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Vorschau: Rodel Mayol vs Julio Cesar Miranda

Zwei Ex-Weltmeister treffen in Manila am frühen Sonntag in einem Zehnrunder aufeinander um zu entscheiden, welcher von beiden noch einmal in der Weltspitze angreifen darf. Sowohl Rodel Mayol als auch Julio Cesar Miranda wirkten dabei zuletzt noch auf der Höhe ihres Könnens und dürften einen spannenden Fight garantieren.

So richtig tauchte Rodel Mayol 2009 auf der internationalen Bühne auf. Zwar hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Mal um WM-Titel geboxt, doch seine recht deutlichen Niederlagen im Minimumgewicht gegen Eagle Kyowa und im Halbfliegengewicht Ulises Solis hatten keinen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen. Das sollte sich ändern, als er Halbfliegengewichtschamp Ivan Calderon herausforderte. Calderon galt zu der Zeit als vielleicht bester purer Boxer der Welt und stand bei 32 Siegen in ebenso vielen Kämpfen und zahlreichen Titelverteidigungen im Minimum- und Halbfliegengewicht. Mayol machte Calderon das Leben überraschend schwer, und stand nach sechs Runden, als der Kampf wegen eines Cuts nach einem Kopfstoß abgebrochen wurde, nach Punkten mit dem Puertoricaner gleich, und fügte ihm damit das erste Unentschieden zu. Es kam zu einem direkten Rückkampf, in dem es erneut zu einem Kopfstoß kam, der nach dieses Mal sieben Runden zum Abbruch führte. Nun gewann Calderon hauchdünn nach Punkten, doch Mayol hatte sich einen Namen gemacht. Das verhalf ihm zu einer weiteren Titelchance gegen WBC-Weltmeister Edgar Sosa. Kontrovers gewann Mayol den Titel in zwei Runden, nachdem er Sosa mit einem Kopfstoß schwer angeknockt hatte und daraufhin mit den Fäusten gestoppt hatte. Als nächstes kam es zu einem technischem Unentschieden gegen Omar Nino Romero, bevor Romero ihm im Rückkampf den Titel abnahm. Seitdem feierte Mayol vier Siege in Folge.

Zwei Monate vor Mayols erstem Kampf mit Ivan Calderon trat Julio Cesar Miranda im April 2009 auf die ganz große Bühne. Im Kampf um den Interimsgürtel der WBC im Fliegengewicht verlor er allerdings deutlich gegen Pongsaklek Wonjongkam. Den kompetenten Eric Ortiz stoppte er im nächsten Kampf, der ein Eliminator war, in nur einer Runde, doch im dadurch erarbeiteten Titelkampf scheiterte er daraufhin an Moruti Mthalane. Im Juni 2010 erhielt er dann seine dritte Titelchance, und dieses Mal nutzte er sie. Den Philippinen Richie Mepranum stoppte er in fünf Runden und gewann damit den vakanten WBO-Titel, welchen er daraufhin zwei Mal erfolgreich verteidigte. Im letzten Juli jedoch nahm Brian Viloria ihn diesen durch einen Punktsieg wieder ab. Seitdem gewann Miranda lediglich zwei Aufbaukämpfe.

Julio Cesar Miranda ist ein enormer Puncher für seine Gewichtsklasse und zudem ein solider Boxer. Er übt intelligenten Druck auf seinen Gegner aus und macht seine leichten technischen Defizite und seine nicht all zu schnellen Hände mit seiner ungezügelten Aggressivität, seiner guten Workrate und der Gewalt seiner Schläge wett. Rodel Mayol boxt ebenfalls relativ aggressiv, wenn auch zumindest etwas vorsichtiger als der stets nach vorne gehende Miranda. Er springt abwechselnd an den Mann heran und wieder heraus und nutzt seine recht schnellen Hände. Zudem hat er ordentliche Power in seinen Fäusten. Mayol boxt jedoch auch zugegebenermaßen, sehr schmutzig. Zwischen 2009 und 2010 spielten seine Kopfstöße in vier von fünf Kämpfen eine tragende Rolle für den Ausgang des Kampfes, und auch in anderen Bereichen ist er nicht gerade ein Vorbild an sauberer Kampfführung. Der Kopfstoß ist jedoch sein mit Abstand beliebtestes Foul, und ein frühes Ende durch einen dadurch zugefügten Cut ist auf gar keinen Fall auszuschließen, zumal Miranda auch häufig in die Rechtsauslage wechselt.

Diese Möglichkeit jedoch außen vor, ist ein sehr spannender, zuschauerfreundlicher Kampf zu erwarten. Beide Boxer werden wohl den KO suchen und nicht all zu viel Zeit damit verbringen sich vor dem Gegner zu verstecken. Zudem dürften beide extrem motiviert sein, da eine Niederlage zu diesem Zeitpunkt für beide ein enormer Rückschritt wäre, während ein Sieg potenziell einen weiteren Titelkampf bedeuten könnte. Mayol besitzt den Vorteil, dass er vor heimischem Publikum boxen darf, Miranda geht als physisch stärkerer Mann, der schon seine gesamte Karriere im Fliegengewicht verbracht hat, in die Schlacht. Man kann Argumente für beide Boxer finden, und am Ende unterscheiden nur Kleinigkeiten, doch ich favorisiere ganz leicht Julio Cesar Miranda. Wenn es zu der erwarteten Ringschlacht kommt, denke ich, dass sich seine überlegen Schlagkraft, sein wohl etwas besseres Kinn und seine höhere Aktivität durchsetzen sollten und Mayols Vorteile in Sachen Beweglichkeit und Schnelligkeit an Bedeutsamkeit verlieren dürften. Ich glaube sogar, dass es Miranda gelingen wird Mayol irgendwann in der zweiten Kampfeshälfte KO zu schlagen, doch auch jedes andere Ende sollte in dieser ausgeglichenen Ansetzung kaum überraschen.

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