Vorschau: Saul Alvarez vs Shane Mosley

Im Vorprogramm des Kampfes zwischen Miguel Cotto und Floyd Mayweather kommt es zu einem Kracher, der auf jeder anderen Veranstaltung der Welt der Hauptkampf gewesen wäre. Der junge mexikanische Superstar Saul „Canelo“ Alvarez verteidigt seinen WBC-Titel im Halbmittelgewicht gegen die alternde Legende „Sugar“ Shane Mosley. Kann der 21-jährige Mexikaner seine Stellung als zukünftiger Topmann des Sports bestätigen oder gelingt es dem 40-jährigen US-Amerikaner ein letztes Mal die Zeit zurück zu drehen und einen großen Coup zu landen?

Shane Mosley hat eine lange Karriere hinter sich. Schon 1993 gab er sein Profidebüt bevor er in Windeseile zu einem der Topstars des Sports wurde. Seiner imposanten Leichtgewichtsdominanz folgte ein Aufstieg ins Weltergewicht, wo er sich direkt ebenfalls als Nummer Eins durch einen Sieg über Oscar De La Hoya etablierte. Niederlagen gegen Vernon Forrest und Winky Wright, aber auch weitere Titel folgten ehe er langsam auf die Schattenseite seiner Karriere zusteuerte. Als der junge ungeschlagene Miguel Cotto ihn 2007 auspunktete deutete dies schon langsam auf eine Wachablösung hin, doch anderthalb Jahre später gelang es Mosley die Kritiker verstummen zu lassen und erneut einen seiner ganz großen Siege zu feiern. Als deutlicher Außenseiter ging er in den Kampf mit Antonio Margarito, welcher kurz zuvor Miguel Cotto entthront hatte, und gewann einen sensationell einseitigen Kampf. Mosley dominierte und stoppte den Mexikaner schließlich in der neunten Runde. Endlich sicherte er sich dadurch einen lang überfälligen Kampf mit Floyd Mayweather, in dem er jedoch Mayweather lediglich in der zweiten Runde Paroli bieten konnte und im Endeffekt klar ausgepunktet wurde. Zuletzt folgte ein extrem enttäuschendes Unentschieden gegen Sergio Mora und eine weitere Niederlage gegen Manny Pacquiao, welcher ihn zwölf Runden lang dominierte.

Saul Alvarez hingegen begann seine Karriere erst 2005, als Shane Mosley langsam ins Zwielicht der Seinigen eintrat. Als 16-Jähriger bestritt er seine ersten Profikämpfe, machte sich jedoch schnell einen Namen als Talent und später als Publikumsliebling in Mexiko und bei mexikostämmigen US-Amerikanern. Er legte eine erstaunliche Aktivität an den Tag, die ihn bis heute bereits 40 Profikämpfe bescherte, und während Alvarez langsam aber sicher begann sein Talent umzusetzen, begannen auch seine Gegner besser und seine Tests härter zu werden. Er arbeitete sich von Aufbaugegnern zu soliden Journeymen wie Michel Rosales vor ehe er vor etwa zwei Jahren anfing wirklich größere Kaliber zu boxen. So besiegte er zuletzt Carlos Baldomir, Lovemore Ndou, Matthew Hatton, Ryan Rhodes, Alfonso Gomez und Kermit Cintron in Folge und behielt dabei weiterhin seine weiße Weste. Zudem sicherte er sich dabei den WBC-Gürtel im Halbmittelgewicht, den er gegen Mosley zum vierten Mal erfolgreich verteidigen möchte.

Alvarez hat sich zu einem sehr kompletten Boxer gemausert. Er besitzt sehr gute Schlagkraft, wie seine KO-Siege gegen den sonst sehr zähen Carlos Baldomir oder auch gegen Ryan Rhodes oder Kermit Cintron zeigen und weist auch ansonsten kaum wirkliche Schwächen auf. Sein Kinn ist mehr als überdurchschnittlich gut und zudem ist er physisch sehr stark für das Halbmittelgewicht. Er besitzt recht schnelle Haende und ist technisch gut ausgebildet. Shane Mosley hingegen hat mit dem Alter seine größten Stärken ein wenig einbüßen müssen. Er ist zwar immer noch recht schnell und schlagstark, aber nicht mehr ganz auf dem Niveau, auf dem er dies vor Jahren mal war. Sein Körper hat die Gewichtsklassenaufstiege aus dem Leichtgewicht sensationell gut mitgemacht, und so wirkte er physisch auch im Halbmittelgewicht nie deplatziert. Auch sein Kinn ist noch hervorragend, wenn auch nicht mehr ganz so unknackbar wie einst. Dennoch ist er nach wie vor noch nie in seiner Karriere gestoppt worden. Am messbarsten ist jedoch Mosleys Nachlassen an seinem häufiger werdenden Zögern Angriffe zu starten. Als er Mayweather in der zweiten Runde angeschlagen hatte, schien er in der Folge merkwürdig zögerlich und vorsichtig vernünftig nachzusetzen.

Obwohl noch vor kurzer Zeit Shane Mosley als klarer Favorit in einem Kampf mit einem relativ unbewiesenen Boxer wie Saul Alvarez gegolten hätte, geht er in den Kampf am Samstag als überraschend klarer Außenseiter bei Fans und Buchmachern. Die letzten Leistungen von ihm waren einfach zu schwach, und Alvarezs konstante Leistungssteigerung in den letzten Jahren zu stark, als dass ihm mehr als eine kleine Minderheit gute Chancen ausmalen würden. Gegen Pacquiao wirkte Mosley vor allem so, als wäre er nicht mehr gewollt sich in Ringschlachten verwickeln zu lassen und heutzutage lieber auf Zeit spielen, wenn es hart zugeht, anstatt alles für den Sieg zu tun. Alvarez hingegen ist jung und hungrig und sicherlich einer der willensstärkeren Boxer derzeit. Da er zusätzlich dazu noch das nötige boxerische Rüstzeug mitbringt um gegen eine alternde, Abnutzungserscheinungen zeigende Legende zu bestehen, ist er sicherlich zu Recht Favorit für das Aufeinandertreffen.

Mit seiner immensen Erfahrung und seinen vielen Tricks wird Shane Mosley sicherlich die ersten Runden spannend halten können, und vielleicht sogar für den einen oder anderen bangen Moment beim Mexikaner sorgen können, doch etwa ab der fünften Runde erwarte ich, dass Alvarez das Kommando übernehmen wird und Mosley mit höherer Workrate und insgesamt effektiverer Arbeit recht souverän beherrschen wird. An einen KO-Sieg für den jungen Weltmeister mag ich nicht glauben, da Mosley schon gegen Pacquiao bewiesen hat, dass er immer noch clever genug ist einer vorzeitigen Niederlage auszuweichen, so dass ich von einem recht klaren Punktsieg für den 21-Jaehrigen ausgehe.

10 Gedanken zu “Vorschau: Saul Alvarez vs Shane Mosley

  1. freue mich sehr darauf… alvarez war mein persönlicher fighter of the year von 2011…

    womöglich werden wir hier den letzten kampf von mosley sehen und ich habs so im gefühl das canelo heute mosley als erster überhaupt ausknocken wird,oder tko zumindest…

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