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WBC vs Tokio 2020

WBC vs Tokio 2020

Obwohl Profiboxer seit Rio 2016 an den Olympischen Spielen teilnehmen können, haben bislang nur wenige Kämpfer diese Möglichkeit genutzt, darunter der ehemalige Weltmeister Hassan N’Dam N’Jikam. Der Franzose schied aber seinerzeit schon in seinem ersten Kampf gegen den Brasilianer Michel Borges aus.

Nun hat der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador erneut die Werbetrommel für die Olympischen Spiele gerührt und vor ein paar Tagen den mexikanischen Boxverband FMB und die National Boxing Commission Conabox gebeten, einen Brief an alle amtierenden mexikanischen Boxweltmeister zu schicken, in dem sie aufgefordert werden, an den Qualifikationsrunden der Olympischen Spiele Tokio 2020 teilzunehmen und im kommenden Jahr in Japan das Land Mexiko zu vertreten.

Auch Andy Ruiz jr, seines Zeichens IBF-, WBA-, WBO- und IBO-Weltmeister im Schwergewicht, hatte öffentlich sein Interesse an der Teilnahme an den Olympischen Spielen bekundet. Nun hat der WBC auf die von Obrador veranlasste Einladung reagiert, allerdings nicht mit Zustimmung.

In mehreren Interviews erklärte WBC-Präsident Mauricio Sulaiman, dass jeder Profiboxer, der an einem Amateurwettbewerb teilnimmt, für zwei Jahre gesperrt wird: „Der WBC wird keinen Profiboxer unterstützen, der an den Olympischen Spielen teilnimmt. Olympisches Amateurboxen ist ganz anders. Es sind zwei verschiedene Sportarten und es ist sehr gefährlich. Das können wir nicht akzeptieren.“

Zwar dürfen – wie schon erwähnt – Profiboxer seit den Olympischen Spielen 2016 an den traditionell amateurbasierten Wettbewerben teilnehmen, doch auch schon 2016 hatte der WBC diese Haltung. Natürlich kann man darüber darüber geteilter Meinung sein, aber ganz unrecht hat Sulaiman sicher nicht, wie der Kampf des Profiboxers Bakhodir Jalolov gegen den Amateur Richard Torrez beweist, der im September stattgefunden hat.

 

 

 

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Nachzuvollziehen ist auch, dass der mexikanische Boxverband fünf Jahrzehnte nachdem Mexiko die bislang erste und einzige Goldmedaille im olympischen Boxen gewonnen hat, mit einem starken Team bei den Olympischen Spielen in Japan antreten will. Professionelle „Manpower“ wäre mit Boxern wie ‚Canelo‘ Alvarez, Pantera Nery, Jaime Munguía, Francisco Estrada, Rey Vargas, Oscar Valdez und nicht zuletzt Andy Ruiz vorhanden. Und auch die Damen hätten mit Anabel Ortiz, Yesica Chavez oder Zulina Muñoz genügend Potenzial. Doch unterm Strich ist schwerlich vorstellbar, dass bei den Profis genügend Interesse herrscht.

Zum einen dürften die finanziellen Anreize fehlen, zum anderen droht die Gefahr, durch eine bei den Olympischen Spielen erlittene Verletzung möglicherweise längerfristig auszufallen und darüber hinaus droht nicht zuletzt auch die Schmach, als Profi gegen einen Amateur zu verlieren. Davon abgesehen stellt sich überdies die Frage, ob die vertraglich mit den jeweiligen Promotoren getroffenen Vereinbarungen überhaupt einen „olympischen Seitensprung“ erlauben.

Vorerst bleibt abzuwarten, wie die mexikanischen Boxer auf die Ankündigung des World Boxing Council – der seinen Sitz ausgerechnet auch noch in Mexico hat – reagieren. Die WBC-Sanktion kann zwar keinen Profi daran hindern, tatsächlich zu kämpfen. In diesem Fall wäre aber der Ausschluss aus der WBC-Rangliste die Folge. Zudem würde das Verbot ergehen, für die Dauer von zwei Jahren um einen WBC-Weltmeistertitel zu kämpfen, beziehungsweise wäre der Verlust eines bereits erkämpften WBC-Gürtels zu verzeichnen.

Zumindest Andy Ruiz hat Tokio 2020 bislang noch keine Absage erteilt: „Es wäre eine große Ehre, Mexiko bei den Olympischen Spielen vertreten zu dürfen. Ich muss die möglichen vertraglichen Verpflichtungen einschätzen, aber wir werden alles daran setzen, auf irgendeine Weise dazu beizutragen und den Namen Mexiko erneut in den Vordergrund zu rücken!“

 

Was sagen die Leser von Boxen.de? Sollten die Profis bei den Olympischen Spielen gegen Boxer aus dem Amateurlager antreten dürfen? Hat WBC-Präsident WBC-Präsident Mauricio Sulaiman Recht, wenn er sagt: “Es sind zwei verschiedene Sportarten und es ist sehr gefährlich”? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

 

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1 Kommentar

  1. 1. Oktober 2019 at 15:57 —

    Bei den olympischen Spielen treten die besten Sportler einer jeden Sportart an. Die einzigen Ausnahmen sind Fußball und Boxen.

    Was ist ein Olympiasieg wert, wenn nicht die Besten einer jeden Sportart dabei sind?
    Dem Boxen würde es sicherlich guttun, als seriöse Sportart und nicht bloß als „Geschäft/Mafia/Betrugsmaschinerie“ wahrgenommen zu werden.

    Natürlich hat Sulaiman Angst, dass 1) seine „Stars“ von Nobodys besiegt werden und damit die eigene Marke beschädigt wird.

    Die „Verletzungsgefahr“ ist sicher da, haben aber andere Sportler z.B Tennis-Stars und NBA-Profis auch.

    Natürlich hätte es Sulaiman weiterhin gerne, dass die Olympiade eine Art „Junioren-Veranstaltung“ bleibt. Das WBC ist nur noch peinlich.
    Problematisch sehe ich allerdings den Qualifikationsmodus. Dass ein Andy Ruiz sich durch irgendwelche Provinzturniere quält halte ich für unangemessen.
    Das IOC sollte mit dem „seriösesten“ der 4 unseriösen Weltverbände zusammenarbeiten (meiner Meinung nach die IBF), und den ersten 5 Platzierten (inkl. Weltmeister) eine Wildcard in der jeweiligen Gewichtsklasse einräumen. Dies würde den Verband und seine Titel im Gegenzug enorm aufwerten. Allerdings werden sich andere Verbände (allen voran das WBC) querstellen, wenn es zB um Unification-Fights geht. Eine Alternative wäre nach der unabhängigen boxrec-Rangliste zu gehen. Diese müsste dazu allerdings ihr Punktesystem völlig offenlegen.

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