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Vorschau: Rico Ramos vs Guillermo Rigondeaux

Der WBA-Gürtel im Superbantamgewicht wechselte in letzter Zeit mit einer gewissen Regelmäßigkeit den Besitzer. Ryol Li Lee gewann ihn im Oktober 2010 von Poonsawat Kratingdaenggym, verlor ihn aber gleich in seiner ersten Titelverteidigung an Akifumi Shimoda. Auch dessen Freude währte allerdings nicht all zu lange, als dieser in ebenfalls seiner ersten Titelverteidigung den Gürtel verlor, nachdem er von Rico Ramos ausgeknockt wurde. Ramos selber will nun am Freitag den WBA-Titel zum ersten Mal verteidigen, und geht als Weltmeister als Außenseiter in die Begegnung mit Herausforderer und Interimschamp Guillermo Rigondeaux, die wohl der bislang größte Kampf des noch jungen Jahres ist.

Rico Ramos wechselte 2008 nach einer erfolgreichen Amateurkarriere ins Profilager, wo er sich mit guten Vorstellungen gegen Aufbaugegner schnell einen Namen als viel versprechendes Talent machte. Letzten Juli erfüllte er dann schließlich die hohen Erwartungen, die in ihn gesteckt wurden indem er sich den WBA-Gürtel im Superbantamgewicht holte. Allerdings sah der 24-jährige US-Amerikaner in seinen letzten beiden Kämpfen nicht besonders gut aus. Gegen Akifumi Shimoda, von dem er den Titel gewann, lag er nach sechs Runden auf allen drei Punktzetteln sehr deutlich zurück, ehe er beinahe aus dem Nichts heraus den Japaner mit einem linken Haken KO schlug. Im Kampf vorher gewann er zwar einstimmig nach Punkten gegen den Mexikaner Alejandro Valdez, konnte dabei aber nicht wirklich überzeugen.

Auch wenn Ramos eine beachtliche Amateurkarriere hinlegte, erblasst diese jedoch eindeutig im Vergleich mit der von seinem Gegner am Freitag. Guillermo Rigondeaux gilt als vielleicht bester Amateurboxer seiner Generation und als einer der besten aller Zeiten. Zwei Olympiasiege, etliche andere Turniersiege, sieben nationale kubanische Titel in Folge, sowie an die 400 Amateursiege insgesamt bei einem Dutzend Niederlagen stehen bei dem 31-jährigen Rechtsausleger, der über Jahre hinweg beinahe unschlagbar war, zu Buche. Als im Februar 2009 bekannt wurde, dass sich „El Chacal“ erfolgreich aus Kuba abgesetzt hatte, sorgte das in der Profiboxszene für so viel Aufsehen, wie es kaum Wechsel vom Amateur- ins Profilager tun. Wegen seines schon fortgeschrittenen Alters und seiner enormen Erfahrung und seines Könnens machte Rigondeaux schon früh in seiner Profikarriere große Schritte und boxte in seinem siebten Profikampf schließlich im November 2010 um seinen ersten Titel. Gegen Ex-Weltmeister Ricardo Cordoba stand der Interimsgürtel der WBA auf dem Spiel, den sich der Kubaner sicherte, auch wenn er seine bis dato schwächste Leistung als Profi zeigte, als er in der zweiten Kampfeshälfte seines ersten Zwölfrunders stark einbrach. Seine erste Titelverteidigung folgte im kommenden März gegen den zuvor ungeschlagenen Iren Willie Casey, der stilistisch maßgeschneidert für ihn war. Rigondeaux erzielte in 158 Sekunden drei Niederschläge und stoppte seinen Herausforderer in der ersten Runde. Nun soll für Rigondeaux der reguläre WBA-Titel her.

