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Vorschau: Victor Ortiz vs Lamont Peterson

Im Vorprogramm zum Halbweltergewichtstopkampf zwischen Amir Khan und Marcos Rene Maidana kommt es zu einem Showdown zwischen zwei Leuten, die sich ein wenig im zweiten Glied einreihen mussten nach Niederlagen gegen Top-140-Pfunder. Victor Ortiz und Lamont Peterson versuchen sich wieder ins Gespräch für größere Aufgaben zu bringen nachdem sie bei ihrer letzten großen Aufgabe jeweils scheiterten.

Ortiz unterlag vor anderthalb Jahren eben jenem Marcos Maidana, der nun gegen Amir Khan ran darf, in einem wahren Shootout. Ortiz hatte den Argentinier damals drei Mal am Boden, musste jedoch auch zwei Mal selber runter, und wurde schließlich in der sechsten Runde aus dem Kampf genommen. Viel Kritik hagelte damals nach dem Kampf auf den inzwischen 23-Jährigen ein, der von vielen Seiten zuvor zum kommenden Superstar glorifiziert worden war. Die Art und Weise, wie Ortiz sich direkt nach dem Kampf im Interview gab, ließ nicht auf viel Kämpferherz schließen, und brachte ihm den Ruf eines „Quitters“, jemanden, der schnell aufgibt, ein. Ortiz führte seine Boxkarriere aber unbeirrt fort, und hat inzwischen vier Siege in Folge nach seiner einzigen echten Niederlage gefeiert. Mit Nate Campbell und Vivian Harris bezwang er zuletzt zwei ehemalige Weltmeister. Lamont Peterson soll nun der letzte Schritt für ihn sein um wieder auf das Niveau zurückzukehren, das ihn an seinen Titelkampf mit Maidana brachte.

Lamont Peterson erlitt seine einzige Niederlage im Titelkampf gegen Timothy Bradley, dem wohl derzeit besten Halbweltergewichtler der Welt. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Bradley ihn n der dritten Runde einmal am Boden und schlug ihn im Endeffekt klar nach Punkten. Peterson hatte sich zuvor einen steinigen Weg hoch gekämpft. Zusammen mit seinem Bruder Anthony lebte er als 10-Jähriger ohne Eltern auf der Straße bis sich ihr späterer Trainer Barry Hunter ihrer annahm und sie zu dekorierten Amateurboxern machte. Lamont Peterson zeigte auch im Profibereich viel Potenzial und baute einen lupenreinen Kampfrekord bis zum Bradley-Kampf auf. Bradley zeigte ihm jedoch die Grenzen auf, auch wenn Peterson viele Runden eng gestalten konnte und nie völlig fehl am Platz wirkte. Im April dieses Jahres meldete er sich nach der Niederlage mit einem Sieg gegen Aufbaugegner Damian Fuller zurück.

Ebenso wie für Ortiz geht es auch für Peterson in diesem Kampf um viel. Der Verlierer verschwindet erst einmal aus der Diskussion um würdige Herausforderer, während dem Gewinner die Türen wieder offen stehen dürften, vor allem, sollte es ein eindrucksvoller Sieg sein. Peterson geht in den Kampf mit einem Reichweitenvorteil von etwa 10 Zentimetern. Er hätte die Möglichkeit lang zu boxen und sich Ortiz vom Hals zu halten, aber Lamont boxt grundsätzlich eher in der Halb- und Nahdistanz und wird das wohl auch gegen Ortiz nicht ändern. Peterson hat schnelle Hände, gute Technik und einen exzellenten Jab, mit dem er einem Kampf seinen Stempel aufdrücken kann, wenn er ihn regelmäßig einsetzt. Viel Schlagkraft steht ihm nicht zur Verfügung, aber bei einer hohen Anzahl von Treffern kann er durchaus seine Spuren hinterlassen.

Ortiz hingegen kann ordentlich zulangen, was nicht nur der Kampf gegen Maidana mit seinen vielen Niederschlägen bewies. Er besitzt zudem ebenfalls sehr schnelle Fäuste und ist auch technisch sehr ordentlich geschult. Auch Ortiz kann gut von außen boxen, tendiert aber dazu seine Kämpfe zu Schlachten werden zu lassen, was ihm gegen Maidana zum Verhängnis wurde. Man könnte meinen aus diesem Kampf ein schlechtes Kinn bei Ortiz schlussfolgern zu können, aber die Schläge, die Maidana landen konnte, hätten die meisten Boxer der Gewichtsklasse niedergeschlagen.

Beide Boxer sind anfällig für rechte Geraden. Ortiz kassierte jede Overhand Right von Maidana, Peterson konnte vor allem in der Anfangsphase kaum einer rechten Geraden von Timothy Bradley aus dem Weg gehen. Ortiz schlägt jedoch als Rechtsausleger keine rechten Geraden, und die rechte Gerade ist auch nicht unbedingt die große Stärke von Lamont Peterson. Peterson boxt dafür zu wenig aus der Distanz, und gefällt mir persönlich sowieso am besten, wenn er extensiv zum Körper arbeitet. Ortiz hingegen dürfte gegen Peterson den meisten Erfolg mit seinen blitzschnellen linken Geraden haben.

Ich halte den Kampf für durchaus interessant und offen, auch wenn Ortiz für mich als Favorit gelten muss. Seine Psyche und sein Wille in schwierigen Situationen dagegen zu halten, muss immer noch ein wenig in Frage gestellt werden, aber im Boxerischen sehe ich ihn in etwa gleichauf mit Peterson, wenn nicht noch einen Hauch besser. Den wirklichen Unterschied macht für mich die überlegene Schlagkraft von Ortiz. Bei ungefährer Ausgeglichenheit in allen anderen Aspekten macht es einen großen Unterschied, wer härter zuschlagen kann, und damit die Treffer mit mehr Wirkung erzielen kann. Ich würde nicht darauf wetten, dass er Peterson ausknockt, aber, wenn dieser die Power von Ortiz immer wieder spürt, wird er das kleine bisschen vorsichtiger werden, was im Endeffekt den Ausschlag geben wird. Mein Tipp ist ein Punktsieg für „Vicious“ Victor Ortiz.

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