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Vorschau: Ruslan Provodnikov vs David Torres

Mit einigen TV-Auftritten in den USA hat sich der 28-jährige Russe Ruslan Provodnikov schnell zu einer Art Publikumsliebling gemacht. Der Halbweltergewichtler, der von der WBO immerhin auf Rang 10 in seiner Gewichtsklasse geführt wird, bestreitet am Freitagabend den Hauptkampf bei „Friday Night Fights“ auf dem US-Sender ESPN2. Sein Gegner ist der 33-jährige US-Amerikaner David Torres.

Provodnikov, der in Russland geboren wurde, aber fast seine gesamte Profiboxkarriere in den USA verbracht hat, gewann seine ersten siebzehn Profikämpfe zwischen 2006 und 2010. Unter anderem schlug er Emanuel Augustus, welcher jedoch seine besten Tage zu diesem Zeitpunkt bereits sehr weit hinter sich hatte, und Ex-Leichtgewichtsweltmeister Javier Jauregui. Als er Anfang 2011 gegen Mauricio Herrera um den vakanten nordamerikanischen Halbweltergewichtstitel nach Version der IBF in den Ring stieg, sollte dies nur ein weiterer Schritt Richtung WM-Kampf für den jungen Russen werden, doch Herrera gewann überraschend nach Punkten, auch wenn einige Zuschauer und auch ESPN2-Experte Teddy Atlas Provodnikov vorne gesehen hatten. Doch während Provodnikov zwar die härteren Schläge ins Ziel bringen konnte, war Herrera konstanter gewesen und hatte ihn über weite Strecken ausgeboxt. Provodnikov fand danach mit drei Siegen zurück in die Spur, der letzte und beste über den Veteran DeMarcus Corley. Corley hatte zwar vor dem Provodnikov-Kampf sieben der letzten acht Kämpfe verloren, bewies aber gerade erst letzte Woche, dass er immer noch gefährlich ist, als er dem ungeschlagenen Gabriel Bracero die erste Niederlage beibrachte.

Der 33-jährige US-Amerikaner David Torres galt im Gegensatz zu Ruslan Provodnikov nie als all zu viel versprechendes Talent, obwohl auch er immerhin seine ersten zwanzig Profikämpfe allesamt für sich entscheiden konnte. Nachdem er jedoch Jahre lang nur schwache Gegner vorgesetzt bekommen hatte, traf er im Juni 2008 auf Ex-Leichtgewichtsweltmeister Julio Diaz, welcher diesen Freitag ursprünglich gegen Provodnikov hatte antreten sollen, in dessen Comebackfight nach einer Niederlage im Titelvereinigungskampf. Diaz erwies sich in allen Belangen als deutlich besser und verprügelte Torres fünf Runden lang bis der Kampf aufgrund von einer starken Schwellung abgebrochen wurde. Seinen nächsten Kampf gewann er gegen Zaid Zavaelte, doch in seinen letzten drei Kämpfen blieb er dann wieder sieglos. Erst stoppte ihn Gatekeeper Raymundo Beltran, dann folgten zwei Unentschieden gegen sehr durchschnittliche Gegner in Santos Pakau und Michael Stewart.

Nicht zuletzt daher muss Torres gegen Provodnikov als klarer Außenseiter gelten. Er ist deutlich weniger talentiert, technisch schwächer, langsamer, schlagschwächer und physisch unterlegen. Zudem ist Provodnikov dank seiner guten Amateurausbildung der erfahrenere Mann, dem Torres zudem stilistisch sehr entgegenkommt. Die gute Nachricht für die Zuschauer ist, dass die Boxstile der beiden für gute Unterhaltung sorgen sollten. Beide kennen gewöhnlich nur den Weg nach vorne und üben viel Druck auf ihren Gegner aus. Provodnikov hat zwar seit seiner Niederlage gelernt etwas klassischer zu boxen und vor allem seine Angriffe mit dem Jab aufzubauen, doch er bleibt weiterhin ein Pressure Fighter, der zuschauerfreundlich boxt und stets den KO sucht. Bei Torres besteht die Gefahr, dass er sich seiner Außenseiterrolle sehr bewusst ist und versuchen wird und seinen eigentlichen offensiven Stil für diesen Kampf aufgeben wird um aus der Distanz zu boxen, doch bei Provodnikovs Überlegenheit sollte das wohl eher auch nicht aufgehen, so dass man mit einem actionreichen Kampf rechnen darf, da beide offensiv stark, aber defensiv schwach sind.

Dass dieser jedoch ausgeglichen sein wird, sollte man nicht vermuten. Provodnikov, der inzwischen von Startrainer Freddie Roach betreut wird, sollte keinerlei Probleme in diesem Kampf haben. Alles, was Torres kann, kann er besser, und er besitzt zudem wohl das bessere Kinn, was ihm in einer Schlacht zusätzlich helfen sollte. Das einzige kleine Manko ist seine Anfälligkeit für Schwellungen und Cuts, doch abgesehen von dieser Außenseiterchance sehe ich wenig Hoffnung für David Torres. Der ursprünglich angedachte Kampf zwischen Provodnikov und Julio Diaz wäre mit Sicherheit spannender und ausgeglichener gewesen, was einen aber nicht daran hindern sollte diesen Kampf zu genießen, wie lange er auch immer dauern sollte. Ich persönlich vermute, dass Provodnikov nicht viel mehr als sechs der angesetzten zehn Runden benötigt um Torres zu stoppen.

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