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Wann wird Jake Paul Weltmeister?

Wann wird Jake Paul Weltmeister?

Wenn es nach den Fans des boxenden YouTubers geht, kann es nicht mehr lange dauern. Noch zwei Fights – so vermutet hoffentlich augenzwinkernd der Moderator einer facebook-Kampfsportgruppe mit über 60.000 Mitgliedern – dann könnte es noch in diesem Jahr soweit sein.

Ich frage mich, woher die Jake Paul-Fanboys diese Zuversicht nehmen. Falls Zuversicht das richtige Wort ist. Jake Paul hat bislang – wenn man vom Sparring absieht – noch nie den Ring mit einem Profiboxer geteilt. Die Bilanz von 3-0-0 bei 3 Siegen durch KO liest sich zwar gut, die Gegnerschaft ist aber nicht der Rede wert. Zuerst besiegte ‚The Problem Child‘ im Januar 2020 seinen „YouTube-Kollegen“ AnEsonGib, dann Ende November 2020 den früheren NBA-Star Nate Robinson. Und zuletzt am vergangenen Wochenende Ex-MMA-Fighter Ben Askren.

Askren ist allerdings kein Faustkämpfer, sondern kommt eigentlich vom Ringen und hat nie durch besondere Boxing-Skills auf sich aufmerksam gemacht. Darüber hinaus hatte ‚Funky‘ wegen anhaltender Hüftprobleme seine MMA-Karriere beendet und sich im vergangenen Jahr an der Hüfte operieren lassen müssen.

Dass der 36-jährige sich trotzdem mit Paul in den Ring gestellt hat, hat nur einen Grund: Geld. Wie Ben Askren in einem ESPN-Interview sagte, habe er beim Kampf gegen Paul 30% bis 40% mehr verdient, als bei jedem anderen Fight im Laufe seiner zehnjährigen MMA-Karriere. Leider gab es dafür nicht auch 30 bis 40% mehr Leistung von Askren zu sehen. Kein Wunder also, dass schon unmittelbar nach dem Kampf Vermutungen laut wurden, es sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

Wenn man sich diesen Videoausschnitt aus Askrens UFC-Kampf gegen Robbie Lawler anschaut, liegt natürlich die Frage: „Warum reicht ein Schlag von Paul, um Askren auszuknocken?“ auf der Hand. War das Ganze inszenierter Fake?

Erstaunlich ist, dass der „Triller Fight Club“, bei dem die „Fights“ neben den anderen Acts eigentlich nur Beiwerk waren, so erfolgreich war. „Kämpfen – Nebensache“ könnte man das Ganze auch nennen. Für Ben Askren ist das Ganze schon abgehakt: „Was das für mich bedeutet?“ sagte Askren über den Paul-Kampf: „Es war ein Kampf, der mir nichts bedeutet. Aber die Art und Weise, wie er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zog und dass jeder eine Meinung dazu hatte, ist faszinierend. Warum interessierte sich die Öffentlichkeit so für zwei Typen, die nicht sehr gut boxen? Es ist irgendwie umwerfend. Insgesamt habe ich mich sehr amüsiert und viel Geld verdient.“

Alkohol und Marihuana waren während der gesamten Übertragung deutlich wahrnehmbar vorhanden, nur in einem der vier dargebotenen Pay-per-View-Kämpfe traten zwei erfahrene Boxer gegeneinander an, und dennoch hat der „Triller Fight Club“ viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nun bleibt abzuwarten, wie sich der Triller-Event am 5. Juni verkauft. Ohne Jake Paul, dafür aber mit „Teofimo Lopez vs George Kambosos jr“ und „Evander Holyfield vs Kevin McBride“, beides nicht unbedingt interessante Begegnungen.

Werden Box-Puristen sich die Show trotzdem ansehen? Fakt ist: Die Börse, die Askren mit seinem Auftritt gegen Paul verdient hat, hat Begehrlichkeiten geweckt. Nicht nur Adrien Broner würde gerne zu Triller wechseln, auch andere Profifighter – wie zum Beispiel Amanda Serrano – sind interessiert.

Liegt in solchen „Brot und Spiele“-Veranstaltungen die Zukunft? Eröffnet es tatsächlich ein neues Publikum für Kampfsportler, wenn die PPV-Zuschauer eigentlich wegen Justin Bieber, den Black Keys und Doja Cat einschalten? Medieninsider gehen davon aus, dass so die Zukunft aussehen könnte: eine Musik-Show, in der dann auch ein bisschen gekämpft wird.

