Top News

Vorschau: Vanes Martirosyan vs Troy Lowry

Einen enttäuschend leichten Aufbaukampf bestreitet am Samstagabend in Texas Vanes Martirosyan. Der ungeschlagene 25-Jährige boxt gegen den 41-jährigen US-Amerikaner Troy Lowry und verteidigt dabei seinen WBC-Silbertitel im Halbmittelgewicht.

Martirosyan, der schon seit einiger Zeit als Talent gilt, schien eigentlich schon längst weiter in seiner Karriere fortgeschritten zu sein, als dass er noch Gegner vom Format Lowrys vorgesetzt bekommen müsste, da er schon vor drei Jahren schwerere Tests im Ring bestand. So schlug er 2009 beispielsweise Billy Lyell, Andrey Tsurkan und Willie Lee, die damals alle gute Maßstäbe für sein Leistungsvermögen waren. Im Jahr darauf besiegte er dann erst Ex-Weltmeister Kassim Ouma und dann den ungeschlagenen Joe Greene. Die Zeichen standen auf einen baldigen WM-Kampf für den aus Armenien stammenden US-Amerikaner, und nach einem kleinen Aufbaukampf kam es dann 2011 immerhin zu einem Kampf mit Saul Roman um den vakanten Silbertitel der WBC, der jedoch nicht viel mehr Bedeutung hat als eine Art Vorrangsstellung den echten Weltmeister herausfordern zu dürfen. Dieser ist derzeit der junge Mexikaner Saul „Canelo“ Alvarez, doch Martirosyans Team scheint es noch für zu früh zu halten diesen Weg zu wählen. Anders sind der letzte Kampf, in dem er Richard Gutierrez besiegte, sowie die Ansetzung gegen Lowry kaum zu erklären, da sie von der Qualität der Gegner her klare Rückschritte sind.

Denn Troy Lowry hat mit 41 Jahren nicht nur seine besten Jahre bereits hinter sich, sondern war selbst in seinen besten Jahren nie ein besonders guter Boxer. Elf Niederlagen hat er inzwischen in 39 Kämpfen angesammelt, davon sechs in den letzten sieben Kämpfen. Sein Sieg im letzten September über Travis Loveless war tatsächlich sein allererster Sieg seit mehr als sechs Jahren. Schon vor anderthalb Jahren brauchte der damals 20-jährige Dominic Wade in seinem achten Profikampf nur eine Runde um Lowry KO zu schlagen. Warum jemand wie Martirosyan, der talentiert ist und schon viel härtere Tests bestanden hat, so einen Gegner zu diesem Zeitpunkt braucht, außer um seine Fanbase weiter auszubauen, wird das Geheimnis seines Teams bleiben.

Bei mir persönlich stellt sich bei solch einem Matchmaking die Frage, ob Martirosyan unter Umständen wirklich einfach nicht so gut ist wie er teilweise in seinen Kämpfen aussah, und ob er im Training stagniert oder sich sogar zurück entwickelt. Es wäre mit Sicherheit nicht das erste Mal, dass ein Boxer am Anfang seiner Karriere überzeugt, ein paar Stolpersteine überwindet und sich dann plötzlich für gut genug hält ohne den nötigen Ernst im Training seine Kämpfe zu gewinnen. Schon einige Talente scheiterten dann nachdem sie ein paar Jahre lang stagnierten an ihrem nächsten harten Test oder sogar unerwartet gegen angebliches Fallobst. Ein wenig Anlass zu solchen Spekulationen geben auch seine letzten beiden Kämpfe. So musste er in seinem vorletzten Kampf gegen Saul Roman, den er eigentlich locker hätte in Schach halten müssen, in der ersten Runde zu Boden, und gegen Richard Gutierrez gelang es Martirosyan nicht das ausgemachte Catchweight von 156 Pfund, was immerhin noch zwei Pfund über seinem gewöhnlichen Halbmittelgewichtlimit liegt, zu bringen. Er brachte zweieinhalb Pfund zu viel auf die Waage und sah grundsätzlich nicht austrainiert aus.

Insofern finde ich den Kampf besonders unter einem Aspekt interessant: Wie gut präsentiert sich Vanes Martirosyan am Samstagabend? Selbst wenn er in schlechter Verfassung auftaucht, sollte man nicht davon ausgehen, dass Troy Lowry den Kampf gewinnen kann, denn dafür ist der Klassenunterschied schlichtweg zu gewaltig. Doch die Art und Weise wie Martirosyan den Kampf gewinnt sollte einige Rückschlüsse ziehen lassen und die leise tönenden Alarmglocken, die durch das Herausfordern aller möglicher Topgegner der Gewichtsklasse durch Martirosyan, aber das Ablehnen aller halbwegs fordernden Kämpfe durch sein Team, sowie durch seine letzten Leistungen entstanden sind, entweder verstummen oder lauter werden lassen.

Voriger Artikel

Ovill McKenzie schlägt Tony Dodson in drei Runden KO

Nächster Artikel

Vorschau: Julio Cesar Chavez Jr. vs Marco Antonio Rubio

Keine Kommentare

Antwort schreiben