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Vorschau: Orlando Salido vs Kenichi Yamaguchi

Mexikanische Boxer sammeln meist wenig Amateurerfahrung und fangen schon in frühen Jahren mit dem Profiboxen an, wo sie dann durch harte Kämpfe und auch durch einige Niederlagen ihre Erfahrungen sammeln. Orlando Salido war gerade einmal 15 Jahre alt, als er sein Profidebüt gab, und sein Kampfrekord beinhaltet heute elf Niederlagen, fünf davon durch KO, und zwei Unentschieden, doch die frühen Herausforderungen haben ihn zu einem der härtesten derzeit aktiven Boxer gemacht, und der WBO-Federgewichtschampion genießt zurzeit den absoluten Zenit seiner Karriere. Am Samstagabend verteidigt er seinen Titel in Mexiko gegen den Japaner Kenichi Yamaguchi.

Salido gewann zwischen 1996 und 2001 nur elf seiner ersten zwanzig Profikämpfe, doch blieb stets am Ball, was sich auch schon bald auszahlte. Mit dem Reifeprozess folgten mehr Siege, und 2004 erhielt er seine erste Chance auf einen Titelkampf. In Las Vegas unterlag er aber Juan Manuel Marquez deutlich nach Punkten. Zwei Jahre später schlug er in einem Titelkampf Rodrigo Guerrero nach Punkten, doch der Titel wurde ihm später wieder aberkannt, nachdem er positiv auf Steroide getestet worden war. Wiederum zwei Jahre später scheiterte er denkbar knapp an Cristobal Cruz in seinem dritten Titelkampf, bevor er 2010 schließlich Cruz im Rückkampf besiegte und endlich zu Titelehren kam. Das große Geld winkte, doch in einem Titelvereinigungskampf musste er sich dem Kubaner Yuriorkis Gamboa geschlagen geben, und war daher seinen Titel direkt wieder los, allerdings nicht ohne dem ungeschlagenen Gamboa einen guten Kampf geliefert und ihn niedergeschlagen zu haben. Als Mittel in einem ständigen Quervergleich zwischen Gamboa und dem puertoricanischen Superstar Juan Manuel Lopez sollte Salido nun gegen Lopez in den Ring steigen. Der Plan war, dass Lopez und Gamboa, beide ungeschlagen, bald darauf in einem Superkampf aufeinander treffen sollte, doch Salido machte dem Ganzen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Überraschend stoppte der Mexikaner Lopez und machte sich damit nicht nur zum WBO-Weltmeister, sondern auch endgültig zu einem der Top Federgewichtler der Welt.

Diesen Nachweis muss Kenichi Yamaguchi noch erbringen. In 21 Kämpfen sammelte er 17 Siege bei einer Niederlage, zwei Unentschieden und einem No Contest. Letzterer kam in seinem bislang größten Kampf zustande, als er in Australien gegen Billy Dib antrat. Yamaguchi schlug den Heimboxer in der ersten Runde nieder, doch rutschte bald darauf in derselben Runde aus und Dib verpasste Yamaguchi einen Schlag, während dieser am Boden war. Dib wurde ursprünglich zum Sieger erklärt, obwohl er hätte disqualifiziert werden müssen, doch im Nachhinein wurde das Ergebnis zu einem No Contest umgeändert. Bis dahin war Yamaguchi der bessere Mann im Ring gewesen. Ansonsten fehlen Yamaguchi allerdings die ernstzunehmenden Gegner und die computergenerierte Rangliste von BoxRec führt ihn gerade einmal an Stelle 130 der Welt.

Im Kampf mit Dib hatte Yamaguchi aber schon seine Qualitäten. Er schien sehr schnell auf den Beinen zu sein, war sehr energiegeladen und hatte auch durchaus schnelle Fäuste. Allerdings schien seine Technik eher unausgereift, da er oft in seine Schläge hinein fiel oder sogar in sie hinein sprang. Er wird zudem am Samstag das Problem haben, dass er der körperlich deutlich schwächere Mann sein wird. Yamaguchi verbrachte den Großteil seiner Karriere im Superbantamgewicht und trifft nun auf den vielleicht physisch imposantesten Federgewichtler der Welt. Orlando Salido ist unheimlich zäh, auch wenn er früh in seiner Karriere fünf KO-Niederlagen kassierte. Die beiden wahrscheinlich härtesten Puncher der Gewichtsklasse, Yuriorkis Gamboa und Juan Manuel Lopez hatten arge Probleme ihn zu beeindrucken, und das obwohl er nicht der größte Defensivkünstler ist. Sein Granitkinn ist für seinen Stil auch unerlässlich, da er mit großartiger Kondition zwölf Runden lang nach vorne marschiert um seinen Gegner methodisch zu zermürben. Dabei vertraut er auch auf seine sehr gute Schlagkraft, und es ist wohl sehr fraglich, ob Yamaguchi dem Druck und der Power von Salido zwölf Runden lang standhalten kann.

Am Anfang könnte der Japaner durchaus Probleme bereiten, da er wohl schneller ist und so eine Überfalltaktik sich zu Nutzen machen kann, die Salidos Druck und seine überlegene Infighttechnik negieren könnte. Doch nach ein paar Runden sollte sich das Blatt dann wenden und Salido immer mehr dominieren. Er ist einfach der um eine Klasse bessere Boxer mit dem stilistischen Vorteil, dem Publikum im Rücken und auf dem Höhepunkt seiner Erfolgswelle. Ich gehe davon aus, dass er Yamaguchi durch seinen Druck irgendwann in der zweiten Kampfeshälfte KO schlagen wird und seinen Titel erfolgreich verteidigen wird.

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