Dillian Whyte und Eddie Hearn (Collage: Boxen.de)

Was nun, Dillian Whyte?

Was nun, Dillian Whyte?

Keine Frage: viele seiner Fans enttäuschte der 35-jährige ‚Bodysnatcher` beim Kampf gegen Tyson Fury am vergangenen Wochenende. Und wie so oft bei der klaren Niederlage eines Boxers, werden Stimmen laut, die seinen Rücktritt fordern. Kritiker bemängeln unter anderem, die „Punch Resistance“ von Whyte habe nachgelassen, wie zum Beispiel in diesem Video hier.

Eddie Hearn teilt diese Meinung nicht. Der Promoter von Dillian Whyte will seinen Boxer stattdessen neu aufstellen: „Er hat eine Menge Geld verdient, aber er kann immer noch einige großartige Kämpfe machen. Kann er eine Schwergewichtsweltmeisterschaft gewinnen? Vielleicht, wenn sich der Staub gelegt hat und all diese Gürtel wieder neu verteilt werden. Er ist ein sehr gutes Schwergewicht, aber meiner Meinung nach hatte er in diesem Kampf die falsche Einstellung, so wie auch AJ als er Usyk geboxt hat“

Tyson Fury hat bereits erklärt, dass er seinen Titel niederlegen wird. Nun bleibt abzuwarten, wie weit Whyte durch seine Niederlage nach unten rutscht. Die diesbezüglichen Aktionen der großen Boxverbände sind nicht immer wirklich nachvollziehbar, Deontay Wilder zum Beispiel hat seine letzten beiden Kämpfe durch KO verloren, ist aber im Ranking der WBC nach wie vor auf # 2.

Insider gehen davon aus, dass Whytes Niederlage auch durch seine Inaktivität begünstigt wurde: zwar hat der ‚Bodysnatcher‘ seit 2011 insgesamt 31 Kämpfe absolviert, doch in den vergangenen Jahren stand Whyte zunehmend seltener im Ring, 2020, 2021 und 2022 nur einmal pro Jahr, insgesamt 15 Runden lang.

„Die Einstellung ist alles und er hatte die falsche Einstellung in diesem Kampf“, hat Eddie Hearn in einem DAZN-Interview gesagt: „Seien wir ehrlich, es war ein schlechter Kampf. Er wurde ausgeboxt, ich habe ihm keine Runde im Kampf gegeben. Der Dillian Whyte, der (im Jahr 2015) gegen AJ geboxt hat, das war ein mieser Motherf…..! Wenn Tyson Fury ihn damals in einer Pressekonferenz gekitzelt hätte (so wie jetzt beim Face off), Dillian hätte ihn sofort aus dem Weg geräumt.“

Ihm habe nicht gefallen, was er bei der Pressekonferenz vor dem Kampf und beim Wiegen gesehen habe, sagte Hearn weiter. Whyte und Fury hätten nicht wie Gegner, sondern wie beste Freunde ausgesehen, hätten miteinander getanzt, sich umarmt, die Caps getauscht und miteinander gelacht.

Dazu kommt – das sieht auch Hearn so – der Faktor Inaktivität: „Ich denke, Dillian hat in den vergangen zwei Jahren ungefähr sechs Runden gekämpft. Es ist sehr schwierig, dann in einen Kampf zu gehen und zu versuchen, einen großartigen Kämpfer wie Tyson Fury zu schlagen.”

Nun bleibt abzuwarten, ob und wie Dillian Whyte noch einmal „die Kurve kriegen“ will. Ist der ‚Body Snatcher‘ noch hungrig genug? Gibt es einen erneuten Angriff auf die Weltspitze und vielleicht einen Kampf um den WBC-Gürtel gegen Deontay Wilder? Man darf gespannt sein.

23 Gedanken zu “Was nun, Dillian Whyte?

  1. Und das sagt Hearn natürlich alles aus fester Überzeugung heraus…

    Natürlich kann Whyte noch den einen oder anderen interessanten Kampf machen und noch den einen oder anderen Payday generieren, aber der Fight gegen Fury hat eig. nicht viele Fragen offen gelassen.