Bei den Buchmachern wird Rigondeaux als relativ klarer Favorit gesehen, was bei seiner mangelnden Erfahrung im Profibereich schon einiges über sein Können aussagt. Er ist ein absolutes Jahrhunderttalent, was Timing, Distanzgefühl und Technik angeht, und besitzt zudem eine überragende Athletik mit sehr schnellen Händen und exzellenten Reflexen. Als Profi hat er außerdem bewiesen, dass er durchaus über sehr respektable Schlagkraft verfügt und so gut zum Körper arbeitet wie derzeit wenige Topboxer. Trotzdem ist es nicht so, dass es bei ihm keine Schwächen auszumachen gäbe. Als sensationeller Konterboxer fällt es ihm oft noch schwer selber die Initiative zu ergreifen und seine Fäuste fliegen zu lassen, wenn das der Gegner nicht macht. Er ist sehr ökonomisch mit seinen Schlägen, was an sich positiv ist, da er keine Energie verschwendet und nur dann schlägt, wenn er eine Öffnung sieht, doch ab und zu kostet dies ihm Runden, da er einfach zu passiv bleibt. Des Weiteren zeigte er im Zwölfrunder gegen Cordoba, als er das bisher einzige Mal mehr als acht Runden gehen musste, dass er durch die jahrelange Erfahrung als Amateur die Länge der Profikämpfe noch nicht wirklich gewohnt ist, als er zum Ende hin einbrach.

Dabei besitzt Rico Ramos nicht ganz unähnliche Probleme. Auch er ist oft zu passiv und schlägt insgesamt zu wenig als Konterboxer. Beim Titelgewinn gegen Shimoda verlor er deswegen beinahe jede Runde ehe er mit einem Schlag den Kampf gewann. Er hat ebenfalls schnelle Hände, recht gute Reflexe und ein gutes Auge.

Da beide Boxer normalerweise auf Kontermöglichkeiten warten und eher spärlich mit ihren Schlägen agieren, ist wohl kein all zu actionreicher Kampf zu erwarten, sondern eher ein taktisch geprägtes Schachspiel mit Fäusten. Eine interessante Frage ist es, wer schließlich die Initiative ergreifen wird um den Kampf zu machen, und ich tippe dabei auf Rigondeaux, der dies seit seinem Wechsel zu den Profis zunehmend versucht in sein Repertoire zu integrieren. Außerdem besitzt Rigondeaux in eigentlich jedem Bereich Vorteile, so dass Ramos vorsichtig sein wird zu führen, da er dann die schnelleren, härteren und präziseren Konter des Kubaners riskieren würde. Und Ramos würde sich vermutlich sowieso schwer tun als Aggressor Treffer gegen den enorm defensivstarken Rigondeaux zu landen, während ihm mit Kontern eher Erfolg zuzutrauen ist.

Insgesamt sehe ich Guillermo Rigondeaux diesen Kampf gewinnen. Ramos ist zwar wahrscheinlich der beste Gegner seiner bisherigen Profikarriere, aber der Talentunterschied ist groß genug um den Kubaner hier zu favorisieren. Ich gehe davon aus, dass er den Kampf machen wird und vorwärts gehen wird, und die besseren Treffer landen wird, während sich Ramos ein wenig an Rigondeauxs Rechtsauslage, seinen Reflexen und seiner Deckung die Zähne ausbeißen wird bei seinen wenigen Kontern. Sollte es richtig gut für ihn laufen, könnte ich mir sogar vorstellen, dass Rigondeaux Ramos in der ersten Hälfte des Kampfes stoppt, vorzüglich durch einen der Körpertreffer, die er im Profibereich schnell zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Sollte dies nicht der Fall sein, wird Rigondeaux wohl seinen Stiefel zu einem Punktsieg runterboxen, während Ramos am Schluss durchaus noch mal aufkommen könnte um vergeblich nach einem KO in den hinteren Runden zu suchen.

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8 Kommentare

  1. Tom
    20. Januar 2012 at 07:51 —

    Alles andere als ein klarer Sieg von Rigondeaux wäre eine Sensation!

    @ Benjamin

    …..der zuvor ungeschlagene Irländer…..

    Du meintest wohl Ire!

    Hmmm….Huck lässt grüßen…bei dem gibt es auch keine Australier,sondern nur Australianer!

  2. MainEvent
    20. Januar 2012 at 10:00 —

    Der Schakal wird es schaukeln!

  3. ghetto obelix
    20. Januar 2012 at 10:15 —

    Weiss jemand wann der kampf ungefähr beginnt ??

  4. Canelo
    21. Januar 2012 at 04:59 —

    ja jetzt. 🙂

  5. boxfan85
    21. Januar 2012 at 05:20 —

    livestream?

  6. Tom
    21. Januar 2012 at 05:23 —

    @ boxfan85

    Ja!

  7. boxfan85
    21. Januar 2012 at 05:29 —

    @TOM
    Kannst du den posten?

  8. Tom
    21. Januar 2012 at 05:39 —

    @ boxfan85

    boxingguru.eu

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