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Weltverband WBC – Zoff um den Federgewichtstitel

Um den WBC-WM-Titel im Federgewicht der Frauen gibt es im Moment etwas Zoff. Zwischen der bisherigen Weltmeisterin Jelena Mrdjenovic und Amanda Serrano, die den grün-goldenen Gürtel vom Verband WBC zuerkannt bekommen hat, herrscht ein medialer Schlagabtausch. Mrdjenovic wurde auf die Position des „Emeritus Champion“ geschoben. Serrano, die bisherige Interim-Titelträgerin, wurde damit kampflos am „grünen Tisch“ zur Weltmeisterin und will demnächst in ihrer Heimat Puerto-Rico einen Vereinigungskampf mit WBO-Weltmeisterin Daniela Bermudez bestreiten.

In einem Artikel auf der Internetseite der „Toronto Sun“ macht die Kanadierin sich jetzt Luft und beschreibt dabei ihre Sicht auf diese Aktion des Verbandes WBC. So ganz glücklich scheint die 38-jährige mit der jetzigen Entwicklung jedenfalls nicht zu sein. Dieser Artikel wurde in diversen Netzwerken geteilt und ruft natürlich Amanda Serrano auf den Plan, die mit ihrer eigenen Version dagegen hält. Wer dabei die besseren Argumente hat und welchen Zweck der Verband verfolgt, liegt etwas im nebeligen Bereich.

Mrdjenovic gibt an, dass sie im vorigen Jahr unter besonderem Stress stand. Sie bangt um das Leben ihres Trainers Milan Lubovic, der seit Februar 2020 nach einem Herzstillstand im Koma liegt. Außerdem hat sie Sorgen um ihre berufliche Existenz, weil ihr Gym in Edmonton wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben muss. Trotzdem sei sie nach wie vor eine aktive Boxerin, die sich nicht vom Verband WBC in den Ruhestand schicken lassen will.

Mrdjenovic, die auch WBA-Weltmeisterin ist, stand im Dezember 2020 in Los Angeles gegen die Mexikanerin Iranda Paola Torres im Ring, um Ihre Gürtel zu verteidigen. Verteidigt wurde aber nur der WBA-Titel, weil der Verband WBC den Kampf gegen Torres nicht sanktionieren wollte. Jelena Mrdjenovic will an 22. April wieder in den Ring steigen und in der „West Point Military Academy“ New York einen Titelkampf gegen Herausforderin Erica Cruz Hernandez zu bestreiten. Von Ruhestand kann also keine Rede sein. Trainiert wird Jelena Mrdjenovic zwischenzeitlich von Jonathan Banks.

Amanda Serrano / Irish-boxing.com

Amanda Serrano und der Verband haben andere Argumente. Mrdjenovic hätte gegen Serrano einen Pflichtkampf bestreiten sollen. Nach Angaben von Mrdjenovic konnte man sich bei den bisherigen Verhandlungen aber noch nicht über die Börsen verständigen. Wie im Artikel der „Toronto Sun“ zu lesen ist, war Mrdjnovic nicht bereit, sich als Kämpferin und Weltmeisterin finanziell abzuwerten zu lassen, um Serrano einen Titelshot ohne angemessene Börse zu geben. Auf gut deutsch gesagt: Sie wollte nicht für einen „Appel und ein Ei“ gegen Serrano antreten. Dabei müsste Serrano selbst am besten wissen, um was es geht. Schließlich wollte sie selbst ja auch nicht für wenig Geld gegen Katie Taylor antreten.

Amanda Serrano sieht das Ganze aus ihrem eigenen Blickwinkel und ist wohl zu dem Eindruck gekommen, dass Mrdjenovic einfach nur kneifen will. Sie sagt in einer Facebook-Gruppe: „She got stripped for not wanting to defend against her mandatory. The WBC did nothing wrong. We ALL got this letter.“ (Sie wurde gestrippt, weil sie nicht zu ihrer Pflichtverteidigung antreten wollte. Der WBC hat nichts Falsches getan. Wir ALLE haben diesen Brief bekommen.)

Offenbar gibt es hier Klärungsbedarf. Es wurden bei allen Verbänden und aus gefühlt 1000 Gründen schon ganz andere Pflichtverteidigungen hin und her verschoben, bis es passte und ein WM-Pflichtkampf abgehalten wurde. Fehlt es hier am guten Willen? Kann Jelena Mrdjenovic am Ende noch froh darüber sein, dass sie jetzt wenigstens noch „Emeritus Champion“ ist und das ihr der Titel nicht gleich ganz aberkannt wurde? Immerhin hat die Kanadierin diesen Gürtel schon seit 2012 in ihrem Besitz. Sie hat ihn in dieser langen Zeit zwei Mal verloren und in Rematches zurück erobert.

Man kann gespannt sein, wie sich das weiter entwickelt. Ob Mrdjenovic so gezwungen werden kann, gegen Serrano zu kämpfen? Diese Entscheidung liegt allein bei der Kanadierin. Es würde ihr gewiss schwer fallen, auf den WBC-Gürtel kampflos verzichten zu müssen. Letztendlich ist sie aber auch mittlerweile 38 Jahre alt, denkt über ihr Karriereende nach und ist immerhin WBA-Weltmeisterin. Wenn sie noch ein paar mal ihren WBA-Titel verteidigt, auf den WBC-Gürtel pfeift und irgendwann als WBA-Weltmeisterin in den Ruhestand geht, ist das bestimmt nicht die schlechteste Idee.

