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Vorschau: Paul Williams vs. Kermit Cintron

Zwei der besten Halbmittelgewichtler der Welt stehen sich am Samstagabend im Ring gegenüber. Kermit Cintron will gegen Paul Williams den größten Sieg seiner Karriere einfahren, während der „Punisher“ seine Stellung als einer der Topleute zwischen Welter- und Mittelgewicht bestätigen möchte. Die beiden ehemaligen Weltergewichtsweltmeister treffen in Kalifornien aufeinander.

Williams schlug zuletzt in einem der besten Kämpfe des letzten Jahres den neu gekrönten Mittelgewichtschamp Sergio Martinez knapp und etwas umstritten nach Punkten, und kam davor von Siegen gegen Winky Wright im Mittelgewicht und Verno Phillips im Halbmittelgewicht. Laut eigener Aussage kann er weiterhin noch das Weltergewicht bringen, jedoch scheinen sich dort keine Gegner für den oft zitierten „am meisten gefürchteten Boxer der Welt“ zu finden. Daher scheint seine Zukunft im Halbmittel- oder Mittelgewicht zu liegen. In beiden Gewichtsklassen könnte für ihn ein Rückkampf gegen Sergio Martinez anstehen, der bei den 154-Pfundern einen Titel hält und bei den 160-Pfundern sowohl linearer und Ring-Magazine-Weltmeister als auch der der WBC und WBO ist.

Kermit Cintron jedoch könnte diese Pläne durchkreuzen und seinerseits auf einen Rückkampf mit Martinez zusteuern. Cintron entführte ein mehr als schmeichelhaftes Unentschieden letztes Jahr von dem Argentinier, der Cintron ausknockte und später klar auspunktete. Direkt nach dem Kampf gelang Cintron der vielleicht beste Sieg seiner Karriere. Den ungeschlagenen und hoch gehandelten Mexikaner Alfredo Angulo, der inzwischen Weltmeister ist, boxte er in 12 Runden aus und sicherte sich eine verdiente Punktentscheidung. Dabei zeigte Cintron, der zuvor hauptsächlich für seine Schlagkraft bekannt war, dass er auch boxerisch etwas drauf hat, und der etwas eindimensionale Angulo hatte kaum Gelegenheit seine Physis auszuspielen.

Um gegen Paul Williams zu bestehen muss Kermit Cintron jedoch wohl von beidem einiges zeigen. Williams, dessen einzige Niederlage gegen einen agilen Konterboxer in Form von Carlos Quintana kam, wird sich nicht so leicht aus der Distanz beherrschen lassen wie es Alfredo Angulo tat, zumal Paul Williams aus der Distanz alle Trümpfe in seiner Hand zu haben scheint. Er vereint die Reichweite eines Schwergewichtlers mit der Aktivität eines Leichtgewichtlers und stellte auf diese Art und Weise schon einige Gegner vor große Schwierigkeiten. Zudem kann er auch durchaus zulangen, wenn es sein muss und boxt als Rechtsausleger. Die gute Nachricht für Cintron ist jedoch, dass Williams dabei die Defensive etwas vernachlässigt.

Trotzdem ist es nicht leicht diese Lücken in seiner Deckung auszunutzen. Sergio Martinez konnte aufgrund seiner enorm schnellen Hände immer wieder gute Treffer setzen, während Winky Wright zum Beispiel schier daran verzweifelte, dass Williams ihn die kompletten drei Minuten der Runde mit Hunderten von Schlägen in der Defensive hielt. Am Ende hatte Williams über doppelt so viele Schläge abgefeuert und hauptsächlich dadurch klar gewonnen. Kermit Cintron besitzt nicht die Schnelligkeit von Sergio Martinez und muss daher andere Wege finden zu Treffern zu kommen. Vor allem muss er jeden Treffer zählbar machen, das heißt er muss einiges an Schlagkraft in die Schläge reinlegen. Zwar besitzt Williams ein gutes Kinn, aber er kommt aus einem harten Kampf mit Martinez, in dem er auch selber am Boden war und könnte bei Volltreffern von Cintron durchaus ins Wackeln kommen.

Kermit Cintron hat sich unter Trainer Ronnie Shields beeindruckend entwickelt, und mich würde es nicht wundern, wenn wir am Samstag den besten Kermit Cintron aller Zeiten sehen. Dass es jedoch für einen Sieg reichen wird, bezweifele ich eher. Cintron sollte vor allem anfangs die eine oder andere Runde gewinnen können, doch ich denke, dass Paul Williams einfach ein zu hohes Tempo vorlegen wird, mit dem Cintron etwa ab der Hälfte des Kampfes nicht mehr mithalten können wird. Williams wird ihn mit seiner hohen Aktivität niederringen, und ob Cintron den Schlussgong hören wird, hängt wohl davon ab, wie er auf den Druck reagiert. Seine beiden offiziellen Niederlagen kamen gegen Antonio Margarito, und in beiden Kämpfen schien er irgendwann unter dem enormen Bruch psychisch einzubrechen. Nachdem jedoch Margarito mit illegalen Substanzen in seinen Handbandagen erwischt wurde, stehen auch die beiden Siege gegen Cintron etwas in Zweifel. Kann Cintron dem Druck von Williams einigermaßen standhalten, wird er meiner Meinung nach eine knappe Punktentscheidung verlieren. Ich würde es jedoch auch nicht ausschließen, dass Williams in den hinteren Runden Cintron stoppt.

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