Möglicherweise auch wieder mit Jake Paul.  Ob der denn nun ein guter Boxer ist, darüber will Ben Askren kein Urteil abgeben: „Vielleicht ist er gut. Aber ich glaube nicht. Ich denke, ich habe mich nicht richtig verteidigt. Ich glaube, das muss sich noch herausstellen, wenn er jemanden antritt, der im Boxen bedeutend besser ist als ich.“

An Fightern, die sich im Kampf gegen Jake Paul die Taschen füllen wollen, mangelt es nicht: Dillon Danis, BJ Penn und Tyron Woodley würden zum Beispiel gerne mit dem boxenden YouTuber im Ring stehen. Doch die Gegnerschaft dürfte Paul zu unbekannt sein. „Ich möchte nur große Kämpfe führen und ich werde nur große Kämpfe führen.“ hat der 24-jährige erklärt: „Also werden wir sehen, wer die nächste große Herausforderung ist. Ich möchte drei bis vier Millionen Pay-per-View-Verkäufe erreichen!“

Und so würde es mich nicht wundern, wenn es über kurz oder lang tatsächlich zur Begegnung mit Conor McGregor kommt. Ein Kampf, in dem viele Jake Paul durchaus Chancen auf einen Sieg einräumen. Extra für die „Jake-Paul-Hater“ hat sich ein „Fanboy“ übrigens dieses hier ausgedacht:

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18 Kommentare

  1. 21. April 2021 at 12:55 —

    Durch so einen Müll wird der Boxsport lächerlich gemacht. Wenn das so weiter geht, wird es Zeit sich ein anderes Hobby zu suchen.

  2. 21. April 2021 at 12:58 —

    @ fuchs

    Das “Problem” ist: es funktioniert. Zumindest lohnt es sich finanziell für die Kämpfer. Ich hoffe auch nicht, dass so die Fightnights der Zukunft aussehen: Weltmeisterschaftskämpfe … umrahmt von einem mehrstündigen musikalischen Showprogramm. Aber: it sells. Ist so ein bisschen wie die WOK-WM von Stefan Raab, oder?

    • 21. April 2021 at 13:25 —

      tu nicht so scheinheilich du trägst doch mit deinen artikel genauso dazu bei. wenn du es nicht gut findest warum schreibst du dann stänig drüber

      • 21. April 2021 at 13:26 —

        Weil ich möchte, dass Du gut informiert bist.

      • 21. April 2021 at 13:39 —

        Weil es thematisch direkt mit dem Boxsport zu tun hat und wir zum Glück noch in manchen Teilen der Gesellschaft,trotz identitätspolitischem-opferkult-maulkorbes , frei debattieren dürfen.
        Jake the Fake Paul verdient nicht mehr dadurch.

      • 21. April 2021 at 14:13 —

        Warum liest du es ständig?

    • 22. April 2021 at 06:32 —

      Wok – WM… war aber zum Glück nur eine Zeit lang interessant. Hat sich totgelaufen. Aber bei Jake Paul sehe ich leider noch kein Ende, sondern viele andere Leute, die es nachmachen wollen.

  3. 21. April 2021 at 13:12 —

    @ Schreiberling und Fuchs

    Leider ist das Boxen nicht mehr der Zuschauermagnet, wie er es noch zu
    Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu seinem Ende noch war. Die UFC hat dem Boxsport längst den Rang abgelaufen. Die junge Generation hat gar kein Interesse mehr am Boxen. Denke das liegt auch am sehr schlechten Ruf des Preisboxen. Siehe geschobene Gefechte und erkaufte Urteile.

    Bin da ganz mit euch, für die Zukunft scheint es das neue Modell des Preisboxen zu sein. Floyd hat es allen vorgemacht, jetzt springen alle auf den Zug auf.

  4. 21. April 2021 at 14:05 —

    Solange es sich finanziell rentiert,werden die Gegner von Paul sich freiwillig hinlegen ,so wie der letzte Gegner,sportlich natürlich null wert 🤷🏻‍♂️Irgendwann ist der so populär das er auch große Kämpfe bekommt und dann hat er es eh geschafft 🙈🙈🙈wobei ich mir wirklich wünsche das er mal einen richtigen Boxer als Gegner bekommt,einen der ihm so in den Ar…..tritt das ihm ganz schnell die Lust an dieser Sportart vergeht

  5. 21. April 2021 at 15:04 —

    Naja, also erstmal werden bei Jake Paul natürlich auch andere Maßstäbe angelegt als bei anderen Boxern. Als AJ, Wilder oder auch die Söhne populärer Boxer wie Chris Eubank jr. oder Conor Benn ihre ersten drei Kämpfe gewannen, waren ihre Gegner – zumindest relativ zu den Skills der damaligen „Prospects“ – auch nicht besser als die ersten drei von Jake Paul. Dass man damit heutzutage zum PPV-Star werden kann, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

