Top News

Vorwürfe gegen den Boxverband BDB und das Management von Rafael Bejaran

Es kommt nicht selten vor, dass Boxer mit dem Ergebnis Ihrer Leistung nach einem Kampf nicht zufrieden sind. Geht ein Kampf verloren, ist man normalerweise selbstkritisch und überlegt, was man beim nächsten Mal verbessern kann. Aber was den Unterlegenen bei allem Verdruss über die Niederlage noch mehr ärgert, ist die Erkenntnis, dass der Kampf nicht regelkonform stattgefunden hat und er von Beginn an benachteiligt wurde.

Die Rede ist hier vom Kampf zwischen Rafael Bejaran und Landy Kore, der am 19. Juni im Hamburger Universum-Gym stattgefunden hat. Die Card war für deutsche Verhältnisse und diesen kleinen Rahmen recht gut besetzt. Es standen u.a. Felix Sturm gegen James Kraft, Senad Gashi gegen Hussein Muhamed und Vincent Feigenbutz gegen Nuhu Lawal im Ring.

Der Kampf zwischen Bejaran und dem in Dänemark lebenden Kore (gebürtig aus der Elfenbeinküste) hätte normalerweise kaum eine Erwähnung verdient. Um es klar zu sagen: es war kein besonders „schön“ anzusehender Kampf. Im ständigen Wechsel der Rollenverteilung sah es 8 Runden lang so aus, als wollte der Eine nicht und der Andere konnte nicht. Spektakuläre Aktionen suchte man vergebens. Bejaran schien auf Sicherheit boxen zu wollen und verhinderte durch häufiges abtauchen, dass ein richtiger Fight entstehen konnte. Kore fand ebenfalls keine Mittel, um den Fight halbwegs attraktiv zu gestalten. Am Ende hieß es 79:74, 77:75 und 79:76 für Bejaran. Wenn man genau hin sieht, wäre ein Draw dem Kampf vielleicht angemessener gewesen. Vor diesem Kampf lag Kore im Boxrec – Ranking etwa 100 Plätze vor Bejaran. Jetzt ist er auf #76, Kore auf #80.

Was Landy Kore seitdem wurmt, ist der laxe Umgang des Aufsicht führenden Verbandes BDB mit den eigenen Regeln. Wenn nichts anderes vereinbart ist, haben Boxer laut BDB-Regularien mit genau gleichen Handschuhen gegeneinander anzutreten. Das war nicht der Fall. Vor dem Kampf glaubte Kore, dass er eben solche Handschuhe bekommt wie Bejaran: Marke Everlast. Im Mittelgewicht sollten die Handschuhe 9 Unzen haben. Doch das war bei Kore nicht so. Erst kurz vor dem Kampf bekam er ein Paar einfache „Universum“-Gymhandschuhe ausgehändigt und dann ging es auch schon schnell in den Ring. Selbst 2 Wochen nach dem Kampf, also in völlig ausgetrocknetem Zustand, brachten diese Handschuhe 370g auf die Wage. Das entspricht ca. 13 Unzen. Wer unter diesen Bedingungen härter schlagen und wer vergleichsweise nur mit Wattebällchen werfen konnte, sollte klar sein. Ebenso klar sollte sein, dass das mit voller Absicht so eingefädelt wurde.

Keine Beschreibung verfügbar.

Kores US-Manager Shane Shapiro legte beim BDB schriftlichen Protest wegen der ungleichen Handschuhe ein. Er verlangte den nicht regelkonformen Kampf als NC zu bewerten und ein Rematch anzuordnen. Auf eine Antwort wartet Shapiro bis jetzt vergebens. Scheinbar besteht das BDB-Büro aus nur einem Telefon in Pütz`Sicherheitsfirma, das irgendwo in einer Abstellkammer steht, damit es ja keiner hört. Auf eine wenigstens stundenweise Anwesenheit einer Bürokraft scheint man zu verzichten.

