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Vorschau: Zab Judah vs. Jose Armando Santa Cruz

Mehr als sechs Jahre nachdem er ins Weltergewicht hochging um dort später Weltmeister zu werden, kehrt Zab Judah am Freitagabend ins Halbweltergewicht zurück, wo er zweifacher Weltmeister mit neun Titelkämpfen war. Sein Gegner in New Jersey ist der 29-jährige ehemalige Leichtgewichtsweltmeister Jose Armando Santa Cruz.

Zab Judah war bei den meisten schon fast abgeschrieben, nachdem er zuletzt alle seine größeren Kämpfe verlor. Als er Cory Spinks drei Weltergewichtstitel abgenommen hatte, gab er sie wenig später in der größten Überraschung des Jahres 2006 an Carlos Baldomir ab. Niederlagen gegen Floyd Mayweather und Miguel Cotto folgten, woraufhin Judah sich erstmal wieder Aufbaukämpfe gönnte, bevor er gegen Joshua Clottey seinen nächsten Titelkampf bestritt. Judah verlor eine technische Punktentscheidung nach neun Runden in einer enttäuschenden Vorstellung. Nicht nur gegen Clottey, sondern auch beispielsweise gegen Cotto sah „Super“ Judah viel zu klein für’s Weltergewicht aus, und es dürfte ein kluger Schritt sein zurück ins Halbwelter zu gehen, auch obwohl, oder gerade weil dort im Moment eine unheimliche Leistungsdichte herrscht.

Seinen ersten Schritt bestreitet er dort aber nicht gegen einen Boxer aus der absoluten Spitze, sondern gegen Jose Armando Santa Cruz, der, aus dem Leichtgewicht kommend, seinerseits ebenfalls zum ersten Mal richtig in der Gewichtsklasse boxt. Santa Cruz gewann 2006 die Interimsversion des WBC-Gürtels im Leichtgewicht, ist aber wohl am bekanntesten dafür, dass er der Meinung vieler Leute nach den „echten“, linearen Leichtgewichtstitel hätte gewinnen sollen, als die Punktrichter ihn nach einem guten Kampf knapp gegen den Kubaner Joel Casamayor hinten sahen, der zuvor den linearen Titel von Diego Corrales gewonnen hatte. Zuletzt feierte Santa Cruz Siege gegen Durchschnittsleute und erlitt eine KO-Niederlage gegen Antonio Pitalua.

Zab Judah wurde nicht ganz umsonst von Max Kellerman mal als „Pernell Whitaker mit Punch“ beschrieben, auch wenn diese Charakterisierung rückblickend natürlich mehr als fragwürdig ist. Aber als Talent und junger Weltmeister sah Judah einfach fantastisch aus. Übermenschliche Schnelligkeit, tolle Reflexe und enorme Schlagkraft ließen einen schon zu solchen Übertreibungen leiten. Was man damals noch nicht erahnen konnte, war seine äußerst zerbrechliche Psyche. Selbst wenn es gut für ihn lief, brach er manchmal nach einigen Runden ein, weil er seinen Gegner nicht ausknocken konnte, ganz zu schweigen davon, wenn es von Anfang an nicht gut für ihn lief. Judah besitzt immer noch einen Großteil seiner außergewöhnlichen athletischen Begabung, wie er in seinen letzten beiden Kämpfen gegen Aufbaugegner bewies, doch, wenn er es psychisch nicht auf die Reihe bekommt, nützt ihm auch das größte körperliche Talent wenig.

Santa Cruz hingegen ist nicht der allertalentierteste Boxer, sondern lebt eher von seinem Willen und seiner Aggressivität. Er legt ein hohes Tempo vor, auch wenn er dies in manchen Kämpfen nicht durchhalten konnte, und wird von Anfang an versuchen Judah rückwärts zu drängen. An Schnelligkeit ist er Judah um Welten unterlegen und auch die größere Schlagkraft dürfte Zab gehören. Zudem könnte Judahs Rechtsauslage Santa Cruz Probleme bereiten. Dessen Chance liegt wohl in der Beharrlichkeit. Kann Santa Cruz die erste Runden problemlos überstehen und möglicherweise eng gestalten, scheint es beinahe unumgänglich, dass Judah seinen Faden verliert und einbricht.

Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass es so weit kommt. Das Halbweltergewicht sollte Zab Judah entgegen kommen, und ich glaube, dass er einfach zu gut sein wird für Santa Cruz. Die blitzschnellen linken Geraden sollten reihenweise ihr Ziel finden, und es würde mich überraschen, wenn Santa Cruz, der nicht unbedingt für ein gutes Kinn bekannt ist, sie lange schlucken könnte. Ich glaube, dass Judah noch einiges zu beweisen hat, und eine imposante Vorstellung liefern wird, wenn er Jose Santa Cruz innerhalb der ersten fünf Runden stoppt.

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