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WBC-Vorstoß: Boxkämpfe nur noch 10 Runden?

WBC-Vorstoß: Boxkämpfe nur noch 10 Runden?

Wie die mexikanische Tageszeitung „El Heraldo de Mexico“ berichtet, hat sich der World Boxing Council dafür ausgesprochen, die Anzahl der Runden im Profiboxen zu reduzieren. Soweit im Artikel beschrieben, stimmt der WBC auf Empfehlung seines medizinischen Komitees einstimmig dafür, die Rundenzahl von 12 auf 10 zu begrenzen. Nur Weltmeisterschaftskämpfe und solche um „Silver“-Titel sollen auf 12 Runden angesetzt werden. Für regionale Meisterschaften empfiehlt der Verband sogar nur 8 zu boxende Runden. Als Grund dafür wird das geringere Erfahrungsniveau der Boxer angeführt.

Als Verfasser des Artikels im „El Heraldo“ wird WBC-Präsident Mauricio Sulaiman genannt, der anscheinend häufiger als Gastautor der Tageszeitung aktiv ist. Erstaunlicherweise lässt sich zu diesem Thema sonst nichts finden; auch auf der Internetpräsenz der WBC gibt es keinerlei Information darüber.

Fest steht allerdings, dass Mauricio Sulaimans Vater José, der vor seinem Sohn 38 Jahre lang das Amt des WBC-Präsidenten innehatte, maßgeblich daran beteiligt war, als der World Boxing Council 1983 die Anzahl der maximal zu boxenden Runden von 15 auf 12 reduzierte. Eine Regelung, die auch von allen anderen Boxverbänden übernommen wurde.

Auslöser war der tragische Tod des Boxers Kim Duk-koo. Der Rechtsausleger aus Südkorea konnte sich trotz geringer Schlagkraft auf Position 1 der WBA kämpfen und forderte 1982 Weltmeister Ray „Boom-Boom“ Mancini heraus.  Das Duell verlief zunächst ausgeglichen, bis Mancini in der zweiten Kampfhälfte dominierte und in Runde 14 durch KO gewann.

Wenige Minuten nach Kampfende kollabierte Duk-koo, fiel ins Koma und musste in einem Krankenhaus wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn notoperiert werden. Wenige Tage später starb der 23-jährige. Ringrichter Richard Green und Kims Mutter begingen vier Monate später Selbstmord.

Der Kampf zwischen Kim Duk-koo  und Ray Mancini erwies sich als Wendepunkt im Boxen und löste eine Reihe grundlegender Änderungen aus: so wurde die maximale Rundenanzahl von 15 auf 12 reduziert, umfassende medizinischen Untersuchungen wie EKG-, Hirn und Lungentest vor Boxkämpfen wurden zur Pflicht erklärt. José Sulaiman führte daneben noch weitere Regelungen ein, um die Sicherheit der Boxer zu erhöhen. Dazu zählte zum Beispiel das Wiegen am  Tag vor dem Kampf, um einer Dehydrierung der Kämpfer vorzubeugen.

Möglicherweise gelingt es dem WBC – 38 Jahre nach der Reduktion von 15 auf 12 Runden – jetzt erneut, die Anzahl der Runden in Profikämpfen zu beschränken. Was halten die Leser von Boxen.de davon? Macht das – vor dem Hintergrund der Todesfälle im Boxsport – Sinn? Oder wäre das so ähnlich wie ein Marathonlauf über 30 Kilometer und ein Fußballspiel über zwei Mal 30 Minuten?

 

Hier der Kampf zwischen Kim Duk-koo und Ray Mancini. Der Tod des südkoreanischen Boxers hatte weitreichende Folgen.

 

 

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5 Kommentare

  1. 11. Februar 2020 at 08:27 —

    Als ob das WBC irgendetwas uneigennütziges tun würde.
    Lesen wir mal zwischen den Zeilen:
    12 Runden nur noch bei Weltmeisterschaften sowie dem eigenen „Silver“-Papertitel. Dieser soll durch diese Maßnahme aufgewertet werden. Gegenüber wem? Na den „regionalen Titeln“ die künftig nur über 8 Runden geboxt werden sollen.
    Dies ist meiner Meinung nach ein klarer Angriff auf die EBU-EM, welche für viele europäischen Promoter immer noch einen höheren Stellenwert hat, als irgendwelche „Silver, Interconti oder Internationale Titel“!

    Der Hintergrund für mich. In den USA und Lateinamerika gilt der WBC-Belt als derjenige, dem das meiste Prestige zugesprochen wird.

    In Europa kooperieren die meisten Promoter jedoch eher mit WBO, WBA und IBF.

    Durch dieses durchschaubare Manöver möchte Sulaiman auch ein größeres Stück vom hiesigen Kuchen abhaben.

    Die Runden 11 und 12 sind jetzt bereits die sogenannten Championship-Rounds (bei den DAZN-Kommentatoren ab Runde 10 ;)). Das Argument mit den „unerfahrenen Boxern“ zieht genauso wenig wie, dass der armen Amateure die bei Olympia den brutalen Profis zum Fraß vorgeworfen werden sollen.

  2. 11. Februar 2020 at 09:29 —

    Ich denke mit regionalen titeln ist dann doch eher der wbc baltic oder miditeran gemeint und nicht die ebu em. diese witz titel sollten nicht mal 8 sondern null runden haben.

  3. 11. Februar 2020 at 09:53 —

    Aber man kann ja nichts daran ändern, hat es immer geheisen und jetzt stellen wir fest, dass man sehrwohl etwas ändern kann. Wer hätte bis zu diesem Artikel wohl damit gerechnet, dass der WBC auf den Sicherheitszug aufspringt?

    Das Geld, womit die Athleten, Promoter, Ringrichter usw. bezahlt werden, stammt fast ausschliesslich von den Konsumenten, welche sich die Kämpfe anschauen. Selbst die Werbeeinnahmen werden durch die Konsumenten generiert. Es ist also klar, dass die Verbände darauf reagieren werden, wenn sich soetwas wie Menschlichkeit im Boxsport breit macht und das passiert zur Zeit.

    Noch nie war der Anteil an Konsumenten, welche nicht aus der typischen Boxmilieu entstammen, größer als heute und entsprechend wurde der Boxsport auch noch nie menschlicher beäugt als heute. Während Hearn und Konsorten noch soviel Geld wie möglich aus dem alten System pressen, bildet sich schon das neue System, indem das Geld dem Wettkampf untergeordnet werden muss, damit der Konsument nicht abspringt!

    Das Verlangen nach einem fairen Wettbewerb wird auch im Boxsport immer größer, auch wenn das hier bei boxen.de der ein oder andere nicht wahr haben will, weil er den Boxsport noch immer zu sehr dem Milieu zuordnet!

    Ja, es sitzen immer noch dieselben zwielichtigen Gestalten in den ersten Reihen, aber sie werden immer mehr verdrängt!

  4. 13. Februar 2020 at 18:57 —

    Sehr guter Kommentar!

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