Eine Nachfrage von Boxen.de bei Volker Grill (Vize-BDB.Chef) ergab auch nichts im Sinne von Kore. Eher im Gegenteil: Kore bekommt den „Schwarzen Peter“ zugeschoben. Er hätte die Handschuhe auch noch beim Ringrichter bemängeln können. Das hat er in der Aufregung direkt vor dem Kampf natürlich nicht gemacht. Im Übrigen ist es die Aufgabe des BDB, als Aufsicht führender Verband für faire Bedingungen zu sorgen. Kore wolle nur seine Niederlage nicht akzeptieren, hieß es weiter. Mittlerweile nimmt Kore seine Niederlage hin, möchte aber gerne ein Rematch gegen Bejaran. Das dann natürlich unter fairen Bedingungen. Aber hier stößt er bei Bejarans Management „Boxen im Norden“ auf taube Ohren.

Als „Ausgleich“ wurde ihm ein Kampf in Ungarn angeboten, an dem er kein Interesse hat. Weil er wegen dem Rematch nicht locker gelassen hat, ist der Kontakt von Seiten „Boxen im Norden“ völlig abgebrochen worden. Warum wohl? Wenn man meint Kore locker besiegt zu haben, sollte das doch auch ein zweites Mal möglich sein. Oder will man nicht fair kämpfen? Der Mann aus der Elfenbeinküste fühlt sich vorsätzlich betrogen und kommt sich reichlich veralbert vor. Mit der Niederlage gegen Bejaran hat er schließlich seine „0“ im Rekord verloren und sein Marktwert für geplante Kämpfe in den USA ist in den Keller gegangen.

Landry Kore hat 2 Fragen: Warum hat der BDB die eigenen Regeln außer Kraft gesetzt und warum kneift das Management von Bejaran vor einem Rematch?

Hier der Kampf:

Voriger Artikel

Boxen.de-Tippspiel +++ KW 33 +++ 20.08.2021 – 21.08.2021

Nächster Artikel

‚Canelo‘ gegen Plant, Beterbiev gegen Browne

5 Kommentare

  1. 20. August 2021 at 11:46 —

    Als Pütz beim BDB an die Macht kam hat er noch getönt das er in dem Sumpf aufräumen würde und das alles besser werden würde.
    Ich würde ja mal sagen, von dem oben erwähnten Kampf mal abgesehen, hat sich nicht viel geändert, bzw. teilweise wurde es noch schlechter beim BDB!

    Tja…und das Management von Bejaran kneift weil Bejaran eigentlich schon eine ganze Weile durch ist, der hätte die Boxhandschuhe schon längst an den berühmten Nagel hängen sollen.

    • 20. August 2021 at 13:41 —

      Das sich nichts geändert hat liegt wahrscheinlich daran das T. Pütz und sein Pütz-Sicherheitsdienst enorm von seiner Stellung beim BDB und der WBA profitiert hat.

      Geldgier kennt keine Grenzen. Schon gar nicht im Boxsport und seinen Profiteuren……………

  2. 20. August 2021 at 14:51 —

    Also ganz ehrlich: Außer im deutschen Markt ist die 0 im Kampfrekord doch einen feuchten Furz wert.
    Ich denke die Maske/Schulz Zeit, wo es tatsächlich unmündige Fanboy-Zuschauer gab, sind längst vorbei.. heutzutage haben 70-80% der Boxzuschauer halbwegs “Ahnung”.
    Die Leute wissen, was es heißt, wenn ein 28:0 Tom Schwarz gegen Tyson Fury boxt..

    Zu Kore: Es ist halt auch ein stückweit naiv auf einer solchen Veranstaltung zu boxen und Dinge wie Fairness, Gleichbehandlung, etc. zu erwarten. Als Auswärtsboxer wirst du, sofern möglich, ver**scht.
    Soll er in England boxen. Da hast du einen Markt, Fans, halbwegs faire Urteile usw.
    Da interessiert die 0 im Rekord auch niemand (z.B. Groves-Froch, beide ohne 0, in der Wembley Arena) . Da will man gutes Boxen sehen.

    • 20. August 2021 at 14:56 —

      Halbwegs faire Urteile in UK..?
      Terry O´Connor sei Dank sag ich da mal..

    • 20. August 2021 at 15:03 —

      Als Auswärtsboxer ist die Gefahr generell groß benachteiligt zu werden, sei es in Düsseldorf, Manchester, Quito oder Caracas..

Antwort schreiben