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8 Kommentare

  1. 26. Februar 2021 at 12:21 —

    Die Weltboxverbände machen doch was sie wollen, allen vorran die WBA und der WBC, letztendlich geht es dabei immer nur ums Geld das sie verdienen können, im zweifeksfall wird halt ein Pasus im Regelwerk geändert damit es wieder regelkonform ist!!
    Mrdjenovic sollte auf den WBC-Titel pfeifen….die Boxverbände fahren sich früher oder später doch selbst gegen die Wand!
    Egal ob es die Frauen oder die Männer betrifft, man kann ja z.B. jeglichen WBA-Titel eigentlich vergessen, weil nichts mehr wert, allein wenn man sieht was zuletzt M.Charr wiederfahren ist und auch Sven Elbir hat Theater mit der WBA und wohl etliche andere Boxer auch, Shumenov ist noch so ein Beispiel…….und der WBC haut in die gleiche Sparte!

    • 26. Februar 2021 at 12:55 —

      Boxer wie Charr, Shumenov oder Elbir wären unter regulären Bedingungen überhaupt nie auch nur in die Nähe der Top-Platzierungen der großen Weltverbände gekommen.

      Solche etwas besseren Hobby-Boxer mit dem alleinigen Glück der richtigen Hintermänner noch als Opfer zu stilisieren passt zu einem Psychotiker und Feigenbutz-Verehrer…

      • 26. Februar 2021 at 13:34 —

        Pseudochamps wie Charr, Cederoos, Shumenov, Mrdjenovic, Mehry, Krasniqi, Murata – 10 auf der nach oben offenen Mitleidserregerskala.

        F*ick die WBA/C – aber erst recht die Boxer, die sich auf diese Vereine einlassen und sich hinterher beschweren wie beschissene Kinder, die ihre Süßigkeiten weggenommen kriegen (nachdem sie sich erst selbst wie die GOATs für den Gewinn ihrer Kunstlederriemen feiern haben lassen).

    • 26. Februar 2021 at 13:08 —

      das mit den boxverbänden glaub ich nicht. das sagt man doch seit 70 jahren und es wird immer noch schlimmer.

      • 26. Februar 2021 at 23:01 —

        Was glaubst du nicht Brennov…das die Weltboxverbände zu ihren eigen Vorteil ihr eigenes Süppchen kochen und auch mal ihr Regelwerk ändern´? Musst du nicht glauben, aber dann glaubst du an den Weihnachtsmann!

        @ adolf klitschko

        Ja du hast sicher Recht das Charr, Shumenov, Mehry und vor allen Dingen WBA-Super-Champ Goulamirian nicht zu vergessen der vom Interims-WM zum Superchamp aufgestiegen ist Pseudochamps sind, ABER wer hat sie denn dazu gemacht? Richtig der Weltverband WBA, aber dennoch hat der Verband kein Recht die Titel nach Lust und Laune wieder zu entziehen, bzw. durch fadenscheinige Begründungen jemand anderen zuzusprechen oder neu ausboxen zu lassen!…Geht gar nicht! WBC und WBA der gleiche Dreckshaufen, ändern würde sich nur etwas wenn Promoter, Manager und Boxer auf deren Titel verzichten würden weil sie nichts mehr wert sind!

        Serrano aus Mexiko? Wenn ja erklärt das ja so einiges, WBC auch mexikanisch geprägt…

        • 26. Februar 2021 at 23:39 —

          „WBC und WBA der gleiche Dreckshaufen, ändern würde sich nur etwas wenn Promoter, Manager und Boxer auf deren Titel verzichten würden weil sie nichts mehr wert sind!“
          –––––––––
          Genau das meine ich – da müssten zuallererst die Boxer mal konsequent sein und sagen: wir geben einen feuchten F*ck auf euer Plastik und kämpfen einfach um die Ehre und viel Geld. Und wenn sie das entsprechend äußern würden, hätten auch die Promoter ein Mandat, vielleicht so etwas wie eine neue Weltliga des Boxens (nach Vorbild etwa der UFC) zu gründen und dort für mehr Gerechtigkeit und sportlichen Mehrwert zu sorgen. Aber im Augenblick sehen sie alle nur ihre fünf Minuten des Ruhms (Charr das beste Beispiel) und versuchen, sich darauf möglichst lange auszuruhen – bis ein anderer kommt, und Sulaimán oder Mendoza ein bisschen mehr „Unterstützung“ bietet und sich so den „Titel“ holt. Dann ist das Gejammer eben groß und alle schreien „Betrug, Betrug“, wobei sie natürlich vergessen, dass ihr eigener „Titelgewinn“ auf genau diesselbe Art und Weise zustande gekommen ist.

          • 27. Februar 2021 at 00:51

            Tja, das sind wir uns ja mal wieder einig das es so eigentlich nicht weiter gehen sollte!
            Allerdings befürchte ich das sich in naher Zukunft nichts ändern wird!?

        • 27. Februar 2021 at 01:00 —

          Serrano ist aus Puerto-Rico.

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