boxsport an sich damit total lächerlich macht.

  4. 10. August 2020 at 14:51 —

    Jemand nach seinem 2ten Profikampf zu beurteilen ist eh unmöglich. Gibt große Boxer, welche die ersten Kämpfe verkackt haben, z.B. B. Hopkins.

    Grundsätzlich ist es ja ein gesellschaftlicher Trend das, je lauter man schreit, desto mehr “Aufmerksamkeit” (gute wie schlechte) kriegt man. So auch dieser Alexander Kage..

    Ich persönlich würde mich freuen, soweit möglich, das Artikeln auch auf das boxerische gezeigte bzw. Potential eingegangen wird. Wie waren denn seine 2 Kämpfe? Konnte man was ablesen? Ist natürlich nach 2 Kämpfen schwierig. Vor meinem ersten Kampf wusste ich nicht mehr wo rechts und links ist.

    Sein MMA Kampf war jedenfalls von überschaubarer Qualität, zwar auch hier der erste Kampf, aber z.B. ein Flying Uwe, der ja wie dieser Alex Kage aus der Youtuber Szene kommt, war da wesentlich weiter.
    Auch sein Köprerbau wirkt nicht austrainiert, wie der eines Boxers, auch wenn es da nicht den einen Maßstab gibt.

    Abschließend. Ich glaube der Bereich (Kampf)Sport und SocialMedia mit seinen Vermarktungsmöglichkeiten wird immer mehr verschmelzen, z.T. passiert das ja schon (Flying Uwe, Ben Fresh, etc.) ist aber im Boxen noch nicht so angekommen.

  5. 10. August 2020 at 16:50 —

    Die ganze Art und Weise,wie hier vom “Team Kage” vorgegangen wird, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Bestenfalls schafft das noch dieser ominöse BBU-Verband, der Kage um den Meistergürtel boxen lassen will.

    Ich frage mich, was diese Leute geritten hat, wenn sie glauben, man können die Boxfans, ja eigentlich die ganze Öffentlichkeit derartig veralbern? Jetzt sind diese Leute sogar schon so dreist und drohen mit “anwaltlichen Folgen” – nur weil sie die Wahrheit nicht vertragen. Das ist wirklich der Gipfel der Frechheit.

    • 10. August 2020 at 17:10 —

      Gibt es den Satz “anwaltlichen Folgen” überhaupt? kann man nicht von rechtlichen Schritten reden?

  6. 10. August 2020 at 19:02 —

    Man sollte Alexander Kage als Boxer und Mensch eine faire Chance geben. Er ist noch sehr jung und ich könnte momentan nicht einschätzen wo es hingehen kann. Dafür bräuchte er jedenfalls mal Widerstand im Ring.

    Die Androhung von Team Kage geht natürlich überhaupt nicht… warum sollte ein Artikel gelöscht werden, nur weil vielleicht nicht jedes Wort in die Jubelarien einstimmt?
    Ich hoffe, man zieht hier nicht den Schwanz ein und gibt nicht nach.
    Ich sehe hier keine Diffamierung, keinen Rufmord, keine Beleidigungen. Es werden nur zurecht einige Sachen angesprochen und kritisch hinterfragt.
    Da Schreiberling und reineckefuchs offenbar die einzigen Personen sind die hier wirklich eigene Artikel veröffentlichen und nicht nur copy & paste-News reindrücken, hoffe ich, dass euch die “Redaktion” hier unterstützt und nicht in den Rücken fällt und dafür sorgt, dass der Artikel im Papierkorb verschwindet.

  7. 10. August 2020 at 20:49 —

    Hmm…zu dem Boxer Alexander Kage kann ich noch nichts sagen, zum einen habe ich ihn noch nicht kämpfen gesehen, zum anderen ist es recht schwierig einen 20jährigen Jungprofi mit gerademal 2 Kämpfen zu beurteilen! Letztendlich muss sich jeder Boxprofi an seinen Gegnern beurteilen lassen, was nützt ein gaaanz toller Kampfrekord wenn man nur Laufkundschaft vor den Fäusten hatte!
    Was den BBU-Verband anbelangt, tja da fehlen mir auch irgendwie die Worte…dachte immer das Boxer aus dem Baltikum um irgendwelche kleinen Titel darum kämpfen dürften!?
    Interressant ist vielleicht das auch Boxrec diesen “Titelkampf” unterschlagen hat, der Gegner ja, aber laut Boxrec ging es da nicht um einen Titel! Allerdings erwähnt Boxrec in letzter Zeit auch keine Titelkämpfe mehr wenn es um den IBA-Titel geht!
    Apropos Titel/ kleine Weltboxverbände…es gab auch mal die WBB, WBN,WBS,WAA und noch bestimmt so einige mehr..die irgendwann sang- und – klanglos verschwunden sind!

    Die Reaktion aus dem Klageteam finde ich recht lächerlich…..es wurde in dem Bericht ja nichts direkt behauptet sondern eher in Frage gestellt!
    Außerdem, eine nicht so gute Kritik oder ein nicht in allen Lobeshymnen verfasster Bericht sind letztendlich auch Werbung für den Boxer, denn man spricht/diskutiert über ihn und somit bleibt er im Gedächnis!

  8. 10. August 2020 at 21:18 —

    Wenn man sich für seine “Kämpfe” Gegner bestellt, die sich bei erster Gelegenheit hinschmeißen und dann aber den großen Boxer raushängen lassen will, dann ist das genau das, was das Boxen kaputt macht. Welcher ehrlich boxsportinteressierte Sponsor hat da noch Lust, auch nur einen Cent für so einen gekauften Müll auszugeben? … und spricht man sowas dann offen an, wird auch noch mit Konsequenzen gedroht. Sowas ist einfach nur Panne.

  9. 10. August 2020 at 22:54 —

    Oh … das Team Kade mag mich: “Ich würde mich gern mal mit Ihnen treffen, und über den Box-Sport eine Runde plaudern um Sie auch einfach mal ein Stück besser kennen zu lernen. So wie Sie von sich selbst sprechen, scheinen Sie der Boxversteher Nummer 1 zu sein, von daher wäre ich mal gespannt auf die Argumentation ohne die Tastatur.”

    Wie meinen die das wohl? 🥊

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