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Vorschau: Paul Williams vs Erislandy Lara

Zwei Boxer, die etwas zu beweisen haben treffen am Samstag in New Jersey aufeinander. Paul Williams kommt frisch aus der schlimmsten Niederlage seiner Karriere, dem vernichtenden KO gegen Sergio Martinez in zwei Runden, während Erislandy Lara in seinem letzten Kampf gegen Carlos Molina nicht überzeugen konnte und nur ein Unentschieden erreichte. Zwar steht bei dem Kampf, der auf 12 Runden angesetzt ist, kein Titel auf dem Spiel, jedoch ist die Ansetzung nichtsdestotrotz hochkarätiger als manch ein Titelkampf derzeit. Zudem wird der Sieger sich wieder ganz vorne in die Reihe der potenziellen Titelherausforderer katapultieren. Der Name von WBC-Titelträger Saul „Canelo“ Alvarez geisterte zuletzt immer wieder als möglicher Gegner für den Sieger des Kampfes durch den Raum.

Für Paul Williams muss es eigentlich der Anspruch sein wieder möglichst schnell einen Gürtel in den Händen zu halten. Seit er vor ziemlich genau vier Jahren den WBO-Weltergewichtstitel von Antonio Margarito ergatterte, war der „Punisher“ in fünf Titelkämpfe im Welter-, Halbmittel- und Mittelgewicht verstrickt. Zwei Niederlagen musste er dabei hinnehmen, wobei er sich für die erste gegen Carlos Quintana innerhalb von vier Monaten mit einem Erstrunden-KO revanchierte. Die Siege über Margarito, Quintana, Winky Wright und Sergio Martinez brachten Paul Williams viel mediale Aufmerksamkeit und hohe Pound-For-Pound-Rankings, doch seit etwas mehr als anderthalb Jahren scheint seine Karriere eine Abwärtskurve zu nehmen.

Der Punktsieg im ersten Kampf gegen Martinez war bereits heftig umstritten, da die meisten Zuschauer den Argentinier knapp vorne sahen, und Williams schwache Vorstellung im darauf folgenden Kampf gegen Kermit Cintron, der in der vierten Runde ein bizarres Ende fand, half der Reputation des 29-Jährigen auch nicht unbedingt weiter. Williams gewann zwar einen technischen Punktentscheid, doch auch dieses Mal war die Entscheidung umstritten, auch wenn die Schlagzeilen sich eher auf Cintrons merkwürdigen Ausstieg aus dem Ring und aus dem Kampf fokussierten. Zuletzt ging Paul Williams dann eben in zwei Runden schwer KO gegen den amtierenden Mittelgewichtschamp, was seine Aktien weiter sinken ließ. Es wäre wohl übertrieben zu sagen, dass der Kampf mit Lara die letzte Chance für Williams ist sich wieder einen ähnlich guten Ruf zu machen wie er ihn vor ein paar Jahren hatte, als er als der am meisten gefürchtete Boxer der Welt galt, doch es steht definitiv fest, dass der Weg nach oben bei einer weiteren Niederlage deutlich steiniger werden würde.

Erislandy Lara kennt im Profibereich bisher ausschließlich den Weg nach oben. 2008 ins Profilager gewechselt, nachdem er aus Kuba geflohen war, erarbeite sich der ehemalige Topamateur und Amateurweltmeister schnell den Ruf als eines der am meisten versprechenden Talente des Sports. Auch wenn er in den Medien im Schatten seines ebenfalls aus Kuba geflüchteten Landsmann Yuriorkis Gamboa stand, dessen Aufstieg rasanter und spektakulärer war, hielten viele Experten doch Lara für das größere Talent mit der noch besseren Zukunft. Er erarbeitete sich einen Kampfrekord von 15 Siegen mit 10 KOs, größtenteils gegen schwächere Gegner, aber unter anderem auch in seinem zehnten Profikampf mit einem beeindruckenden TKO-Sieg über Grady Brewer, der vor wenigen Wochen erst wieder mit einem KO-Sieg über US-Talent Fernando Guerrero auf sich aufmerksam machte.

