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Vorschau: Yudel Jhonson vs Willie Nelson

Der ungeschlagene kubanische Halbmittelgewichtler Yudel Jhonson will am Freitagabend seinen dreizehnten Profisieg einfahren. In Las Vegas trifft der 30-Jährige auf einer vom US-Sender Showtime übertragenen Veranstaltung auf US-Amerikaner Willie Nelson.

Nelson hat in seiner sechsjährigen Karriere bislang noch nicht für viel Aufsehen gesorgt. Der 25-Jährige, mit dem Namen des bekannten Country-Sängers, steht momentan bei 17 Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage. Dabei war er ein guter Amateurboxer, doch als Profi wirkte er ein wenig zu inkonstant für die Weltspitze. Seine einzige Niederlage kassierte Nelson vor 13 Monaten, als Vincent Arroyo ihn drei Mal zu Boden schickte und dadurch knapp nach Punkten gewann. Am Überzeugendsten wirkte er hingegen im Juni 2010, als er Journeyman Jesse Feliciano, welcher schon mit einigen Größen des Sports den Ring teilte, in nur einer Runde KO schlug.

Yudel Jhonsons Name hingegen war schon mit dem Beginn seiner Profikarriere auf den Lippen vieler Boxfans. Sein hervorragender Amateurhintergrund, der unter anderem eine olympische Silbermedaille beinhaltet, machte ihn direkt mit seiner Flucht aus Kuba, die er zusammen mit Guillermo Rigondeaux und Yordanis Despaigne unternahm, zu einem hoch gehandelten Talent im Profibereich. Obwohl er dort bislang nicht immer ausnahmslos überzeugen konnte, ist er in zwölf Kämpfen noch unbesiegt, und ist bei der WBC unter anderem schon in der Top 15 gelistet. Auch in seinem besten Sieg – im März 2011 stoppte er Richard Gutierrez in sieben Runden – wirkte er über weite Strecken nicht besonders gut und beinahe uninteressiert. Dennoch ist sein Talent unbestritten.

Jhonson ist dank der kubanischen Amateurschule technisch hervorragend ausgebildet und mit seiner enormen Erfahrung sehr ruhig und relaxt im Ring. Zudem besitzt er ordentliche Schlagkraft, was auch seine acht KO-Siege attestieren. Doch seine große Schwäche war als Profi bisher, dass er oft zu passiv und zu ruhig agierte und sich in der Defensive zurückzog. Er scheint stark anfällig dafür zu sein durch Aktivität ausgepunktet zu werden, da er selber seine Fäuste nur wenig fliegen lässt und immer auf den perfekten Moment zu warten scheint.

Willie Nelson ist mit 1,91 Meter sehr groß für einen Halbmittelgewichtler und überragte beim Einwiegen Jhonson um einen ganzen Kopf. Zudem besitzt er entsprechend lange Arme, die er auch einigermaßen einzusetzen weiß. Er ist technisch solide und besitzt recht schnelle Fäuste, ist aber insgesamt nicht auf dem boxerischen Niveau vom Kubaner.

Jhonson gilt daher zu Recht als Favorit, doch gerade die Passivität, die er zu häufig an den Tag legt, könnte ihm gefährlich werden. Wenn Nelson aus der Distanz boxt und einfach immer wieder mit geraden Schlägen agiert, könnte das ein Erfolgsrezept für ihn werden. Er muss den Kubaner auf einer Distanz halten, auf der er keine Chance hat perfekte Kontermöglichkeiten zu bekommen, und gleichzeitig eine hohe Workrate mitbringen um die Runden zu stehlen. Ich glaube, dass hier tatsächlich Potenzial für einen Überraschungssieg des US-Amerikaners besteht, vor allem wenn Jhonson immer noch nicht gelernt hat offensiv mehr Aktionen zu bringen, doch trotzdem sehe ich Jhonson im Normalfall noch leicht vorne. Er ist einfach insgesamt der bessere Boxer und wird wohl klug genug sein um gerade genug für einen Sieg zu tun. Im Endeffekt rechne ich mit einem überraschend knappen Punktsieg für den 30-Jährigen, in dem ihm Nelson lange Zeit das Leben mit cleverem Distanzboxen schwer machen wird.

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