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Vorschau: Zaurbek Baysangurov vs Michel Soro

Wenn der WBO-Titel im Halbmittelgewicht am Samstag in der Ukraine auf dem Spiel steht, stehen zwar keine zwei Topleute der Gewichtsklasse im Ring, dennoch verspricht der Kampf Spannung. Der Russe Zaurkbek Baysangurov versucht dabei seinen Gürtel zu verteidigen, während sein französischer Herausforderer Michel Soro nicht nur den WM-Titel gewinnen möchte, sondern auch seine weiße Weste behalten möchte.

Der 22-Jährige aus Villeurbanne ist in achtzehn Profikämpfen noch ohne Niederlage und wird von der WBO auf Rang 5 geführt, auch wenn er noch nicht sonderlich viel im Ring dafür vollbracht hat. Alle seine Kämpfe fanden in Frankreich statt und nach namhaften Gegnern sucht man vergebens. Auch sein Sieg über David Makaradze, bei dem er den europäischen Titel der WBO gewann, kam gegen einen Gegner zustande, der gegen sehr durchschnittliche Kontrahenten fünf seiner letzten acht Kämpfe verloren hatte.

Zaurbek Baysangurov hat da schon das deutlich beeindruckenderere Resumé. Bereits in seinem fünfzehnten Profikampf besiegte der Russe Marco Antonio Rubio, der um einige Level höher einzustufen ist als alle Gegner Soros, deutlich nach Punkten. Zwar musste Baysangurov Ende 2008 einen gewaltigen Rückschlag hinnehmen, als er von Cornelius Bundrage in fünf Runden KO geschlagen wurde, doch Bundrage erwies sich daraufhin auch als Topmann und künftiger Weltmeister, und Baysangurov fand zurück in die Erfolgsspur mit mittlerweile sieben Siegen in Folge. Am imposantesten waren dabei wohl die Erfolge über Eromosele Albert, Frank Shabani und Richard Gutierrez. Als er letzten Juli den extrem schwachen Mike Miranda in einundfünfzig Sekunden schlug, gewann er zudem den Interimstitel der WBO.

Michel Soro wirkte in seinen bisherigen Kämpfen stark und präsentierte sich als Boxer mit schnellen Händen, guter Schlagkraft und einem enormen Selbstvertrauen in sein Können. Baysangurov besitzt einen recht gewöhnlichen osteuropäischen Stil. Er marschiert hinter einer hohen Deckung nach vorne, arbeitet viel mit dem Jab und lebt ansonsten von seiner guten Schlagkraft, die er sowohl zum Kopf als auch zum Körper zu nutzen weiß.

Während Soro auf Videos sehr gut aussah, bleibt nicht zu übersehen, dass er einen riesigen Sprung am Samstagabend macht. Kein einziger Gegner, den er bisher vor den Fäusten hatte, wird ihn auch nur annähernd auf einen Mann vom Kaliber Baysangurovs vorbereitet haben. Wenn Soros Promoter ihn in diesen Kampf schickt, wird er mit Sicherheit an seine Chancen glauben, doch dann bleibt es wiederum fraglich, warum der 22-Jährige zuvor so zaghaft aufgebaut wurde und von wahren Tests fern gehalten wurde.

Mir persönlich scheint Soro einen Stil zu besitzen, der Baysangurov durchaus Probleme bereiten könnte, da er wohl die athletischen Vorteile besitzen dürfte und den Russen damit mit seiner Beweglichkeit und seinen schnellen Händen ausboxen könnte, so dass mich ein Sieg des französischen Außenseiters nicht komplett überraschen würde. Doch der Unterschied an Ringerfahrung ist nicht zu unterschätzen, und es gab schon genügend Boxer, die gegen schwache Gegner hervorragend aussahen nur um dann bei ihrem ersten Härtetest einzuknicken und scheinbar keine der zuvor gezeigten Qualitäten mehr zu besitzen. Und da dieser Kampf der erste ernst zu nehmende Test für Soro ist, ist kaum vorher zu sehen, wie dieser sich schlagen wird, so dass ich doch im Endeffekt für einen Sieg für Zaurbek Baysangurov ausgehe, zumal er in der Ukraine vor heimischem Publikum boxt und Soro das erste Mal als Profiboxer Frankreich verlässt.

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