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Vorschau: Tony Bellew vs Danny McIntosh

Im Kampf um den britischen Halbschwergewichtstitel treffen zwei Boxer aufeinander, die etwas zu beweisen haben, nachdem sie jeweils ihren letzten Kampf verloren haben. Tony Bellew kassierte seine erste Niederlage, als er im Kampf um den WM-Titel der WBO umstritten nach Punkten gegen Nathan Cleverly verlor, während Danny McIntosh seinen europäischen Titel an Eduard Gutknecht abgeben musste, als er diesem in acht Runden unterlag. In Liverpool wollen beide Boxer am Freitagabend wieder auf den richtigen Weg finden.

Tony Bellew wechselte nach einer guten Amateurkarriere, in der sich dank seiner vielen KO-Siege den Spitznamen „Bomber“ verdiente, 2007 ins professionelle Lager. Dort bestritt er den üblichen Weg über Aufbaugegner bis hin zu bekannteren Namen und blieb in seinen ersten sechzehn Kämpfen ohne Niederlage. Unterwegs gewann er den Commonwealthtitel und verteidigte ihn unter anderem zwei Mal gegen Ovill McKenzie. Während er im ersten Duell gegen den erfahreneren gebürtigen Jamaikaner noch arge Probleme hatte und in den ersten beiden Runden zu Boden musste, ehe er McKenzie in der achten Runde stoppte, boxte er im Rückkampf vorsichtiger, aber auch klüger, und gewann problemlos nach Punkten. Die Titelchance folgte gegen den walisischen WBO-Weltmeister Nathan Cleverly, und obwohl viele Leute ein Unentschieden sahen oder Bellew sogar vorne hatten, gewann Nathan Cleverly auf den Punktkarten durch eine Mehrheitsentscheidung.

Auch Danny McIntosh hat bereits Bekanntschaft mit Nathan Cleverly gemacht, wenn auch zwei Jahre vorher. In zehn Profikämpfen ungeschlagen boxte McIntosh gegen den Waliser um den vakanten britischen Titel im Juli 2009. Cleverly schickte ihn zwei Mal in der zweiten Runde, sowie jeweils einmal in der dritten und siebten Runde zu Boden und fügte ihm schließlich die erste Niederlage durch einen TKO in Runde Sieben zu. Doch McIntosh lernte aus der Niederlage und holte gleich im nächsten Kampf den britischen Titel zurück, den er zuvor bereits einmal besessen hatte, indem er den Veteran Tony Oakey in gerade einmal zwei Runden KO schlug. Und Anfang 2011 fügte er den europäischen Titel seiner Sammlung hinzu. Der Franzose Thierry Karl stellte sich als keine all zu hohe Hürde heraus, und McIntosh gewann durch TKO in 11 Runden. Zuletzt musste er den Titel allerdings wieder abgeben, als er von Eduard Gutknecht klar dominiert und schließlich gestoppt wurde.

Der Kampf findet in Tony Bellews Heimatstadt Liverpool statt, wo er eine große Fangemeinde besitzt, die sicherlich nicht damit rechnet am Freitagabend enttäuscht zu werden, da der 29-Jährige völlig zu Recht als klarer Favorit in den Kampf geht. Seine größte Stärke ist allerdings teilweise auch seine größte Schwäche. Bellew hat genug Schlagkraft um fast jeden Gegner KO zu schlagen, doch das hat ihn auch schon dazu veranlasst sich in unnötige Schlagabtausche ziehen zu lassen. Das beste Beispiel dafür ist sicherlich sein erster Kampf mit Ovil McKenzie, wo er zwei Mal niedergeschlagen wurde, da er zu ungestüm attackierte. Aber auch dem nicht gerade als schlagstark bekannten Bob Ajisafe gelang es Tony Bellew zu Boden zu schlagen, was nicht unbedingt für Bellews Kinn spricht.

Danny McIntosh besitzt sicherlich ebenfalls die Schlagkraft um Bellew KO zu schlagen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Und diese könnte sich ergeben, sollte Bellew auf die schlechte Idee kommen den Boxkampf in eine Schlacht verkommen zu lassen, da McIntosh in seinen beiden Niederlagen gestoppt wurde und Bellew dafür ebenfalls die Power besitzt. Die sicherere Strategie ist es definitiv für Bellew den Kampf aus der Distanz heraus zu führen und weniger Risiko einzugehen, ähnlich wie er es im Rückkampf mit Ovil McKenzie getan hat. Bellew besitzt Größen- und Reichweitenvorteile sowie einen sehr guten Jab und generell unterschätzte boxerische Fähigkeiten. McIntosh hingegen hat eine miserable Deckung und sollte generell in einem puren Boxkampf Bellew nicht wirklich das Wasser reichen können.

Danny McIntosh hat im Grunde nur eine Chance, wenn Bellew unintelligent boxt. Der Klassenunterschied ist ansonsten schlichtweg zu groß. Das Interessante an dem Kampf ist sicherlich, mit welcher Taktik Bellew ihn angehen wird. Geht er offensiv zu Werke, läuft er Gefahr McIntosh Chancen zu geben, bietet den Zuschauern und Fans jedoch mehr und könnte auch einen kürzeren Prozess machen. Ähnelt seine Strategie jedoch der des Rückkampfes mit McKenzie, wird er zwar vermutlich problemlos gewinnen, dafür aber womöglich über die Runden gehen müssen und vielleicht einige Sympathien bei den Zuschauern verspielen.

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1 Kommentar

  1. johnny l.
    27. April 2012 at 14:53 —

    finde die neuen, längeren vorkampf-analysen super!

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