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Vorschau: Teon Kennedy vs Christopher Martin

Zwei hoch gehandelte Superbantamgewichtstalente wollen am Freitagabend in Las Vegas ihre Karriere zurück in die richtige Spur bringen, nachdem sie zuletzt Rückschläge hinnehmen mussten. Sowohl Teon Kennedy als auch Christopher Martin gingen in ihren letzten Kampf ungeschlagen hinein nur um ihre ersten Niederlagen zu kassieren. Jetzt treffen sie in einem für beide Männer richtungweisenden Kampf aufeinander, nach dem wohl nur noch der Sieger ernsthaft als Talent gehandelt werden wird.

Teon Kennedy begann 2007 seine Profikarriere, nachdem er sich in der US-amerikanischen Amateurszene unter anderem durch den Titel bei den nationalen Golden Gloves 2004 einen Namen gemacht hatte. Der junge Boxer aus Philadelphia fuhr gegen typische Aufbaugegner ausschließlich Siege in seinen ersten 13 Profikämpfen ein bevor es gegen Journeyman Lante Addy im September 2009 in einem guten Kampf überraschend nur zu einem Unentschieden reichte.

Doch anstatt ihn weiterhin mit kleinen Fischen zu füttern, wurde er in der Folge an größere Brocken hinan geführt und gewann im nächsten Kampf den vakanten USBA-Titel im Superbantam durch einen TKO über den durchaus respektablen Francisco Rodriguez. Kennedy und Rodriguez kannten sich aus Amateurzeiten, wo Rodriguez, der ebenfalls einen Golden Gloves-Titel gewinenn konnte, ihn bezwungen hatte, doch dieses Mal setzte sich Kennedy durch – mit fatalen Folgen. Rodriguez kollabierte im Ring, nachdem der Ringrichter den Kampf abgebrochen hatte, und wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Kampf war am Freitag gewesen, am Sonntag besuchte Kennedy Rodriguez, weniger Stunden bevor dieser an seinen Gehirnverletzungen verstarb.

Kennedy musste dieses Trauma verarbeiten, doch präsentierte sich in seinen nächsten drei Kämpfen weiter stark. Sowohl Jose Angel Berranza als auch Alex Becerra und den zuvor unbesiegten Jorge Diaz schlug er in den nächsten 28 Monaten deutlich, ehe er im letzten August auf den Mexikaner Alejandro Lopez traf. Dieser bereitete ihm stilistisch einige unerwartete Schwierigkeiten und bescherte Kennedy überraschend, aber vollends verdient seine erste Niederlage indem er ihn deutlich nach Punkten schlug.

Während Kennedy hauptsächlich aufgrund seines Amateurhintergrunds bei vielen Experten als Talent auf dem Zettel stand, brachte sich Christopher Martin vor allem durch einen einzelnen Profikampf ins Gespräch. Der Kalifornier gewann zwar 18 seiner ersten 20 Kämpfe bei zwei Unentschieden, sorgte aber kaum für Schlagzeilen. Dies sorgte auch dafür, dass er im Grunde nur als Kanonenfutter angesehen wurde, als er im August 2010 gegen den ebenfalls ungeschlagenen Chris Avalos antreten sollte, welchem die deutlich bessere Zukunft im Profiboxen prophezeit wurde. Doch Martin hielt sich nicht an das Skript und lieferte dem Brawler Avalos einen stilistischen Alptraum. Martin wurde kaum sauber getroffen, blieb beweglich und konterte seinen kruderen Gegner immer wieder technisch einwandfrei aus. Am Ende sprang ein Split Decision-Sieg für ihn heraus, nachdem ihn zwei Punktrichter völlig zu Recht deutlich vorne gesehen hatten, und der dritte Punktrichter mit seinem Urteil pro Avalos komplett daneben lag.

Durch den auf Showtime übertragenen größten Sieg seiner Karriere standen viele Türen für Martin offen, doch ein größerer Kampf ließ auf sich warten. Trotzdem fuhr er, auch wenn er dabei nicht wirklich glänzte, vier ordentliche Siege in Folge über Jose Luis Araiza, Yogli Herrera, Charles Huerta und Jose Silveira ein. Doch in seinem Debüt für seinen neuen Promoter Top Rank kassierte er dann seine erste Niederlage als Profi. Gegen Jose Angel Beranza, der in den Kampf mit einem Kampfrekord von 33-21-2 ging und sechs seiner letzten sieben Kämpfe verloren hatte, fand Martin wie so oft sehr langsam in den Kampf, konnte aber im Gegensatz zu seinen anderen Kämpfen auch ab den mittleren Runden nicht zulegen und verlor schließlich völlig zu Recht nach Punkten.

Für beide Boxer ist es daher am Freitag enorm wichtig zu gewinnen. Zwei Niederlagen in Folge sind im Profiboxen meist verheerend für die Karriere, vor allem, wenn sie noch in der Aufbauphase eines Boxers geschehen. Bei den Buchmachern wird Teon Kennedy als überraschend klarer Favorit gehandelt, doch meiner Meinung nach ist es eine sehr ausgeglichene, offene Ansetzung, in der auch Christopher Martin alle Chancen hat den Sieg zu holen. Rein stilistisch her ähnelt er durchaus Kennedy-Bezwinger Lopez, der ein klassischer Boxer ist, gegen Kennedy den ganzen Ring nutzte, sich viel bewegte und aus der Distanz agierte. Auch Martin bevorzugt es so zu boxen, im Rückwärtsgang auf Konter wartend und mit einem sehr guten Jab. Sollte Teon Kennedy in der Zwischenzeit nicht gelernt haben den Ring effektiv abzuschneiden, was ihn gegen Leopz den Kampf kostete, wird er es auch gegen Martin sehr schwer haben. Generell kann man davon ausgehen, dass Martin sich den einen oder anderen Trick von Lopez abschauen wird, da die beiden auch in Vorbereitung für diesen Kampf als Sparringspartner zusammen im Ring standen.

