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Vorschau: Vic Darchinyan vs Abner Mares

Das zweite Halbfinale im Bantamgewichtsturnier von Showtime verspricht nicht weniger interessant zu werden als der Rückkampf zwischen Yonnhy Perez und Joseph Agbeko. Vic Darchinyan, der stets für aufregende Kämpfe sorgt, trifft auf Abner Mares, die Nummer Vier des Ring Magazines im Bantamgewicht, und eines der größten Talente des Boxsports heutzutage.

Vic Darchinyan macht erst seinen dritten Kampf im Bantamgewicht. Der Ex-Fliegen- und vereinigte Superfliegengewichtschampion stieg 2009 im Gewicht auf um Joseph Agbeko herauszufordern, aber verlor nach Punkten. Vor sieben Monaten ging er dann wieder ins Bantamgewicht hoch, nachdem er zwischendurch seine Superfliegengewichtstitel noch zweimal verteidigt hatte. In einem Aufbaukampf besiegte er Eric Barcelona dominant nach Punkten. Doch Abner Mares ist womöglich der beste Gegner, den Darchinyan bisher im Bantamgewicht vor den Fäusten hatte.

Der 25-jährige Mexikaner ist in 21 Profikämpfen ungeschlagen, und bestritt zuvor eine sehr erfolgreiche Amateurkarriere, in der seinen 112 Siegen (84 KOs) nur acht Niederlagen gegenüber standen. Der einzige Makel auf seinem professionellen Kampfrekord stammt aus seinem letzten Kampf, als er im Titelkampf gegen Yonnhy Perez nur ein Unentschieden bekam, während die meisten Zuschauer ihn leicht vorne gesehen hatten.

Abner Mares ist schon sehr weit für sein Alter und ein beinahe kompletter Fighter. Er ist technisch sehr stark, fühlt sich in jeder Distanz komfortabel, ist schwerer zu treffen, als man es auf den ersten Blick denken könnte, und besitzt, wie er gegen Perez bewiesen hat, jede Menge Kämpferherz, Willen und Toughness. Er ist kein überragender Puncher, schlägt aber hart, und vor allem präzise genug um seinem Gegner Respekt einzuflößen und ihn unter Umständen auf die Dauer zu zermürben. Zudem hat er ziemlich schnelle Hände. Eindeutige, gravierende Schwächen sind bei ihm nicht wirklich erkennbar.

Die eigentlich größte Schwäche von Vic Darchinyan ist oft auch gleichzeitig eine seiner größten Stärken. Der in Australien lebende Armenier ist technisch nicht wirklich beschlagen, und kann dementsprechend von besser ausgebildeten Boxern ausgeboxt werden. Allerdings hilft ihm seine unorthodoxe Art und Weise zu boxen auch sehr oft, da er dadurch unberechenbar wird und er seine Gegner mit unerwarteten Angriffen aus unerwarteten Positionen überrascht. Der technisch hervorragende Cristian Mijares fand beispielsweise überhaupt kein Rezept für Darchinyan und verlor Runde um Runde um schließlich ein Opfer von Darchinyans größter Stärke, seiner Schlagkraft zu werden.

Dass die teils wilde Art des Armeniers auch für ihn gefährlich sein kann, bewies Nonito Donaire, der Darchinyan 2007 sensationell KO schlug, als Darchinyan wieder einmal unorthodox und ohne Deckung in den Gegner rein sprang. Ein weiteres Problem für ihn könnte es sein, dass seine Schlagkraft anscheinend im Bantamgewicht nicht denselben Effekt hat wie noch im Superfliegengewicht. Joseph Agbeko, der zwar für ein sehr gutes Kinn bekannt ist, aber auch gleichzeitig ziemlich offen für die Bomben von Darchinyan war, zuckte nicht einmal mit der Wimper bei denselben Treffern, die eine Gewichtsklasse tiefer die Gegner reihenweise umfallen ließen. Auch mit Eric Barcelona musste Darchinyan zuletzt über die volle Distanz, auch wenn Barcelona immerhin insgesamt drei Mal zu Boden musste.

Darchinyan sollte nicht davon ausgehen, dass Abner Mares direkt beim ersten Volltreffer zu Boden geht, dafür besitzt er ein zu gutes Kinn, und er wird darauf achten müssen nicht so offen wie so oft zu sein, da Mares die nötige Mischung aus gutem Auge, Präzision und ordentlicher Schlagkraft besitzt um das zu bestrafen.

Ein gutes Rezept für Darchinyan könnte es sein viel zum Körper zu gehen um ihm die Energie zu rauben seine Beine konstant zu benutzen. Denn Mares, als derjenige mit Reichweitenvorteilen, sollte meiner Meinung nach die meiste Zeit lang boxen, auch wenn er in der Halbdistanz ebenso effektiv ist. Darchinyans Rechtsauslage könnte ein Problem für Mares darstellen, aber unvorbereitete rechte Geraden sind stets eine effektive Waffe gegen Rechtsausleger, und Mares schlägt sehr starke rechte Geraden.

Mares sollte meiner Meinung nach mit dem Jab die Distanz wahren, und die wilden Angriffe von Darchinyan hart abkontern, wie es Nonito Donaire damals auch tat. Allerdings glaube ich, dass sich Mares in eine Schlacht hineinziehen lassen wird, und seine Reichweitenvorteile aufgeben wird. Das wird zwar nicht in seinem besten Interesse sein, aber ich denke, dass er auch in so einem Fall die Oberhand behalten wird. Mares ist boxerisch einfach eine Liga besser als Darchinyan, auch wenn ihm die Erfahrung seines Gegners fehlt, und er auch auf dessen Schlagkraft Acht geben muss. Ich halte ihn aber für intelligent genug, dass er den harten linken Geraden von Darchinyan die meiste Zeit aus dem Weg gehen wird um am Ende eine einigermaßen klare Punktentscheidung einzufahren. Darchinyans Chancen, die definitiv bestehen, liegen unterdessen darin den einen Volltreffer zu landen, der beim Mexikaner die Lichter ausknipst, oder darin, dass Mares einfach keinen Weg findet mit Darchinyans ungewöhnlichem Boxstil umzugehen, wobei ich Letzteres für unwahrscheinlich halte.

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