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Vorschau: Tony Bellew vs Roberto Feliciano Bolonti

Hin und wieder kommt es vor, dass ein hoch gehandelter Boxer auf einen unbekannten Gegner trifft, welcher als Kanonenfutter für das gepriesene Talent betrachtet wird, sich dann aber als unterschätztes Überraschungspaket erweist und den Favoriten schockt. Kann der bereits 33-jährige Argentinier Roberto Feliciano Bolonti am Samstagabend in Nottingham eine dieser Überraschungen erzielen oder wird Tony Bellew seiner Favoritenrolle gerecht und schickt den unbekannten Südamerikaner mit einer Niederlage nach Hause?

Mehr als sieben Jahre ist Roberto Feliciano Bolonti jetzt bereits Profiboxer, doch am Samstag schnürt er zum ersten Mal die Boxhandschuhe außerhalb Argentiniens. In 31 Profikämpfen in seiner Heimat hat der „La Bestia“ genannte Halbschwergewichtler 30 Siege eingefahren bei lediglich einer Niederlage, die er sich in seinem fünften Profikampf einfing. Vergeblich sucht man in seinem Kampfrekord jedoch nach bekannten Namen und Gradmessern. Einige Gegner wie Jose Hilton Dos Santos oder Jose Alberto Clavero kennt man aus Niederlagen gegen Boxer wie Eduard Gutknecht, Sebastian Zbik, Anthony Mundine oder Paul Briggs, doch wirklich vorbereiten können diese Art für einen Kampf gegen größere Kaliber nicht.

Zu diesen größeren Kalibern gehört Tony Bellew inzwischen. Der 29-jährige Brite hat durch kontinuierlich gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und wird vom Ring-Magazin beispielsweise mittlerweile auf Platz 10 der Welt im Halbschwergewicht geführt. Mit Siegen über Bob Ajisafe und zwei Mal über Ovill McKenzie empfahl er sich für einen Titelkampf mit Nathan Cleverly, in dem er sich sehr gut verkaufte, auch wenn er durch eine Mehrheitsentscheidung seine erste Niederlage kassierte. Seitdem meldete er sich mit zwei vorzeitigen Siegen über Danny McIntosh und Edison Miranda zurück.

Bellew ist groß gewachsen, schnell mit den Händen, und technisch beschlagen. Er boxt aggressiv und mit hohem Tempo. Er besitzt gutes Timing und Distanzgefühl und ist in der Defensive durchaus überraschend beweglich im Oberkörper, auch wenn seine Deckung nicht die kompakteste ist.

Roberto Bolonti erinnert an die meisten Argentinier, die in den letzten Jahren als Unbekannte nach Europa oder in die USA reisten um dort gegen bekanntere Namen ihr Glück zu versuchen. Er ist hart im Nehmen, physisch stark, aggressiv und mit einem harten Punch gesegnet. Zwar hat er nur eine KO-Quote von knapp über 60 Prozent, jedoch liegt das wohl daran, dass er erst spät zu seiner Schlagstärke fand und zuletzt 11 seiner 13 Gegner KO schlug. Er wirkt etwas wild und technisch nicht so ausgereift wie Bellew und ist auch nicht ganz so schnell mit den Händen. Dafür ist er ein wenig unberechenbar, wenn er in der Halbdistanz wilde Kombinationen schlägt. Zumeist versucht er jedoch hinter seinem Jab die lange rechte Gerade vorzubereiten.

Alleine schon aufgrund seines sehr guten Punches muss man dem Argentinier am Samstag durchaus eine Chance einräumen. Wenn er klar durchkommt, hat er sicherlich die Möglichkeit Bellew zu beeindrucken, doch insgesamt scheint mir der Engländer der bessere Boxer zu sein, der zudem auch seinerseits über ordentliche Schlagkraft verfügt. Bolonti verfügt möglicherweise über das Potential mit Leuten aus der erweiterten Weltklasse mitzuhalten, jedoch hat ihn seine bisherige Karriere nur sehr unzureichend darauf vorbereitet, und der Vorteil in Sachen Erfahrung auf hohem Niveau wiegt in dieser Ansetzung, in der Bolonti zudem das erste Mal weit weg von zu Hause boxt, schwer. Daher denke ich, dass wir keine Überraschung erwarten sollten. Tony Bellew wird meiner Meinung nach den Sieg einfahren und, je nachdem wie zäh sich der ungetestete Argentinier erweist, recht eindeutig über die Punkte oder sogar vorzeitig gewinnen.

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3 Kommentare

  1. SergioMartinez
    16. November 2012 at 15:30 —

    Die Boxveranstaltung in Argentinien sind nicht auf dem Niveau wie in Deutschland England oder der USA(dass hier zwei aus einem anderen Land boxen erlebt man zugut wie nie). Die besten Kaempfen steigen auch nur in der ganz nierdigen klassen. Hier in Argentinien wird man 100 mal leichter Profi als in Deutschland es ist meistens einem Selbst ueberlassen, man muss niemanden gross ueberzeugen. Die Fabox ist total locker drauf, dem entsprechend sind die Gagen hier auch sehr niedrig.
    Eigentlich kann hier jeder Profi werden deswegen gibts auch ein riesen haufen Flaschen, die man besiegen kann.

  2. johnny l.
    16. November 2012 at 15:37 —

    „Mit Siegen über Bob Ajisafe und zwei Mal über Ovill McKenzie empfahl er sich für einen Titelkampf mit Nathan Cleverly, in dem er sich sehr gut verkaufte, auch wenn er durch eine Mehrheitsentscheidung seine erste Niederlage kassierte.“

    allerdings, cleverly sah bei diesem kampf nicht besonders gut aus und hat m.e. nur mit sehr viel glück gewonnen. wenn man diesen kampf als massstab nimmmt, kann ich die vielen kritischen kommentare zu cleverly gut verstehen.

  3. JohnnyWalker
    16. November 2012 at 16:38 —

    Was kann den Cleverly dafür, dass die Punktrichter bzw. Warren da ihren Trumpf auspielen? Fakt ist er war zu diesem Zeitpunkt schon WM und so einem Bonus haste dann eben, wenn es eng wird. Ich hab den Kampf Unentschieden gesehen, mit Tendenz zu Cleverly. Andere verlieren das Urteil und werden als Lusch.en verhöhnt. Für so nen jungen Boxer wie Cleverly, war ist das im Normalbereich der Leistungsschwankungen. Bellew ist viel zu schnell angegangen und hat versucht das Tempo von Cleverly mitzugehen und nach dem ersten Wirkungstreffer hatte er geglaubt das geht so weiter, am Ende hingegen konnte Bellew kaum noch zusetzen und war auf einzelne Angriffe bzw. den Lucky Punch aus. Das hat sich auch auf den Punktzetteln bemerkbar gemacht.

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