Doch dann kam im März der enttäuschende Kampf gegen Carlos Molina. Der Außenseiter machte Lara das Leben anfangs äußerst schwer, und Lara zeigte wenig von dem, was ihm den Ruf des sehr hoffnungsvollen Talents verschafft hatte. Seine Workrate ließ zu wünschen übrig, und er schien sich uncharakteristisch auf Einzelschläge und seine Schlagkraft verlassen zu wollen, was sich dadurch rächte, dass er die meisten Anfangsrunden abgab. Zum Ende des Kampfes kam er stärker auf, als Molina sichtbar nachließ, so dass er am Ende mit einem wohl gerechten Unentschieden entkam.

Die gleichen Fehler, die er gegen Molina gemacht hat, darf er gegen Williams nicht wiederholen. Wenn Lara auch am Samstag so eine niedrige Workrate an den Tag legt, wird er wohl eine klare Punktniederlage erleiden, da Paul Williams ihn dann mit seiner Unzahl an Schlägen schlicht ersticken und auspunkten wird. Williams schlägt außergewöhnlich viel für die Gewichtsklasse und bewegt sich häufig um die 100-Schläge-Marke pro Runde, während Lara in nur vier Runden gegen Molina mehr als 50 Schläge abfeuerte. Der Stil des US-Amerikaners könnte Lara allerdings ein wenig entgegenkommen. Williams ist mit 1,85 Metern so groß wie Schwergewichtler Eddie Chambers und hat mit 2,08 Metern eine größere Reichweite als Wladimir Klitschko, jedoch nutzt er diese physischen Parameter nicht zu seinem Vorteil. Er lehnt sich häufig in seine Schläge hinein und gibt damit seine Größe auf, und macht generell viele technische Fehler, die ihm häufig nur aufgrund seiner Schlagfrequenz und seines unangenehmen Stils nicht zum Verhängnis geworden sind. Zudem ist seine Defensive für einen Topboxer extrem dürftig.

Das Alles sollte Lara Chancen bieten. Der Kubaner ist äußerst ökonomisch und wartet mit seinen Schlägen bis er eine passende Gelegenheit sieht sie abzufeuern. Williams sollte ihm diese reichlich geben, und Laras exzellente Konter könnten dem „Punisher“ daher arge Probleme bereiten, auch wenn Laras beste Waffe, sein linker Aufwärtshaken, verhältnismäßig Wirkung gegen so einen größeren Gegner haben dürfte. Allerdings besteht genau so die Gefahr, dass Lara sich von dem ewigen Schlägehagel einlullen lässt, ein wenig wie es Winky Wright 2009 erging, als er immer wieder darauf wartete, dass Williams seine Kombination abschließen würde um Schläge ins Ziel zu bringen, während Williams Fäuste drei Minuten lang pro Minute beinahe ohne Pause auf ihn eintrommelten. Erislandy Lara wird ein wenig Risiko gehen müssen um Williams in Bedrängnis zu bringen. Tut er das, wird er meiner Meinung nach sicherlich die klareren Treffer landen, da er der präzisere und kompaktere Puncher ist und zudem defensiv Williams überlegen ist, auch wenn dies auch nicht Laras Spezialität ist. Dass die klareren Treffer jedoch für einen Sieg ausreichen, bin ich mir jedoch nicht sicher. Sergio Martinez landete im ersten Kampf auch die deutlich besseren Treffer, doch Williams pure Anzahl an Schlägen ließ ihn am Ende als Sieger da stehen, und ich könnte mir vorstellen, dass es am Samstag am Ende Lara ähnlich ergehen könnte. Ich erwarte einen tollen, hoch interessanten Kampf, in dem der Kubaner die besseren Treffer erzielt, der US-Amerikaner aber häufiger punktet und am Ende möglicherweise mit einem kontroversen Sieg da steht.

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6 Kommentare

  1. MainEvent
    7. Juli 2011 at 19:22 —

    Williams = Orangutan

  2. Ahmet
    7. Juli 2011 at 22:24 —

    MainEvent = Rassist

  3. 7. Juli 2011 at 22:58 —

    Ich glaube, MainEvent meinte einfach die langen Arme…

  4. Kano
    8. Juli 2011 at 04:48 —

    @adrivo
    Tja mann kann es oder so sehen.

  5. mr.bickle
    8. Juli 2011 at 08:02 —

    williams sollte sich vielleicht mal überdenken. klar, der jetzige kampf ist schon ne harte nuss, aber bei der größe sollte er vielleicht mal das supermittel in angriff nehmen!

  6. MainEvent
    8. Juli 2011 at 11:43 —

    @adrivo Danke! Für alle anderen, Berichtigung: Paul Williams hat die Reichweite eines Orangutans.

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