Der Grund warum jedoch Kennedy von vielen in diesem Kampf favorisiert wird, liegt zu einem Großteil in Martins Form in seinen letzten Kämpfen. Nicht nur bei seiner Niederlage gegen Beranza enttäuschte er, auch in den fünf Siegen zuvor, die nach dem Überraschungssieg gegen Avalos kamen, zeigte er deutlich weniger Potenzial als noch zuvor. Zudem besitzt auch Teon Kennedy einen ähnlichen Stil wie sein Bezwinger Beranza. Zwar nennt sich Kennedy mit Kampfnamen „The Technician“, der Techniker, doch wie ein echter Fighter aus Philadelphia lässt sich Kennedy vornehmlich in wahre Ringschlachten verwickeln, obwohl er mit für die Gewichtsklasse langen Armen und einer tatsächlich guten Technik alles besitzt um diese zu vermeiden. Er besitzt schnelle Hände und boxt stets im Vorwärtsgang.

Während der Ausgang des Kampfes ziemlich offen scheint, stehen ein paar Dinge wohl mehr oder weniger fest. Einen KO gibt es in diesem Kampf nicht zu erwarten. Christopher Martin ist ein purer Boxer und besitzt kaum Schlagkraft, während Kennedy wohl zulangen kann, aber eher nicht in der Lage sein dürfte den defensivstarken und auch recht toughen Martin auszuknocken. Zudem kann man davon ausgehen, dass die anfänglichen Vorteile wohl auf Seiten von Teon Kennedy liegen werden. Der 25-Jährige braucht nicht lange um auf Betriebstemperatur zu kommen, während Martin ein notorischer Langsamstarter ist. Danach dürfte es jedoch interessant werden. Kann Martin seine deutlich überlegene Beinarbeit ausnutzen um aus der Distanz heraus mit einem guten Jab und intelligenten Kontern Kennedy auszuboxen? Oder kann Teon Kennedy immer wieder geschickt die Distanz verkürzen um seine bessere Schlagkraft und höhere Schlagfrequenz auszuspielen? Wie haben die beiden Boxer ihre Niederlagen in ihren letzten Kämpfen verarbeitet?

Ich halte Christopher Martin insgesamt für den etwas talentierteren Mann und denke, dass er, wenn er alles abruft, was er kann, was zuletzt meistens nicht der Fall war, den Kampf gewinnen sollen könnte. Boxt er so wie gegen Chris Avalos sehe ich Kennedy kein Rezept dagegen finden und nach Punkten verlieren. Gelingt ihm das nicht, hat Kennedy mit Sicherheit den nötigen Willen und das Kämpferherz um den Kampf zu machen und zu gewinnen. Die Punktrichter werden zudem sicherlich keinen leichten Job haben, da ein aggressiver Boxer mit hoher Workrate, der nicht immer all zu präzise ist, auf einen defensiven Konterboxer, der wenige, aber dafür präzise Schläge abfeuert, trifft. Im Endeffekt tippe ich entgegen der allgemeinen Favoritenrolle Kennedys auf einen knappen Punktsieg von Christopher Martin, wenn auch ohne viel Überzeugung und mit der Erwartung eines vollends offenen Kampfes.

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6 Kommentare

  1. Carlos2012
    13. Januar 2012 at 09:45 —

    Hmm,also ich bin nicht der super Box-Fachmann wie Tom,Dr Box
    MainEvent,Kevin22,Peddersen aber die Boxer aus dem
    Artikel kenne ich nicht.Kommt vielleicht davon,das mich die
    kleineren Gewichtklassen nicht interessieren.

  2. Tom
    13. Januar 2012 at 10:41 —

    @ Carlos2012

    Dabei gibt es in den unteren Gewichtsklassen meist die besseren Kämpfe!

  3. carlos2012
    13. Januar 2012 at 11:02 —

    @Tom
    Stimmt schon was du sagst aber bei Fliegen-Gewicht hört der spass bei mir auf 🙂

  4. Tom
    13. Januar 2012 at 11:54 —

    @ Carlos2012

    Hmm kommt drauf an,in den 90igern gab es mal einen Südafrikaner,Baby Jake Matlala,gennant der Westentaschen-Tyson und so hat er auch gekämpft,der war gerade mal 149 cm hoch aber ne Kampfmaschine.

  5. Ferenc H
    13. Januar 2012 at 14:40 —

    @Carlos2012 dann schaue dir mal die beiden Kämpfe von Hernan Marquez und Luis Concepcion an oder ein paar Kämpfe von Pongsaklek Wonjongkam (obwohl dieser auch ein “Touristenboxer” ist) Oder denn Kampf zwischen Nonito Donaire und Vic Darchinyan.

    @Tom Baby Jake Matlala mmhhhhh ich werde suchen ob ich von dem auf youtube was finde

  6. carlos2012
    13. Januar 2012 at 14:59 —

    @FrencH
    Die leichten Boxer sind extrem schnell.Nur beim Zugucken bekommt man Augenkrebs.Die Gewichtklassen ab 70 Kg sind interesanter und auch bekannter.

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