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Vorschau: Pongsaklek Wonjongkam vs Edgar Sosa

Im wohl am heißesten erwarteten Fliegengewichtskampf der letzten anderthalb Jahre trifft am Freitag WBC- und Ring-Magazin-Weltmeister Pongsaklek Wonjongkam auf Ex-Halbfliegengewichtsweltmeister Edgar Sosa. Der Kampf, der Wonjongkams insgesamt einundzwanzigste Titelverteidigung sein wird findet in Thailand gegen Mittag unserer Zeit statt.

Seit März 2001 bestimmt der inzwischen 34-Jährige Wonjongkam nun mit einer Unterbrechung zwischen 2007 und 2010 das Fliegengewicht, und in seinen letzten 75 Profikämpfen kassierte der Thailänder lediglich eine Niederlage gegen Daisuke Naito, gegen den er auch zwei Siege und ein Unentschieden sammelte. Siege über amtierende oder zukünftige Weltmeister Malcolm Tunacao, Daisuke Naito, Luis Alberto Lazarte, Gilberto Keb Baas, Tomonobu Shimizu, Julio Cesar Miranda, Koki Kameda und Suriyan Sor Rungvisai sowie seine erstaunliche Langlebigkeit an der Spitze der Gewichtsklasse machten ihn zum mit Abstand dominantesten Fliegengewichtler des letzten Jahrzehnts, doch Wonjongkam hat auch dieses Jahrzehnt noch nicht genug, und möchte mit Edgar Sosa einen weiteren imposanten Skalp seiner Sammlung hinzufügen.

Sosa sicherte sich 2007 gegen den favorisierten Ex-Weltmeister Brian Viloria den vakanten WBC-Titel im Halbfliegengewicht, den er daraufhin wie seinen Augapfel hütete. Zehn souveräne Titelverteidigungen gegen ordentliche Gegner folgten in den kommenden 29 Monaten ehe ihm der Titel gegen Rodel Mayol kontrovers abgenommen wurde. Nach einem schweren Kopfstoß in der zweiten Runde, der Sosa nahe am Rande der Besinnungslosigkeit ließ, gewährte Ringrichter Roberto Ramirez Jr. dem Titelverteidiger keine Chance sich zu besinnen, was Mayol ausnutzte, der den noch benommenen Sosa wenig später KO schlug. Die Rufe nach einem Rückkampf waren laut, doch dieser ergab sich nicht, auch da Mayol bald darauf den Titel an Omar Nino Romero verlor.

Sosa hingegen wagte nach einiger Regenerationszeit den Sprung eine Gewichtsklasse nach oben. Der Mexikaner akklimatisierte sich an die zusätzlichen Pfunde mit zwei Aufbaugegnern bevor er sich den internationalen Titel der WBC schnappte. Diesen verteidigte er daraufhin drei Mal erfolgreich, so dass nun ein weiterer Quantensprung ansteht, wenn er nach dem WM-Titel greift.

Beide Boxer sind schon seit über zehn Jahren Profis, Sosa seit 2000, Wonjongkam sogar seit 1994, und sind mit 32 respektive 34 nicht mehr die Jüngsten für die Gewichtsklasse. Trotzdem gehören sie beide definitiv noch zur absoluten Weltklasse. Pongsaklek Wonjongkam hat merkbar ein wenig nachgelassen in den letzten Jahren und ist bereits über den Höhepunkt seines Könnens hinaus, gilt aber weiterhin zu Recht als die unbestreitbare Nummer Eins des Fliegengewichts. Bei Edgar Sosa, den das Ring Magazin immerhin auf Platz Sieben der Gewichtsklasse sieht, ist es schwerer einzuschätzen wie viel er noch im Tank hat, da sein letzter großer Kampf, die umstrittene Niederlage gegen Mayol, nun schon fast zwei Jahre her ist und zudem in einer anderen Gewichtsklasse stattfand. Doch vor dem Mayol-Kampf sah der Mexikaner fantastisch aus, als er in den vier Kämpfen zuvor gegen vier gute Gegner, die später allesamt noch weitere Titelkämpfe bekamen, von denen Pornsawan Porpramook seinen sogar gewann, vier klare KO-Siege einfuhr.

Bei den Buchmachern ist der verteidigende Weltmeister Wonjongkam klarer Favorit, doch einen einseitigen Kampf sollte man keineswegs erwarten. In all zu vielen Bereichen unterscheiden sich die beiden nicht. Der größte Unterschied ist die Auslage – Wonjongkam boxt als Rechtsausleger, während Sosa Normalausleger ist. Ansonsten sind beide sehr gute Techniker mit schnellen, aber nicht atemberaubend flinken Händen. Die KO-Quote, die bei beiden um die 50 Prozenz liegt, spiegelt die ordentliche, aber nicht überragende Schlagkraft der beiden Kontrahenten wieder, und wenn man die zwei sehr soliden Kinne mit betrachtet, ist am Freitag von einem Kampf über die volle Distanz auszugehen. Meines Wissens nach war Wonjongkam erst einmal in seiner Profikarriere am Boden und wurde noch nie gestoppt. Sosa hat zwar zwei KO-Niederlagen in seinem Kampfrekord, doch diese stammen zum einen ganz früh aus seiner Karriere und zum anderen aus dem Mayol-Kampf nach dem Kopfstoß, der einen seiner Gesichtsknochen zertrümmerte.

Insgesamt nehmen sich beide nicht viel, was ihre Qualität angeht, doch die kleinen Vorteile liegen, denke ich, auf der Seite des Thailänders. Abgesehen davon, dass er zu Hause boxt, ist er mit 86 Profikämpfen deutlich erfahrener als Sosa. Zudem besitzt er einen etwas unorthodoxeren Stil und wird es gewohnter sein gegen Normalausleger zu boxen als es Sosa ist gegen Rechtsausleger anzutreten. Wenn man genauer hinguckt hat der Mexikaner sogar in seinen letzten zehn Kämpfen nur zwei Runden gegen einen Linkshänder im Ring gestanden. Sosa mag vielleicht die etwas schnelleren Hände haben, doch Wonjongkams exzellentes Auge und Timing gleichen das wieder aus. Zuletzt bleibt außerdem noch abzuwarten wie gut Sosa bei seiner ersten Standortbestimmung im Fliegengewicht wirklich ist und ob er körperlich voll in die Gewichtsklasse passt.

Alles in allem ist sicherlich ein hoch spannender Kampf zwischen zwei echten Weltklasseleuten zu erwarten. Hinter der Leistungsfähigkeit beider Boxer stehen kleine Fragezeichen – bei Wonjongkam wegen dessen Alter, bei Sosa inwieweit er in die neue Gewichtsklasse passt und wie gut er sich von der Mayol-Niederlage erholt hat – so dass der Ausgang sicherlich recht offen ist, aber als Favoriten sehe ich dennoch Pongsaklek Wonjongkam. Er dürfte das kleine bisschen mehr drauf haben um die engen Runden für sich zu entscheiden und am Ende mit einem Punktsieg seinen Rekord an Fliegengewichtstitelverteidigungen weiter auszubauen.

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1 Kommentar

  1. Ferenc H
    20. Oktober 2011 at 16:04 —

    Gegen Jerry Pahayahay hatte Pongsaklek Wonjongkam Durch KO verloren in der 5ten Runde unzwar am 11.7.1996 in Strohgewicht. Zumindenst laut Boxrec ist das so

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