    Der Vergleich mit dem Whyte vor dem AJ-Fight hinkt, weil er damals eben noch ungeschlagen war, sich nach einem Amateur-Sieg als „Angst-Gegner“ für AJ darstellen konnte und noch keinen Doping-Ärger hinter sich hatte…

    Eine KO-Niederlage gegen den damals noch ungeschlagenen AJ ist sicher noch zu verkraften, aber nach der sehr überschaubaren Leistung gegen Wach, nach der KO-Niederlage gegen den alten, angeschlagenen Pove und jetzt der sehr deutlichen Niederlage gegen Fury sollte klar sein, dass Whytes Karriere sich jetzt eher nur noch in eine Richtung bewegen kann…

  2. 😉

    Würde mir schon auch noch Fights gegen „Nachwuchstalente“ wie Joyce, Dubois, Hrgovic oder Makhmudov ansehen…
    Auch ein Fight gegen Usyk könnte interessant sein…
    …habe Whyte aber noch nie als Teil der unmittelbaren Weltspitze angesehen…

      1. er hat mit joshua, parker, wach, chisora, povetkin, rivas, browne, helenius und fury schon eine große liste guter gegner geboxt. und das wird er auch weiterhin tun sollte er seine karriere fortsetzen. mal sehen wo ihn die wbc nun einstuft. vielleicht kommt er auch weiterhin für einen kampf um den vakanten wbc titel in frage falls fury zurücktritt.

          1. als ob er das nicht selber weis. natürlich sind die 4 top leute besser als er. das weis er. aber trotzdem will er gerne noch einen zahltag haben und die kleine chance doch mal ne überraschung zu landen.
            er gehört sicher in die top15 des aktuellen hw auch trotz der niederlage!

        1. es würde schon völlig reichen wenn die beiden zurücktreten oder der sieger falls sie wirklich noch gegeneinander boxen. dann wären alle titel vakant und 8 boxer hätten dann gleich mal die chance um einen wm titel zu boxen (oder sogar 10 falls die ibo auch einen eigenen weltmeister kürt). das wäre sehr interessant. viel action. die nächsten kämpfe im hw sind schon ein bisschen vorgeschmack wobei hrgovic – Zhang und yoka – bakole noch nicht wirklich erste reihe des HWs sind. parker vs joyce ist da schon eher ein kandidat, der könnte auch gut um einen wm titel gehen! andere kämpfe wären z.b. wilder – ruiz oder eben whyte – ortiz usw.

          1. Ja, brennov, das wäre so, nicht nur im Boxen, auch in allen anderen Sportarten – wenn die Champions abtreten würden, wäre an der Spitze Platz für die Loser

          2. @ ferenc: werde ich sicher auch mal machen sobald ich merke, dass ich da nicht mehr weiter komme und am ende der laufbahn angekommen bin. und wenn ich ausgesorgt habe fange ich auch keinen anderen mehr an. ist doch völlig normal, dass welche abtreten und neue nachkommen?

  3. Im Ernst – Whyte ist ein im Grunde genommen ganz sympathischer Typ mit einem guten Stück Selbstüberschätzung – das braucht man im Boxen ja auch ein wenig. Dessen sollte er sich aber auch bewusst sein und Analysen á la „Gegen Fury war es ein enger Kampf“ lieber in der Kabine lassen – damit macht er sich lächerlich.

    Ich sehe ihn in der Tat als eine Art „Chisora 2.0“ mit riesiger UK-Fanbase, fan-freundlichem Boxstil und einem Promoter, der seine Kämpfer in finanzieller Hinsicht selten im Stich lässt. Was ihm im Gegensatz zu Chisora allerdings fehlt, ist das Eisenkinn. Deshalb: noch ein, zwei solcher Uppercut-KOs, und er sollte sich die Frage nach der Gesundheit stellen. Bis es jedoch so weit ist, kann er schon noch ein paar Paydays mitnehmen. Hier stelle ich mir vor allem natürlich innerbritische Fights vor: Joyce, Dubois, Wardley, Gorham, Bakole, Hughie Fury … Die Finger lasen sollte er erstmal von Wilder und jedem, der boxen kann (Sanchez, Usyk).

  4. Wie gesagt: Den einen oder anderen interessanten Fight traue ich ihm durchaus schon noch zu, aber das Gerede, dass er eig. auf einem Level mit Fury war und einen Rückkampf will, ist einfach nur nervig und lächerlich…
    Gegen große, starke leute mit Ringintelligenz wie z. B. auch auf jeden Fall Joyce wird er es schwer haben, nachdem sich jetzt rumgesprochen haben dürfte, dass er anfällig gegen Aufwärtshaken ist…

    1. Wäre auf jeden Fall auch eine gute Ansetzung, wobei ich Wallin nicht allzu gut einschätzen kann, da er noch nicht so viele namenhafte Gegner hatte….
      Zumindest konnte Wallin Fury deutlich mehr Schwierigkeiten bereiten, als Whyte es konnte… 😉

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