    Zumindest sind Eubank und Benn zu ernsthaften Boxern gereift irgendwann, auch wenn sie dem Hype irgendwann nicht mehr gerecht wurden bzw. werden. Eubank jr. hat verloren, Conor wird in absehbarer Zeit verlieren und Jake Paul natürlich auch. Aber warum soll Jake kein ernsthafter Kampfsportler werden? Zumindest nach der Physis zu beurteilen, scheint er das Training ernster zu nehmen als so mancher HW (der aus Köln zum Beispiel) und ich kann mir bspw. nicht vorstellen, dass er wie Jojo Diaz mit fünf Pfund Übergewicht in den Ring steigt. Und warum hat er mit Benjamin Flores den so ziemlich unglamurösesten Trainer der Welt verpflichtet und nicht einen Lautsprecher wie Freddie Roach oder Abel Sanchez? BJ war mir schon als Experte bei PBC immer sehr sympathisch, er war ein sehr erfolgreicher Amateur und weiß bestimmt, was ein Novize wie Paul an Training braucht, um das Boxen einigermaßen effektiv zu lernen.

    Wünschen würde ich mir als Gegner irgendwann mal einen erfahrenen Top-50 Cruiser wie vielleicht Durodola oder McCarthy, aber fürs Nächste wäre McGregor definitiv ein Upgrade.

    Ansonsten ein gewohnt guter und objektiver Artikel von schreiberling. Weder ist durch das Phänomen der Pauls oder auch eines Ryan Garcia das Boxen tot noch wird es dadurch auf einen Schlag zu neuem Leben erweckt. Es kommt einfach noch eine neue, zirkusmäßige Facette dazu. So furchtbar ist das nun auch wieder nicht – da finde ich das, was die WBA mit ihren „Champions“ veranstaltet, wesentlich besorgniserregender.

  6. 21. April 2021 at 20:51 —

    Woher die Follower und Buddies von Paul ihre Zuversicht nehmen? Kommt, ausser uns hier und noch ein paar wenigen Leuten draussen auf der Strasse oder in den Gyms versteht doch kein Mensch, was und wie Boxen eigentlich ist.

  7. 22. April 2021 at 09:35 —

    Die Dummheit der Schafe, welche ihren Hirten überall dorthin folgen, wo die Hirten sie gerne hätten. Selbst in den Schlachthof, nur um dort geschlachtet zu werden. Sie stehen bis zu ihrem letzten Gang zum Schafott gemeinsam auf der Wiese und anstatt sich gegen die Hirten aufzulehnen, pissen und kacken sie sich lieber gegenseitig in ihr eigenes Gehege und wundern sich darüber, dass es dort nun bis zum Himmel stinkt!

  8. 22. April 2021 at 12:34 —

    Ich frage mich, woher die Jake Paul-Fanboys diese Zuversicht nehmen.

    Schreiberling, ich hoffe der Satz war ironisch gemeint. Die Fans dieser YouTuber sind zu 99% Kinder, die haben keinen blassen Schimmer von der Sportart. Unabhängig davon werden solche Kirmes Veranstaltungen wohl oder übel der Maßstab und Weltklasse Boxer auf deren Undercards vertreten sein. Angeblich wurden 1.5 Mio. PPVs verkauft bzw. USD 75.000.000,00 generiert. Da wird die Kuh ohne Ende gemolken.

    P.S.:
    BJ Penn und Woodley sind ehemalige UFC Champions und deutlich bekannter als Askren.

  9. 22. April 2021 at 12:40 —

    @ Milanista82

    Champion war Askren auch: Bellator-Weltmeister im Weltergewicht und später ebenfalls bei One.

    Ironisch? Eher nein. Auch jemandem, der keine Ahnung vom Boxen hat, sollte einleuchten, dass es nicht ganz so leicht ist, Boxweltmeister zu werden.

    • 22. April 2021 at 13:46 —

      Schreiberling, danke für die Info. Ich hatte Askren nur in Erinnerung als er gegen Masvidal in 10 Sekunden brutal ausgeknockt wurde. Nichtsdestotrotz haben die von mir genannten eine deutlich höhere Strahlkraft als Ben. Sollten zumindest die gleichen PPV Zahlen abliefern.

      Kinder träumen halt gerne, verfallen in eine grenzenlose Euphorie, muss man nicht wirklich ernst nehmen. Wobei ich mich nicht wundern würde, wenn bei der WBC/WBA ein Gürtel bereits in Arbeit ist.

  10. 22. April 2021 at 14:50 —

    WBC-Präses Sulaiman hat sich doch vor einiger Zeit schon Gedanken gemacht, wie man Paul um einen (WM-) Titel boxen lassen könnte.

    Fake Paul ist so populär, da werden ihn irgendwann die Verbände kniefällig bitten, doch nen Titelfight zu machen.

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