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Vorschau: Sergei Dzinziruk vs Brian Vera

Seine ersten 37 Profikämpfe blieb Sergei Dzinziruk ungeschlagen und war dabei fünf Jahre lang Weltmeister im Halbmittelgewicht. Doch zuletzt lief es für den 36-jährigen Ukrainer, der keinen seiner letzten zwei Kämpfe gewinnen konnte, nicht mehr so richtig. Am Freitagabend trifft er in New York auf den US-Amerikaner Brian Vera, der die Chance sieht mit einem zweiten Sieg in Folge gegen einen bekannten Kontrahenten für Schlagzeilen und neuen Wind in seiner Karriere zu sorgen.

Sergei Dzinziruk hatte den WBO-Titel im Halbmittelgewicht sechs Mal erfolgreich verteidigt und schien sich gerade durch eine starke Vorstellung gegen Daniel Dawson auch auf dem profitablen US-amerikanischen Markt zu etablieren, als er die Chance bekam für viel Geld ins Mittelgewicht aufzusteigen und Champion Sergio Martinez herauszufordern. Dzinziruk nahm die Gelegenheit wahr, erlebte aber den schwärzesten Abend seiner Profikarriere. Nicht nur musste er seine erste Niederlage hinnehmen, der körperlich deutlich stärkere und schnellere Martinez führte ihn regelrecht vor. Der Argentinier dominierte mit seinem Jab, obwohl Dzinziruk eigentlich als einer der besten Jabber der Welt galt, schlug Dzinziruk, der zuvor nie am Boden gewesen war, insgesamt fünf Mal nieder und stoppte ihn schließlich in der achten Runde. In der Folge nahm sich Sergei Dzinziruk, auch aufgrund von Verletzungen, eine achtzehnmonatige Auszeit und kehrte erst im September 2012 wieder in den Ring zurück. Gegen den ungeschlagenen Puertorikaner Jonathan Gonzalez, welcher neun Pfund zu schwer für den Kampf einwog, reichte es nur zu einem Unentschieden in einem insgesamt ereignisarmen Kampf.

Brian Vera hingegen feierte zuletzt einen seiner besten Siege. Früh in seiner Karriere hatte sich Vera einen Namen durch die Teilnahme an der „Contender“-Serie gemacht, in der er jedoch gleich in seinem ersten Kampf ausschied und seine erste Niederlage hinnehmen musste, als ihn Jaidon Codrington in zwei Runden stoppte. 2008 sollte Vera als Aufbaugegner für den damals hoch gehandelten Andy Lee herhalten, doch Vera schlug den Iren in sieben Runden, eine Leistung, an die er jedoch nicht anknüpfen konnte. In den nächsten acht Kämpfen folgen fünf Niederlagen, wenn auch gegen gute Gegner wie James Kirkland oder im Rückkampf mit Andy Lee. Allerdings streute er auch zwischendurch Siege gegen ordentliche Leute wie Sebastien Demers oder Sergio Mora ein. Mora war dann schließlich auch sein bislang letzter Gegner, und auch im Rückkampf besiegte Vera den ehemaligen WBC-Weltmeister nach Punkten, was ihm zumindest eine gute Position bei einigen Verbänden sowie den NABO-Titel einbrachte.

Vera ist nicht unbedingt der talentierteste Boxer, dafür aber einer der hart arbeitet und im Ring jederzeit alles gibt. Er boxt aggressiv, sucht die Halbdistanz und ist relativ hart im Nehmen. Weder ist er technisch sonderlich beschlagen, noch verfügt er über herausragendes athletisches Talent und glänzt mit schnellen Händen oder katzenartigen Reflexen. Sein Stil hängt allerdings auch nicht davon ab, da er hauptsächlich versucht im offenen Schlagabtausch mehr harte Treffer zu landen als zu kassieren.

Sergei Dzinziruk hingegen ist ein deutlich technischerer Boxer. Seine beste und bekannteste Waffe ist sein hervorragender Jab, von dem oft sein gesamter Kampf abhängt. Aus der Rechtsauslage feuert er einen überragenden vielseitigen rechten Jab aus, der den Gegner auf Distanz hält und mit seiner Härte gleichzeitig zermürbt. Zudem weiß er auch dem Jab gute Kombinationen folgen zu lassen und gleichzeitig weiterhin defensiv verantwortlich zu agieren.

Es ist jedoch fraglich, wie viel von seinem eigentlichen Können Sergei Dzinziruk zu diesem Zeitpunkt noch beherrscht. Während er gegen Martinez noch gute Momente hatte, wirkte er gegen Jonathan Gonzalez oft wie ein Schatten seiner selbst. Zudem dürfte ihm Inaktivität in den letzten zweieinhalb Jahren auch nicht gut getan haben, zumal er mittlerweile auch bereits 36 Jahre alt ist. In Bestform wäre Dzinziruk haushoher Favorit gegen einen im Grunde sehr limitierten Fighter wie Vera, doch die Formkurve des Ukrainers zeigt nach unten, was den Kampf interessant macht.

Viel wird davon abhängen, inwieweit Dzinizruk seinen starken Jab etablieren kann. Gelingt es ihm, und kann er so Vera effektiv auf Distanz halten, nimmt er dem US-Amerikaner alle seine Stärken, während er gleichzeitig seine eigenen ausspielen kann. Ich denke jedoch, dass Vera es zumindest streckenweise schaffen wird seinen Druck auszuspielen und in der Halbdistanz den Kampf mit seiner hohen Workrate positiv für sich zu gestalten. Dort dürfte sich dann auch sein körperlicher Vorteil bezahlt machen, da Vera als jahrelanger Mittelgewichtler den eigentlichen Halbmittelgewichtler Dzinziruk dort herum schubsen können sollte.

Nichtsdestotrotz tippe ich auf einen knappen Punktsieg für Sergei Dzinziruk. Der Ukrainer sollte, auch wenn er nicht mehr auf dem Zenit seines Könnens ist, mit seinem unangenehmen Stil schwer für Vera zu boxen sein. Vera wird sicherlich seine Momente haben und mit seiner Aggressivität und Aktivität ein paar Runden stehlen können, doch denke ich, dass sich die boxerische Klasse Dzinziruks am Ende knapp durchsetzen wird.

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2 Kommentare

  1. Carlos2012
    25. Januar 2013 at 17:12 —

    Erster 🙂

  2. Carlos2012
    25. Januar 2013 at 17:13 —

    Hoffe Dzinziruk gewinnt.Sonst sind 10 Punkte dahin.

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